Grün gewinnt!

Grün gewinnt!

Seit dem 1. Januar 2015 ist die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Ursula Heinen-Esser, Hauptgeschäftsführerin beim Bundesverband Garten- Landschafts- und Sportplatzbau e.V. (BGL). Ein Interview zur Fachmesse GaLaBau 2016 über neue grüne Ziele führte das internationale Fachmagazin Playground@Landscape mit Ursula Heinen-Esser.                                              

Ursula Heinen-Esser saß zwischen 1998 und 2013 für die nordrhein-westfälische CDU im Deutschen Bundestag, für den sie bei der letzten Wahl nicht mehr kandidiert hat. Im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel war die Diplom-Volkswirtin von 2007 bis 2009 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, anschließend übte sie bis Dezember 2013 dasselbe Amt beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit aus. In dieser Funktion war sie bis zur Bildung der Großen Koalition weiter geschäftsführend tätig und leitete die deutsche Delegation bei der UN-Klimakonferenz in Warschau vom 11. bis 22. November 2013. Heinen-Esser freut sich auf die neue Aufgabe: „Der Bundesverband ist gut aufgestellt. Wir müssen die Anstrengungen verstärken, unsere Wohngebiete und Gewerbeflächen grüner zu gestalten, damit die Menschen gesund leben können und sich wohlfühlen. Das gilt vor allem für städtische Verdichtungsräume. Darin liegen vielfältige Chancen für den Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau“, sagte die Kölnerin.
 

Playground@Landscape: Die GaLaBau-Branche steigert ihren Umsatz auf über sieben Milliarden Euro. Was möchten Sie verbessern, ändern, anstoßen?

Ursula Heinen-Esser: Zunächst einmal ist der BGL sehr gut aufgestellt. Die Branche hat eine starke Wachstumsphase hinter sich. In den nächsten Jahren müssen wir versuchen, diese Wachstumsphasen, die wir haben, dauerhaft nachhaltig zu gestalten. Ich denke, ein Thema, das wir in dem Zusammenhang sehr energisch nach vorne bringen, ist das Thema öffentliches Grün. Hier haben wir mit unserer Initiative „Grün in der Stadt“ und der dazugehörigen Roadshow einen guten Aufschlag erzielt. Die Tatsache, dass Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks unseren temporären Pop-Up Park auf dem Potsdamer Platz Anfang Mai eröffnete, zeigt, dass wir mit unserer Initiative richtig liegen.

Überdies bauen wir im Bundesverband unsere politische Lobbyarbeit in Berlin weiter aus. Hierzu haben wir im letzten Jahr – und dies wird in diesem Jahr fortgeführt – zusammen mit dem Bund Deutscher Baumschulen (BdB) und dem Bund deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) verschiedene politische Veranstaltungen zum Thema Stadtgrün durchgeführt, die auf positive Resonanz bei den Bundestagsabgeordneten fielen.

Generell begleiten wir den Prozess zum Weißbuch „Stadtgrün“, das ja im Frühjahr 2017 veröffentlicht werden soll, sehr aktiv. Für den Garten- und Landschaftsbau und die gesamte grüne Branche wird mit diesem politischen Prozess eine neue Epoche der Stadtentwicklungspolitik eingeläutet. Damit auch die Aspekte der grünen Branche berücksichtigt werden, haben wir mit dem BdB und dem bdla eine gemeinsame Stellungnahme erarbeitet und dem Bundesministerium für Bau, Umwelt und Reaktorsicherheit (BMUB) überreicht. Auch mit anderen grünen Verbänden haben wir Positionen erarbeitet und in Berlin präsentiert. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen ist es, die gesundheitlichen, sozialen, integrativen und ökonomischen Wohlfahrtswirkungen des Stadtgrüns im Weißbuch zu verankern. Hervorzuheben sind hier die Anpassungsfähigkeit im Klimawandel, die Unterstützung der Biodiversität, die Gestaltungsqualität und Baukultur in der Stadt. Diese vielfältigen positiven Leistungen von Stadtgrün müssen eine angemessene Würdigung erfahren – deshalb hat das Weißbuch einen so hohen Stellenwert für die grüne Branche.

