Einzigartige Wiener Parkbetreuung

Einzigartige Wiener Parkbetreuung

Die Idee dieser durchgehenden Betreuung in Parkanlagen und auf anderen öffentlichen Flächen entstand aufgrund mehrerer positiver Erfahrungen mit verschiedenen erfolgreichen Projekten in Wien. Viele dieser von unterschiedlichen Vereinen und Gruppen durchgeführten Angebote wurden im Rahmen von Ferienprogrammen („ferienspiel“ und „wien spielt“) umgesetzt.

Die erste kontinuierliche Betreuung über mehrere Wochen wurde 1991 von den Brigittenauer Kinderfreunden im 20. Wiener Gemeindebezirk auf dem Allerheiligenplatz organisiert. 1992 folgten weitere Pilotprojekte verschiedener TrägerInnen. 1993, im offiziellen Startjahr der Parkbetreuung, gab es bereits in 16 Bezirken in insgesamt 40 Parkanlagen eine kontinuierliche Betreuung. Anlass dafür waren subjektive Unsicherheitsgefühle und Konflikte in Parkanlangen, denen mit Animationsangeboten statt mit Verboten begegnet wurde. Die positiven Auswirkungen dieser präventiven, freizeitpädagogischen Betreuung im Park wurden von den Bezirken sehr rasch erkannt und mit immer höheren Budgets finanziert. Heute findet Parkbetreuung in allen 23 Wiener Bezirken an über 130 Orten statt. Derzeit sind insgesamt 18 gemeinnützige Vereine mit diesem Freizeitangebot betraut, das in einigen Bezirken in Kombination mit aufsuchender Kinder- und Jugendarbeit bzw. mit spezifischen Inhalten und Rahmenbedingungen (z.B. Aktivspielplatz, Mädchengarten) stattfindet.

„Die Parkbetreuung ist eine Wiener Erfolgsgeschichte. Seit mittlerweile 13 Jahren werden die Parkanlagen in Margareten von ausgebildeten Spielpädagogen aufgesucht und Kinder und Jugendliche zu einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung angeleitet. Margareten weitete diesen in der ganzen Stadt auf große Zustimmung stoßenden Service aus und führte vor zehn Jahren die Parkbetreuung auch für Seniorinnen und Senioren ein. Zahlreiche ältere Menschen, die die Grün- und Erholungsräume im Bezirk aufsuchen, kommen seitdem ebenfalls in den Genuss einer Betreuung. Die Angebote reichen dabei von Kartenspielen über Bastelaktivitäten bis zu Musiknachmittagen im Park. Diese Animation in den nahen Erholungsräumen der älteren Generation wird dankbar angenommen. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird dieser Service in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen. Der Bezirk bekennt sich zur Parkbetreuung sowohl für die Jugend als auch für ältere Menschen und wird beide Angebote auch in Zukunft unterstützen.“ Sagt der Bezirksvorsteher Ing. Kurt Ph. Wimmer.

Parkbetreuung – Warum?

Margareten, der 5. Wiener Gemeindebezirk, ist der am dichtest besiedelte Ort in Österreich. Erholungsräume und Parkanlagen sind rar und unterliegen einem hohen Nutzungsdruck. Konflikte zwischen Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen sowie die Ängste letzterer veranlassten die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker der Stadt und der Bezirke zum Handeln. Verschiedene Maßnahmen wurden erwogen und in Wien in Form von Pilotprojekten umgesetzt. Parkbewachung versus Parkbetreuung standen zur Diskussion. In Margareten entschied sich die SPÖ – Mehrheitsfraktion gegen Parkbewachung durch Securitys und für eine freizeitpädagogische Maßnahme. Bezirksvorsteher Kurt Wimmer und seine Stellvertreterin Andrea Hallal-Wögerer bereiteten den Boden dafür in der Bezirksvertretung vor, die sich letztendlich geschlossen für das Projekt „Parkbetreuung“ aussprach. Gemeinsam mit dem Institut für Erlebnispädagogik unter der Leitung von Ronny Wolf wurde mit Hilfe der MA 13 - Jugendreferat 1997 das Konzept der Parkbetreuung für Kinder und Jugendliche implementiert und in Folge auf Anregung von Ilona Schachhuber, der Teamleiterin, um das Golden Girls (and Boys)–Projekt – kurz GG Margareten genannt - erweitert. Dieses in Wien einzigartige Angebot der GGs Margareten feiert mittlerweile sein 10jähriges Jubiläum.

Senioren und Seniorenbetreuung – Warum?

Das Thema „Altwerden“ wird sehr gerne tabuisiert. Alle glauben zu wissen, worum es geht, aber darüber gesprochen wird nicht sehr gern. Denn: Das Altersbild in der Gesellschaft ist kein rosiges.

