Jugend in die Stadt - Skateanlage in Werdau

Von Sylvia Staudte, Architektur Concept Pfaffhausen & Staudte GbR

Jugend in die Stadt - Skateanlage in Werdau

Skateanlagen zur Verbesserung des Freizeitangebotes für Jugendliche funktionieren auch in kleineren Städten nachhaltig und werden akzeptiert, wenn Politik, Nutzer und Bürger beteiligt werden. Jugendliche können – zwar oft unkonventionell, aber gar nicht utopisch - Impulse für die Stadtentwicklung geben.

Werdau ist eine kleine Stadt mit etwas über 20.000 Einwohnern in Südwestsachsen.

Die Stadt ist eine von den in dieser Region typischen, ursprünglich sehr stark industriell geprägten Städten. Nach der politischen Wende sind große Teile der wirtschaftlichen Infrastruktur weggebrochen, die Stadt hat mit starkem Bevölkerungsrückgang und Überalterung zu kämpfen. Das wirkt sich am stärksten auf die Innenstadt aus. Die ursprünglich urbane Stadtmitte erodierte in den letzten Jahrzehnten zunehmend, nicht zuletzt, weil Fabrikruinen abgebrochen wurden und die Flächen zum Teil nicht wieder bebaut werden konnten.

Unmittelbar am Stadtzentrum wurde der Bereich der Pleiße, die die Stadt durchfließt, baulich freigelegt. Die in städtischem Eigentum befindlichen Flächen an der Pleiße sollten als Grünbereich für alle Generationen gestaltet werden. 2010 nahm die Stadt mit Erfolg mit mehreren Themen u.a. mit der Planung eines Generationenparks an der Pleiße am Landeswettbewerb „Ab in die Mitte-die City-Offensive Sachsen“ teil.

Die Idee, innerhalb dieses Generationenparks eine Skateanlage innenstadtnah zu bauen, kam aus der Stadtverwaltung und das nicht ohne Hintergrund: Die kleine Skater- und BMX-Szene der Stadt sorgte schon seit langem für einigen Unmut bei der Bevölkerung, machten sie doch die innerstädtischen Freianlagen und Supermarktparkplätze unsicher. Die jungen Leute sollten aber nicht vertrieben, sondern ihre Aktivitäten sollten kanalisiert und sinnvoll in den städtischen Freiraum eingebunden werden. Wichtig war den Stadtplanern, jungen Menschen auch im Zentrum Möglichkeiten zu bieten, von denen nicht zuletzt auch die Einrichtungen dort profitieren und insgesamt eine Belebung ausgehen würde. 2011 wurden die Landschaftsarchitekten von Architektur Concept Pfaffhausen & Staudte Zwickau mit der Planung des Generationenparks beauftragt.

Bei der ersten Zusammenkunft im Rathaus saßen Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die beauftragten Landschaftsarchitekten, Streetworker und vor allem erstaunlich viel Skater und BMXer unterschiedlicher Richtungen an einem Tisch. Die jungen Leute brachten Ideen, Wünsche und schon kleine Entwürfe mit. Die Mitarbeiter der Stadt und die Planer hatten ebenfalls erste Vorstellungen und es wurde diskutiert und abgewogen. Um die Planung für alle Beteiligten effizient und gleichzeitig nachvollziehbar zu gestalten, wurde eine kleine Arbeitsgruppe aus den Planungsbeteiligten gebildet.  

Von Beginn an wurde ein Kostenlimit gesetzt, in dem sich die Planung bewegen sollte. Auch der Zeitrahmen der Umsetzung und die Projektfinanzierung aus städtebaulichen Fördermitteln (Stadtsanierung) waren schon relativ weitgehend geklärt. Da der Sprecher der Stadt von Beginn an in den Prozess eingebunden war, war eine gute Kommunikation zwischen der Stadt und den Jugendlichen, aber auch die sachliche Information der Öffentlichkeit gesichert.

 

Standortfrage

Lediglich der avisierte Standort erwies sich nach entsprechenden Untersuchungen als problematisch, da die ursprünglich geplante Fläche aus Lärmschutzgründen nicht mehr in Frage kam. Ein neuer Standort wurde in kurzer Entfernung am gegenüberliegenden Flussufer im Anschluss an gewerbliche Bebauung gefunden. Die Erreichbarkeit, auch für Nutzer aus den Ortsteilen im eher ländlichen Raum, ist aufgrund der Nahverkehrsanbindung gut.

Die am Standort benachbarte Kirchgemeinde, die ihr Außengelände ebenfalls für Freizeitaktivitäten nutzt, wurde in den Planungsprozess eingebunden.

Allerdings erwies sich die neue Fläche von Größe und Grundstückszuschnitt her als ungünstiger und erforderte ein vollständiges Umplanen.

