Verein aus Hamburg baut Spielplätze in Krisengebieten

alma terra für glückliche Kinder.

Verein aus Hamburg baut Spielplätze in Krisengebieten

Dieser errichtet seine sogenannten Glücksoasen in Form von Spiel- und Sportplätzen für Kinder in Krisengebieten und benachteiligten Regionen der Welt.

Der Verein mit Sitz in Hamburg wurde 2004 ins Leben gerufen. Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender Abrahim Naeim ist gebürtiger Afghane und entwickelte die Idee für alma terra durch ein Schlüsselerlebnis in seiner Heimat: „Ich sah, wie die Kinder der Region auf einem alten, ausgebrannten Panzer spielten. Es gab weit und breit keine anderen Spielmöglichkeiten. Dieses trostlose Bild bekam ich nicht mehr aus dem Kopf.“ Zurück in Hamburg setzten sich er und sieben Gleichgesinnte mit Wurzeln in aller Welt zusammen. „Alle haben die Idee der Glücksoasen für Kinder sofort verstanden und sich mit großer Begeisterung für die Gründung von alma terra und die erste Glückoase stark gemacht“, erinnert sich der 36-Jährige.

Seitdem sind acht Jahre vergangen, in denen alma terra viel erreichen konnte: Es wurden sieben Glücksoasen in Afghanistan und in Tansania errichtet. Die letzten zwei Projekte sind im Juli 2011 in Kabul und im 100 Kilometer nordöstlich davon gelegenen Panjshir-Gebirge realisiert worden. Dem Verein ist es wichtig, dass sich die Spiel- und Sportplätze an vorhandene Schulen bzw. Kindergärten angliedern. So soll sichergestellt werden, dass die Kinder von Erwachsenen beaufsichtigt und die Spielgeräte in Stand gehalten werden. Der Bau eines Spielplatzes kostet etwa 8200 Euro. „Wir kaufen alle Materialien vor Ort und bauen mit ortsansässigen Handwerkern und den Einwohnern gemeinsam“, erklärt Naeim, der bisher fast immer selbst alle Projekte geleitet hat. Dadurch werde auch die lokale Wirtschaft angekurbelt und die Bewohner machen das Projekt zu ihrem Eigenen. Nur Schaukel- und Wippgelenke werden aus Deutschland mitgebracht, um die Sicherheit und Belastbarkeit der Spielgeräte zu garantieren. Diese wurden dem Verein von der Firma E.Beckmann gespendet. Neben Schaukel und Wippe gehören auch eine Rutsche, ein Klettergerüst und ein kleines „Amphitheater“ als Sitzmöglichkeit zur Ausstattung einer Glücksoase. „Zweimal haben wir auch ein Labyrinth gebaut, durch das sich die Kinder mit verbundenen Augen vortasten können“, erzählt Naeim. Wenn möglich, werden Wünsche und Ideen der ortsansässigen Kinder und Jugendlichen berücksichtigt. So geschehen zum Beispiel in dem tansanischen Dorf Nungwi, in dem alma terra zusätzlich zum Spielplatz ein Netball-Feld errichtete, das sich besonders die Mädchen des Dorfes gewünscht hatten.

In diesem Jahr möchten die Mitglieder und Helfer von alma terra einen nächsten großen Schritt wagen. Auf dem Gelände der Technischen Universität Kabul wollen sie eine komplette Kindertagesstätte mit dazugehörigem Spielplatz bauen. Der Kindergarten soll 120 Jungen und Mädchen einen Platz bieten und vor allem jungen Eltern helfen. So hofft man zum Beispiel, hiermit den Anteil studierender Frauen an der Technischen Uni deutlich zu erhöhen. „Frauen ist es ohne vernünftige Betreuungsmöglichkeit kaum möglich, ihre Mutterrolle und ein Studium zu koordinieren“, sagt Friederike Willig, die alma terra als aktives Mitglied unterstützt. „Die Kinder sollen eine angemessene Betreuung sowie eine gezielte Förderung erhalten, die das Fundament für ihr Leben legt.“ Zwar wisse auch die Universitätsleitung um die mangelnden Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, allerdings könne sie das Problem aufgrund fehlender Gelder nicht aus eigener Kraft lösen.

Anpacken wollen sie aber trotzdem, die Studentinnen und Studenten der Technischen Universität Kabul, und haben dem Team von alma terra schon tatkräftige Unterstützung bei der Inneneinrichtung der Tagesstätte zugesichert. Im Rahmen einer Kooperation mit der HafenCity Universität Hamburg (HCU) haben sich außerdem auch schon deutsche Studierende mit dem Projekt auseinandergesetzt. Bei einem Wettbewerb mit dem fünften Semester des Architekturkurses wurde der beste Entwurf für die Fassade des geplanten Kindergartens gesucht und gefunden. Also alles in trockenen Tüchern? Leider noch nicht ganz, verneint Abrahim Naeim: „Trotz großartiger Unterstützung von vielen Seiten fehlen uns immer noch entscheidende Gelder, um den Bau der Tagesstätte samt Spielplatz in Kabul zu ermöglichen.“

Die Glücksoasen, die der Verein in der Vergangenheit gebaut hat, stehen alle noch. Sie sind nach wie vor in gutem Zustand und werden sowohl von den Kindern als auch von den Erwachsenen gern bespielt. „Bei der Eröffnung der Spielplätze führten die Jungen und Mädchen der angegliederten Schulen sowie die Lehrer und Ortsansässigen meist eine aufwendig einstudierte Darbietung aus Gesang und Tanz vor. Anschließend wurden die Spielgeräte eingeweiht. Es dauerte meist auch nicht lange bis die ersten Erwachsenen neugierig eine Schaukel erkundeten und wahnsinnig viel Spaß dabei hatten“, erzählt Naeim erfreut. Wie sagte der amerikanische Schriftsteller Oliver Wendell Holmes einmal so treffend: „Leute hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen!“

Weitere Informationen zum Verein, seinen Projekten und Veranstaltungen und wie Sie als aktives Mitglied oder als Spender helfen können, erfahren Sie unter www.almaterra.org.


 

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