Spielhöfe - Schulhöfe als öffentliche Spielplätze

von Rudolf Zeevaert

Spielhöfe - Schulhöfe als öffentliche Spielplätze

Die Grundstücke, die sonst für Spielflächen – wenn überhaupt – nur schwer und teuer zu bekommen wären, stehen bereits kostenlos zur Verfügung. Der Nürnberger Stadtrat war in seiner weisen Entscheidung bereits 1955 seiner Zeit weit voraus, als er alle Schulhöfe an Nachmittagen zum Spielen freigab. Schulhöfe wurden zwar damit zu öffentlichen Spielflächen, die Ausstattung fehlte aber noch. Nach ersten zaghaften Versuchen in den 80er Jahren konnte 1992 endlich der erste echte Spielhof (Knauerschule) zur Freude der Kinder Betrieb gehen. Aber auch am Stadtrand mangelt es oft an öffentlichen Spielflächen. Versäumnisse der Stadtplanung aus früheren Jahrzehnten machen sich da bemerkbar. Und so sind es heute wiederum die Pausenhöfe, die als Spielplatzgrundstücke meist unproblematisch in Frage kommen. In Nürnberg sind gut die Hälfte aller Schulhöfe zu Spielhöfen (46) umgebaut worden. In den dicht bebauten Gebieten erfüllen sie die Funktion eines Quartierspielplatzes definiert nach der DIN 18034.

Durchwegs konnten dabei positive Erfahrungen gemacht werden:
Spielhöfe sind für Kinder sichere, vertraute Orte. Der Weg dorthin ist bekannt. Eltern wissen ihre Kinder dort oft besser aufgehoben als auf anderen Spielplätzen, obwohl auch dort keine Betreuung vorhanden ist. Mädchen suchen erfahrungsgemäß häufiger Spielhöfe auf als öffentliche Spielplätze. Vandalismusschäden findet man auf Spielhöfen kaum.
Spielhöfe bereichern natürlich auch den Schulalltag. Die Attraktivität fördert Austoben und Bewegung in den Pausen. Dadurch können die Kinder wieder aufmerksamer dem Unterricht folgen. Ohnehin ist Bewegung ganz wichtig für die Kindesentwicklung – gerade in der heutigen durch elektronische Medien geprägten Zeit. Spielhöfe können den manchmal ausgefallenen Sportunterricht zwar nicht ersetzen, aber immerhin Bewegung und Koordination fördern. Sie können den Unterricht z.B. in Biologie, Kunst und Sport bereichern.
Das Inklusionsgesetz, das Behinderte und Nichtbehinderte in eine Schule bringen soll, ändert in Nürnberg nichts an den Gestaltungsgrundlagen. Schon seit etlichen Jahren werden hier die „Leitlinien für die Integration für Kinder mit Einschrän-kungen“ für alle Spielplätze und Spielhöfe angewandt.

Es gibt hin und wieder aber auch Schattenseiten:
Nicht selten haben Anwohner etwas gegen Spielhöfe, weil sie Kinderlärm für unzumutbar halten. Lehrer haben Ängste, dass der bisher beherrschbare Pausenhof außer Kontrolle geraten könnte. Beides traf bei der Planung des Spielhofes an der Volksschule Scharrerstraße zu. Es dauerte zwei Jahre. Die Stadt gewann einen Prozess gegen die Nachbarn, den diese angestrengt hatten. Das staatliche Schulamt überzeugte schließlich die Lehrer mit etwas Druck. Der Spielhof konnte gebaut werden. Die Ängste der Lehrer bestätigten sich bisher nicht.

Baurechtlich sind Spielhöfe mit öffentlichen Spielflächen gleichzusetzen und sind in den meisten Fällen genehmigungsfähig, obwohl sie bauleitplanerisch i.d.R. nicht als öffentliche Spielplätze gesichert sind. Allerdings stellen Schulsportplätze (Ballsportplätze) für eine öffentliche Nutzung auch nach der neuen Lärmgesetzgebung für Kinderspielplätze ein Problem dar, wenn sie gleichzeitig als Pausenhoffläche genutzt werden und nicht klar abtrennbar sind. Am Pirckheimer-Gymnasium lag genau diese Situation vor. Der Allwettersportplatz wäre zum öffentlichen Bolzplatz geworden. Nachbarn gingen dagegen vor und die Bauordnungsbehörde verweigerte die Genehmigung. Da half es auch nichts, dass der Leiter des benachbarten Altenheims einen Spielhof begrüßte: „Alte Menschen müssen sich durchaus mal über Kinder und Jugendliche aufregen dürfen, das hält sie jung.“

Achtung Spielplatz!

Auf ein paar Dinge muss man bei der Spielgeräteausstattung achten:
Beispiel 1: In der Volksschule St. Johannis stand zunächst nur ein Spielplatzgerät auf dem Hof. In den Schulpausen gab es Gerangel und es kam zu Unfällen (Gott sei Dank keine schlimmen!). Erst durch das Aufstellen weiterer Geräte im nächsten Bauabschnitt entspannte sich die Lage. Deshalb sollte gerade bei der Startfinanzierung darauf geachtet werden, dass genügend Geld da ist, um mehrere (kleinere) Spielangebote gleichzeitig zu schaffen.

