Early Excellence - das PFH-Modell

Von Christian Loderer, plancontext gmbh landschaftsarchitektur

Early Excellence - das PFH-Modell

Das Pestalozzi-Fröbel-Haus (PFH) ist eine Modelleinrichtung des Landes Berlin, das als Träger von Kindertagesstätten und anderen sozialpädagogischen Einrichtungen wichtige Impulse bei der Kinder- und Jugendhilfe gibt. Es ist ferner eine der ältesten Ausbildungsstätten Deutschlands für soziale Berufe. Zur Zeit arbeiten etwa 440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Verbund.
Seit der Gründung 1874 wird die Arbeit des Pestalozzi-Fröbel-Hauses von dem Leitgedanken bestimmt, Kindern einen selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Start ins Leben zu ermöglichen. Die Berücksichtigung der individuellen und familiären Hintergründe eines jeden Kindes stehen dabei im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit.

Entwicklung des Early Excellence-Ansatzes

Aus dieser Tradition heraus entwickelt das PFH seit dem Jahr 2001 unter Federführung seiner Direktorin Prof. Dr. Sabine Hebenstreit-Müller und in Kooperation mit dem englischen Pen Green Centre in Corby/UK das heutige pädagogische Leitkonzept, den Early Excellence-Ansatz, der sich konsequent an den individuellen Bedürfnissen von Kindern und deren Familien ausrichtet.
Bei Early Excellence geht es vor allem darum, die Fähigkeiten und Stärken eines jeden Kindes individuell zu fördern und diese den Eltern zu vermitteln. Ziel ist es, Kinder in Early Excellence-Kitas nicht nur zu betreuen, sondern optimale Bedingungen für ihre kognitive und soziale Entwicklung zu schaffen.
Frau Hebenstreit-Müller schreibt dazu: „Das Anliegen von Early Excellence ist ausdrücklich nicht die Förderung einer kleinen Bildungselite. Der Exzellenzanspruch richtet sich nicht an die Kinder, sondern an die Qualität der pädagogischen Arbeit: Diese soll die bestmögliche Bildung eines Kindes, also exzellente Entfaltungsmöglichkeiten für die kindliche Entwicklung ermöglichen.“ [1]

Umsetzung des Early-Excellence-Ansatzes bei der Gestaltung der Freianlagen

Der Early Excellence- Ansatz verlangt auch bei der Freiraumgestaltung eine besondere Qualität. Sie soll den ganzheitlichen Bedürfnissen von Kindern entsprechen und erfordert eine jeweils individuelle, auf den Standort bezogene Lösung.
Seit 2008 durfte das Büro plancontext landschaftsarchitektur mehrere Freianlagen des PFH umgestalten. Dazu gehört das Haupthaus mit einer Ausbildungsstätte für Erzieher in einem denkmalgeschützen Gebäudeensemble, sowie mehrere Kindertagesstätten.
Zunächst wurden alle Planungen und Anforderungen unter intensiver Einbeziehung von Eltern und Erziehern abgestimmt. Auch die aktive Einbeziehung der Kinder selbst war ein wichtiger Bestandteil der Planungen. Dabei haben sich vor allem folgende Prämissen für die Gestaltung heraus gebildet:

Aufforderungschrakter

Die bloße Möblierung der Freiflächen mit typischen Spieleräten führt meist zu einem geringen Anregungspotenzial. Überwiegend fördern sie festgelegte Bewegungsspiele, die aber schon nach einer kurzen Benutzung für Kinder uninteressant werden. Kinder möchten ihre motorischen Fertigkeiten frei ausprobieren. Sie wollen individuelle Spuren hinterlassen, auf Entdeckungsreise gehen und im Rollenspiel ihrer Fantasie nachgehen.
Um diesen ganzheitlichen Bedürfnissen der Kinder nachzukommen versuchen wir die Spielplätze zu Erlebnisspielräumen weiterentwickeln. Dazu gehört die Einbeziehung der Vegetation, die Möglichkeit mit Wasser zu spielen und zu matschen, sowie die Modellierung des Geländes.

