Spielerische Vielfalt im Ravensberger Park

Von Dipl.-Ing. Nils Kortemeier (Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten GmbH)

Spielerische Vielfalt im Ravensberger Park

Als Maßnahme des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes „Nördlicher Innenstadtrand“, welches zur nachhaltigen Aufwertung und Stabilisierung des umgebenen Quartieres beiträgt, wurde eine etwa ein Hektar große Grünfläche im Bielefelder Ravensberger Park neugestaltet.

Der Ravensberger Park umschließt die historische Ravensberger Spinnerei in unmittelbarer Nähe zum ebenfalls neugestalteten Kesselbrink. Der Park beherbergt eine Vielzahl an Angeboten im Außenraum, wird aber auch von Fußgängern und Radfahrern als Durchquerungsort genutzt. Westlich angrenzend an das Wiesenbad im Kern der Parkanlage zwischen Bleichstraße und Werner-Block-Straße befindet sich das Planungsareal, ebenfalls ein zentraler Knotenpunkt für den Fußgänger- und Radfahrerverkehr. Ehemals durchschnitten von versiegelten Wegen und Trampelpfaden erfüllten auch vorhandene Freizeit- und Spielbereiche nicht die Anforderungen der heutigen Nutzergruppen. Das Angebot des eingezäunten Spielplatzes sowie die vereinzelt aufgestellten Spielgeräte wurden kaum noch angenommen. Dennoch punktet der vorliegende Grünraum durch seinen Bezug zur historischen Bausubstanz sowie einem gesunden, durchmischten Altbaumbestand. Diese Eigenschaften beeinflussten den Entwurf maßgeblich.

Zielsetzung

Die Zielsetzung des Entwurfes war die funktionale und ästhetische Neuordnung des Grünraumes. Neben der Neugestaltung der Wegebeziehungen sollte eine interessante, vielfältig nutzbare Spiel- und Erholungsfläche entstehen, die dem Ort nach Möglichkeit eine ihm eigene Identität verleiht. Um möglichst viele Nutzer anzusprechen, wurden Angebote für verschiedene Altersklassen entwickelt – für die Kleinsten altersgerechte und sichere Spielflächen, für ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene hingegen Spielelemente mit Herausforderung. Die Hauptelemente der Spielgeräte wurden in Zusammenarbeit mit dem Spielgerätehersteller Berliner Seilfabrik entwickelt. Es handelt sich dabei um hochwertige Balancier-, Kletter- und Sportelemente, deren Aufstellung den Spielbereich in insgesamt drei Abschnitte gliedert.

Gestaltung

Die Gestaltung der Spielfläche stellt einen thematischen Bezug zur Ravensberger Spinnerei und somit zu den Wurzeln der Bielefelder Textil-Industrie her. So „verweben“ sich die Seil- und Kletterelemente ineinander. Deren Parkour-Stahlpfosten stecken in abstrahierten, überdimensionalen Garnrollen, die für unterschiedliche Spielmöglichkeiten genutzt werden.

„Wir als Berliner Spielgerätehersteller, der sich auf Kundenwünsche individuell einstellt, schaffen mit unseren Spielgeräten wichtigen Lebens- und Lernraum. Daher freuen wir uns ganz besonders, wenn über die Gestaltung einer Spielfläche mit vielen Spielfunktionen hinaus die Identifikation der Kinder- und Jugendlichen mit Stadt und Region gelingt In diesem konkreten Fall lag die Herausforderung in der thematischen Umsetzung der Nähe zur Ravensberger Spinnerei. Insbesondere als Seilfabrik fanden wir das Thema reizvoll und haben mit überdimensionalen Garnspulen spannende Kletter- und Balancierstrecken geschaffen, die die Kinder spielerisch auf die Historie hinweisen, ohne dabei den Spielwert zu vernachlässigen. Zusammen mit dem Team von Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten ist hier in Bielefeld eine spannende neue Anlage entstanden“, sagt David Köhler (Berliner Seilfabrik GmbH & Co.).

