Sportanlage Hemsbach – eine neue Sportlandschaft mit Kunstrasenspielfeld entsteht

Von Marc Lukowski, S. Lukowski + Partner, Darmstadt

Sportanlage Hemsbach – eine neue Sportlandschaft mit Kunstrasenspielfeld entsteht

Die Sportanlage Hemsbach bestand ursprünglich aus einem Rasenspielfeld mit umlaufender Tennenlaufbahn, zugehörigem Tennen- und Rasensegment sowie je einem weiteren Tennen- und Rasengroßspielfeld. Eine Wiesenfläche diente zusätzlich als Bolzplatz. Die jahrelange, überwiegend reine Fußballnutzung durch einen Verein bewirkte einen Umdenkprozess. Unter Beteiligung der Bevölkerung beschloss die Stadt, auf dem riesigen Areal in der Nähe des Wiesensees ein Sport- und Freizeitgelände für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen zu errichten.

Die Realisierung des Vorhabens erfolgte in zwei Bauabschnitten. Begonnen wurde Mitte Mai 2015 mit dem Bau der Sportanlage. Der Baubeginn der angrenzenden alla-hopp-Freizeitanlage erfolgte im Herbst 2015 und wurde durch das Büro Schelhorn Landschaftsarchitekten aus Frankfurt am Main begleitet.

 

Wettkampfanlage

An Stelle der bestehenden Tennenlaufbahn mit Rasenspielfeld wurde eine Wettkampfanlage in Anlehnung an den Typ C mit Kunststoffrasengroßspielfeld und Kunststofflaufbahn errichtet.

Die Leichtathletikflächen der Wettkampfanlage bestehen aus einer 400 m-Rundbahn (4 Einzelbahnen) mit integrierter Kurzstrecke auf der Westseite, die auch die 110m-Hürdestrecke beinhaltet. Die südliche Segmentfläche wurde, wie das Spielfeld, mit Kunststoffrasenbelag versehen und kann als Aufwärm- und Torschusstrainingsfläche genutzt werden. Das Nordsegment wurde, wie die Laufbahn, mit einem Kunststoffbelag ausgestattet und dient der Leichtathletik. Es wurde eine Weitsprunganlage mit zwei Anlaufbahnen vorgesehen. Die vorhandene Hochsprunganlage wird weiterverwendet und in diesem Segment angeordnet.

Es wurde ein gießbeschichteter, wasserundurchlässiger Kunststoffbelag in 15 mm Dicke nach DIN 18035, Teil 6 aufgebracht. Für die Verwendung eines gießbeschichteten Belags sprachen, trotz der höheren Herstellungskosten, die geringeren Unterhaltungskosten und die größere Dauerhaftigkeit im Vergleich zu wasserdurchlässigen Belägen.

Der Aufbau des Kunststoffrasensystems erfolgte nach DIN 18035, Teil 7. Als Spielfeldbelag war grüner Kunststoffrasen mit Polfüllung vorgesehen. Die Länge der geraden Fasern beträgt 40 mm. Der aus stabilisiertem Polyethylen bestehende Belag ist wasserdurchlässig und wurde mit Quarzsand und Gummigranulat verfüllt. Der Kunststoffrasenbelag liegt auf einer ebenfalls wasserdurchlässigen Elastikschicht, die auch langfristig einen ausreichenden Kraftabbau sicherstellt. Die Herstellung erfolgte im Ortseinbau mit einem Fertiger.

 

Kunstrasenkleinspielfeld

Das vorhandene Trainingsrasenspielfeld westlich der Wettkampfanlage wurde durch ein Kunststoffrasenkleinspielfeld ersetzt. Das Spielfeld liegt annähernd in Ost-West-Richtung und hat die Bruttomaße 54 x 74 m. Unter Berücksichtigung der hindernisfreien Räume vor den Ballfangzäunen ergibt sich eine Netto-Größe von 50 x 70 m. Der Aufbau des Kunststoffrasensystems entspricht dem des Großspielfeldes.

