Frankfurts entspannteste Grünanlage

Von sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH

Frankfurts entspannteste Grünanlage

Der Hafenpark im Frankfurter Osten bildet den Abschluss der Grün- und Flaniermeile des Mainufers und den Anschluss an den Grüngürtel. Für die Stadt Frankfurt stellt er den Volkspark des 21. Jahrhundert dar.

Vor der eindrucksvollen Kulisse der Europäischen Zentralbank hat Frankfurt einen neuen, großen Freiraum bekommen. Hier sind alle willkommen, die sich gerne spontan und ohne Kommerz an frischer Luft bewegen oder einfach nur in der Natur entspannen möchten. Statt „Rasen betreten verboten“ steht „Wenn Du schon mal hier bist, setz Dich doch“ auf den Schildern.

Nach fast vier Jahren Bauzeit hat Frankfurt 40 000 Quadratmeter Naherholung mehr. Die Bauarbeiten und die Einweihung des circa acht Millionen Euro teuren Parks zwischen Honsellbrücke und Deutschherrenbrücke im Frankfurter Osten verzögerten sich. Für Rosemarie Heilig (Grüne) war der Tag der offiziellen Eröffnung nach eigenem Bekunden „der schönste Tag, seit ich vor drei Jahren Umweltdezernentin wurde“.

„Selten ist ein Park schon vor seiner Eröffnung so begeistert auf­genommen worden wie der Hafenpark. Hier zeigt sich Frankfurt von seiner lebendigsten und sympathischsten Seite, hier schlägt der Puls der Stadt. (…) Kommen Sie zu unserem „place to be“!“ So formulierte Dezernentin Rosemarie Heilig die Einladung zur Eröffnung des Parks mit einem großen Sommerfest im Juli 2015.

Mit der Eröffnung des Hafenparks wurde der Wandel einer Industriebrache zu einem neuen Volkspark vollendet. Das Programm des Parks geht zurück auf eine Online-Befragung der Bürger im Jahr 2009. Mehr als 1.300 Frankfurter und Frankfurterinnen beteiligten sich bei der Planung dieses neuen "Bügerparks". Es folgte der freiraumpla­nerische Wettbewerb, den das Büro sinai für sich entschied.

Bereits im Dezember 2012 wurde die Skate- und BMX-Anlage „Concrete Jungle“ freigegeben. Diese wurde in mehreren Workshops mit Gruppen aus BMX-lern, Skatern und Inlinern entworfen, Jugendliche und Erwachsene sahen einen Ort für die Verwirklichung eines Szenetraumes. Die modellierten Wünsche wurden in Beton übersetzt, für die Konturen und Formen der ebenen, konkaven, konvexen und schrägen Flächen wurden aufwendige Schalungselemente aus Holz per Hand gefertigt. Die Anlage präsentiert sich im westlichen Teil als flatground-area / technical park mit diversen Einbauten wie banks, transitions, curbs und copings. Im östlichen Teil liegt die main area mit pool- und 4,30 Meter tiefem bowl-Bereich, Kugeln, Zylindern und Stützmauern mit runden Anlaufflächen. Die Szene der Skater und Biker prägt seitdem den Park.

Darauffolgend, im Sommer 2013, wurde das Sportband mit den Basketball- und Multifunktionsfeldern sowie dem Jugend-Kletterpark und den Fitnessanlagen fertiggestellt. Das 10.000 m² umfassenden Sportband stellt  zwei Basketballfelder, einen Kletterparcours für Jugendliche, einen Kinderspielplatz zum Thema „Bälle“, sowie zwei Fitnessanlagen.

Ältere Befragte machten den Bedarf an Fitnessgeräten deutlich, so dass hieraus eine Anlage für Senioren entwickelt wurde, eine andere für die sportlich ambitionierte Freeletics-Szene, die sich den Park inzwischen zu eigen gemacht hat.

