Neue Ansätze bei der Gestaltung und Nutzung von bewegungsfreundlichen Schulhöfen

Neue Ansätze bei der Gestaltung und Nutzung von bewegungsfreundlichen Schulhöfen

BSW ist führender Hersteller von Sport- und Spielböden für Außen- und Innenanlagen. In Zusammenarbeit mit namhaften Hochbau- und Landschaftsarchitekten stattet das Unternehmen seit vielen Jahren fantasievolle und innovative Anlagen mit seinen Böden aus. Im Interview mit Sport + Leisure Facilities plädiert Marketingleiter Albrecht Rieger vor diesem Hintergrund für neue Ansätze bei der Gestaltung und Nutzung von Schulhöfen, Spielplätzen und Sportanlagen.

 

S+L: Herr Rieger, Sie halten die meisten Schulhöfe für zu wenig attraktiv. Wie kommen Sie zu dieser Ansicht?

 

Albrecht Rieger: Attraktivität heißt ja zunächst Anziehungskraft. Und ich finde, dass eine leere, triste Anlage nicht attraktiv, nicht anziehend ist. Meiner Meinung nach haben Asphalt, Beton und Verbundsteine nichts auf Schulhöfen zu suchen, denn diese Bauweise erinnert an die Architektur von Banlieues, die zu sozialen Brennpunkten wurden.

S+L: Wie sollte denn Ihrer Meinung nach die Attraktivität, die Sie einfordern, erzeugt werden?

A.R.:    Durch den Willen zur Erneuerung und Verbesserung. Der Komponist John Cage hat gesagt: „Ich verstehe nicht, warum Leute Angst vor neuen Ideen haben. Ich habe Angst vor den alten.“ Wenn ich mir einige Freizeitanlagen und auch Schulhöfe ansehe, bekomme ich es nicht selten wirklich mit der Angst zu tun. Zaunanlagen, Ge- und Verbotstafeln, Scheinwerfer, keine oder alte Spielgeräte und marode Asphaltflächen erinnern mich oft an eine Art Straflager, aber nicht wirklich an Orte, an denen man gerne seine Zeit verbringt.

S+L: Aber wie lässt sich dieser Wille in die Tat umsetzen?

A.R.:    Es gibt viele positive Beispiele, in der Masse aber noch zu wenige. Wodurch zeichnet sich ein Schulhof aus, den ich meine? Durch eine Synthese aus verschiedenen Nutzungsschwerpunkten, anspruchsvolle Gestaltung - also durch ästhetische Komponenten der Landschaftsarchitektur und der Architektur des urbanen Freiraumes - durch die Ausrichtung auf bestimmte Altersgruppen sowie auf pädagogische Ziele und Freizeitnutzen für die Kinder und Jugendlichen. All das ist seit vielen Jahren bekannt, wird aber noch nicht überall umgesetzt.

S+L: Was meinen Sie mit einer Synthese aus Nutzungsschwerpunkten?

A.R.:    Es gibt viele verschiedene Arten einen Schulhof zu nutzen. Deshalb sollten sich Planer und Betreiber bewusst für die ihnen wichtigsten Schwerpunkte entscheiden. Auch die Kinder selbst wären zu fragen. Dient er Sport und Spiel, wird er zum Begegnungs- und Sozialraum der Schüler, wird er Unterrichtsort oder bleibt er ein Ort, mit dem man nichts Besonderes anzufangen weiß? Was ein Schulhof nicht sein sollte, ist ein Parkplatz oder die Standfläche des Bierpilzes bei öffentlichen Veranstaltungen.

S+L: Was schlagen Sie vor, damit sich das ändert?

A.R.:    Man sieht ständig den gleichen Aufbau von Schulhöfen: Häufig wird einfach nur auf Asphalt gespielt, mit ein paar Spielfeldeinzeichnungen, ab und zu mal ein Basketballkorb, ein paar Spielgeräte und Tischtennisplatten. Meiner Ansicht nach haben hier Asphalt und Verbundsteine bis auf den Zufahrtswegen für Lieferanten und Rettungsfahrzeuge nichts mehr verloren. Diese Materialien wurden einst verwendet, weil ein fester Untergrund gefordert war. Heute gibt es längst feste Untergründe, die eine Vielzahl an wertvollen Funktionen haben, die einen Schulhof bereichern: Design und Ästhetik, Bodenspiele, Sportflächen, Fallschutz, Sitzgelegenheiten und Schallschutz. BSW hat zahlreiche Bodensysteme entwickelt, die sich problemlos auf den alten Untergründen verlegen lassen, was deren Rückbau erspart – Preisvorteile inbegriffen. Es gibt Schulhöfe, auf denen unsere Böden so gestaltet sind, dass sie allein schon eine Attraktion für die Kinder darstellen. Fügt man die Möglichkeiten eines guten Bodens in ein architektonisch-pädagogisches Gesamtkonzept ein, hat man mit vertretbaren Kosten einen Schulhof gestaltet, der seinen Namen verdient und über die Schulzeiten hinaus zu einem wertvollen Begegnungs- und Bewegungsraum wird.

S+L: Sie spielen darauf an, dass Sie Komponenten aus der Landschaftsarchitektur und dem öffentlichen Raum einfließen lassen wollen. Was genau meinen Sie damit?

A.R.:    In den Schulhof sollte nicht nur die Spielplatzgestaltung Einzug halten. Auch Jugendliche haben spezielle Bedürfnisse, die sie nicht nur von jüngeren Kindern, sondern auch von den Erwachsenen unterscheiden. Allein Sportflächen reichen hier nicht aus. Treffpunkte zum Chillen gehören genauso dazu wie Gelegenheiten zum unterrichtsfreien Lernen oder zum improvisierten Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiel. Das Einüben erwachsener Verhaltensmuster kann durch Aufenthaltsorte befördert werden, die denen öffentlicher Anlagen ähneln.

S+L: Wie finden diese Überlegungen Einzug in die Gestaltung Ihrer Produkte?

A.R.:    Ein grellbunter Boden wäre hier sicherlich unwillkommen. Die Farbgebung kann sich der Altersgruppe jedoch anpassen, ohne dass auf Sicherheitsaspekte verzichtet wird. Das muss den Jugendlichen überhaupt nicht bewusst werden. Wir können befestigte Böden bauen, die stoßdämpfend und leise sind und deren Aussehen von einer Asphaltfläche fast nicht zu unterschieden ist. Oder sie fügen sich unauffällig in eine bepflanzte, parkähnliche Umgebung ein. Unsere Böden für Schulhöfe kennzeichnen sich durch drei Aspekte: Die kostensparende Installation, die Ausrichtung auf Altersgruppen und die Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten. Der reine Spielplatzboden ist da nur noch ein Anwendungsschwerpunkt von vielen. Wir entwickeln zurzeit eine neue Generation solcher Böden. Auf der Messe Galabau in diesem Herbst werden wir einiges davon zeigen.

Das Interview führte Tobias Thierjung

Foto: BSW

 

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