 

Wegeflächen

Der Hauptzugang zu den Sportflächen wurde beibehalten und erfolgt weiterhin durch das Tor am Ende des Parkplatzes, südwestlich des Kleinspielfeldes. Das neue Kunstrasenkleinspielfeld grenzt an den südlich vorhandenen Betonsteinpflasterweg an. Der Weg sollte beibehalten werden, musste jedoch aufgrund der Gefälle- und Höhensituation umfangreich angepasst werden.

An der nördlichen Längsseite des Kleinspielfeldes ist lediglich ein ca. 50 cm breiter Pflasterstreifen als Pflege- und Mähkante befestigt. An den Stirnseiten wurden die über die Sicherheitszonen hinausgehenden hindernisfreien Räume in zwei Metern Breite bis zu den Ballfangzäunen mit Betonsteinpflaster ausgeführt. Die Rundlaufbahn wurde umlaufend mit einem Pflegeweg aus Betonsteinpflaster versehen, der auch als Zuschaueraufstellfläche dient. Hier sind auch die Abstellflächen für mobile Jugendfußballtore integriert. Im Bereich der vorhandenen Tribünenanlage wurde die neue Pflasterfläche an die Tribünenunterkante herangeführt. Links und rechts des bestehenden Gebäudes erfolgte eine Anpassung an die vorhandenen Wegeflächen. Eine Pflegezufahrt auf die Sportflächen erfolgt durch zweiflügelige Tore in der Zuschauerbarriere.

Der Umfang der nutzbaren Sportflächen wurde verringert. Durch die Baumaßnahme ergab sich daher kein erhöhter PKW-Stellplatzbedarf.

 

Zaun- und Ballfanganlagen

An den Stirnseiten der Kunststoffrasengroßspielfelder wurden annähernd auf Spielfeldbreite 5 m bzw. 6 m hohe Ballfänge errichtet, um bei zeitgleicher Nutzung der unterschiedlichen Sportflächen Störungen und Verletzungen der Sportler zu vermeiden.

Um die gesamte Rundlaufbahn wurden Zuschauerbarrieren aus Stahl-Rundrohr (Höhe ca.
ein Meter) errichtet. Offene Durchgänge von ca. einem Meter Breite ermöglichen den Zugang zum Spielfeld und den Spielerkabinen. Die Zufahrt für Pflegefahrzeuge erfolgt über ein zweiflügeliges Barrieretor an der Westseite der Laufbahn. Zum Schutz vor Vandalismus und unsachgemäßer Nutzung sind die Sportflächen mit einer Einfriedung versehen worden. Der in weiten Teilen vorhandene Außenzaun der Sportanlage wurde hierfür genutzt und ergänzt. Auf der Westseite war ein neuer Zaunabschnitt erforderlich, um die Einfriedung der Sportanlage zum übrigen Freizeitgelände hin zu schließen.

 

Beleuchtungsanlage

Im Anfangsstadium der Planungen äußerte der Verein den Wunsch nach einer LED-Beleuchtungsanlage an der Wettkampfanlage und am Kleinspielfeld. Diesem Wunsch wurde nachgegangen. Aufgrund der nahen Wohnbebauung und zur Untersuchung und Bewertung der Möglichkeiten die Anlage mit LED-Scheinwerfern auszurüsten, wurde das Ingenieurbüro Teichelmann IBT mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Entsprechend der Ergebnisse dieser Untersuchung wurden an der Westseite der Laufbahn zwei und an der Ostseite drei Masten mit 20 m Höhe angeordnet sowie jeweils ein zusätzlicher Mast mit 18 m Höhe an den Scheitelpunkten der Laufbahn im Norden und Süden. Aufgrund der Lichtimmissionswerte war die Verwendung von insgesamt 17 Planflächenstrahlern mit Halogen-Metalldampflampen erforderlich, die teilweise zudem mit Blendungsschuten und Schatterblechen zur Reduzierung der Lichtimmissionswerte der Nachbarn ausgerüstet wurden. Für das Kleinspielfeld war eine 4-Mastanlage mit jeweils einem Fluter und einer Masthöhe von 16 m ausreichend. Die Verwendung von LED-Scheinwerfern wurde allerdings aufgrund der nicht vermeidbaren Überschreitung der Lichtimmissionswerte sowie aus finanziellen Gründen verworfen.