War früher die Familie für ein angenehmes „Altwerden“ zuständig und hat man darauf vertraut, dass es einem ebenso ergeht, steht man nun oft sehr alleine da.
Das Weltbild hat sich geändert, und auch der Umgang mit alten Menschen. Viele alte Menschen fühlen sich einsam und subjektiv an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Im öffentlichen Raum und in den Parkanlagen empfinden sie Kinder und Jugendliche in ihrer Aktivität oft bedrohlich, meiden diese Orte und vereinsamen noch mehr. Sich im Alter aktiv zu beschäftigen, ausreichend an Freizeitaktivitäten teilzunehmen trägt zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei: Bewegung / Mobilisierung / Aktivierung einerseits, und andererseits die Möglichkeit mit anderen in Kontakt zu treten wie bei den Aktionen der Parkbetreuung. Eine größere Anzahl an regelmäßigen Freizeitaktivitäten hilft den Tagesablauf zu strukturieren und es entsteht kein Gefühl des „Dahinlebens“. Das Problem dahinter ist, dass viele Menschen im hohen Alter nur wenige Ideen zur aktiven Freizeitgestaltung haben bzw. die Ressourcen eingeschränkt sind oder fehlen.
Positiv gestaltetes Zusammenleben in der Gesellschaft kann nicht verordnet werden, auch können gesellschaftliche Missstände wie Armut, schlechte Bildung u.v.m. nicht einfach kompensiert werden. Jedoch trägt positiv erlebte Solidarität wie sie durch das Projekt der GG erfahren wird, dazu bei, das Selbstbewusstsein zu heben und damit die Möglichkeiten, aktiv zu handeln, zu erweitern.

Golden Girls (and Boys)–Projekt: GG Margareten

Wie gestaltete sich das Herangehen der Parkbetreuung an die älteren Menschen?
Im Zuge des Projektes „Oral History“ in Zusammenarbeit mit der Uni Wien entstand nicht nur die Broschüre „Parkgeschichten“ (erhältlich auf Anfrage: dagmar.schnoegl@dieprojektwoche.at), sondern es wurden auch die Bedürfnisse der älteren Parkbenutzer/innen analysiert. Wichtig ist den SeniorInnen Regelmäßigkeit was Ort, Uhrzeit, Wochentag betrifft, da es ihnen ermöglicht, dem Tag eine Struktur zu geben. Sie wissen, worauf sie sich freuen können, haben ein Ziel für diesen Tag. Ilona Schachhuber, Projektleiterin: „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass allein schon der Gedanke an diesen „Termin mit der Parkbetreuung“ die Freude für diesen Tag anheben lässt. Bei den SeniorInnen steht „Parkbetreuung“ für Abwechslung, gemeinsam Spaß haben, sich aufgehoben und wertvoll fühlen. Sie fühlen sich wichtig als Teil dieser Gruppe und freuen sich daran, (wieder) aktiv zu sein.“

Zitat: „Es ist eigentlich schon ausreichend, wenn jeden Mittwoch wos aundas ist.“

GG- Margareten findet an zwei Nachmittagen (2,5 Stunden) ganzjährig statt, im Sommer im Bacherpark und im Park innerhalb der Theodor-Körner-Wohnhausanlage, im Winter in den mehrfach zu nutzenden Räumen beim Ernst-Lichtblau –Park. Die Betreuer/innen - Teams bestehen aus Männern und Frauen gemischten Alters und arbeiten mit großer Liebe zur Zielgruppe. Den GGs erwachsen keine Kosten, die Aktivitäten werden gemeinsam geplant, Neues und Altbekanntes wird kombiniert.

Konkrete Beispiele

Jakkolos: Ganz wichtig ist es dabei, den Senioren und Seniorinnen Raum für die Weitergabe ihrer Lebenserfahrung und den Austausch mit der jüngeren Generation zu geben. In sehr bleibender Erinnerung ist den GGs der Bau des Jakkolos (Holzspiel) – einerseits so ein großes Spiel selbst herzustellen, welches sowohl von den Kindern als auch von den Jugendlichen ausgeborgt und mit großem Spaß gespielt wird, andererseits, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine Bohrmaschine in der Hand hatten und dass sie es geschafft haben, damit umzugehen! Erst zögerlich und dann hatten sie einen unglaublichen Spaß, haben sich gegenseitig geholfen und zu Höchstleistungen motiviert…Alle Arbeitsschritte wurden an 2 Nachmittagen von den GGs gemacht (nur die Grundplatte wurde vorgefertigt), die Holzleisten haben sie selbst zurechtgesägt, Löcher gebohrt, geleimt, geschraubt .. am Ende von Tag 2 konnte dann auch gleich mit großer Freude gespielt werden.

