St. Sebastian – Eine Kirche wird zur Kindertagesstätte

von Stephanie Eickelmann M.A. (Bolles+Wilson GmbH & Co. KG)

St. Sebastian – Eine Kirche wird zur Kindertagesstätte

Das elliptische Schiff der St.-Sebastian-Kirche (1962) ist der fokussierende Erinnerungs- und Orientierungspunkt für das umgebende Quartier. Seit 2008 profaniert, wäre der Abriss der Kirche womöglich logischer und wirtschaftlicher gewesen.

Die Jury zeichnete jedoch bei dem zur Umnutzung des Kirchengrundstücks ausgeschriebenen Wettbewerb in 2009 mutig den Entwurf von Bolles+Wilson mit dem 1. Preis aus. Dieser sah vor, nicht nur die schöne und elegante Form des elliptischen Kirchenschiffes zu erhalten, sondern ihr auch ein neues Leben und eine neue Funktion zu geben – eine Kindertagesstätte, eingerahmt und geschützt durch eine Randbebauung (Wohnen, 2. Bauabschnitt).

Der untere Raum der Kirche beherbergt nun eine Kita mit drei Gruppenräumen im Erdgeschoss und zwei Gruppen im 1. Obergeschoss. Die Decken werden zu Allwetter-Spieldecks – zwar innerhalb der Kirchenmauern, aber klimatisch als Außenflächen ausgebildet. Die existierende Ziegelfassade ist unterbrochen von einem Raster aus 50 x 50 cm großen Öffnungen, welche - jetzt offen - eine gesunde Querlüftung durch das Innen-/Außen-„Spielzimmer“ garantieren. Im Winter kalt, im Sommer angenehm temperiert, aber immer trocken, können die Kinder nun ganzjährig hier spielen. Das ursprüngliche Dach musste ersetzt werden, jetzt bringen transluzente Kuppeln viel Licht ins Innere des Schiffs. In der Dämmerung beleuchten u.a. Straßenlaternen diesen außergewöhnlichen Spielplatz.

Die Wände des großen „Spielzimmers“ zeigen ca. 140 m2 Akustikpaneele als 30 x 60 cm große „Sauerkrautplatten“ mit den gepixelten Umrissen eines Elefanten, einer Schlange und eines riesigen Krokodils.

Für die Sicherheit der Kinder beim Spielen in dem neuen Innen-/Außen „Spielzimmer“ sorgt der fugenlose Fallschutzboden playfix des Spielplatzbodenherstellers BSW. Grasgrüner Fallschutzboden erweitert das Grün-auf-Grün-Konzept des Innenraums auf das 'Spielzimmer'. Gigantische Hand- und Fußabdrücke, eingelassen in den grünen Boden, erzeugen ein Spiel mit Maßstäben. In der Kirche St. Sebastian besteht er aus einem zweischichtigen Aufbau mit einer 30 mm dicken Basisschicht, die für die Fallschutzeigenschaften sorgt und einer 10 mm dicken Nutzschicht aus farbigen EPDM-Granulaten. Bei der Gesamtdicke von 40 mm beträgt die maximale Fallhöhe 1,50 m gemessen nach DIN EN 1177:2008. Der Fallschutzboden hat eine brandsichere Ausrüstung, um die Anforderungen der Brandschutzklasse B1 zu erfüllen.

Ein neuer keilförmiger Anbau, der den „Mehrzweckraum“ und weitere Räume beherbergt, die auch von anderen Gruppen aus der Nachbarschaft, unabhängig von der Kita, genutzt werden können, vermittelt zwischen umprogrammierter Kirche und Straße. Hier führt ein verglaster Eingangsbereich (mit einer Bank für wartende Mütter) sowohl zur Kita als auch zu den angedockten Bereichen.

Die Außenspielplätze enthalten u. a. eine Bobby Car-Rennstrecke und ein Spielhaus, das zugleich als direkter Ausgang und als zweiter Fluchtweg von den Spieldecks dient.

 

Projektdaten:
Bauherr: Wohn+Stadtbau GmbH
Nutzer : AWO Arbeiterwohlfahrt, Münsterland-Recklinghausen
Architekt: Bolles + Wilson BOLLES+WILSON (www.bolles-wilson.com)
Planung: Oktober 2010 – August 2012
Realisierung: September 2011 - Januar 2013
Größe KiTa: BGF 1.120 m2
Innen/Außen“-Spielfläche innerhalb Kirchenschiff = 540 m2
Außenspielfläche = ca. 1000 m2
Fallschutzboden: BSW Berleburger Schaumstoffwerk GmbH (www.berlebuger.com)
Bauvolumen: 3 Mio Euro


Fotos: Markus Hauschild, Christian Richters Copyright: Bolles + Wilson

 


 

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