Die Schaltanlagen erlauben es, sowohl das gesamte Spielfeld als auch nur eine der Spielfeldhälften zu beleuchten (Halbfeldschaltung), so dass eine bedarfsgerechte und wirtschaftliche Ausleuchtung der Sportflächen möglich wird. Zur Reduzierung der Gefahr bei Blitzeinschlägen wurden die Masten der Beleuchtungsanlage sowie sämtliche neu erstellten Metallzäune und Barrieren an einen Potentialausgleich angeschlossen. Dieser wurde durch ein um die gesamte Sportfläche herum verlaufendes Erdungsband aus Edelstahl erstellt. Die Masten wurden zusätzlich mit einem Schrittspannungsschutz (vermaschte Quadrate aus Edelstahlbändern um die Fundamente) versehen. Dies kann jedoch lediglich die Gefahr bei Blitzeinschlägen reduzieren, nicht verhindern. Freisportanlagen sind bei Gewitter unter allen Umständen umgehend zu räumen. Für die beiden Spielfelder waren jeweils Trainingsbeleuchtungsanlagen mit mindestens 80 Lux Gebrauchswert vorgesehen worden. Zudem können die leichtathletischen Flächen und das südliche, mit Kunststoffrasen ausgestattete Segment so beleuchtet werden, dass eine Trainingsnutzung ermöglicht wird.

 

Entwässerung

Eine Versickerung von Regenwasser ist aufgrund der ungünstigen Baugrundverhältnisse und des hohen Grundwasserstandes nicht möglich. Daher war ein Anschluss der Sportflächen zur Abführung von überschüssigem Regenwasser an eine Vorflut erforderlich.

Bei dem Kunststoffrasen handelt es sich um einen wasserdurchlässigen Belag. Anfallendes Oberflächenwasser wird somit in den Spielfeldaufbau und anschließend in die Dränage abgeführt. Als innere Einfassung der Laufbahn und zur Abführung des Oberflächenwassers der Kunststoff- und Kunststoffrasenflächen wurde eine Muldenrinne vorgesehen. Eine offene Rinne ohne Abdeckung ermöglicht eine einfache Reinigung der Rinne. Gleichzeitig kann der Übergang der Segmente und des Spielfeldes zur Laufbahn nahezu höhengleich ausgeführt werden. Auf die gemäß Wettkampfrichtlinie für Leichtathletik notwendige 5 cm hohe Aufkantung wurde verzichtet. Die angrenzenden Pflasterflächen wurden, soweit möglich, mit Gefälle nach außen angelegt, so dass Oberflächenwasser in die angrenzenden Nebenflächen geführt wird. Dort wurden flache, ca. ein m breite Mulden ausgebildet, in denen das Wasser langsam versickern kann.

Gemäß den Angaben der Baugrunderkundung ist der Untergrund kaum wasserdurchlässig, daher wurde der Einbau eines Dränsystems gemäß DIN 18035 zur homogenen Entwässerung des Sportflächenoberbaus notwendig. Innerhalb des Spielfeldes wurden im Abstand von etwa 6 Metern Dränsaugerleitungen verlegt und mit einer Sickerpackung aus Schotter oder Kiessand verfüllt. Diese münden in Dränsammlerleitungen, die sich jeweils an den Stirnseiten der Spielfelder befinden. An der Innenseite der Laufbahn sowie im Bereich der Kugelstoßtennenfläche wurden ebenfalls Dränleitungen verbaut. Durch die Verwendung von gelochten und gewellten Kunststoff-Vollsickerrohren oder Teilsickerrohren und durch den Einbau speicherfähiger Dränpackungen wird eine Abflussverzögerung und eine Wasserabgabe an den Untergrund bereits in den Fließstrecken des Dränsystems erreicht. In Verbindung mit der Unterkonstruktion der Sportflächen ist somit sowohl eine kurzfristige Rückhaltung innerhalb des Entwässerungssystems gewährleistet, wie auch eine sichere Abführung der restlichen Abflussmengen an die Vorflut. Zur Kontrolle und Reinigung des Entwässerungssystems wurden Revisions- und Absetzschächte eingebaut.