Wichtig für die Qualität der Außenanlagen ist deren Raumgestaltung. Spielflächen für Kleinkinder müssen einsehbar sein. Dennoch ermöglicht eine geeignete räumliche Gliederung durch Bäume, Sträucher, niedrige Mauern und bauliche Freiraumelemente, die Ausbildung unterschiedlicher Spielzonen oder von Rückzugsbereichen. Daneben ermöglichen große, zusammenhängende Flächen großräumiges und selbstbestimmtes Bewegen und Austoben.

Die Gestaltung des gesamten Spielplatzes stellen wir meist unter ein spezielles Thema, nach dem sich die gesamte Gestaltung richtet. Fantasie und Kreativität werden so zum Spielantrieb der Kinder.

Spiel als Herausforderung

Die künstliche Welt eines Spielplatzes suggeriert Kindern heute eine Sicherheit, die sie außerhalb ihrer „Spielwelt“ nicht finden werden. Ein Kind, das übertrieben behütet wird, lernt nicht Risiken richtig einschätzen.
Kinder müssen sich ausprobieren dürfen, nur dann sind sie in der Lage, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. Über das Spiel entwickeln sie ihre motorischen Fähigkeiten und reifen zu selbstständigen Persönlichkeiten heran.
Verletzungsrisiken und andere Gefahren müssen natürlich bei der Gestaltung vermieden werden. Dennoch soll die Spielplatzausstattung Kinder nicht unterfordern, sondern ihr Risikobewusstsein schärfen. Die gezielte Schulung des Selbstvertrauens und Risikobewusstseins ist ein erklärtes Ziel des Early Excellence-Ansatzes.

Freies Spiel

Mit freiem Spiel meinen wir Spiel unter Aufsicht aber ohne feste Anleitung. Kinder sollen Entscheidungsmöglichkeiten haben um ihren speziellen Interessen nachzugehen, und ohne dass bestimmte Ergebnisse erwartet werden.
Kinder wollen nach unseren Erfahrungen Orte, die ihren Forschungsdrang unterstützen und sie zum Spiel inspirieren. Wir wollen deshalb keine festgelegten und damit unflexiblen Spielthemen schaffen, sondern Orte, die veränderbar bleiben und viele Möglichkeiten offen lassen. Bewegungsabläufe sollen sich flexibel und individuell entfalten können.

Im gemeinschaftlichen Spiel lernen Kinder sich kompetent zu bewegen, soziale Kontakte zu knüpfen, sich in größeren Gruppen zu verhalten, sich durchzusetzen und Regeln zu akzeptieren. Wichtig sind deshalb Treffpunkte, die das Miteinander ermöglichen. Genauso wichtig sind aber auch Rückzugsorte mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, die jedes Kind für sich interpretieren kann.

 

Bilder: Lichtschwärmer, Berlin


Quellen:

[1] http://www.pfh-berlin.de/pestalozzi-froebel-haus/early-exellence

Jubiläumsbroschüre: Zehn Jahre Early Excellence, 2010
Aus Anlass der Fachtagung "Zehn Jahre Early Excellence in Deutschland" gab das PFH im September 2010 die Jubiläumsbroschüre "Zehn Jahre Early Excellence" heraus.

Early Excellence im PFH - das Berliner Modell, 2008
Seit dem Jahr 2000 entwickelt das Pestalozzi-Fröbel-Haus, inspiriert durch das englische Regierungsprogramm und unterstützt durch die Heinz und Heide Dürr Stiftung, Early Excellence zu einem eigenen pädagogischen Ansatz: Entstanden ist dasPFH-Modell von Early Excellence.

 

Text:

Christian Loderer
plancontext gmbh landschaftsarchitektur
Greifenhagener Straße 39 • 10437 Berlin
Tel.: 030 - 44 71 88-31
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