Der Sportplatz für alle – wie einem alten Vereinsgelände neues Leben eingehaucht wurde

Von Stefan Eckl, Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung IKPS Stuttgart

Der Sportplatz für alle – wie einem alten Vereinsgelände neues Leben eingehaucht wurde

Die Sport- und Kulturgemeinde Botnang, im Norden von Stuttgart angesiedelt, ist ein Verein mit rund 1.100 Mitgliedern in vier Abteilungen. Der Verein verfügt über ein eigenes Sportgeländes, welches sich am Rande des bei Ausflüglern beliebten Schwarzwildparkes befindet. Das Gelände war vor der
Neugestaltung eher unattraktiv. Zwar gab es bereits ein Großspielfeld mit Kunstrasen für den Fußballbetrieb, jedoch waren der Aschenplatz und die Kinderspielgeräte in einem erbärmlichen
baulichen Zustand und wurde daher auch nicht mehr genutzt.

Bereits vor rund zehn Jahren begann der Verein mit den Planungen und Überlegungen für die Neugestaltung des Sportgeländes, wie Jürgen Setzer, Geschäftsführer der SKG Botnang, sagt. Im Vordergrund der Planungen, an denen alle Abteilungen und die gesamte Mitgliederschaft eingebunden waren, standen Überlegungen einer familienfreundlichen und generationsübergreifenden Sportanlage. Der Charakter des Sportgeländes sollte sich also verändern und vor allem die Mitglieder in den Fokus rücken, die das Außengelände bis dato kaum oder überhaupt nicht für ihre Sportaktivitäten nutzten. Ein weiterer Aspekt der Planungen war, einen zentralen Begegnungstreff für alle Mitglieder und alle Abteilungen zu schaffen, da der Sportbetrieb vor allem der hallennutzenden Abteilungen über den gesamten Stadtbezirk verteilt ist. Die ersten
Erfahrungen mit dem neuen Gelände zeigen, so Jürgen Setzer, dass diese Erwartungen erfüllt werden und sich das Gelände zu einem Begegnungszentrum für die Mitglieder entwickelt.
Die Umsetzung der Planungen erfolgte von Juni bis Oktober 2012 in mehreren Schritten. Zunächst wurde, finanziert von der Stadt Stuttgart, der Aschenplatz zurückgebaut und ein Trainingsspielfeld in Kunstrasen errichtet. Dies ist den stark ansteigenden Zahlen im Jugendfußball geschuldet. Ebenfalls in diese erste Phase fällt der Bau der Kunststofffeldes und der Sandfläche. Diese Sandfläche ist so dimensioniert, dass dort zum einen der Schulsport eine Anlaufbahn und eine Sandgrube für Weitsprung vorfindet. Andererseits ist aufgrund der Größe auch Beachvolleyball möglich. Das Kunststofffeld kann multifunktional genutzt werden, nicht nur als Anlaufbahn für den Weitsprung, sondern auch als Streetballfeld (ein Basketballkorb ist direkt am Feld angebracht) oder als Feld für freies Spielen (z.B. Rückschlagspiele wie Badminton / Federball).

Rund um die Spielfelder und das Kunststofffeld wurde eine Finnenlaufbahn verwirklicht. Der Verein hat in seinen Planungen bewusst auf eine normierte 400-Meter-Rundlaufbahn verzichtet und der Finnenlaufbahn den Vorzug gegeben. Ausschlaggebend waren die Argumente einer stärkeren freizeitsportlichen Nutzung, eines höheren Aufforderungscharakters und einer besseren Ansprache der älteren Mitglieder. Die Finnenbahn weist eine Streckenlänge von ca. 450 Metern auf und
ist im Winter durch das Flutlicht indirekt beleuchtet. Eine ganzjährige Nutzung ist damit also möglich. Durch die topographische Lage ist die Bahn nicht eben wie andere herkömmliche Rundlaufbahnen, sondern weist eine Steigung auf, was den Trainingseffekt erhöht. Mittlerweile wird die Bahn nicht nur von den eher gesundheitsorientierten Sportlern genutzt, sondern auch von der Fußballabteilung zum Warmlaufen zu Trainingsbeginn. Somit ist auch für eher wettkampforientierte Sportarten
eine variable Trainingsgestaltung möglich.