Das Hauptelement der Neugestaltung im Park ist eine geschwungene, sich mehrfach in die Höhe bewegende Welle, die sich von der Spinnerei in nördliche Richtung in den Park schiebt. Die Welle liegt auf einer Grundfläche von etwa 80 x 15 Meter und hält das Angebot für Spiel und Sport sowie erholsamen Aufenthalt und sozialen Austausch räumlich zusammen. Wie ein großes geschwungenes Tuch überlagert und verbindet sie neue wie auch bestehende Strukturen. Die Welle schmiegt sich harmonisch um den Altbaumbestand und schafft mit ihren großflächigen Bodenmodellierungen neue optische und spielerische Qualitäten. Dabei sind dem nördlichen Spielbereich, dessen Spielangebot an Kinder gerichtet ist, ein kleinerer und den südlichen Spielbereichen größere Hügel zugeordnet. Die Neuordnung des Grünraumes schafft praktische Wegeverbindungen und gliedert ihn in einem ausgewogenen Verhältnis in eine großzügige Liegewiese und in die funktionale Sport-, Spiel- und Erholungsfläche – unnötige Zerschneidungen bleiben aus.

Die Welle ist von ihrer Grundstruktur in drei Streifen gegliedert. Dabei stellt der innere, etwa acht Meter breite Bereich das „aktive Zentrum“ dar. Räumlich eingefasst von drei Hügeln, welche zum Toben oder auch zum Liegen einladen und mit einem farbigen Kunststoff-Fallschutzbelag ausgestattet sind, liegen drei große Spielflächen mit individueller Ausstattung. Zwei Meter breite Betonsteinpflasterflächen fassen die Welle von den Längsseiten ein. Auf diesen „Ruhestreifen“ sind mehrere Sitzbänke angeordnet, so dass zum Beispiel Eltern dem Spielen ihrer Kinder zuschauen oder Sporttreibende sich vor Ort ausruhen können.

Die Aktivitätsbereiche beinhalten unterschiedliche Sport- und Spielangebote. Der nördlichste Bereich besitzt durch die bestehenden Feldahörner einen geschützten Charakter und reduziert dadurch mögliche Komplikationen mit älteren Nutzern. Der Untergrund ist mit Sand ausgestattet, lädt zum Buddeln und Bauen ein und ist dementsprechend besonders attraktiv für jüngere Nutzer. Eine „Garnrolle“ dient in diesem Bereich als „Backtisch“. Das Angebot wird komplettiert durch eine Rutsche, deren Plattform über eine Kletternetzkombination zur erreichen ist.
Gegliedert durch zwei Hügel mit Fallschutzbelag befinden sich südlich des Sandbereiches zwei weitere Flächen aus Perlkies. Dieses Material eignet sich bestens als Fallschutzuntergrund für die dort vorhandenen Kletterelemente, die sowohl von Kindern wie auch von Jugendlichen und Erwachsenen genutzt werden können. Im mittleren Bereich führt eine Balancier- und Hangel-Kombination zu einem großflächigen, polygonalen Netz, das von innen und außen beklettert werden kann. Ein Begleitseil ist als Hilfsvorrichtung aufgespannt. Gleichzeitig stellt das Netz eine knapp 20 m² große Hängematte dar, in der Parkbesucher die Seele baumeln lassen können.

Der angrenzende Hügel mit einer Gesamthöhe von etwa 1,20 Meter führt zum südlichsten Spielabschnitt, welcher von einer markanten Eiche teilüberstellt ist und somit mittags ein wenig Schatten bietet. Auch hier findet sich Perlkies als Bodenbelag wieder. Drei Meter hohe Stahlpfosten bilden hier die Basis für einen herausfordernden Kletter-Rundparcours von insgesamt etwa 23 Meter Länge. Die Balancierseile sind zugänglich über die bereits genannten Garnrollen, aus denen die Stahlpfosten wachsen. Die Kletterhöhe beträgt zwischen 70 – 100 Zentimeter. Das Begleitseil zum Festhalten kann sowohl von Erwachsenen, aber auch von Kindern erreicht werden. Der letzte Spielhügel mit Fallschutzbelag steigt ebenfalls auf eine Gesamthöhe von 1,20 Meter an und läuft als großzügige Rasenmodellierung bis zum zentralen Wegeknoten aus. Das Wegenetz schließt hier mit Natursteinpflaster an den Bestand an.