„Wo Männer hängen und Skater Regeln mögen“, titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung / Rhein Main Zeitung. Noch nie war es so einfach, zu den Coolen zu gehören, wie nun im Hafenpark. Calisthenics heißt der Trend-Sport. Besucher sehen Körper von weitem hängen - parallel zum Boden gespannt, nur die Hände an der Stange halten die Männer in der Waagerechten. An den Wochenenden wird ein Calisthenics-Kennenlern-Gruppentraining organisiert. Es kommen an die 100 Leute.

Zwei multifunktionale Spielfelder stehen für Volleyball und Badminton, zum Bolzen und Hockeyspielen zur Verfügung, da ein Bedarf für nicht in Vereinen organisierte Teams festgestellt wurde. Die für die verschiedenen Sportarten benötigten Netze und Pfosten liegen in den spielfeldsäumenden Bänken mit Stauraum bereit und können von allen Spielern kostenfrei genutzt werden. Die Belegung der Plätze erfolgt in Selbstverwaltung. Seit Einweihung des Sportbandes scheint dieses Prinzip reibungslos zu funktionieren – obwohl keine Betreuung der Spielfelder seitens der Stadtverwaltung erfolgt. Der Hafenpark, ein Ort des Gemeinsamen, der friedlichen Koexistenz.

Für die raumprägenden, eigens für den Hafenpark entworfenen Ballfangzäune, die Treillagen, wurde eine robuste und funktionale  Stahlkonstruktion gewählt, die das Sportband in seiner Längsausrichtung betont. Die Treillagen sind das vertikale raumbildende Element der Gesamtanlage. Sie korrespondieren mit den Stahlbögen der Deutschherrn- und der Honsellbrücke und  verbinden diese Solitäre zu einem optischen Gesamtensemble.

 

Fazit

Mit der Eröffnung des Wiesenbandes wurde die Anlage dann im Juli 2015 komplettiert. Nun kommen auch die Entspannungs­suchenden auf ihre Kosten: Die letzte Park-Sphäre am Mainufer bietet auf schollenartigen Plateaus ruhige Plätze zwischen Baumhainen und wilden Wiesenbereichen. Der Hafenpark spannt sich nun vor der beeindruckenden Kulisse des EZB-Hochhauses bis zur neuen Honsellbrücke und bildet den Abschluss der Grün- und Flaniermeile am Flussufer sowie des aus Norden kommenden Frankfurter Grüngürtels. Die Grobstruktur des Parks ist mit den markanten Treillagen des Sportbands großmaßstäblich auf die Blickbeziehungen zwischen Honsellbrücke und der Frankfurter Skyline ausgerichtet. Ein Durchbruch ermöglicht das Erleben des Flusses bis zum nördlich gelegenen „Concrete Jungle“. Die atmosphärische Kombination zwischen quirliger Aktivität und ruhigem Raum, Funsport und Naturerleben stellt nach Wahrnehmung der Stadt Frankfurt den Park des 21. Jahrhunderts dar.

Denise Peikert von der Rhein Main Zeitung berichtet am 16. August 2015 von „Sportivity“, einem neuen urbanen Lebensgefühl. „ (…) Gerade diese Stadt, in der die Verbissenheit und Hetze oft dicht wie Nebel zwischen den Bankentürmen hängt, scheint sich lange nach diesem Ort gesehnt zu haben, so schnell hat sie ihn vereinnahmt. Als Platz zum Picknicken, Kicken, Rumliegen, Schaukeln, Skaten, Klimmzügemachen. Frankfurt hat einen Ort bekommen, den es vorher nicht gab, einen Ort, an dem es so wenig langweilig wird, dass er sich zum Dableiben eignet. Ein Ort, der modern ist, sogar das Zentrum eines urbanen Megatrends. Forscher wie die vom Zukunftsinstitut (…) reden von Sportivity, um die es dem sporttreibenden Menschen von heute gehe: nicht um Rekorde, sondern darum, ein neues Lebensgefühl im Alltag zu verankern. (…)“

                        

Foto: Philip Winkelmeier

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