Individuelle Planung als Standard

Individuelle Planung als Standard

Im Norden Berlins erstreckt sich im Freiheitsweg des Bezirkes Reinickendorf eine neue Kletterlandschaft, die keinen Platz für Langeweile lässt. Innerhalb des letzten Jahres entstand angrenzend an das Sportgelände des Vereins Füchse Berlin auf über 1500 m² eine generationsübergreifende Erlebniswelt. 

Für die Landschaftsplanerin Alena Kniesche, die dieses Projekt in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Reinickendorf und der Berliner Seilfabrik verwirklichte, ist es das erste Projekt dieser Größenordnung. Umfassend setzte Sie das vielseitige Bauvorhaben gelungen um und berücksichtigte dabei die verschiedensten Themen, wie neue Herausforderungen schaffen,  Inclusive Play, U3 oder das benachbarte Sportzentrum.

 

Die Ausgangssituation

 

Schon lange befand sich auf dem Gelände ein „Spielplatz“. Aber gerade weil hier Schritt für Schritt Geräte ersetzt bzw. hinzugefügt wurden, ließ sich kein Gesamtkonzept erkennen. Durch die Vergabe von EU-Geldern für den Bezirk Reinickendorf ergaben sich neue Finanzierungsmöglichkeiten für dieses vernachlässigte Areal. Es sollte etwas Neues, etwas Großes, etwas Modernes, etwas für kleine und ältere Kinder her, wobei Geräte, die noch intakt waren, in der Planung mit berücksichtigt werden durften.

Die Grundidee der großen Anlage lieferte das Bezirksamt: es wollte eine Art Parcours, etwas Herausforderndes, das auch Jugendlichen Freude macht, und dass es außerdem auch Anreize für kleinere Kinder gibt. Frau Kniesche teilte das Spielareal in seinen Grundzügen in zwei Teilabschnitte auf. Es entstanden ein Bereich für Kleinkinder und einer, der den größeren Kindern und Jugendlichen in einer weiten Kletterlandschaft Herausforderungen bietet.

 

Konzentration und Übermut

 

Die Landschaftsplanerin konzipierte die Kletterlandschaft so, dass es möglich ist, von einem Ende des Spielplatzes zum anderen zu kommen, ohne den Boden zu berühren. Dabei geht es durch ein neun Meter hohes Mittelmastgerät mit Ausguck, über verschiedenste Kletterelemente, wie beispielweise Flächennetze, Kletterseile, Hangelleitern, Schaukelseile oder Slacklines in ein weiteres Raumnetzgerät, einen sogenannten Spaceball. Dieser fand bereits vor einigen Jahren Platz auf dem Gelände und führt den Klettermaxe über eine Seilbrücke auf ein Feld mit Gummimatten.

„Dieser Teil des Spielplatzes war noch in einem so guten Zustand, dass er komplett erhalten bleiben konnte“, sagt Alena Kniesche. „Das modulare System der Berliner Seilfabrik erlaubte es mir, die neuen Elemente des Parcours auf der einen Seite und die Spielhäuser auf der anderen Seite mit den alten Geräten zu verbinden.“ Der Teil mit den Gummimembranen ließ sich so einfach an die Baumhäuser  der Greenville-Produktreihe in Bambusstyle anschließen. Von diesen sogenannten Triis führt eine lange Kurvenrutsche in Richtung der „Face-to-Face-Swing“. Die große Schaukel mit den gebogenen Pfosten bietet Sitze für sechs „Kinder“ und vielleicht auch eine kleine Erholung, bevor es noch einmal über den Parcours in Richtung des Mittelmastgerätes zurückgeht. Das Farbkonzept der Anlage nimmt Bezug auf die Vereinsfarben des benachbarten Sportclubs Füchse Berlin. Die Seile leuchten orange und rot zwischen den grünen Pfosten. Auf einem der drei Meter hohen Pfeiler prangt stolz ein Schild in Form eines Fuchskopfes. Getreu dem Motto der Füchse Berlin, konzentriert hier und übermütig an anderer Stelle machen die kletternden Kinder klar: „Hier ist unser Revier“.

 

U3 – Mut anklettern

 

Wer noch nicht so erfahren im Hangeln und Balancieren ist, kann sich im Bereich für die kleineren Kinder auch erst einmal Selbstvertrauen anklettern und üben. Hier findet sich eine kleine Niedrigseillandschaft kombiniert mit Baumhäusern, die extra im schattigeren Bereich des Geländes angesiedelt wurde. Diese erlaubt dem jungen Aufsteigernachwuchs seine eigenen Erfahrungen an Flächennetzen, Hochseil und Spielhäusern zu sammeln. Die Trii-Baumhäuser sind Spielhäuser mit Bambuspaneelen als Aufwertung, die genug Nischen und Lücken zum Verstecken und Rausgucken lassen. Einmal über das Einstiegsnetz oder die Leiter hinein und durch die Brücke zum anderen Türmchen führt eine kleine Rutsche wieder hinaus. Die Bambuspaneele wirken hier nicht nur als Versteck und Barriere, sondern liefern auch zusätzlichen Schatten für die empfindliche Haut gerade bei den ganz kleinen Zwergen. Zudem ist Bambus umweltfreundlicher als gewöhnliches Holz. Botanisch betrachtet handelt es sich um ein Gras und das wächst nach, wenn es geerntet ist, und zwar in diesem Fall bis zu einem Meter am Tag.

Passend zur Location finden sich in und um die Anlage weitere Sportgeräte. So kann man zum Beispiel, integriert im Parcours, am Reck relaxen oder nebendran am Barren für die nächste Turnstunde trainieren.

 

Inclusive Play

 

Spielräume für Menschen mit Behinderungen gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Inclusive Play heißt, Spielgeräte zugänglich zu machen. In der Neugestaltung des Spielparks im Freiheitsweg wurde darauf Rücksicht genommen. So befindet sich beispielweise eine Nestschaukel direkt am Weg, welcher vom Eingang des Spielplatzes an der Anlage entlangführt. Die tellerförmigen, großen Schaukeln geben dem Nutzer die Möglichkeit, das Schaukeln auch im Liegen zu erfahren. An anderer Stelle wurde an den Geräten eine Rampe angebracht, die auf Wunsch einer Mutter eines Kindes mit Behinderung eingeplant wurde. In der Vergangenheit wendete sich die Mutter an das Bezirksamt mit der Erklärung, dass der Einstieg in ein Klettergerät über eine Schräge eine wesentliche Erleichterung für das Kind bedeuten würde.

 

Zur Person:

Alena Kniesche ist seit 2012 festes Teammitglied der 8-köpfigen Technikabteilung der Berliner Seilfabrik. Vorher studierte sie Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin. Heute arbeitet sie im Bereich Planung und Entwicklung und verantwortet hier eigene Projekte, die vor allem einer individuellen Gestaltung unterliegen. „Besonders schön für mich sind natürlich die Projekte mit besonderen Gegebenheiten: wenn alte Geräte wiederverwendet, verschiedene Bereiche integriert werden sollen oder natürliche Vorkommnisse wie Hügel oder der Baumbestand vor Ort mit in die Planung einfließen müssen. Gerade konnten wir ein Projekt abschließen, bei dem eine große Kletteranlage in einem Einkaufszentrum realisiert wurde. Das ist mal eine ungewöhnliche Landschaft für ein außergewöhnliches Spielgerät.“

 

Foto: Berliner Seilfabrik

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