Bewegung mal anders - Trendsport im öffentlichen Raum

Bewegung mal anders - Trendsport im öffentlichen Raum

Vor allem jetzt bei schönem Sommerwetter kann man es in Parks, in Grünanlagen und öffentlichen Plätzen wahrnehmen: Das Interesse an Trendsportarten nimmt immer weiter zu und gleichzeitig entstehen immer neue Bewegungsformen, die begeistert von Freizeitsportlern angenommen werden. Viele dieser Sportarten haben sehr große Anhängerschaften, andere werden nur von einem kleinen Kreis von Bewegungsfreunden ausgeführt. Doch was ist eigentlich Trendsport? Welche Sportarten spielen da zurzeit eine wichtige Rolle? Und wie kann man den Freizeitsportlern Platz zur Ausübung im öffentlichen Raum geben?

Der Begriff „Trendsport“ ist in sich schon etwas irreführend und bei den Anhängern der jeweiligen Bewegungsform stets unbeliebt, da er doch eine Kurzlebigkeit suggeriert, die natürlich nicht gewünscht und in den meisten Fällen auch gar nicht zutreffend ist. Viele Trendsportarten gibt es schon sehr lange, einige schon Jahrzehnte lang. Dazu muss man bedenken, dass es auch einige Zeit dauert, bis eine neu entwickelte Sportart überhaupt in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gerät, also überhaupt „Trend“ werden kann. In den Augen vieler sind „Skateboarden“, „BMXen“ und „Klettern“ klassische Beispiele für Trendsportarten. Allerdings gibt es im Vergleich mit den „etablierten“ Sportarten kaum noch Unterschiede aufzuweisen. Es gibt professionelle internationale Wettkampfveranstaltungen, nationale Wettbewerbssysteme, sehr große Anhängerschaften und Skateboard und Sportklettern werden sogar bei den kommenden Olympischen Spielen in den Wettbewerb mitaufgenommen. Damit sind sie eigentlich schon von den Trendsportarten in den Kreis der etablierten Sportarten aufgerückt, aber trotzdem werden sie in der Wahrnehmung immer noch ersteren zugeordnet.

Um dies zu verstehen, muss man den Begriff „Trendsport“ etwas näher beleuchten. Mit „Modetrends“ darf man es nicht vergleichen, denn ein „Trendsport“ ist nur sehr selten eine Modeerscheinung, es ist eher eine Ausdrucksform von Bewegungsdrang und Sportbegeisterung. Man verbindet damit eine lockere oder etwas intensivere Freizeitgestaltung, aber gleichzeitig eine Bodenständigkeit und einen Zugang zur breiten Masse der Bevölkerung. Die etablierten Sportarten werden u.a. mit Tradition, konservativer Kleidung, starrem Regelwerk und Professionalität verbunden. Trendsportarten, auch wenn sie wie das Skateboarden beispielsweise schon Jahrzehnte alt sind, zeigen sich modern, locker, ungezwungen und mit einem leichteren Zugang für jedermann dar. Ein Skateboarder, ein Kletterer, ein Bungeespringer oder ein BMXler stellen in den Augen vieler einen ganz anderen Typ Sportler dar, als beispielsweise ein Fußballer, ein Turner, ein Ruderer oder ein Schwimmer. Dabei sind diese Unterschiede, wie bereits erwähnt, oft gar nicht vorhanden, denn nicht nur viele Trendsportarten sind etabliert, auch viele etablierte Sportarten verändern sich, werden moderner und die Sportler stellen sich anders dar als früher. Viele NBA-Basketballer haben z.B. heute eher die Attribute, die hier einem Trendsportler zugeordnet wurden.

Man kann also Trendsportarten durchaus differenzieren: es gibt u.a. etablierte Trendsportarten, neuere Trendsportarten, „recycelte“ Trendsportarten und Bewegungstrends. Man kann es sicher noch weiter unterteilen, aber diesen vier Gruppen kann man schon viele Trendsportarten zuordnen. Die etablierten Trendsportarten haben wir ja schon oben benannt (Skateboarden etc.). Moderne Trendsportarten haben auch bereits einen großen Anhängerkreis, eine sogenannte Szene, sie sind aber noch jünger und die Strukturen müssen mehr oder weniger noch wachsen oder sie sind in ihrer Struktur meist sehr individuell. Sportarten wie Calisthenics und Slacklinen gehören hier z.B. dazu, aber auch Jugger oder Bike-Polo. „Recycelte“ Trendsportarten, was nicht abwertend gemeint ist, sind entweder klassische Sport- und Bewegungsformen im neuen Gewand oder Ableger etablierter Sportarten. Hierzu zählen z.B. Streetball, Futsal oder Trampolinspringen. „Bewegungstrends“ können entweder ganz neue Trendsportarten sein, die noch eine sehr begrenzte Anhängerschaft haben und die mitunter dann doch schnell aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwinden oder es sind Bewegungsformen, die wirklich rein individuell sind.