GG-Tisch: War auch eine Aktion über zwei Tage; am ersten Tag wurden alte Zeitungen und Zeitschriften des vergangenen Jahres und noch älter mitgebracht und man blätterte gemeinsam darin – wann immer jemand etwas Interessantes entdeckte wurde es mitgeteilt, hergezeigt und darüber ausgetauscht und gesprochen – die Themen waren sehr vielseitig, wie die Zeitschriften, von Politik, Geschichte, die neuesten Klatschgeschichten der Presse, Kochen, Schauspieler früher und heute, Sänger, TV,….Viel Persönliches wurde „auf den Tisch gelegt“ und spannende Gespräche haben Raum gefunden. Nebenbei wurden besprochene Bilder und Schlagzeilen ausgeschnitten und gesammelt, am zweiten Tag wurden die ausgeschnittenen Bilder noch einmal gesichtet und nach Themen sortiert - dann wurde ein Tisch damit gestaltet und nach dem Trocknen mit Bootslack versiegelt. Auch an diesem Tag wurden die Gespräche über damals und heute sehr intensiv! Anschließend wurden im Nebenraum die (ebenfalls mit der gleichen Methode entstandenen) Tische der Kinder und der Jugendlichen begutachtet!

Gesunde Jause generationenübergreifend: Ein Nachmittag stand ganz im Zeichen der einer intergenerativen Arbeit – immer wieder gibt es ein Bocciaspiel mit Kindern / Jugendlichen und SeniorInnen und ab und zu bereiten die Kinder für die SeniorInnen eine Kaffeejause vor.
Diesmal bereiteten die SeniorInnen Brötchen für die Kinder vor und die Kinder wiederum Gemüseteller und Aufstriche für die SeniorInnen. Weiters bereiteten die Kinder die große „Tafel“ vor und luden die SeniorInnen ein, Platz zu nehmen. Nach ein paar gemeinsamen Spielen bei Tisch wurde das Buffet „eröffnet“ – es war ein sehr netter Nachmittag und schön zu erleben, wie die SeniorInnen auch beim „Pferderennen“ (ein sehr bewegtes Kreisspiel) aktiv und lustvoll dabei waren.
Zitat: „Jo, Boccia, hamma amoi gspüt, genau – oda wenn ma de Torten gmocht ham, letztens hamma doch die Tortenboden belegt mit den Obst, des is a irgendwie was nettes, ned – jo, - oder de Maja, wia sie Ziegenkäse brocht hot und des Käsebrot gstrichen hot. Des is ollas a bissl aundas, ned. Is a bissl wos neieres, sogn ma, ned”
Zukunftsperspektiven

Die SeniorInnen – Betreuung verfolgt individuelle und gesellschaftliche Ziele insofern, als die Betreuten persönlich etwas davon haben, aber auch die Auswirkung auf die Umgebung im Sinne eines verbesserten Gemeinschaftsgefühles beobachtet wird. Wir erreichen nicht nur die Betreuten, sondern wirken systemisch infolge vieler Erzählungen der GGs auch auf deren Verwandte, Freunde und Bekannte.

Die Zahl der älteren Menschen steigt, die gute medizinische Betreuung lässt hohes Alter zu. Die soziale Betreuung bleibt weiterhin problematisch, die Trenn- und Grenzlinien zu anderen Nutzer/innen werden gerade in Zukunft (viele ImmigrantInnen, hoher Nutzungsdruck der öffentlichen Räume) nicht geringer werden. Aktivierende, die eigenen Fähigkeiten stärkende Betreuung im Sinne unseres Projektes trägt dazu bei, diese Trennlinien fließender zu gestalten.

Die Nutzungssituationen im öffentlichen Raum sind nicht statisch, sondern ändern sich ständig. Gerade bei Neu- und Umgestaltungen des öffentlichen Raumes muss insbesondere wegen der Beharrlichkeit der älteren Menschen behutsam mit Änderungen umgegangen werden. Oftmals ergeben sich Nutzungsanforderungen erst nach Fertigstellung von baulichen Maßnahmen und weichen von den Überlegungen am Reißbrett ab. Vorgesehene Ressourcen (Planungszeiten, Finanzen, …) sollten dies berücksichtigen und Mittel zurückhalten, um auf neue Entwicklungen eingehen zu können.

Resümee

Zitat: „Najo, oiso jedenfalls is es a einmalige Einführung sogn ma, dass de Jugend doch se so einsetzt füa de oiden, weu es is ned imma leicht...“


 

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