Die Langfrequenzlinie im Blick

Die Langfrequenzlinie im Blick

„Gar nicht so eine olle Blumenschau“, so bezeichnete ein SWR Moderator die Gartenschau im badischen Mühlacker, für deren Gesamtplanung das Büro Elke Ukas Landschaftsarchitekten aus Karlsruhe verantwortlich war.

Am Eröffnungstag der Gartenschau wurde auch der Sparkassen-Spielplatz endgültig fertiggestellt und steht nun den jüngeren Besuchern mit ihren Familien für viele schöne Stunden am Enzufer offen. Bereits kurz vor der Fertigstellung lud die Gartenschau gemeinsam mit ihrem Premiumpartner, der Sparkasse Pforzheim Calw, zum Testlauf ein. Und keine Frage: Die kleinen, aber nichtsdestoweniger kritischen Spielplatz-Experten vom Dürrmenzer Kindergarten Schulstraße kamen der Einladung gerne nach und unterzogen den Sparkassen-Spielplatz einem ersten Probelauf. Ihr Urteil war schnell gefällt: „Hierher kommen wir bald wieder zum Spielen!“

„Wenn die Gartenschau das grüne Herz der Stadt ist, so wird der neue Sparkassen-Spielplatz sicher der lebhafte Taktgeber dieses Herzens“, schmunzelten Oberbürgermeister Frank Schneider und Sparkassen-Marktdirektor Gerd Owczarek beim Anblick der eifrigen Spielplatztester.


„Wenn man sich das begeisterte Treiben beim ersten Testlauf anschaut, so können wir sicher sein, dass wir mit unserem Patronat einen Bereich der Gartenschau unterstützen, der auch nach dem 13. September dauerhaft zum Anziehungspunkt für Familien aus Mühlacker und der Region wird“, freut sich Ulrich Haag, Abteilungsleiter Events & Sponsoring der Sparkasse. Denn natürlich ist mit dem Ende der Gartenschau der Spaß noch lange nicht vorbei. Der Spielplatz ist eine robust gebaute Daueranlage, die viele Jahre intensiver Nutzung übersteht. Dieser Aspekt der Nachhaltigkeit war dem Partner von Anfang an wichtig: „Wir möchten aktiv mitwirken, den Zusammenhalt der Gesellschaft langfristig zu stärken und die Lebensqualität zu erhöhen“, so Haag. „Und Projekte zugunsten von Kindern und Jugendlichen liegen uns besonders am Herzen, da fiel die Wahl schnell auf das Patronat des Spielplatzes!“ Erst diese Bereitschaft, sich an der Realisierung maßgeblich zu beteiligen, ermöglichte der Stadt die Konstruktion der fantasievollen, neuen Spiellandschaft.

Verantwortlich für die Realisierung des Spielplatzes: die KuKuk GmbH. Das Unternehmen aus Stuttgart erhielt nach einer funktionalen Ausschreibung den Auftrag für die Spieleinbauten des Spiel- und Bewegungsraums. Gesetzt war dabei das Thema „Sender und Töne“ der Landschaftsarchitekten. Der künstlerische Anspruch war, für alle Besucher Räume zu schaffen. Es sind zwei Pole, die der Planung zugrunde liegen: die Natur auf der einen, die Siedlung auf der anderen Seite. Direkt neben der Enz entstand eine natürliche Schwemmuferlandschaft mit Hölzern wie zufällig angeschwemmt, mit Wurzeln, die sich, wie es scheint, im Gestrüpp verfangen haben, mit Sandbänken, die wirken, als ob sie auf natürliche Weise entstanden wären und mit Kieseln und Steinen unterschiedlicher Größe, die aussehen, als ob sie aus dem Flussbett der Enz durch Naturgewalt ans Ufer getragen worden wären. Diese ‚ursprüngliche‘ Landschaft bietet vielfältige Anlässe für freies Spiel: So lassen sich z.B. die ‚Fundstücke‘ auf unterschiedliche Art und Weise ins Spiel einbeziehen, bietet die Wildheit der Holzstrukturen Kletter- und Balanciermöglichkeiten aber auch Höhlen, die sich als Orte zum Verstecken anbieten und von denen aus nach außen gespäht werden kann. Solche in ihrer Funktion nicht eindeutig festgelegten Räume sind für Kinder besonders wichtig, damit sie selbstbestimmt agieren und kreativ sein können. Durch Ausprobieren – manchmal auch durch riskante Manöver, die mit Scheitern verbunden sind – lernen Kinder, den Schwierigkeitsgrad von Herausforderungen wahrzunehmen und einzuschätzen und sich entsprechend – wie es die Situation erfordert – richtig zu bewegen. So bauen sie langsam Bewegungssicherheit auf und entwickeln gleichzeitig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Ein Fußweg trennt diese ‚ursprüngliche‘ Landschaft vom ‚urbanen‘ Raum, der sich zur Stadt Mühlacker hin öffnet. Weit sichtbar ist der in rot-weißer Farbe gestrichene Robiniensteher, der in Blickverbindung zum 273 Meter hohen Mittelwellensender von Mühlacker steht. Seit 1930 ist dieser Sender Wahrzeichen der Stadt, 2012 wurde er stillgelegt – der Robiniensteher wird dadurch zu einer Reminiszenz an diesen ehrwürdigen Turm, der in den nächsten Jahren abgebaut wird. Durch Seile ist der rot-weiße Steher mit dem Spielturm verbunden, der in zwei bis drei Metern Entfernung steht. In schwindelnder Höhe kann man auf Seilen zwischen Mast und Turm hin und her balancieren. Vor allem für Jugendliche übt dies einen besonderen Reiz aus, denn die schwingenden Seile erfordern Geschicklichkeit und auch Mut. Selbstvertrauen und die Fähigkeit der Selbstüberwindung können hier gestärkt werden. Von den beiden Plattformen des Turms, die im Innern über eine Netzkletterstruktur erreicht werden können, bietet sich ein Blick über das Gartenschaugelände. Von einer Minute zur anderen lässt sich die Welt von oben betrachten – ein Perspektivenwechsel wird möglich. Von hier aus springt besonders die zur Form gewordene Frequenzlinie unten ins Auge, die an der Oberkante mit knalligem Rot angestrichen wurde. Durch die Zick-Zack Form der Frequenzlinie entstehen auf beiden Seiten Räume mit Durchlässen, in denen unterschiedliche Klangelemente angebracht sind. Röhrenglocken mit Klangröhren, ein Dendrophon mit Klangbrettern, Klangscheiben und ein Klangbildtisch, die von Richter Spielgeräte GmbH hergestellt wurden und auf der Entwicklung von Wolfram Graubner in Zusammenarbeit mit Hugo Kükelhaus‘ ‚Spielstationen zur Entfaltung der Sinne‘ beruhen, spielen mit dem Thema Frequenz und den damit zusammenhängenden Schwingungen und Impulsen und laden Klein und Groß zu melodischen Spielen und Klangexperimenten ein.

Der Spiel- und Bewegungsraum ist durch einen hohen Spielwert gekennzeichnet und ermöglicht eine große Bandbreite an Bewegungsabläufen für Menschen allen Alters. Der Raum bietet für die ganz kleinen Besucher vielfältige Spielmöglichkeiten im Sand und Wasser, für Jugendliche schwierige Herausforderungen bis hin zu Mutproben vor allem am Spielturm, für Erwachsene schließlich nicht nur Gelegenheiten, zu bummeln und sich hinzusetzen, sondern auch sinnliche Erfahrungen an verschiedenen Klangelementen an der Langfrequenzlinie zu machen.

 

Foto: KuKuk GmbH

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