Bewegungsplan 2017 – Großes Interesse an nachhaltiger Spielplatzplanung

Bewegungsplan 2017 – Großes Interesse an nachhaltiger Spielplatzplanung

Am 04. und 05. April 2017 fand im Maritim Hotel am Schlossgarten in Fulda das diesjährige Bewegungsplan-Plenum des Playground + Landscape Verlages statt. Rund 170 Teilnehmer nutzen die Möglichkeit spannenden und informativen Vorträgen beizuwohnen und an themenvertiefenden Workshops teilzunehmen. Das Oberthema der diesjährigen Veranstaltung lautete „Nachhaltige Qualität in der Planung von Spiel- und Bewegungsräumen“ und das Programm war anhand von fünf Themenaspekten erstellt worden. 16 Referentinnen und Referenten gaben dabei ihr Fachwissen an die Teilnehmer weiter und trugen somit maßgeblich zum Gelingen des Plenums bei. Abgerundet wurde das Seminar durch das angenehme Flair des Veranstaltungshauses und der schönen Barockstadt Fulda.

Es war gefühlt erst vor kurzem gewesen, als das Bewegungsplan-Plenum aus der Taufe gehoben wurde und schon stand die bereits fünfte Auflage der Veranstaltungsreihe vor der Tür. Zur Freude der Organisatoren hatte sich wieder eine Vielzahl von Teilnehmern angekündigt und die Vorbereitungen waren auch sehr gut verlaufen, so dass man mit einem inhaltlich attraktiven und vielseitigen Programm aufwarten konnte. Auch das Wetter spielte wieder mit und so strahlte die Sonne von außen in den Festsaal des Hotels, als das Bewegungsplan-Plenum 2017 am Morgen des 04. April eröffnet wurde.

Auf den Wunsch vieler Teilnehmer des letzten Jahres hielt auch in diesem Jahr Frau Prof. Renate Zimmer von der Hochschule Osnabrück das Auftaktreferat der diesjährigen Veranstaltung. In ihrem Vortrag „Bewegung bildet – mit jedem Schritt wachsen wir“ erklärte sie anschaulich, wie körperliche Aktivität die kognitiven Fähigkeiten fördert. Anschließend stand der Themenkomplex „(Partizipative) Spielplatzplanung auf dem Programm. Die Landschaftsarchitektin Yvonne Göckemeyer präsentierte zunächst ein Projekt aus Solingen, in dem Freianlagen einer Wohnsiedlung neugestaltet wurden, bevor der Landschaftsarchitekt Martin Gasse die Planung und die Errichtung von „Europas längstem Spielgerät“, welches in Medebach im Sauerland steht, vorstellte. Zum Abschluss des Themenkomplexes gab die Stadtplanerin Päivi Kataikko-Grigoleit Auskunft über den Masterplan zur Gestaltung einer kinder- und  jugendfreundlichen Innenstadt im nordrhein-westfälischen Kleve. Bei allen drei Vorträgen stand neben den planerischen Details vor allem der dazugehörige Prozess der Nutzerbeteiligung im Vordergrund.

Nach der Mittagspause stand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Rückbau von Spielflächen“ auf dem Programm. An dieser Diskussion nahmen Frau Claudia Neumann vom Deutschen Kinderhilfswerk e.V. und Herr Dr. Klaus-Peter Timm-Arnold von der Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen teil. Bevor die Diskussion startete, hatten die beiden Teilnehmer die Möglichkeit, ihren Standpunkt in einem Kurzreferat darzustellen. Herr Dr. Timm-Arnold legte anhand von Zahlen und Fakten die Problematiken der öffentlichen Haushalte dar, wo oft das Geld zum Erhalt von Spielflächen fehlt. Frau Neumann gab u.a. zu Bedenken, dass der Stellenwert der Spielflächen in den Kommunen oftmals nicht besonders hoch sei, viele Flächen aufgrund ihrer attraktiven Lage interessant für Investoren von Bauvorhaben seien und einmal verschwundene Spielflächen in der Regel zukünftig nicht wiedererrichtet würden. Anhand der unterschiedlichen Standpunkte entwickelte sich eine spannende Podiumsdiskussion, in der auch die Fragen des Publikums nicht zu kurz kamen. Eine ausführlichere inhaltliche Darstellung ist in einer kommenden Ausgabe von Playground@Landscape geplant.