 

Beregnungsanlage

Durch Befeuchten lassen sich die Spieleigenschaften eines Kunststoffrasensystems optimieren. Zudem kann die im Sommer auf der Belagsoberfläche bis über 50°C ansteigende Oberflächentemperatur reduziert werden. Im Bereich des Großspielfeldes war eine erst wenige Jahre alte Beregnungsanlage vorhanden. Die Rohrleitungen sollten erhalten und weiter genutzt werden, was jedoch nach einer Druckprobe verworfen wurde, um späteren Schäden und umfangreichen Reparaturarbeiten im Bereich des Kunstrasens vorzubeugen.

Die Versenkregneranlage wird über ein elektrisches Steuergerät sektionsweise betrieben. Für das Kunstrasenkleinspielfeld wurde eine Ergänzung der Beregnungsanlage vorgesehen und mit zusätzlichen Regnern ausgestattet. Die Steuerung beider Plätze, sowohl der Beregnungs- als auch Beleuchtungsanlage, erfolgt zentral über Schlüsselschalter im Außenbereich des Technikraums am Kleinspielfeld.

 

Weitere Ausstattung

Die beiden Tore des Großspielfeldes sind in Bodenhülsen eingebaut und herausnehmbar. Die Jugendfußballtore sind mobil und durch Gewichte beschwert und gesichert. Für diese mobilen Tore wurden an den Spielfeldrändern, bzw. außerhalb der Laufbahn entsprechende Aufstellflächen eingerichtet. Am Großspielfeld wurden außerhalb der Laufbahn zwei Kabinen für Auswechselspieler vorgesehen. Die vorhandene Sitztribüne wurde erhalten und vom Verein teilweise überarbeitet. Im Bereich zwischen den beiden Spielfeldern wurde eine Hecke aus Hainbuchen gepflanzt, um eine optische Trennung der beiden Spielfelder zu erreichen. Am Abschluss des Heckenstreifens wurde je ein Baum in Form eines Hochstammes vorgesehen, um kleine Schattenbereiche z.B. für Schulkinder beim Sportunterricht zu schaffen.

Der Hecke vorgelagert und zur Laufbahn orientiert ist eine Sitzgelegenheit angeordnet. Um die relativ „technische“ Erscheinung der Sportanlage aufzulockern und einen gemeinsamen Rahmen mit der direkt angrenzenden allahopp-Anlage zu schaffen, wurde tangierend zu den äußeren Wegeflächen der Einbau von locker angeordneten Muschelkalksteinblöcken vorgesehen. Die Steine, die größtenteils im umlaufenden, begrünten Wall versetzt wurden, dienen als Sitzgelegenheiten sowie zur optischen Auflockerung. Um die Sport- und allahopp-Anlage herum wurde eine Finnenlaufbahn errichtet, welche Freizeitsportlern und Vereinsmitgliedern weitere Laufmöglichkeiten bietet. Der erhöhte Verlauf über den östlichen Wall entlang der Längsseite der Kampfbahn bietet einen Blick über die gesamte Sportanlage. Einzelne Robinienstämme bieten zusätzliche „Hindernisse“ und fangen die Böschung ab.

Besondere Herausforderungen während der Baumaßnahme ergaben sich durch den äußerst schwierigen und inhomogenen Baugrund in Kombination mit einem hohen Grundwasserspiegel. Insbesondere die Gründung der Flutlichtmasten erforderte umfangreiche statische- und bodenmechanische Berechnungen, um die Standfestigkeit zu gewähren. Ferner war eine Baugrundstabilisierung notwendig, um ein tragfähiges Erdplanum für den weiteren Aufbau der Sport- und Wegeflächen zu erhalten. Auf wochenlange Dürre und Trockenheit folgten im Spätsommer diverse Regentage, die ein komplettes Fertigstellen der Kunststoffflächen verhinderten. Die Kunststoffarbeiten wurden im November 2015 witterungsbedingt eingestellt und im Frühjahr 2016 fertiggestellt.

Trotz der insgesamt schwierigen Baumaßnahme wurde durch ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen Bauherr (Bauamt und ISEK), der bauausführenden Sportplatzbaufirma und dem Planungsbüro S. Lukowski + Partner ein sehr gutes Ergebnis erreicht, an dem die Bürger und Sportler der Stadt Hemsbach lange Freude haben werden.

 

Nähere Informationen unter www.SL-plan.de

Foto: S. Lukowski + Partner

 

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