Die Anlage wurde, angepasst an die Grundstücksform, als kreuzförmige Kombination unterschiedlicher Elemente geplant. Die Elemente werden durch ein Betonflat miteinander verbunden. So wurden auf geringem Raum differenzierte Angebote in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und für die unterschiedlichen Nutzergruppen untergebracht.

Aus Gründen der Langlebigkeit und des einheitlichen Erscheinungsbildes, auch dem innerstädtischen Standort geschuldet, entschied man sich für eine komplett in Beton ausgeführte Anlage.

Das gesamte Vorhaben wurde durch den Stadtrat bestätigt und öffentlich ausgeschrieben. Die Bauarbeiten führte ein örtliches Landschaftsbau – Unternehmen, die Fa. Lechner, Galabau, aus. Für die eigentliche Anlage wurden die Spezialisten von Concret Sportanlagen GmbH und ein Spezialbeton-Anbieter gebunden, die sich auch in die weitere Entwicklung einbrachten.

Gemeinsam mit diesen Beteiligten erfolgte eine Feinabstimmung der Planung und schließlich die Realisierung des Projektes.

Anfang September 2011 konnte der Bau der Skateanlage beginnen und Anfang Mai  2012 an die Nutzer übergeben werden.

 

Pipe, Banks und Ramps

Der eingefriedete Skatepark ist über einen, von der Durchfahrtsstraße abgeschrankten Eingangsbereich zu erreichen.

Die fast kreuzförmige Anlage besitzt an drei Seiten unterschiedlich hohe Kingsize Banks bzw. eine Quarter Pipe, die durch ein Betonflat verbunden sind. In dieser wurde zwischen Quarter-Pipe und Bank eine Rooftop Ramp mit niedriger Flatrail aus Stahl eingeordnet. Gegenüber der zweiten Bank verbindet eine Treppe in Kombination mit Ramp und verschiedenen Ledge Banks das untere Level des Flats mit dem etwas höher gelegenen zweiten Level. Auf dem unteren Level sind außerdem noch eine Curb Box und ein Railelement untergebracht.

Die Anlage wurde durch robuste Sitzelemente aus Betonquadern ergänzt und eingegrünt.

Die Baukosten für die Anlage lagen bei ca. 93.000 € zuzüglich Planungsleistungen und Vorleistungen für die Grundstücksfreimachung.

Die Anlage wurde schon vor der offiziellen Übergabe rege genutzt.

Die benachbarten Städte, wie Zwickau und Reichenbach, bieten zwar wesentlich mehr Möglichkeiten, sind aber gerade für jüngere Nutzer nur eingeschränkt erreichbar.

Die letztendliche Gestaltung des Skateparks resultiert aus einem Planungs- und Diskussionsprozess, in dem sowohl die zukünftigen Nutzer, die Spezialisten von Concrete Sportpark GmbH als auch Planer und Kommune ständig aktiv mitarbeiteten:

Natürlich ist der Prozess der Übernahme eines Teils der Verantwortung durch die Jugendlichen als Nutzer für alle Beteiligten Neuland und nicht ohne Probleme.

Auch im Betrieb gibt es immer wieder Gruppierungen, die sich nicht an die Vereinbarungen mit der Stadt halten.

Die Kommune ist gemeinsam mit dem Verein und Streetworkern im Gespräch mit den Jugendlichen und versucht so, den Tendenzen entgegenzuwirken.

Für die engagierten Jugendlichen, die am Gelingen des Projekts beteiligt waren, ist auch dies ein Lernprozess, dem sie sich stellen müssen.

 

Fazit

Vor Beginn der Planung sollte der Standort, insbesondere die immissionsschutzrechtlichen Verhältnisse, sowie die Zugänglichkeit/Erreichbarkeit und die Einbindung in gesamtstädtische Grün- und Freizeitsysteme geprüft werden.

Skateanlagen zur Verbesserung des Freizeitangebotes für Jugendliche funktionieren auch in kleineren Städten nachhaltig und werden akzeptiert, wenn Politik, Nutzer und Bürger beteiligt werden.

Durch konkrete Einbeziehung der Nutzer in den Planungsprozess und ggf. auch in die Umsetzung identifizieren sich diese mit der Anlage. Sie lernen auch mit (u.a. finanziellen und politischen) Vorbedingungen und Zwängen im Planungsprozess umzugehen, die das gewünschte „Endprodukt“ unter Umständen beeinflussen.

Damit kann potentiell die Akzeptanz erhöht und destruktiven Tendenzen entgegengewirkt werden.

Mit Inbetriebnahme der Anlage ist dieser Prozess nicht beendet, sondern der Dialog zwischen Verwaltung und Nutzern muss weitergeführt werden, in diesem Fall mit Hilfe des Vereins.

 

Foto: Architektur Concept Pfaffhausen & Staudte GbR

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