Weitere sportliche Möglichkeiten ergeben sich durch eine angrenzende, geschwungene Pflasterfläche aus Betonstein, auf der zwei Allwetter-Tischtennisplatten aufgestellt sind. Dahinter öffnet sich der Park in eine großzügige Rasenfläche aus Landschaftsrasen, welche zum Sonnen, Verweilen und zur individuellen Nutzung einlädt.
Die Neugestaltung dieses Teilabschnittes des Ravensberger Parks stellt eine harmonische Neugliederung des Areals dar. Seine Offenheit und das neue, funktionale Angebot sind interessant für verschieden Nutzergruppen. Die Einbauten sind klar im Bereich der „Welle“ organisiert, die sich wiederum mit ihrer frischen Formgebung dynamisch in die Parkfläche eingliedert. Eine Reduktion des Wegesystems ermöglicht mehr „grüne Nutzfläche“, deckt aber alle wichtigen, alltäglichen Verbindungen komfortabel ab.

Fazit der Stadt

„Im gebietsbezogenen städtebaulichen Entwicklungskonzept für das Stadtumbaugebiet „Nördlicher Innenstadtrand“ sind unter anderem die Schaffung eines quartiersverbindenden und qualitativ hochwertigen Grün- und Freiflächensystems mit attraktiven und sicheren Rad- und Fußwegen sowie die Schaffung von Aufenthaltsräumen für Kinder und Jugendliche als Entwicklungsziele für den öffentlichen Raum definiert.
Ursprünglich befanden sich im Bereich der öffentlichen Grünfläche im Ravensberger Park (westlich des Wiesenbades) ein eingezäunter Kleinkinder-Spielbereich und einzelne verstreut angeordnete Spielgeräte. Quer durch die vorhandene Grünfläche zogen sich mehrere Fuß- und Radwege, die den Grün-Raum zerschnitten. Der ursprüngliche Wegverlauf wurde von den Nutzern nicht angenommen, es entstanden Trampelpfade. Dies hatte zur Folge, dass in der Örtlichkeit keine klare Konzeption in den Wegeverläufen mehr erkennbar war. Die Spielflächen genügten nicht mehr den heutigen Nutzungsansprüchen der Kinder. Zusätzlich musste ein Spielangebot (Bolzmöglichkeit) auf Grund der neuen Wohnbebauung auf den angrenzenden Flächen eingeschränkt werden. Um diese Defizite innerhalb der Grünfläche aufzugreifen, wurden bei der Neugestaltung der Grünfläche im Ravensberger Park sowohl der Spielbereich, als auch die vorhandenen Wege überprüft und neu geordnet.

Was ist in der neuen Konzeption relevant? Nach der Umgestaltung schlängelt sich am östlichen Rand der nun offenen und großzügigen Grünfläche ein breites „Parkband“, auf dem die Funktionen Spiel, Aufenthalt und Fortbewegung geordnet und neu organisiert wurden. Das Band bildet einen thematischen Bezug zur Ravensberger Spinnerei. Es zieht sich wie ein „Stoffband“ über das Gebiet. Kleinere Hügel im Kinderspielbereich ermöglichen ein neues und spannendes Spielerlebnis. Der Spielbereich enthält thematisch passende, ortsbezogene Spielgeräte.
Im Zusammenhang mit der benachbarten Ravensberger Spinnerei sind dies Garnrollen, die zum Klettern, Balancieren, Verstecken sowie zu vielfältigen anderen Spielmöglichkeiten einladen. Dadurch entsteht eine unverwechselbare Identität im Zusammenhang mit der Historie des Ortes und der Ravensberger Spinnerei. Der Gehölzbestand innerhalb des Grünzuges ist weitestgehend erhalten geblieben und wurde in Teilbereichen, u.a. durch Großbäume ergänzt“, bilanziert Michael Koch (Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld / Öffentlichkeitsarbeit und Marketing)


Fotos: Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten

 

 

 

 

 

<< zurück