Die Stadt als Lebensraum der Zukunft

Die Stadt als Lebensraum der Zukunft

Die Schaffung von Bewegungsarealen und attraktiven Freiräumen in den Städten und Gemeinden wird zunehmend in den Medien und vor allem in der Fachpresse und in der öffentlichen Diskussion thematisiert: Parks und Grünflächen im Wohnumfeld sollten als Sport-und Bewegungsraum benutzt werden können. Fundierte Nutzungskonzepte basierend auf sportwissenschaftlich aufgebauten Trainingsabläufen sorgen für eine nachhaltige Inanspruchnahme von Bewegungsparcours verbunden mit Aktivierung und Aktionen für potentielle Nutzer. Die Stadt Wien bringt dieses zukunftsweisende Thema sogar ins Museum. 

 

Ein neues "Wohnzimmer im Freien" für die Stadt Wien

Der Park in der Bodenstedtgasse wurde mit einem großzügig angelegten Vitalitäts- und Fitnessparcours ausgestattet und im Juni 2016 als weiteres "Wohnzimmer im Freien" eröffnet.

Die Bewohner Wiens fühlen sich in ihren Parks und Wäldern wie zu Hause und gerade in einer Großstadt wie Wien sind Grünflächen als Oase der Erholung von großer Bedeutung. „In der warmen Jahreszeit werden die öffentlichen Parks in unserer Stadt zum erweiterten Wohnraum und damit für das wachsende Wien genügend Erholungsgebiete vorhanden sind, errichten wir viele neue ‚Wohnzimmer im Freien‘, so die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima.

Am 29. Juni 2016 wurde nach etwas mehr als einem halben Jahr an  Umgestaltungsarbeiten der rund 7000 m² große Vitalitäts- und Fitnessparcours in der Bodenstedtgasse in Wien eröffnet. Er liegt nur eine Minute vom Bahnhof Floridsdorf entfernt und ist Teil der größten Grünraumoffensive der Stadt Wien seit Jahrzehnten. „Eine schnelle und effiziente Umsetzung der Neuplanung war mir eine Herzensangelegenheit. Der Park sollte so rasch wie möglich wieder für alle nutzbar sein“, berichtet Bezirksvorsteher Georg Papai.

Für die Bewohner von Floridsdorf präsentiert sich ihr „alter“ Park also schnell wieder in neuem Glanz. Im Rahmen eines BürgerInnen-Beteiligungsverfahren konnten sie ihre Ideen und Wünsche für die Umgestaltung der Grünfläche einbringen. Die Vorschläge der Bevölkerung konnten größtenteils umgesetzt werden. „Für wohnpartner war es spannend dieses Beteiligungsverfahren federführend zu  koordinieren. Wir freuen uns, dass die Ergebnisse auch in der baulichen Umsetzung sichtbar sind und hoffen, dass hier nun auch die gute Nachbarschaft Wurzeln schlägt“, so Claudia Hagenauer, Leiterin des wohnpartner-Teams 21.

Seit Juni können die Bewohner nun an neun Fitnessgeräten und auf einer Skateranlage fleißig trainieren. Die Vitalitäts- und Fitnessgeräte fördern nicht nur Ausdauer sondern auch koordinative Fähigkeiten, Beweglichkeit und Kraft. Zwei Herren trainieren hier am Beintrainer mit sehr viel Spaß ihren Gleichgewichtssinn durch "freihändiges Walken". Die gekonnte Performance an der Haltestange des Beintrainers sollte man allerdings den Profis überlassen. Auch die Reckstange lädt ein zu akrobatischen Leistungen: Sie bietet insgesamt vielseitige Variationsmöglichkeiten für Geübte und Ungeübte!

Schattenspendende Bäume, eine begrünte Pergola und zahlreiche Sitzgelegenheiten auf Bänken und Sitzmauern sowie drei Hängematten laden zum gemütlichen Verweilen und Pausieren während oder nach dem Training ein. Eine angrenzende Wiese wurde in eine artenreiche Naturwiese umgewandelt, die Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten ist.

Die planerische und bauliche Umsetzung dieses neuen "Wohnzimmers im Freien" verlief reibungslos und das Ergebnis begeistert nicht nur die Beteiligten, sondern die ganze Nachbarschaft!

Dieses neue "Wohnzimmer im Freien" kann als nachhaltiges und zukunftsweisendes Beispiel für die Impulse gesehen werden, die von der Sonderausstellung "Zukunft der Stadt" des technischen Museums Wien ausgehen sollen.

 

Wie sieht die Stadt als Lebensraum der Zukunft aus?

Die Stadt ist unbestritten der Lebensraum der Zukunft. Auf nur zwei Prozent der Weltoberfläche beherbergen die Städte rund die Hälfte der Weltbevölkerung – bis zum Jahr 2050 wahrscheinlich sogar mehr als zwei Drittel. Diese globale Entwicklung wirft etliche Fragen auf: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie wollen wir wohnen, wie können wir bauen, uns fortbewegen und uns mit Energie versorgen? Wie wollen wir uns ernähren? Wie werden wir unsere Städte organisieren? Und wem wird die Stadt gehören? Das ständige Wechselspiel von Wachstum, gesellschaftlichen Visionen und realer Stadtentwicklung braucht demnach immer wieder Innovationen, um die Zukunft der Stadt zu formen und den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht zu werden. Mit der Ausstellung „Die Zukunft der Stadt“ lädt das Technische Museum Wien dazu ein, in dieses Thema aus österreichischer und internationaler Perspektive einzutauchen.