Letztendlich ist es aber auch egal, welcher Unterteilung man jetzt welche Trendsportart zuordnet, wichtig ist die Bewegung an sich und vor allem die Freude daran. Und da die Lust an Sport und Bewegung vor allem im Freien in der Bevölkerung in den letzten Jahren stetig ansteigt, ist auch die Zahl der „Trendsportler“ deutlich gewachsen. Die immer größer werdende Vielfalt an Bewegungsformen bietet für fast jeden etwas an und von daher ist „Sport als Trend“ sicherlich der Hauptentstehungsgrund für die vielen Trendsportarten.

Die Begegnung mit dem öffentlichen Raum ist bei den meisten Trendsportarten, vor allem bei den neueren, eine Anpassung an den öffentlichen Raum. Dies ist leicht zu erklären: Die Notwendigkeit der Errichtung komplizierter Sportstätten würde in meisten Fällen das Wachsen der Trendsportarten verhindern, denn erst eine große Anhängerschaft würde überhaupt zur Errichtung führen, die kann aber nicht ohne entsprechende Sportstätten entstehen. Ausnahmen sind von der Privatwirtschaft geförderte „Trendsportarten“, die direkt mit fertigen Sportanlagen die Trendsportler anlocken. Die meisten Trendsportarten aber nutzen den öffentlichen Raum, so wie er ist, und passen sich an ihn an. Eine grüne Wiese kann dabei ausreichen, aber auch Stadtmöbel, Grünbepflanzungen, öffentliche Plätze und Bauwerke werden in einige Sportarten miteinbezogen. Wo es keine Skaterbahn gibt, findet man die Skater beispielsweise meist in der Innenstadt, auf Schulhöfen oder überall dort, wo die Stadtgestaltung zu ihrem Sport passt. Hierbei kommt es allerdings auch oft zu Konflikten, nicht nur mit anderen Nutzern der öffentlichen Anlagen, auch gibt es bei diesen Zweckentfremdungen Schäden an Stadtmöbeln oder Grünanlagen. Deshalb ist es wichtig den Trendsportlern Räume zu geben, wo sie die Möglichkeit haben sich jeweils „auszutoben“, ohne dass es Konflikte gibt. Beispielsweise Rasenflächen, Betonflächen oder Fallschutzflächen ohne besondere Funktion, einfach als Ort der Bewegung. Hier bieten sich gerade Parks und Freizeitareale an, aber auch Innenstädte sollten sich den Sportlern nicht ganz verschließen. Denn gerade in der heutigen Zeit von Youtube, Instagram und Co, ist im Trendsport der Hang zur Selbstdarstellung größer denn je. Es geht nicht nur um eine sportliche Betätigung oder eine Freizeitgestaltung, es geht auch darum sich und sein Können zu präsentieren, sich der Öffentlichkeit zu zeigen. Es ist (meistens) kein Narzissmus, es ist eine Ausdrucksform der gesellschaftlichen Interaktion, des Umgangs mit seiner Außen- und Umwelt und eine Form der Kommunikation im sozialen Umfeld. Viele Trendsportler suchen die Öffentlichkeit und das Gefühl gesehen zu werden treibt sie an und motiviert sie ihre Bewegung fortzuführen. Ein Fußballer im Bundesligastadion erlebt ähnliches auf großer Bühne.

Es ist also wichtig den öffentlichen Raum dem Trendsport zu öffnen und wachsenden Trendsportarten auch eigene Räume zur Verfügung zu stellen. Gerade dann, wenn es bereits eine größere Anhängerschaft gibt und man Zweckentfremdungen anderer öffentlicher Einrichtungen damit verhindern kann. Damit fördert man nicht nur Sport und Bewegung, man schafft gleichzeitig auch ein vielseitiges und modernes Stadtbild, in dem es eine Vielzahl von Möglichkeiten zur aktiven Betätigung gibt und man Räume zur freien Entfaltung findet. Es gilt dabei den Sport nicht ein- oder auszugrenzen, sondern in die Stadtgestaltung mit einzubeziehen. Trendsportler werden sich in den meisten Fällen den Platz suchen und einnehmen, den sie als den am besten geeignetsten empfinden, da helfen auch keine Zäune oder Ausweichflächen. Eine offene Stadtgestaltung mit multifunktionellen Räumen und einer Offenheit für Sport- und Bewegung sollte daher das Ziel sein. Denn letztendlich ist doch ein bewegtes und aktives Miteinander wünschenswert.

