Ein Platz für alle Generationen - und immer etwas los

von Markus Schürmann, ST-Freiraum Landschaftsarchitekten

Ein Platz für alle Generationen - und  immer etwas los

Inmitten der quirligen Betriebsamkeit der Landeshauptstadt Düsseldorf liegt der Münsterplatz an einer der Haupteinfahrtsstraßen der Innenstadt.

In seiner Vergangenheit wurde der Münsterplatz als reiner Spielplatz konzipiert. Ausgedehnte Fallschutzflächen aus Sand, Kletterspielgeräte unterschiedlicher Bauart und intensive Pflanzflächen bildeten die Hauptgestaltungselemente. Umgeben von dichten Vegetationsbeständen entwickelten sich die zentralen Aufenthaltsbereiche zunehmend problematisch. Im Laufe der Zeit ist die Nutzung durch Kinderspiel sukzessive zurückgegangen.

Zusätzlich brachte die verkehrsexponierte Lage des Platzes für eine Spielplatznutzung erhebliche Probleme mit sich. Von vier Straßen unmittelbar umgeben, besteht eine erhebliche Lärmbelastung. PKWs, Straßenbahn und der stetig anwachsende Lieferverkehr sind nicht unbedingt die Garanten für heimelige Aufenthaltsqualitäten.

 

Urbanität hat ihren Preis!

Jedoch bringt diese innerstädtische Lage einen steten Strom Menschen, auf der Suche nach Rast, Anregung, Unterhaltung, Bewegung und Entspannung.

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde bei der Neugestaltung des Münsterplatzes eine diagonale Zweiteilung der rechtwinkeligen Platzfläche vorgenommen. Eine mit granitfarbenem, großformatigem Betonsteinpflaster befestigte Fläche ragt über die ehemals flankierenden Gehwege hinweg bis an den Rand der Münsterstraße und öffnet sich zur bestehenden Einkaufspassage. Hierdurch entstand ein kleiner, kompakter aber stark exponierter Stadtplatz. An zwei Tagen in der Woche findet hier ein Wochenmarkt statt, der Erzeugnisse aus der Region und somit eine willkommene Abwechslung im Stadtraum bietet.

Den Gegenpol bietet ein Baumplatz, der, mit einer wassergebundenen Wegedecke befestigt, vielfältige Wegebeziehungen und Aufenthalt unter dem dichten Dach der bestehenden Platanen und Kastanienbäume zulässt. In seiner Spitze, an den Stadtplatz angrenzend, bietet eine Spielfläche aus Sand und hoch aufragenden Spielkisten einen Ort zum Spielen und Toben.  

Untereinander abgegrenzt werden die Teilbereiche lediglich durch oberflächenbündige Bänder aus großformatigen Betonplatten, die durch ihre anthrazitfarbene Oberfläche zu den seitlich angrenzenden Flächen kontrastieren, ohne räumlich wirksame Kanten zu bilden. Dadurch besteht der Eindruck eines großen, zusammenhängenden und transparenten Gesamtplatzes.    

 

Die Diagonale

Eine diagonal verlaufende Achse aus einer markanten Plattenzeile, einer Reihe bis in das Blätterdach hineinragender Lichtstelen sowie einer langgestreckten, zweiseitig ausgerichteten Sitzbank, teilt den Platz in zwei Hälften: offen, transparent und hart zur Geschäftsstraße – vielfältig, unbefestigt und heimelig zur angrenzenden Wohnbebauung. Durch die diagonale Anordnung öffnet sich der Gehweg der namensgebenden Münsterstraße wie selbstverständlich in den tiefen Raum, schafft Abstand zu Lärm und Geschwindigkeit des steten Verkehrs.

Der Ursprung der Diagonale liegt in eine aus runden Stahlpylonen gebildeten Pergola. Mikadostäben ähnlich tragen die Pylone ein weitgefachtes Dach aus gekanteten, aufrechtstehenden Profilen und bilden so ein Tor zur Stadt. Hier lehnen private Fahrräder und allgemein verfügbare City-Bikes.     

 

Der Stadtplatz

Die zum Straßenraum offene Fläche ist geprägt durch ihre Weitläufigkeit und Multifunktionalität. Die fein geschliffenen Oberflächen des Pflasterbelags bieten eine solide, komfortable und wertvolle Basis für verschiedenste Aktivitäten. Vom neu eingerichteten Wochenmarkt bis hin zum Auftakt des jährlichen Schützenfestes belebt der Platz das gesamte Quartier, bewahrt Traditionen und begründet neue Geschäftigkeit. Der zur „Apfelsinenkiste“ umgestaltete Eingang zum Tiefbunker vermittelt zwischen Markt und angrenzenden Spieltürmen. Sie bilden die südliche Platzkante und geben dem Platz sein charakteristisches Erscheinungsbild.