 

P@L: Die Städte und Menschen in Deutschland werden hierzulande mit gravierenden Veränderungen durch den Klimawandel rechnen müssen. Dies geht aus einer Studie zur Verwundbarkeit Deutschlands durch den Klimawandel hervor, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) zusammen mit dem Umweltbundesamt und dem Deutschen Wetterdienst vorgestellt hat. Grün kann zwar vor dem Hintergrund der Klimaveränderung und des demografischen Wandels nicht die universale Wunderformel für eine erfolgreiche, zukünftige Stadtentwicklung sein. Dennoch wird dem urbanen Grün mit Blick auf die nachhaltige Stadtentwicklung eine hohe Bedeutung beigemessen. In welcher Hinsicht? Mit mehr Grün in der Stadt gegen den Klimawandel?

Ursula Heinen-Esser: Klimaschutz ist ein Menschheitsthema. Wie und ob wir es schaffen, den Klimawandel aufzuhalten, wird entscheidend für unser künftiges Leben sein. Das sogenannte 2-Grad Ziel wird nach Meinung der Experten nicht erreicht werden. Das hat nicht nur Auswirkungen im weit entfernten Pazifik - dort werden Inseln aufgrund des Anstiegs der Meeresspiegel schon in wenigen Jahren nicht mehr existieren – sondern auch bei uns. Nehmen Sie doch nur das Beispiel des letzten Sommers, mit seinen verstärkt auftretenden Hitzeperioden. Das hat doch gezeigt, dass der Klimawandel durchaus auch in Deutschlands Städten angekommen ist – mit all seinen zu beobachtenden Auswirkungen. Ausgelöst durch die dichte Bebauung und versiegelte Flächen entstehen in der Stadt Hitzeinseln, die wie Wärmespeicher wirken und ein Abkühlen in der Nacht verhindern. Auch auf die Flora und Fauna in unseren Breitengraden wirken sich die Temperatur- und Klimaveränderungen schon aus. Tier- und Pflanzenarten, die früher bei uns aufgrund der klimatischen Bedingungen ohne jegliche Konkurrenzkraft waren, haben sich bei uns durchgesetzt.

Nun, auf technischer Ebene wird insbesondere in Deutschland viel geleistet, denken Sie beispielsweise an die Energiewende, die Umstellung auf erneuerbare Energien. Aber die Möglichkeiten der Co2-Einsparungen scheinen auch bei uns an ihre Grenzen zu stoßen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir mehr Grün insbesondere in den Städten haben, so schaffen wir auch mehr Möglichkeiten, Co2 und Feinstaub zu reduzieren. Deshalb setze ich auch große Hoffnung auf das Weißbuch zum Stadtgrün, an dessen Erstellung wir aktiv mitarbeiten und das im Frühjahr 2017 fertiggestellt sein soll. Wenn es uns gelingt, die klimarelevanten Effekte von Stadtgrün hier zu verankern und konkrete Handlungsmöglichkeiten für die Kommunen aufzuzeigen, haben wir schon viel erreicht.

 

P@L: Wie sieht nachhaltige Stadtentwicklung 2030 aus?

Ursula Heinen-Esser: Die Weiterentwicklung der europäischen Stadt steht angesichts der Megatrends des demografischen Wandels, des Klimawandel, der Globalisierung und des ökonomischen Strukturwandels vor großen Herausforderungen. Regionen und Städte mit nachhaltigem Wachstum von Bevölkerung und Beschäftigung finden sich in den Metropolregionen. Von Schrumpfungsprozessen betroffen sind vielfach ländliche, strukturschwache Räume.

Die fortschreitende Urbanisierung, oft verbunden mit hohem Ressourcenverbrauch, ist Teil des Problems und zugleich die Chance, in den Verdichtungsräumen nachhaltige Stadtentwicklung auch mit nachhaltiger Freiraumplanung zu verbinden. Einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Umweltbelastung in Städten leistet eine nachhaltige Siedlungsstruktur. Hohe Emissionen aus dem Verkehr vermeiden, Frischluftschneisen freihalten, die Bodenversiegelung reduzieren und Wasser- und Grünflächen erhalten bzw. schaffen – das sind die hierfür nötigen planerischen Maßnahmen. Die von vielen Ländern geplante, reduzierte Flächeninanspruchnahme kann nur durch eine konsequente Innenentwicklungsstrategie erreicht werden. Diese steht für Vermeidung einer weiteren Zersiedelung, für Flächenrecycling und Nachverdichtung. Eine kompakte Stadtstruktur mit kurzen Wegen und Funktionsmischung sind wichtige Voraussetzungen auch für die Bewältigung des Klimawandels. Wohnortnahes Grün, das man in Minuten zu Fuß erreichen kann, wird ein wichtiger Baustein zukünftiger Stadtplanung sein.

Der Nachhaltigkeitsgrundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ gilt gleichermaßen für wachsende wie schrumpfende Regionen und darf sich nicht nur auf Hoch- und Tiefbau, sondern auch auf die grüne Stadtentwicklung beziehen. Städte sind traditionell Orte der kulturellen Vielfalt, der daraus entstehenden Kreativität und damit auch Orte der Toleranz. Eine nachhaltige Stadtplanung muss dies auch in der Freiraumplanung berücksichtigen.

Deshalb sind Reurbanisierung und Revitalisierung der Innenstädte zentrale Themen der Stadtentwicklung. Es gilt Vielfalt und Lebensqualität in unseren Zentren und die Qualität des öffentlichen Raumes zu erhalten. Die Stadt im 21. Jahrhundert braucht dringend urbane Grünflächen. Nachhaltige Stadtentwicklung schafft auch Platz für Stadtgrün, z.B. durch die Umnutzung alter Industriegebiete, durch Begrünung von Dächern, durch wohnungsnahe Parks. Landschaftsgärtnerische Projekte von hoher gestalterischer Qualität können das bauliche Umfeld beleben und in gesellschaftlicher und sozialer Hinsicht eine integrierende Kraft entfalten.

Internationale Beispiele, die dies belegen, sind u.a. die Gründächer auf dem Chicagoer Rathaus, die unter Bürgermeister Richard M. Daley mit einem Team aus Landschaftsarchitekten, Ökologen, Architekten und Ingenieuren angelegt wurde. Das Gründach dient aber nicht nur als Anschauungs- und Vorzeigeobjekt, sondern auch der Forschung. Auch der Tenjin Central Park im japanischen Fukuoka, der um ein angrenzendes Gebäude terrassenartig mit Garten erweitert wurde, ist sehr ungewöhnlich. Die Terrassen reichen bis in 60m Höhe und beherbergen ca. 35.000 Pflanzen aus 76 verschiedenen Arten. Auch das Hundertwasser Dorf, das für seine organische Architektur bekannt ist, hat die Vision von einer an die Natur angepassten Stadtgestaltung. Hier wird die menschliche Siedlung wieder zur Landschaft. Die lebendigen Wände des französischen Botanikers Patrick Blanc können einen wertvollen Beitrag zur urbanen Klimaverbesserung leisten. Beispiele sind die Pflanzenwände am GaixaForum in Madrid oder am Musée du quai Branly in Paris oder an der Front der Galeries Lafayette in Berlin. Auch die Greenbridge in London oder der Pier 55 in New York fallen mir hier ein.

Die grüne Stadt ist das Modell der Zukunft und schafft Demographie feste, lebenswerte Stadtstrukturen. Die nachhaltige grüne Stadtentwicklung ist eine dauerhaft weiterzuentwickelnde Aufgabe, die integriertes und regional abgestimmtes Handeln aller Disziplinen erfordert.

 

P@L: Fast 3/4 der Deutschen nutzen städtische Grünanlagen mehrmals im Monat, nur sieben Prozent nie. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts zur Nutzungshäufigkeit von städtischen Grünanlagen, die der Bundesverband Garten, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) in Auftrag gegeben hatte, hervor. Grün fördert Wohlbefinden und Gesundheit?