 

Sonderausstellung "Zukunft der Stadt" des Technischen Museums Wien

Der Ausstellungsbereich „Bewegt“ des Technischen Museums Wien ist ein Teil der Sonderausstellung „Zukunft der Stadt“ und beschäftigt sich mit mehreren Aspekten zur zukünftigen menschlichen Mobilität in der Stadt, z.B. hinsichtlich neuer Verkehrsmittel, neuer Verkehrswege und vor allem eines veränderten Verkehrsverhaltens. Ganz zentral widmet sich der Ausstellungsbereich jedoch dem Menschen als Fußgänger, dem Menschen als den „zu Bewegenden“, der sich selbst in der Stadt auch bewusster bewegen möchte oder sollte. Eine Stadt kann zum Gehen, zum „Sich-Bewegen“ einladen, indem Wege und Plätze aus dieser Perspektive geplant (oder belassen) werden. Die Ausstellung soll neue Impulse für die weitere Entwicklung urbaner Räume setzen.

Die Zukunft der Mobilität liegt in der Förderung des Fußgängerverkehrs. Eine Stadt, die zum Sitzen einlädt, ist eine Sache - eine Stadt, die zum Gehen einlädt, eine andere. Eine bessere. Niemand bewegt sich gerne zwischen Autos - gemütlicher lässt es sich in einer schön gestalteten Fußgängerzone flanieren. Verkäufer in den Geschäften spüren da einen Unterschied - die Menschen sind entspannter, der Umsatz steigt. Das zeigen Erfahrungen in der neuen Wiener Mariahilfer Straße. Bewegung bedeutet auch, in einem Park spazieren zu gehen, auf einem Bewegungsparcours in Gemeinschaft oder alleine zu trainieren oder sich beim Bestaunen in einem allgemein zugänglichen Garten zu bücken und wieder aufzustehen.

Das Technik Museum Wien kommentiert: "Um das Fußgängernetz auszubauen, braucht es Wissen über die Besonderheiten von Fußgängern. Eine mittlere Fußstrecke misst in Zürich 390 m und dauert fünf Minuten. Über ganz Mitteleuropa gemittelt gehen Frauen pro Fußstrecke 340 m weit, Männer 400 m. Die durchschnittliche Gehgeschwindigkeit einer Person liegt bei 1,34 m/s. Die Schrittlänge ist ca. 0,63 m. Es gibt jedoch große Unterschiede: Für 50 Fuß, ca. 15 m, benötigt man in Itea (Griechenland) etwa 22 Sekunden, in Prag (Tschechien) dagegen 8,5 Sekunden."

 

Bewegung tut gut – Bewegungsparcours

In vielen Städten geht der Trend zu so genannten „Generationenspielplätzen“, „Outdoor-Fitness-Angeboten“ in Parks, Bewegungsangeboten an öffentlichen Plätzen – manchmal sogar in sehr disziplinierender Weise: in Mexiko-City wird eine Freikarte für die U-Bahn mit der Leistung von 10 Kniebeugen „verknüpft“. Andererseits werden parallel dazu neue „Sportarten“ erfunden, etwa die mittlerweile schon bekannten Parcours, Freerunning, Urban Boldering durch die Stadt, als Herausforderung, sich die Stadt ganz anders anzueignen und Hindernisse zu überwinden.

Diese völlig neu gestalteten und durchdachten Bewegungsangebote werden vermehrt eingesetzt, die Forschung beschäftigt sich im Rahmen von wissenschaftlichen Studien mit den sozialen, medizinischen und gesellschaftlichen Komponenten von Bewegungsparcours im Freien. 

Die Ausstellung des Technischen Museums Wien motiviert Besucher sich direkt auf der Sonderausstellungsfläche zu bewegen - so bietet der playfit® Beintrainer im Rahmen der interaktiven Stationen vielseitige Möglichkeiten:

 

  • Sich auf einem Beintrainer zu zweit bewegen und dadurch eine Art „Bewegungsgemeinschaft“ zu bilden
     
  • Eine Bewegungsart zu „üben“, die für die alltäglichen Wege von Fußgängern durch die Stadt vonnöten ist, d.h. Niveauunterschiede zu überwinden, sich durch eine Menschenmenge zu schlängeln, einen „bewegten“ Boden zu betreten oder zu verlassen. Mit dem Beintrainer wird die Beweglichkeit gesteigert, die Koordination und der Gleichgewichtssinn verbessert, die Muskulatur gestärkt und die geistige Fitness aktiviert.
     
  • Eine überraschende Sichtweise auf die Umgebung zu erhalten, die einer gewohnten Gehweise / Bewegung widerspricht
     
  • Sich bei allen Aktivitäten selbst zu „messen“

 

Laufzeit der Ausstellung: 09.06.2016 bis Juni 2018

 

 

Text: Renate Zeumer (playfit GmbH)

Foto: playfit Gmbh

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