Im Anschluss an die Diskussion fanden die Workshops des diesjährigen Bewegungsplanes statt. In einer Wiederauflage des Sicherheitsworkshops unter dem Thema „Die Norm: Verteidigung und Weiterentwicklung“ diskutierten die Referenten Friedrich Blume (DEULA WAF), Peter Schraml (Massstab Mensch) und Mario Ladu (spielplatzmobil) ausgesuchte Praxisbeispiele mit den Teilnehmern. Im Workshop „Spielplatzplanung in Fulda“ stellte die Landschaftsarchitektin Tatjana Heil bei einer Exkursion Spielplatzprojekte direkt vor Ort vor. Dabei nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit über das jeweilige Projekt zu diskutieren und sich über Grundlagen der Planung auszutauschen. Im Workshop „Planung und Finanzierung von öffentlichen Bewegungsparcours“ informierte der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Lüder Bach (Universität Bayreuth) über Grundsätze und Statistiken zur Errichtung von Bewegungsfreianlagen und im Workshop „Was bedeutet Inklusion für den Spielplatz“ erklärte die Landschaftsarchitektin Martina Hoff, welche Voraussetzungen für die Gestaltung eines inklusiven Spielareals wichtig sind und wie eine erfolgreiche Umsetzung gelingen kann.

Im Anschluss an die Workshops trafen sich alle Teilnehmer zu Abendessen und Get-together im atmosphärischen Wappensaal des Veranstaltungshotels.

Am Morgen des 5. April wurde das Programm mit dem Themenkomplex „Bewegung und Trend“ fortgesetzt. Der Sportwissenschaftler Mathias Steiln von der TU Braunschweig erläuterte zunächst, wie es gelungen war mit Hilfe von Sponsoring einen attraktiven Outdoor-Fitnesspark an der Universität zu errichten. Anschließend führte Prof. Dr. Lüder Bach in seinem Vortrag aus, warum Bewegungsparcours eine große Bedeutung für die Stadtentwicklung haben und stellte dabei vor allem den gesundheitlichen Nutzen in den Vordergrund.

Nach einer Kaffeepause stand mit dem alljährlich wiederkehrenden Themenkomplex „Spielplatzsicherheit“ der letzte Themenkomplex auf dem Programm. Zunächst stellte Herr Hans-Peter Barz vom Grünflächenamt Heilbronn ein Spielplatzprojekt seiner Stadt vor, welches ohne Sicherheitsnormenverletzungen nur aufgrund des subjektiven Sicherheitsempfindens von Nutzern nach Fertigstellung nochmal sicherheitstechnisch überarbeitet werden musste. Passend dazu widmete sich Herr Dr. Dieter Breithecker (BAG für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V.) in seinem Vortrag anschaulich mit der Notwendigkeit von Risikoerfahrung für die kindliche Entwicklung, ohne die eine spätere Risikokompetenz nicht möglich ist. „Fallen lernt man nur durch fallen“ lautete seine Botschaft an die Teilnehmer. Damit im Falle des Sturzes auf dem Spielplatz aber alles halbwegs glimpflich ausgeht, war das Thema „Fallschutz“ Mittelpunkt des letzten Vortrags. Herr Dennis Frank (Institut für Sportstättenprüfung) stellte Vor- und Nachteile verschiedener Fallschutzmateralien vor und Friedrich Blume erklärte die dazugehörigen Voraussetzungen der Sicherheits-Norm.

Nach diesem Vortrag, einer kurzen Abschlussdiskussion und dem anschließenden Mittagessen war das diesjährige Bewegungsplan-Plenum dann beendet. Bereichert mit vielen neuen Informationen, tollen Innovationen und dem Austausch mit Teilnehmern des eigenen Fachbereiches traten die Besucher des Bewegungsplan-Plenums die Heimreise an. Die Organisatoren des Bewegungsplan-Plenums konnten nun auf eine erfolgreiche Veranstaltung zurückblicken, die eine Vielfalt an Themen rund um Spiel- und Bewegungsanlagen aufbieten konnte. Der Dank gilt neben dem herausragenden Einsatz der Referentinnen und Referenten auch den Sponsoren des Bewegungsplan-Plenums, ohne deren Engagement das Plenum in seiner solchen Form nicht möglich gewesen wäre.

Aber auch in diesem Jahr gilt: nach dem Bewegungsplan ist vor dem Bewegungsplan. Der Termin für 2018 steht bereits: am 17. und 18. April findet die sechste Auflage des Plenums statt. Aktuelle Informationen dazu (ab Herbst 2017) und auch viele Vortragsunterlagen aus diesem und den vergangenen Jahren finden sich auf www.bewegungsplan.org.

 

TT

 

Foto: Playground + Landscape Verlag GmbH

 

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