Ursula Heinen-Esser: Der Wunsch nach physischer und psychischer Gesundheit findet sich fast auf jeder Glückwunschkarte – und das zu Recht. Für die Gesunderhaltung ist körperliche Aktivität ein wichtiger Faktor, denn regelmäßige Bewegung hält fit und steigert das Wohlbefinden, minimiert Risikofaktoren und kann sogar Krankheiten vorbeugen. Nicht von ungefähr weiß jedes Kind, dass Sport gesund ist, und wer heute was auf sich hält, macht Sport. Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, Sport und Bewegung in ihren Tagesablauf einzubauen. Ein Grund dafür ist oft der fehlende Zugang zu Sportmöglichkeiten. Nicht die Unlust an Bewegung hält viele Menschen vom Sport ab, sondern der fehlende Zugang und die unzureichenden Möglichkeiten zu sportlicher Aktivität. Grünflächen und Parkanlagen als freizugängige grüne Fitnessstudios in den Städten sollten deshalb als wichtiger Bestandteil für das städtische Sportangebot mehr Anerkennung finden. Attraktive Grünräume in und nahe am urbanen Leben dienen als Treffpunkt für Spiel und Sport.

Eine verkehrssichere, gewaltsichere und ästhetisch ansprechende Wohnumgebung sowie ausreichend Sport-, Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten führen dazu, dass die Anwohner körperlich aktiver und weniger von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit betroffen sind als Anwohner, deren Wohnumfeld nicht über solche Charakteristika verfügt. Auch die Steigerung sozialer Kontakte ist mit einem attraktiven grünen Wohnumfeld verbunden.

Aber innerstädtische Grünflächen können nicht nur die sportliche Aktivität und organische Gesundheit fördern, sie sind auch Erholungslandschaften. Untersuchungen haben gezeigt, dass Personen, die häufig urbane Grünanlagen aufsuchten, deutlich weniger Stresssymptome aufwiesen. P. Grahn und U. Stigsdotter von der Schwedischen Universität der landwirtschaftlichen Wissenschaften fanden in einer Studie heraus, dass von den fast 1.000 Probanden in neun schwedischen Städten umso seltener über stressbedingte Krankheiten wie Burnout-Syndrom, Schlaflosigkeit, Depression berichtet wurde, desto regelmäßiger die Teilnehmer urbane Grünflächen aufsuchten. Mit regelmäßigen Spaziergängen lässt sich überdies eine Winterdepression vermeiden. Schon ein halbstündiger Aufenthalt im Freien pro Tag reicht aus, um die Hormonproduktion zu regulieren, die den menschlichen Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Aber nur wer attraktive Grünflächen in der Nähe hat, plant den täglichen Spaziergang gerne in seinen Tagesablauf ein – wer läuft schon gerne in eintönigen Betonlandschaften herum?

 

P@L: Für den Bundesverband BSFH ist das Thema „Generationsübergreifendes Spiel“ ein wichtiges Thema. Das generationsübergreifende Spiel im Grünen, im Park ein Zukunftsthema. Wie müssen sich Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaues auf Seniorenwünsche einstellen? Welche Bedeutung haben öffentliche, grüne Freiräume in Kombination mit dem Faktor Bewegung für eine älter werdende Gesellschaft?

Ursula Heinen-Esser: Der demographische Wandel mit einer Zunahme der über 65-jährigen und einem besonderen Wachstum der über 80-jährigen ist zunehmend auch in der Auftragsstruktur des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus ablesbar. In diesem Zusammenhang ist jedoch auffallend, dass in der Fachöffentlichkeit die Folgen des demographischen Wandels speziell für die Freiraum- bzw. Landschaftsplanung kaum thematisiert werden.

Umso erfreulicher ist es, dass es nun offensichtlich auch Städte gibt, die in besonderem Maße die Anforderungen und Wünsche von Senioren an den Freiraum berücksichtigen. Die guten Beispiele der „Seniorenspielplätze“, wie sie uns aus Berlin und Nürnberg bekannt sind, werden dann überzeugen und hoffentlich auch Schule machen, wenn sich damit auch ökonomische Vorteile verbinden.

Die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaus bieten hier ihre Mitarbeit an, um altersgerechte Freiräume zu gestalten. Auch die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau, FLL, befasst sich seit einiger Zeit mit seniorengerechten Landschaftsplanungen und Bauangelegenheiten.

Konkrete Anregungen dazu gibt der Branche zum Beispiel auch die GaLaBau Messe Nürnberg mit ihren innovativen Gestaltungsideen für Spiel- und Freizeitanlagen aller Art. Dabei ist festzustellen, dass besonders generationsübergreifende Bewegungsangebote, die sowohl Eltern und Großeltern als auch den Kindern Möglichkeiten bieten, sehr interessant sind, denn hier findet ein Miteinander zwischen den Generationen statt.

