Bewegungsfreundliche Pause

Bewegungsfreundliche Pause

Die Schulhofgestaltung hat sich in den letzten Jahren gravierend geändert.

Sorgte bis 1981 die DIN Norm 18.031 „Hygiene im Schulbau“ bundesweit für befestigte Schulhofflächen und zweckdienliche Grünpflanzungen, werden heute die Pflaster- und Asphaltflächen auf das notwendigste Maß beschränkt. Die Schulen sind heute stets bemüht ein naturnahes Außengelände mit attraktiven, bewegungsfördernden und vielseitigen Angeboten zu schaffen.

Ein wesentlicher Bestandteil bei einer Umgestaltung bzw. Neuanlage von Schulhöfen sollte ein vielseitiges Spiel- und Bewegungsangebot sein. Der Mangel an körperlichen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen ist heutzutage zu einem ernsten Problem geworden. Motorische Schwächen, unterentwickelter Gleichgewichtssinn, mangelnde körperliche Fitness, Übergewicht, Haltungsschäden bis hin zu geringer geistiger Leistungsfähigkeit sind Folgen der Bewegungsarmut.

Spielgeräte für Schulhöfe unterstützen Kinder ihren instinktiven Bewegungsdrang auszuleben, müssen aber einige wichtige Kriterien erfüllen.

Die Geräte werden in einzelnen Stoßzeiten besonders stark beansprucht. Sobald die Pausenglocke ertönt, erobern mehrere hundert Kinder auf einmal die Spielgeräte.

Das setzt nicht nur eine hohe Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit der Geräte voraus, sondern auch ein breites Angebot von unterschiedlichen Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten. Auf den Schulhöfen sind daher Spielgeräte geeignet, welche von mehreren Schülerinnen und Schülern gleichzeitig bespielt werden können, altersentsprechend genügend Herausforderungen bieten und in den Schwierigkeitsstufen der Bespielbarkeit variieren. In vielen Schulen sind daher die Spielbereiche so angelegt, dass die Spielobjekte sich über eine große Fläche verteilen oder in einer gestreckten Form aufgestellt wurden.

 

Marienschule Lübeck

In der Marienschule in Lübeck wurde ein solcher Spielbereich gebaut. Im Innenhof der Schule sollte ein neuer Außenbereich für die Grundschulkinder entstehen.  Der geringe Platz und die herrlichen alten Baumbestände auf dem Pausenhof boten eine große Herausforderung für die Planung und den Aufbau der Spielanlage.

Ein sieben Meter hoher, 6-eckiger Kletterturm ist das Highlight der Spielanlage.

Der Turm ist mit vier unterschiedlich hohen Brüstungen und einem Fallschutzgitter geschlossen worden, so dass man einen guten und sicheren Ausblick über den Schulhof hat. Auf den Turm gelangt man über die unterschiedlichsten Kletteraufgänge, wie Kletternetze, einer Leiter oder einer Kletterwand. An dem Turm wurden noch eine Rutschstange und eine lange Röhrenrutsche montiert. Unter dem Turm befinden sich noch Reckstangen zum Baumeln.

Um eine große Linde, welche gleich neben dem Kletterturm steht und als natürlicher Schattenspender dient, wurde ein großes Rundpodest als Sitzgelegenheit gebaut.

Um das Podest herum schlängelt sich eine langgezogene Kletter- und Balancierstrecke, bestehend aus unterschiedlichen Podestflächen, Kletternetzen, einer Wackelbrücke, Balancierteller und mehreren Balancier- und Sitzwürfeln. Auch an eine große Mal-Tafel für die kreativen Schüler wurde gedacht.

Ein weiterer, neu geschaffener Bereich des Pausenhofes ist eine große Bühne. Auch hier wurde der Baumbestand in das Objekt integriert. Die Bühne kann für Theateraufführungen, bei Schulaufführungen oder mit wenigen Handgriffen als grünes Klassenzimmer genutzt werden.

Hinter der Bühne, an einer bestehenden Mauer befestigt, ist eine große Kletterwand. Als Kennzeichen für die Schule, wurden hier kleine Marienkäfer aus Holz als Klettergriffe montiert. Mit Seilschlaufen und Tritthölzer wird sie zu einem kleinen Abenteuer-Parcours.

„Wir mussten dringend etwas tun“, sagte Christian Maack, Vorsitzender des Schulvereins, „die öde Fläche mit Tischtennisplatte und Basketballkorb war den Schülern nicht mehr zuzumuten. Jetzt bilden Kletterwand, Kletterturm und eine Bühne einen tollen Spielplatz.“

„Wir sind stolz auf das, was mit viel Engagement erreicht wurde“, erklärt Schulleiterin Waltraud Mallach. 14 Förderanträge bei diversen Stiftungen hat der Schulverein gestellt. Eigenleistung im Wert von 20 000 Euro erbrachten Eltern, Lehrer und Schüler. 100 000 Euro steuerte die Possehl-Stiftung bei, 40 000 Euro der Verein „Ein Herz für Kinder“, über 32 000 Euro die Gemeinnützige Sparkassenstiftung. Geld gaben die Ikea-Stiftung, die Wendelborn- und die Marwitz-Stiftung. „Die Außengelände von Kitas und Schulen müssen perfekt gestaltet sein, damit sich Kinder überhaupt bewegen“, erklärt Renate Menken von der Possehl-Stiftung.

 

Foto: Zimmer.Obst GmbH

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