An den marktfreien Tagen dominieren Passanten und Flaneure das Platzgeschehen. In der Tiefe des Raums schafft die diagonal verlaufende, lange Bank mit ihren hölzernen Sitzflächen die Möglichkeit zu Rast und Aufenthalt. Durch ihre zweiseitige Orientierung lässt sich das städtische Treiben von hier aus am besten verfolgen. In den Nachmittagsstunden, wenn Kinder mit ihren Fahrrädern und Inlinern Kreise ziehen, wird der offenen Platz zur Bühne, die Bank zum Ersten Rang.    

 

Der Spielplatz

Auf der anderen Seite der langen Bank besteht im Rücken der offenen Platzfläche, komprimiert und kompakt, eine Sandfläche mit hoch aufragenden Spieltürmen. Diese wurden als Sonderkonstruktion mit dem Hersteller entwickelt und an die örtliche Situation angepasst. Mit ihren orangefarbenen Wänden aus Robinienholz bildet diese Spielstadt, analog zur angrenzenden Zeilenbebauung, die Raumkante des Platzes zur benachbarten Wohnstraße. Als bespielbare Räume bilden sie das Herz des Kinderspiels. Das Spiel in der Spielstadt ermöglicht gemeinsames Toben, Ausprobieren, Klettern und Rutschen für Kinder unterschiedlichen Alters. Die verschiedenen Aufgänge und Verbindungsstege wie Hangelbrücke, Kletternetz und Sprossenleiter animieren zum Bewegungsspiel. Bei der Gestaltung wurde großer Wert auf eine offene Bauweise gelegt, die durch ihre Transparenz Fehlnutzungen verhindert. Die Oberflächenstruktur des Naturholzes bietet eine angenehme Haptik und wirkt stets trocken und warm. Niedrige Räume unter den Türmen bieten interessante Rückzugsmöglichkeiten und Spielnischen. Auf den freien Sandflächen spielen die Kleinsten mit Schaufeln, Eimern und Förmchen, stets im Blick ihrer Eltern, die sich auf der langen Bank nieder lassen.

                                                      

Der Baumplatz

Während der Stadtplatz mit seiner geschäftigen und von Bewegung geprägten Atmosphäre ein hohes Maß an Öffentlichkeit darstellt, bietet der lediglich mit einer wassergebundenen Wegedecke versehene Baumplatz einen Rückzugsraum vom Trubel der Stadt. Durch den Erhalt des vertrauten Quellsteins wird die Tradition des Ortes gewahrt, bleiben gewohnte und geliebte Qualitäten bestehen. Das still rinnende Wasser unterstreicht die ruhige Nutzung des Platzes und wird in der Wärme des Sommers immer wieder Anlaufstelle zum Kühlen und Benetzen von Händen und Füßen.

Die sonnenbeschienene Westseite des Münsterplatzes bietet Platz für eine Zeile aus Einzelbänken. Weiß blühende Rosen vor einer Einfassung aus Hainbuchen unterstreichen die eher parkartige Ausstrahlung dieses Teilbereichs. Hier sind es vorwiegend ältere Menschen und Senioren, die den Platz nutzen, um sich auszuruhen, eine Zeitung zu lesen oder einfach ein Gespräch mit ihrem Nachbarn zu führen.

 

Tor zur Stadt

Zur stark befahrenen Straßenkreuzung präsentiert sich der Platz mit einer anthrazitfarbenen Stahlpergola. Ein auf vier bis sechs Meter hohen Stützen ruhendes  Dach aus Vierkantprofilen bildet das Tor zur Stadt. Während die schrägstehenden pylonartigen Stützen als Rundrohrprofil die Gestaltsprache der benachbarten Lichtmasten aufnehmen, bleibt das Dach mit seinen geradlinigen Streben bewusst offen und transparent. Als Tor zur Stadt besteht hier ein urbanes Element, das den eher beschaulichen Sitzplatz mit reduzierten Mitteln vom lärmenden Straßenverkehr abgrenzt, ohne eingrenzende Barrieren zu setzten. Offenheit und Transparenz schaffen auch hier Übersicht und Sicherheit.

Fast nebensächlich und alltagstauglich besteht hier die Möglichkeit zur Entleihe oder Rückgabe der beliebten City-Bikes.

 

Das Beleuchtungskonzept

Unter dem Dach des alten Baumbestands taucht nach Sonnenuntergang die Reihe diagonal verlaufender Lichtstelen den Bereich des offenen Stadtplatzes in helles Licht. Die orangefarbenen Fassaden der Spielstadt werden zur farbenfrohen Kulisse, während sich der zurückliegende Baumplatz in Dunkelheit hüllt.

Jetzt sind es die Nachtschwärmer, jugendliche Inliner- und Kickrollerfahrer und vereinzelte Liebespaare, die den Platz mit Leben füllen. Hier ist einfach immer etwas los!

 

Foto: ST Freitraum Landschaftsarchitekten

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