Darüber hinaus liegen dem BGL Erfahrungen vor, dass besondere Attraktivität geschaffen wird, wenn sich Orte der Ruhe, des Erlebens und der Begegnung mit Räumen für das Trainieren der körperlichen Leistungsfähigkeiten abwechseln. Wege mit unterschiedlich steilen und flachen Abschnitten unterstützen die körperliche Fitness.

Für die Neuschaffung von seniorengerechten Anlagen bedarf es einer ganzheitlichen Planung mit Beteiligung von Betroffenen und Bewohnern und deren spezieller Wunsch-Abfrage. Auch die bauausführenden Betriebe können schon durch frühes Mitwirken wichtige Hinweise zum Bau sowie zur Wartung und Pflege der Anlagen und Geräte geben. Insgesamt ist die Entwicklung aus Sicht des Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus sehr zu begrüßen. Gute Beispiele sollten Schule machen.

 

P@L: Eine neue Studie belegt: Grünflächen in Schulnähe machen Kinder klüger?

Ursula Heinen-Esser: Kindgerechte Grundschulen in grüner Umgebung wirken sich positiv auf die Entwicklung von Schulkindern aus. Nach einer Studie des Forschungszentrums für Umweltepidemiologie (CREAL) in Barcelona, steigern Grünflächen in Grundschulnähe das Arbeitsgedächtnis und die Aufmerksamkeit von Schülern um bis zu 20 Prozent. So beobachteten die Forscher bei knapp 2600 Grundschülern der zweiten bis vierten Klasse aus 36 Grundschulen in Barcelona den Effekt von Grünflächen in Schulnähe auf die geistige Entwicklung der Schüler. Das Ergebnis: Je grüner die Umgebung einer Schule war, desto mehr steigerten die Kinder sowohl ihr Arbeitsgedächtnis als auch ihre Aufmerksamkeit. Die Wissenschaftler begründen dies u.a. damit, dass städtische Grünflächen die Luftverschmutzungen, wie z. B. durch Feinstaubbelastungen, senken und gleichzeitig die Schüler zur Bewegung anregen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Grünflächen vielfältige Lösungspotentiale bieten, die über den Aspekt der Naherholung in den städtischen Großräumen weit hinausgehen. Angesichts der Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche übergewichtig sind und Konzentrationsschwächen aufweisen, ist es wichtig, durch grüne, strukturreiche Spielplätze und Schulhöfe einen Ausgleich zu schaffen. Naturerleben und Bewegung wirken sich nachweislich positiv auf die soziale, psychische und physische Entwicklung von Kindern aus.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Erkenntnisse des ersten Kongresses zum Thema Stadtgrün, den die Bundesregierung am 10./11. Juni 2015 in Berlin veranstaltete, verweisen. Besonders die Wechselwirkung von grüner Umgebung und Bewegung auf das gesundheitliche und psychische Wohlbefinden der Stadtbürger wurde thematisiert und als wichtiger Schwerpunkt für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Stadtentwicklung angesehen. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen sich die Städte und Kommunen ausgesetzt sehen, gilt es in der Stadtplanung und -entwicklung vermehrt auf die Effekte von lebendigem Grün und grüner Bauweisen zu setzen. Denn Grünflächen bieten einen vielfältigen Mehrwert. Sie wirken sich positiv auf das gesundheitliche Wohlbefinden der Menschen aus und gleichzeitig können die Effekte der Grün- und Freianlagen in den Städten zur Gesundheitsprävention langfristig Kosten sparen.

 

P@L: Wie halten sie sich fit, um die neuen Herausforderungen anzugehen?

Ursula Heinen-Esser: Eine schwierige Frage, da haben Sie mich erwischt. Ich tanke Kraft mit und in meiner Familie, in meinem wunderbaren Garten und manchmal, viel zu selten, auch mit Sport.

P@L: … und mit dem 1. FC Köln – soviel ich weiß. Wir bedanken uns für das Gespräch.

 

 

Das Interview führte Thomas R. Müller (Playground@Landscape)

 

 

Foto: BGL

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