Spielplätze im internationalen Vergleich

Spielplätze im internationalen Vergleich

Ein Insiderblick in die Spielkultur anderer Länder und ein Vergleich mit dem deutschen Markt.

Zu beobachten ist, dass von Deutschland Impulse ausgehen, das Spiel in einer natürlichen Umgebung und mit natürlichen Materialien zu fördern. Dies stößt auch in anderen Ländern immer wieder auf Interesse. Auch hier sind einschlägige Studien bekannt, die eine bessere Entwicklung der Kinder belegen, wenn sie die Möglichkeit haben in naturnahen Räumen mit hohem Spielwert und kalkulierbarem Risiko zu spielen.

Naturnahe Spielbereiche, wie sie die DIN 18034 (die deutsche Planungsnorm für Spielplätze) fordert, nämlich natürliche Spiel- und Erlebniselemente, wie standortgerechte und regenerationsfähige Pflanzen, Steine, offene und modellierte Bodenflächen, in die sich Spielgeräte aus natürlich gewachsenem Holz harmonisch einfügen, findet man in Japan zum Beispiel selten. Einen Spielplatz in einer Großstadt zu finden ist kein Problem. Kleinere Spielplätze mit Rutsche und Klettergerüst findet man an vielen Ecken. Die Böden sind in der Regel fast immer geteert bzw. mit Gummifallschutz belegt. Einen Sandkasten auf einem Spielplatz muss man schon suchen. Den Begriff naturnah würde man in Japan nur sehr selten vergeben. Dafür gibt es auf fast jedem Spielplatz eine Toilette mit Wickelmöglichkeit und einem Trinkwasserspender. Hier hat Deutschland noch etwas Nachholbedarf. Ein weiterer Unterschied, der im Vergleich zu Deutschland auffällt, sind die Eltern. Sie wirken aus deutscher Sicht sehr behütend, stehen neben Rutsche und Klettergerüst und erklären dem Nachwuchs was zu tun ist.

Einige „Leuchtturm“ Projekte sind die „Playville“ von BØrneLund, einem Spielplatzausstatter in Tokio. Seit vier Jahren arbeitet BØrneLund mit SIK-Holz zusammen. Auffallend ist hier das Zusammenspiel von Spielgeräten, Vegetation und Bodenmodulation auf einer relativ kleinen Fläche. Ein stabiles Grüngerüst, das noch wachsen muss, rahmt den Außenbereich ein und schafft auch innerhalb der Fläche grüne Inseln. Hier finden die Kinder natürliche Materialien für ein freies Spiel und bekommen je nach Jahreszeit verschiedene sinnliche Eindrücke. Eine große Baumhausspielkombination bietet für die größeren Kinder Anreize zum Klettern und Rutschen. Durch die großen Plattformen und verschiedenen Auf- und Abgänge bieten sich immer wieder neue Spielkreisläufe an. Ein kleines Spielhaus gibt Kleinkindern Raum für Rollenspiele und Rückzugsmöglichkeiten. Die Korbschaukel, ein weltweit populäres Spielgerät, wird von den Kindern in Japan genauso geliebt, wie in Deutschland. Der gesamte Bereich wurde mit Spielsand aufgefüllt, was in Verbindung mit der Wasserpumpe auf dem gesamten Gelände ausgiebig Platz für Matsch- und Konstruktionsspiele bietet. BØrneLund hat bereits mehrere „Playville“ dieser Art ausgestattet. Alle bisher realisierten Spielplätze sind Modellprojekte, die mit großem Interesse verfolgt werden. Die Eltern sind von der Kreativität und Schöpfungskraft ihrer Kinder schier begeistert. Die Erwachsenen stehen staunend neben den Kindern. Auch sie müssen lernen, dass das Spiel mit den Elementen für die Entwicklung der Kinder einen größeren Stellenwert hat, als die Erziehung zu Ordnung und Sauberkeit.

Die Möglichkeit Spielorte wie diese, in Japan einzurichten, ist begrenzt. Die Katastrophe von Fokushima führte dazu, dass Spielplätze nicht draußen sondern drinnen boomen. Und in einigen Gebieten Japans wird das auch eine traurige Realität bleiben. Auch hier gibt es interessante Modellprojekte, die SIK-Holz gemeinsam mit BØrneLund 2015 realisiert hat. Das Besondere an diesen multifunktionalen Indoorspielstätten ist das pädagogische Konzept, das dahinter steht. Kinder und Eltern werden hier zum gemeinsamen Spiel angeleitet. Über das gemeinsame Spiel soll die Eltern-Kind-Beziehung verbessert werden. Die Spielanlagen aus krummen Robinienhölzern wirken in den knallbunten Bällebecken wie Relikte aus einer vergangenen Welt, an die man sich mit Sehnsucht erinnert. Es bleibt zu wünschen, dass das Konzept dieser Indoorspielstätten aufgeht und Eltern und Kinder sich durch das gemeinsame Spiel näher kommen.

