„Fit für die Zukunft“

von Regine Lechner, Lechner Landschaftsarchitekten

„Fit für die Zukunft“

Als eine der großen Berliner Wohnungsbaugesellschaften besitzt die Stadt und Land Wohnbauten- Gesellschaft mbH auch viele Wohnungsbestände in Berlin- Hellersdorf. Die hier gelegenen Wohngebiete werden geprägt von den in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebauten Plattenbauten. Diese meist 5- bzw. 6- geschossigen Gebäude sind in großen Wohnblöcken angelegt und lassen so im Inneren weitläufige grüne Höfe entstehen, die den Anwohnern eine Freizeitnutzung direkt ‚vor der Haustür‘ ermöglichen. Insbesondere für die wohnungsnahe Versorgung mit Spielangeboten bieten die grünen Innenhöfe viele Optionen.

Nachdem die Gebäude saniert und das dazugehörige Wohnumfeld nach der Wende größtenteils aufwendig hergestellt wurde, besteht nach fast 20 Jahren insbesondere in den Außenanlagen Umplanungs- und Sanierungsbedarf, weil die ehemaligen Anlagen stark abgenutzt sind und nicht mehr dem Nutzerbedarf entsprechen.

Vor diesem Hintergrund plant die Stadt und Land Wohnbauten- Gesellschaft mbH ihre Spielplätze in den kommenden Jahren „fit für die Zukunft“ zu machen. Die Anforderungen an die Umplanungen sind vielfältig:

- Um den Bestand zu schonen, sollen die Spielplätze mit möglichst geringem Aufwand und punktuellen Eingriffen umgebaut werden.

- Die neuen Spielangebote sollen für möglichst viele Altersgruppen attraktiv sein.

- Die neu entwickelten Spielgeräte müssen möglichst dauerhaft und pflegeleicht sein, da immer weniger Unterhaltungsmittel zur Verfügung stehen

- Die neu entwickelten Spielgeräte sollen vandalismusresistent sein.

Für vier Spielbereiche in Berlin- Hellersdorf wurde das Büro Lechner Landschaftsarchitekten beauftragt, eine moderne Ausstattung für verschiedene Altersgruppen anzubieten. Diese befinden sich in der Waldheimer Straße/Döbelner Straße/Leisniger Straße (Hof 1), in der Suhler Straße/Alte Hellersdorfer Straße (Hof 2), in der Gothaer Straße/Eisenacher Straße (Hof 3) und in der Riesaer Str./Döbelner Str. (Hof 4).

 

Entwicklung des übergreifenden Modulsystems

Die architektonischen Elemente der Wohnbebauung, mit farbigen geometrischen Details an Treppenhäusern und Balkonen legten den Grundstein für die Entwicklung des Modulsystems Hellersdorf.

In enger Zusammenarbeit zwischen dem Bauherrn und der Fachfirma für Spielraumgestaltung Zimmer:Obst entstand die Idee, übergreifende Spielgerätemodule zu entwickeln, die an die jeweilige individuelle Situation des Innenhofes angepasst werden können. Als verbindendes Element dienen pulverbeschichtete Stahlrohre als Grundkonstruktion in einem harmonischen und frischen Farbkonzept in RAL- Design Tönen wie zitronengelb, pastelltürkis, olivbeige

und lachsorange, die Assoziationen zu Sonne, Himmel, Wasser und Sand erzeugen.

Durch die Ergänzung mit Holzbalken, Podesten, Seilen, Netzen und Edelstahlstangen entstehen immer wieder neue Spielsituationen und – attraktionen. Je nach Anordnung der Elemente ergeben sich unterschiedliche Schwierigkeitsgrade, so dass eine große Bandbreite von Altersgruppen angesprochen wird.

 

Hof 1

In der größten der drei Anlagen bestimmte ein Spielhügel mit einer stark abgenutzten und uneinsehbaren Ritterburg aus Holz die bestehende Spielanlage. Unter Beibehaltung des Spielhügels wurde die Ritterburg durch einen luftigen Kletterhain aus bunten Stahlrohren ersetzt. Die ebenfalls vorhandene lange Edelstahlrutsche wurde in das Spielkonzept integriert und bildet innerhalb der Spielanlage einen echten Höhepunkt - von hier wird ein Höhenunterschied von drei Meter überwunden.

Die Spielanlage fordert zum Klettern, Hangeln, Rutschen, Balancieren und Schaukeln auf. Auf der Anhöhe des Spielhügels können sich die Kinder wie auf einer Spielinsel inmitten der Großstadt fühlen.

 

Hof 2

In dem üppig begrünten Innenhof erhellt ein neuer Balancier- und Hangelbereich mit seinen zitronengelben Stahlstützen den Außenraum. Balancierbalken und Seile verbinden kleine quadratische Spielpodeste. Die farbig gestalteten Seitenflächen der Holzkonstruktion erwärmen auch in dunkler Jahreszeit diesen Spielraum mit seinem leuchtenden Orange. Eine Hängematte lädt zum „Chillen“ ein - hier kann man entspannt die Ruhe des Innenhofs genießen.

 

Hof 3

Die kleinste Umbaumaßnahme liegt im dritten Innenhof mit einem herrlich weiten „blauen“ Himmel. Das gemeinsame Schaukeln ist immer schon eines der beliebtesten Spielangebote im Außenraum. Hier entschied man sich mit dem Hellersdorfer Modulsystem eine Zopfschaukel zu bauen, auf der 3-4 Kinder gleichzeitig Platz haben. Zwei Balancierbalken für die ganz kleinen Gäste dieses Spielplatzes ergänzen das Spielangebot.

 

Hof 4

Transparenz und Angebote für alle Generationen sollten im vierten Hof neue Aufenthaltsqualität schaffen. Aufgeschüttete Hügel wurden abgetragen und ein in den Jahren dicht zugewachsener Hof in eine transparente Gräserlandschaft mit Rasenwellen umgestaltet. Zitronengelbe und türkisfarbene Stahlstützen mit aufmontierten Rohrkolben aus Holz fügen sich in die Rasenwellen ein und bilden eine Spiellandschaft zum Klettern, Rutschen, Schaukeln und Hangeln. Ergänzende Liegestühle, Bänke und Generationenfitnessgeräte in den gleichen Farben laden

ganze Familien zum Aufenthalt im Freien ein.

 

Resümee

Mit dem Modulsystem Hellersdorf passt sich ein individuell für die Wohnanlage gestaltetes System in den Bestand ein. Flexible und wartungsarme Bestandteile ermöglichen immer wieder neue Kombinationen und eine Fülle von kreativen Gestaltungsmöglichkeiten.

 

Bauherr: Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH, Berlin

Planung: Lechner Landschaftsarchitekten, Berlin

Bauzeit: Mai- Juli 2014 und 2015

Eröffnung: August 2015

Baukosten Spielgeräteausstattung: 100.000,00 € brutto

Ausführung: Spielraumgestaltung Zimmer.Obst GmbH, Spreenhagen

 

Foto: © Lichtschwärmer - Christo Libuda

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