Um abschließend einen kleinen Einblick in aktuelle Trendsportarten und Bewegungstrends zu geben werden im Folgenden noch ein paar ausgewählte Trendsportarten benannt und kurz beschrieben:



Slackline: Das moderne Seiltanzen. Ein dynamisches Band unterschiedlicher Breite wird in Bodennähe aufgespannt und darauf Gleichgewichts- und Koordinationsübungen durchgeführt. Oftmals werden Slacklines an Bäumen aufgespannt, was zu Schäden führen kann. Besser sind spezielle Befestigungselemente in öffentlichen Anlagen.

Trampolin: Als Turngerät und auch auf Spielplätzen ist es seither sehr beliebt und hat schon lange Tradition, aber gerade das Trampolin erlebt derzeit eine nie dagewesene Renaissance. Vor allem Erwachsene entdecken das gesundheitsfördernde Springen und vielerorts entstehen sogenannte Jump-Houses und andere Freizeiteinrichtungen, die das Trampolinspringen mit actionreicher Bewegung verbinden.

Jugger: In mittlerweile vielen Städten zuhause. Zwei Mannschaften „kämpfen“ ausgerüstet mit gepolsterten Stäben, Keulen, Schildern und Ketten um einen Schaumstoffball, der in einem Tor versenkt werden muss. Was wüst aussieht, ist aber relativ friedlich und durch offizielle Regeln reglementiert. Hier fließen verschiedene körperliche und taktische Sportarten mit ein.

Calisthenics: Turnen und Körperkultur in seiner modernen Form. Vor allem Reck und Barrenbewegungen spielen hier eine wichtige Rolle. Kraft und Ausdruck werden unter freiem Himmel trainiert und zur Schau gestellt. In Amerika und Osteuropa schon lange ein Trend, wird auch in Deutschland und Mitteleuropa die Szene immer größer. Da oft auch Kinderspielplätze von den Sportlern zweckentfremdet werden, ist hier die Installation einer speziellen Anlage ratsam.

Crossgolf: Golfen außerhalb des Golfplatzes ohne Löcher und Punkte. Natürlich nicht ganz ungefährlich, weshalb brachliegende, verlassene Grundstücke und weiträumige Grünanlagen sich anbieten.

Fahrrad-Polo: Die englische Traditionssportart auf dem Drahtesel. Gute Ausrüstung ist hier natürlich ein Muss. Eine sehr actionlastige Sportart mit größer werdender Anhängerschaft.

Longboard: Eigentlich ein Vorläufer des Skateboards, nun aber wieder schwer angesagt. Hier geht man nicht in Halfpipe, Bowl oder grindet, hier steht das Rollen an sich wieder im Vordergrund. Es bietet eine höhere Geschwindigkeit, mehr Fahrstabilität und eine größere Variation an Fahrstilen.

Discgolf: Hier werden wie auf dem Golfplatz mit der Frisbee verschiedene Ziele anvisiert. Wer es in weniger Versuchen über die Distanz schafft das Ziel zu treffen, hat gewonnen. Es gibt auch spezielle Freizeiteinrichtungen, wo man verschiedene Ziele auf einem Cours abarbeiten muss.

Parkour: Schon seit einigen Jahren sehr angesagt. Man bewegt sich durch die Stadt und nimmt Hindernisse artistisch und turnerisch mit. Erfordert sehr viel Körpergefühl. Nicht ungefährlich, deshalb gibt es gerade für Jugendliche spezielle Anlagen, die nach Sicherheitsaspekten entstanden sind. Die werden gut angenommen.

Crossminton: Badminton draußen, ohne Netz. Auf variablen Untergrund spielbar. Zwei Spieler / Teams stehen in auseinanderliegenden Quadraten möglichst schnell den Federball zuzuspielen. Wer den Ball nicht zurückspielt oder berührt kriegt einen Minuspunkt.

 

TT

 

Foto: playparc GmbH

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