Doch nicht nur in Japan gibt es Tendenzen etwas Natur in die hoch technisierten Stadträume zurückzuholen. Es entdecken auch immer neue Zielgruppen den Spielplatz als Kundenservice. Es sind längst nicht mehr nur die Kommunen, die Spielplätze einrichten auch große Shoppingcenter wollen ihren kleinen Kunden den Einkauf schmackhaft machen und das nicht nur drinnen mit einer kleinen Spielecke, sondern auch draußen an der frischen Luft. So wurden im Jahr 2016 in Zusammenarbeit mit Kompan France zwei Spielanlagen für das Eurocommercial Shoppingcenter in Chasse sur Rhone gebaut. Die Eurocommercial ist mittlerweile einer der erfahrensten Immobilieninvestoren in Europa mit einem Portfolio von Einkaufszentren in Frankreich, Italien und Schweden. Der Wettbewerb für die Spielanlagen in Chasse sur Rhone hatte nur die Vorgabe für die vorgesehenen Flächen jeweils eine Spielanlage für Kinder von 2-6 und eine Spielanlage für Kinder von 6-12 Jahren zu entwickeln. Die sehr eindrucksvollen überdimensionalen Eicheln überzeugten in Form und Farbe den Investor. Sie bieten vor, während und nach dem Einkauf die Möglichkeit zum Klettern, Rutschen und Verstecken.

Außer den Tendenzen zu sehr strukturierten Spielplätzen gibt es neben Deutschland besonders in Skandinavien viele Beispiele den Spielplatz und die Natur zu einer Einheit zusammen zufügen. Hier hat die Firma SIK-Holz im letzten Jahr ein spannendes Projekt mit der Firma Uniqa im norwegischen Bergen realisiert. In der Nähe der Stadt liegt in 399 Meter Höhe der Fløyberg, eine beliebte Touristenattraktion, direkt oberhalb des Stadtzentrums. Zwischen dem Fløyberg und dem Stadtzentrum gibt es eine 850 Meter lange Standseilbahn. Die fotogene Aussicht über die Halbinsel macht Fløyen zu einem beliebten Ausflugsziel, sowohl bei Touristen wie bei Einheimischen. Auch gibt es von dort viele Wandermöglichkeiten.

Mehrere Architekten haben sich schon an der Aufwertung des Ortes beteiligt. Er soll einmal der «Centralpark» von Bergen werden. Die neuste Attraktion ist ein großer Aussichtsturm, gebaut nach einem Entwurf von SIK-Holz Geschäftsführer Klaus-Peter Gust. Der Turm wird von den  Einheimischen auch «Goldener Turm» genannt, weil sich auf einer 6 Meter hohen Podestebene ein goldes Ei befindet. Vielleicht hat es der Phönix, der sagenumwobene Feuervogel, dort abgelegt, wir wissen es nicht, es ist ein Geheimnis. Es animiert die Kinder die schwierigen Aufstiege im Turm zu bezwingen, um das «Goldene Ei» zu sehen. Auf den einzelnen Plattformen laden Sinnspiele zum kurzen Verweilen ein. Über eine Rufanlage kommunizieren die Kinder innerhalb und über eine Ruftüte außerhalb des Turmes miteinander. Belohnt wird der lange Aufstieg durch ein noch längeres Rutschvergnügen. Der Turm ist umgeben von einer Vielzahl an Kletter- und Balancierelementen. Wie in einem Irrgarten muss man erst den richtigen Weg finden, um den Turm zu erreichen.

Weitere Spielelemente, wie eine Seilbahn, ein Gurtsteg, oder eine Kletterspinne säumen die Wanderwege und regen immer wieder zu aktiver Bewegung an. Die Stadt Bergen hat den Park aus diesem Grund auch zu einem «Gesundheitspark für Kinder» erklärt.

«Gesundheitsparks» dieser Art sollten in allen Ländern zum Standard werden. Die Bilder zeigen die Freude der Kinder miteinander zu spielen und sich ihrem eigenen Rhythmus entsprechend zu bewegen. Diese Bilder stimmen optimistisch. Doch es ist noch ein langer Weg, die Voraussetzungen für kindgerechte Spielorte weltweit zu schaffen und in den verschiedenen Gesellschaften durchszusetzen.

 

Text: C. Gust (SIK-Holzgestaltungs GmbH)

Foto: © Photos / Ayumi Nakanishi

 

 

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