Beispiel 2: Die Schüler des Sigena-Gymnasiums wünschten sich u.a. eine Netzschaukel. Wir Fachleute warnten davor, dass im Pausenbetrieb die Bewegungsmasse solcher Geräte von spielenden und rennenden Kindern oft nicht richtig eingeschätzt wird. Die Lehrer versprachen aber, durch Organisation der Pausenaufsicht für die Sicherheit zu garantieren. Schließlich handle es sich ja um Gymnasiasten, die vorausschauend denken könnten. Kaum ging der Spielhof in Betrieb, kam der erste Hilferuf bei den Behörden an.

Planung in Nürnberg

Bevor in Nürnberg ein Spielhof geplant wird, schließen alle Beteiligten einen gemeinsamen Kontrakt ab. Darin wird neben der Finanzierung der Ablauf von der Planung über die Realisierung bis zum Betrieb und Unterhalt geregelt. Bei der Planung werden vor allem die Kinder intensiv durch zwei Nutzerbeteiligungen einbezogen.
Die Finanzierung von Spielhöfen kann die Stadt Nürnberg längst nicht mehr alleine leisten und ist deshalb immer mehr auf Zuschüsse und Spenden angewiesen. In der Nürnberger Südstadt war der Mangel an öffentlichen Spielplätzen durch die dichte Bebauung am größten. Mit Hilfe vom Zuschussprogramm der Europäischen Union (Ziel 2) konnten drei Spielhöfe in diesem Gebiet entstehen. Einer davon ist an der Sperberschule.
Andere Finanzierungsquellen, wie Stadterneuerungsmittel, werden dort eingesetzt, wo es möglich ist. Zum Beispiel wurden Mittel aus dem Bundesprogramm „Soziale Stadt“ in der Nürnberger Siedlung Nordostbahnhof beantragt und der Spielhof an der dortigen Konrad-Groß-Schule bezuschusst.
Seit einigen Jahren existiert zudem das städtische Programm „Aus 1 mach 3“. Das heißt die Finanzierung eines Drittels erfolgt durch Bürgerinitiativen über Spenden und Spendenleistungen, den Rest bringt die Stadt auf. Nicht zuletzt engagiert sich eine Stiftung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (wbg), die auf Antrag von Elterninitiativen Zuschüsse zahlt.
Das Erfolgsgeheimnis des Nürnberger Spielhofkonzeptes liegt vor allem an der über viele Jahre hinweg gut funktionierende Zusammenarbeit mehrer Dienststellen, insbesondere Jugendamt, Servicebetrieb öffentlicher Raum (früher Gartenbauamt), Schulreferat und Amt für Wohnen und Stadterneuerung. Widerstände und Ängste von Lehrern, Eltern oder Nachbarn, die manchmal auftreten, können nur überzeugend ausgeräumt werden, wenn alle Ämter an einem Strang ziehen und die politische Unterstützung über viele Jahrzehnte uneingeschränkt vorhanden ist.

Weitere Beispiele

An der Carl-von-Ossetzky-Schule im Nürnberger Westen konnte vor kurzem ein Spielhof entstehen. Das Projekt wurde von der Kukuk GmbH zusammen mit den Schülern geplant und ausgeführt.

Der Spielhof Bartholomäusschule in Nürnberg entstand in Gemeinsamer Arbeit von Schülern und des Bautrupps des Servicebetriebes öffentlicher Raum, der gleichzeitig Landschaftsgärtnerlehrlinge ausbildet.

In der Nürnberger Altstadt bot sich die Gelegenheit, am Johannes-Scharrer-Gymnasium im Rahmen der Schulgebäudesanierung auch einen Spielhof zu schaffen, der das hohe Spielflächendefizit in diesem Stadtteil mindert. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, da der Hof auf dem Dach der Schule liegt und deshalb die Montage von Spielgeräten nur bedingt möglich war. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein moderner, attraktiver Spielhof mitten in der historischen Altstadt.

Am sonderpädagogischen Förderzentrum der Nachbarstadt Schwabach gibt es einen ökologisch gestalteten Spielhof. Konzeption und Gestaltung des ehemaligen Kasernenhofes war eine fantastische Leistung von Schülern, Lehrern und Eltern, die auch die Pflege übernahmen. Die Nutzung im Pausenbetrieb, Unterricht und als öffentlicher Spielhof ist ein Erfolg. Jährliche Projektwochen u.a. auch unter Beteiligung von Künstlern ergänzten das Angebot und bildeten u.a. auch die Grundlage für den außergewöhnlichen Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler.
In vielen deutschen Städten sind Schulhöfe leider immer noch keine Spielhöfe. Oft findet man zwar dort reizvolle Spielangebote, die aber nur in den Schulpausen bzw. von Kinderhorten genutzt werden dürfen. Berlin ist hierfür ein typisches Beispiel. Die überwiegende Zahl der Schulhöfe bietet Spielmöglichkeiten, die sogar mit intensiver Beteiligung der Kinder entstanden sind. Die Pädagogische Beratungsstelle "Grün macht Schule" der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft leistet hier seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit. Das Problem ist hier der Ganztagsschulbetrieb, der den Schulen erlaubt, selbst über eine Öffnung zu entscheiden. Nahezu alle Berliner Schulen haben sich leider dagegen entschieden.

Fazit

Bleibt zu hoffen, dass nicht nur in Berlin ein Umdenken im Sinne einer kinderfreundlichen Gesellschaft stattfindet und die Schulhöfe auch außerhalb des normalen Schulbetriebs zum Spielen zur Verfügung stehen.


Fotos: Krautwurst/Raab/Schönfeld/Zeevaert
 

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