Eine Bombensache – Modernisierung der Sportanlage Ostpark in Frankfurt am Main

von Dipl.-Ing. Bernd Schnabel, Landscape architect AKH BDLA Planungsbüro Lukowski + Partner

Eine Bombensache – Modernisierung der Sportanlage Ostpark in Frankfurt am Main

Der Ostpark ist eine attraktive und, aufgrund der innenstadtnahen Lage, stark frequentierte Grünanlage in Frankfurt am Main. Im Zentrum des bereits Anfang des 20. Jahrhunderts angelegten Parks befindet sich der Ostparkweiher. Um den kleinen See herum gruppieren sich Spiel- und
Liegewiesen, ein Spielplatz sowie eine Sportanlage. Diese Sportanlage war jedoch arg in die Jahre gekommen. Das von einer verkrauteten Mulchlaufbahn umgebene Rasenspielfeld
hatte seinen Namen nicht mehr verdient und war durch Kaninchenbauten unbrauchbar. Die beiden noch nutzbaren Tennenspielfelder genügten nicht mehr den Ansprüchen einer zeitgemäßen Sportnutzung.
Da die Anlage sowohl für den Schulsport wie auch für einen Fußballverein weiterhin benötigt wurde, beschloss die Stadt Frankfurt daher, eine Modernisierung der Anlage durchzuführen. Das Rasenspielfeld mit Rundlaufbahn sollte zurückgebaut und in modifizierter Form neu errichtet werden.

Besondere Anforderungen an Planung und Umbau ergaben sich aus dem Umstand, dass es sich beim Ostpark um ein Gartendenkmal handelt. Auch die umgebaute Sportanlage sollte sich in das denkmalpflegerische Konzept einfügen. Das Planungsbüro Lukowski + Partner erhielt den Auftrag die
durch das Grünflächenamt erstellte Vorplanung weiterzuentwickeln und die Umsetzung der Maßnahme zu überwachen. Die mit dem Sportamt und den Denkmal- und Naturschutzbehörden
abgestimmte Planung sahen eine um 90° gedrehte Anlage mit einer 400m–Rundlaufbahn mit 4 Einzelbahnen und einem Kunststoffrasengroßspielfeld in einer nutzerfreundlichen Nord-Süd-Ausrichtung vor. Dafür sollte eines der beiden vorhandenen Tennengroßspielfelder entfallen. Im
Nordsegment wurden zwei Kunststoffrasen-Minispielfelder angeordnet. Um den vom Denkmalamt gewünschten großzügigen, offenen Charakter zu erreichen, kamen hier speziell angefertigte
transparente Banden aus Acrylglas zum Einsatz.

Die Rundlaufbahn sowie das für leichtathletische Nutzungen vorgesehene Südsegment der neuen Kampfbahn sollten einen Kunststoffbelag erhalten. Um eine bessere Einbindung der Flächen in den offenen Parkcharakter der Umgebung zu erreichen, wurde ein grüner Kunststoffbelag gewählt. Damit
lässt sich außerdem vermeiden, dass grünes Gummigranulat aus der Kunststoffrasenfüllung auf der roten Laufbahn, bzw. roter Abrieb von der Laufbahn im Kunstrasen optisch störend wirken.

Im südlichen Segment wurden für den Schulsport zwei kombinierte Weit- und Dreisprunganlagen mit je zwei Anlaufbahnen eingeplant, wobei die mittlere Anlaufbahn für beide Anlagen genutzt werden kann. Außerdem lässt sich hier bei Bedarf eine Hochsprunganlage anordnen.

Im nördlichen Segment wurden zwei Fußball-Minispielfelder (20 x 13 m) angeordnet, die speziell hinsichtlich der Jugendarbeit und des Schulsports die Nutzungsmöglichkeiten der Anlage erheblich steigern. Beide Spielfelder sind jeweils komplett von Banden umgeben und an den Stirnseiten ergänzend mit Ballfangnetzen ausgestattet. Die Fußballtore sind in die Bande integriert. Für die Restfläche des Segments wurde zur Erleichterung der Pflege eine Betonsteinpflasterbefestigung
vorgesehen.