Tiefere Gedanken hat sich der Verein auch über den sportlichen Nachwuchs und über die Wünsche der Kinder und Jugendlichen gemacht. An prominenter Stelle, nämlich gleich im Eingangsbereich, empfängt den Besucher ein sog. Pumptrack. Auf einer vergleichsweise kleinen Fläche wurde in Eigenarbeit ein Mountainbike- und BMX-Parcours angelegt. Ziel ist es, möglichst schnell die Hügelstrecke zu absolvieren, ohne in die Pedale treten zu müssen. Gerade dieser Pumptrack hat
sich zu einem Anziehungspunkt der Anlage entwickelt.

Rund um das Gebäude mit Umkleiden, Sanitäreinrichtungen und Gastronomie (inklusive einem kleinen Außenbereich) wurden weitere Bewegungsmöglichkeiten für Kinder eingerichtet. Insbesondere die Jüngeren finden im Stangenwald einen attraktiven Spielbereich, der zugleich kleine sportliche Herausforderungen beinhaltet. Gleiches gilt für den natürlichen Strukturen nachempfundenen Kletterfelsen mit Spinnennetz. Der ambitionierte Sportkletterer oder Boulderer wird hier keine Herausforderungen erkennen, jedoch bei einer Absprunghöhe von knapp drei Metern stellt der Felsen doch die eine oder andere Challenge für ältere Kinder dar.

Die Kosten für den Sportpark Himmerreich beziffert der Verein insgesamt auf ca. 580.000 Euro. Dabei entfallen auf den Umbau der Spielfelder in Kunstrasen, die Sandfläche und die Finnenlaufbahn
etwa 395.000 Euro, was komplett von der Stadt Stuttgart finanziert wurde. Die übrigen Kosten von ca. 180.000 Euro muss der Verein schultern. Über einen Spendenmarathon konnte der Verein hier 45.000 Euro für den Sportpark gewinnen – diese Mittel flossen v.a. in den Kinderbereich rund um den Stangenwald und des Kletterfelsens. Weiterhin erhält der Verein Zuschüsse vom Württembergischen
Landessportbund und der Stadt Stuttgart. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass die
Mitglieder rund 1.000 Arbeitsstunden in die Errichtung der Anlage eingebracht haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass das Sportgelände nicht nur den Vereinsmitgliedern offen steht, sondern der gesamten Bevölkerung, insbesondere der Anwohner im Stadtteil. Der Verein verfolgt damit das Ziel, sich bewusst in den Stadtteil zu öffnen und versteht sich als ein Akteur im lokalen Umfeld, der die Menschen zusammenbringt und somit eine wichtige soziale Funktion erfüllt. Probleme mit Vandalismus, so Jürgen Setzer, hat der Verein bis dato nicht gehabt. Dazu ist die
Anlage zu belebt, als dass sich Gruppen unbeaufsichtigt auf der Anlage aufhalten könnten. Das größte Plus sieht Jürgen Setzer im Gewinn für die Mitglieder: „Die Mitglieder fühlen sich wohl, endlich haben wir als Verein ein Zentrum, wo sich die gesamte Familie trifft. Im Gegensatz zu früher haben wir jetzt ein richtiges Leben auf dem Gelände.“

Insgesamt zeigen die Ausführungen eine große Offenheit des Vereins, sich veränderten Sportwirklichkeiten zu stellen und nicht nur seine Vereinsarbeit, sondern auch die infrastrukturelle
Ausrichtung entsprechend anzupassen. Die SKG Botnang zeigt zudem, dass auch auf einer relativ
kleinen Fläche ein hochattraktives Sportgelände für die gesamte Familie entstehen kann.

Zum Autor:
Dr. Stefan Eckl ist Geschäftsführer des Instituts für Kooperative Planung und Sportentwicklung in Stuttgart. Mehr Infos unter www.kooperative-planung.de oder unter eckl@kooperative-planung.de
Fotos: Stefan Eckl
 

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