Ein Skatepark für Bremerhaven!

Von Dipl.-Ing. U. Bartels (BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH /Geschäftsbereich Infrastruktur)

Ein Skatepark für Bremerhaven!

Mit dem Bau des Hafentunnels realisiert die Stadt Bremerhaven derzeit ein Mammutprojekt. Der Tunnel soll die optimale Anbindung an die Autobahn A 27 sicherstellen, gleichzeitig Bewohner und Anlieger entlasten. In einer höhenungleichen Verbindung wird der Verkehr vom Autobahnzubringer der A 27 bis zum Überseehafen und den dortigen Containerterminals 1-4 geleitet. Diese Trasse verläuft entlang vorhandener Straßen, weicht aber im mittleren Bereich ab und führt hier durch Wohnquartiere.

Die Planung sieht vor, dass rund um den Spielpark Leherheide zwei Erdskulpturen entstehen – die sogenannten Landschaftsbauwerke. Die Bauwerke aus Aushubmaterial sollen für die Anwohner zu Naherholungsflächen werden. Allerdings muss dafür die alte im Spielpark gelegene Skateanlage mit Miniramp, Bowl und kleinen Street-Rampen weichen. 

Im Planfeststellungsverfahren zum Tunnelneubau wurde dafür bereits ein Ersatzbau am westlichen Rand des Spielparks vorgesehen. Dazu fand im Vorfeld im Herbst 2012 ein Workshop mit Kindern und Jugendlichen – vornehmlich Nutzer der alten Anlage – statt. Der Workshop wurde zwar auch öffentlich angekündigt, eine Beteiligung fand aber überwiegend durch die Nutzer vor Ort statt, so dass im Ergebnis eine sehr nutzerorientierte Konzeption entstanden ist.

Planungsziel war eine Anlage für Skater und Biker zu schaffen, die in ihrer Wertigkeit der alten Anlage entspricht. Mit dem Skateanlagenplaner Ingo Naschold von DSGN concepts erarbeitete man gemeinsam in vier Sitzungen die Grundlagen des Konzepts. Die Ideen der rund 30 Kinder und Jugendlichen wurden unter Begleitung des Gartenbauamtes, der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS), der Spielparkleitung und des Streetworkers aufgenommen und von DSGN concepts in Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro Gerdes in ein stimmiges Konzept gebracht. Dabei legten sie nicht nur Wert auf die Funktionalität, sondern auch auf die Gestaltung: In der Vogelperspektive erscheint die Anlage wie ein geöffnetes Auge und ist hoffentlich bald auch auf Satellitenbildern zu erkennen. Durch landschaftliche Höhenunterschiede mit funktionalen Elementen bildet sich im Skatepark eine flüssige Dynamik zur sportlichen Nutzung mit Raum zur Kreativität.

Da Skateboarder und BMXer teils unterschiedliche Anforderungen haben, wurde die Anlage in zwei Bereiche gegliedert. Für BMXer große Holzrampen zum Springen –kleinere Elemente und funktional geformte Rollflächen aus Beton für die Skateboarder. So hat jede Sportart ihre spezifischen Bereiche, die den Anforderungen an Form und Materialität gerecht werden. Im BMX Bereich wurden eine große Quarter mit Jump-Box und Spine angelegt, die in einer Fahrlinie an einer Miniramp enden. Aufgrund der Fahreigenschaften und Anforderungen von BMXern sind die Rampen größer dimensioniert, der Boden aus Asphalt und die Rampen sind aus Holz enstanden. Die unterschiedlichen Materialien gewährleisten auch sicherheitstechnische Aspekte, da bei BMX Tricks höhere Fallhöhen erreicht  und somit Stürze etwas „entschärft“ werden können. Die Anforderungen an die Größe der Rampen für Skateboarder und BMXer sowie die unterschiedliche Dynamik waren Gründe die Anlage in unterschiedliche Nutzungsbereiche zu gliedern. Somit kann mit dieser strukturierten Aufteilung der Rampen in Größe und Standort eine Verminderung von Zusammenstößen  erreicht werden.

Der Skate-Bereich aus Beton stellt den größten Bereich der Anlage dar und verläuft über mehrere Ebenen. Die Ebenen sind mit vorgefertigten Elementen der Fa. Concrete Skateparks verbunden. Den Mittelpunkt der Anlage bildet die aufgehende Iris des Auges. Dieses ist das zentrale Element mit einer Kombination aus Schrägen, Rails und Ledges. Um die Iris herum verlaufen Schrägen als symmetrischer Kreisbogen mit weiteren Hindernissen für technischere Tricks.

Mit Kosten von rund 600.000 € ist die Anlage mit ihren rund 1.500 qm eine gelungene Investition in die Jugend, den Sport und das Marketing der Stadt Bremerhaven.

Von Anfang an äußerten Kinder und Jugendliche den Wunsch, beim Bau mitzuarbeiten. Dies ließ sich bei den vorbereitenden Bodenarbeiten und den anschließenden Betonarbeiten allerdings nur schwer realisieren.

Bei der Installation der BMX-Rampen dagegen wurde dieser Wunsch von der Firma IOU Ramps aufgenommen und die Jugendlichen in den Aufbau eingebunden.

Die Anlage wurde im Dezember 2014 eingeweiht.

Auch in der Wintersaison erfreute sich die Anlage großer Beliebtheit und wurde rege in Anspruch genommen. Erfreulicherweise ist es im Gegensatz zu anderen Bereichen im Spielpark noch kaum zu Vandalismus-Schäden gekommen, ein Grund dafür mag die hohe Akzeptanz der Nutzer und der Zuschauer sein.

Die Spielparkleitung bemüht sich, Kinder und Jugendliche in die Instandhaltung der Anlage einzubinden, was ihr immer wieder gut gelingt. Wie selbstverständlich werden dann Besen geholt, um den Platz von Blättern zu befreien. Letztlich sollen die Nutzer selbst mehr und mehr zur Verantwortung gezogen werden.

Die Initiative Skateboarding BMX in Bremerhaven, kurz ISBIB – ein neu gegründeter Verein für die Skater und Biker – kümmert sich darum, mehr Kinder für den Sport zu gewinnen und plant für das aktuelle Jahr bereits ein größere überregionale Veranstaltung.

 

Statements:

Börje – BMX Fahrer:

„Der Park ist sehr gut gelungen, macht tierisch Spaß“.

Julius – Skate Board Fahrer:

„Es wurde alles super umgesetzt. Ich war ja bei der Planung dabei und freue mich, dass alles so geworden ist, wie wir es uns vorgestellt haben“.

Leonhardt – BMX Fahrer:

„Ist auf jeden Fall der beste Platz in ganz Bremerhaven und kann locker mit anderen Parks mithalten“.

Noah – BMX Fahrer:

„der Belag, also der Beton, ist cool….der trocknet superschnell.“

Klaus Friedrichs – Leiter des Spielparks:

„Wir sind sehr stolz und sehr froh, dass wir einen so tollen und modernen Skatepark auf unserem Gelände haben. Er ist eine große Bereicherung.“

 

Beteiligte

Bauherr: Stadt Bremerhaven

Projektsteuerung: BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH, Bremerhaven

Planer: Planungsbüro Jens Gerdes, Oldenburg

Skatedesign: DSGN Concepts Ingo Naschold, Münster

 

Foto: Stadt Bremerhaven, DSGN Concepts Ingo Naschold

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