An den Stirnseiten des Kunststoffrasenspielfeldes wurden annähernd auf Spielfeldbreite 5 m hohe Ballfänge errichtet, um bei zeitgleicher Nutzung der unterschiedlichen Sportflächen Störungen und Verletzungen der Sportler zu vermeiden. Eine neue 6-Mast-Trainingsbeleuchtungsanlage sorgt für die
Ausleuchtung des Kunststoffrasen-Großspielfeldes und der beiden Segmente. Eine vollautomatische Versenkberegnungsanlage zur Befeuchtung der Kunststoffrasenfläche wurde vorgesehen. Um die Laufbahn wurden Zuschauerbarrieren eingebaut, die mit einem engen Gitterstababstand auch das Eindringen von Kaninchen verhindern. Zum Schutz vor Vandalismus und um eine geregelte Nutzung sicherstellen zu können, musste um den gesamten Neubau ein Stahlgitterzaun vorgesehen werden.
Für die Baumaßnahmen war ein sehr enger Zeitplan vorgegeben.

Mit den Bauarbeiten konnte erst im Juni 2012 begonnen werden. Die witterungsempfindlichen Kunststoffarbeitenmussten jedoch im September 2012 abgeschlossen werden.Erschwerend kam hinzu, dass durch die überwiegend stark schluffigen oder tonigen Böden eine Baugrundstabilisierung
durch Einfräsen eines hydraulischen Bindemittels erforderlich wurde.
Zudem war der Baugrund nahezu wasserundurchlässig. Ein Dränsystem zur Entwässerung war erforderlich. Eine Abführung des anfallenden Oberflächenwassers und des Dränwassers in den Ostparkweiher wurde nicht gestattet. Ein Anschluss an die Kanalisation stand nicht zur Verfügung. Daher wurden Rigolenkörper im Boden unter der Sportanlage vor gesehen. Aufgrund des bindigen Baugrundes ab der Oberfläche bis ca. 2 m unter Geländeniveau ergibt sich ein sehr geringer Durchlässigkeitsbeiwert, der die Versickerung des Wassers nahezu unmöglich gemacht hätte. Unter dieser Schicht ändert sich die Zusammensetzung des Untergrundes und wird durchlässig. Aus diesem Grund wurde im Bereich der Rigolen die gesamte obere Erdschicht bis zum durchlässigen Baugrund
abgetragen und mit sandig-kiesigem Material bis zur Rigolengrabensohle aufgefüllt, wodurch die Verbindung zwischen der Rigole und dem Grundwasser erreicht wurde. Durch den relativ hohen Grundwasserstand im Ostpark konnte das Rigolensystem nur aus Kunststoff-Halbblöcken gebaut und flächig ausgebildet werden.

Im Bauablauf ergab sich eine weitere Herausforderung. Das Areal befand sich in einem Bombenabwurfgebiet des 2. Weltkriegs. Mit dem Vorhandensein von Kampfmittelresten musste
daher gerechnet werden. Bei der vom Regierungspräsidium Darmstadt in solchen Fällen geforderten systematischen Überprüfung der Flächen wurden zahlreiche Verdachtsstellen festgestellt. Gleich zu Beginn der Überprüfungen fanden sich Reste von Sprengbomben und intakte Brandbomben, woraufhin die Fachleute für die Sondierungen alle weiteren Baumaßnahmen zunächst komplett untersagten. Systematisch wurden daraufhin alle ehemaligen, nach dem Krieg überwiegend mit Bauschutt verfüllten Bombenkrater mit dem Bagger ausgehoben und sondiert. Mehrere Brandbomben wurden gefunden. Eine scharfe 50 kg-Sprengbombe machte schließlich eine Entschärfung notwendig, inklusive Sperrung der in der Nähe verlaufenden Autobahn A 661 und des ebenfalls nahegelegenen Ostbahnhofs. Die umfangreichen Ausschachtungen hinterließen schließlich eine Kraterlandschaft mit bis zu 3 m tiefen und 12 m breiten Trichtern, welche zunächst alle wieder
verfüllt und ausreichend verdichtet werden mussten.
Aufgrund der umfangreichen planerischen Vorbereitung und der guten Zusammenarbeit von Grünflächenamt, Planer und ausführenden Firmen, der Strabag Sportstättenbau GmbH und der Polytan GmbH, konnten die Arbeiten jedoch termingerecht im Herbst 2012 abgeschlossen werden. Alle Anforderungen wie besondere Entwässerungseinrichtungen und die Baugrundproblematik wurden gemeistert und die gemäß Berechnung ermittelten Kosten konnten eingehalten werden.
Fotos: Planungbüro Lukowski + Partner
Nähere Informationen unter www.SL-plan.de
 

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