Kleinteilige HolzSpielLandschaft versteckt zwischen Plattenbauten

Von Magret Scheerer & Stefanie Wieland (Landschaftsarchitekturbüro Scheerer)

Kleinteilige HolzSpielLandschaft versteckt zwischen Plattenbauten

Der Spielplatz „Vom Gebirgsbach zum See“ im Dresdner Süden

Am südlichen Rand der Stadt Dresden befindet sich das „Wohnquartier am Bismarckturm“, eine in den 1980er Jahren entstandene Plattenbausiedlung. Mittlerweile einer Frischekur unterzogen und stark durchgrünt, erfreut sich das Wohnquartier bei wohnungssuchenden Dresdnern großer Beliebtheit. Das Quartier hat seinen Namen von dem in unmittelbarer Nachbarschaft stehenden Bismarckturm erhalten, von welchem man einen schönen Ausblick über das Dresdner Stadtgebiet hat. Die Innenhöfe zwischen den Wohnblöcken haben sich zu grünen Oasen entwickelt. Geschützt und versteckt befinden sich in den Höfen eine Vielzahl an Möglichkeiten zu Aufenthalt, Sport und Spiel.

Die Beauftragung zur Neugestaltung des Spielplatzes erfolgte durch die Wohnungsbaugenossenschaft „Glückauf“ Süd Dresden e.G., welche im Süden Dresdens eine Vielzahl an Wohnungen verwaltet. Nach einer umfassenden Modernisierung der Wohnbauten im „Quartier am Bismarckturm“ sollten nun auch Teilbereiche der Außenanlagen erneuert und aufgefrischt werden.

Der vorhandene Holzspielplatz im Innenhof der Ludwig-Renn-Allee war mittlerweile in die Jahre gekommen und bereits mehrfach in Teilbereichen repariert und ergänzt worden. Das vorgefundene Gelände besaß bereits eine feingliedrige Modellierung und war mit einem sehr großen Baum- und Strauchbestand gut durchwachsen.

 

Aufgaben / Zielgruppen

Ziel war es, unter Erhalt des Gehölzbestandes und der Wiederverwendung von brauchbaren Bauteilen und -materialien, beispielsweise zahlreicher Steinblöcke und Findlinge, der Edelstahl-Rutsche und verschiedenen Ausstattungsgegenständen, einen neuen Spielplatz anzulegen.

Um ein harmonisches Gesamtbild zu erhalten, sollte die Anordnung der Spielangebote, unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften für Spielgeräte, in unmittelbarer Nähe der zahlreichen Bestandsbäume und der bestehenden Geländemodellierung erfolgen.

Als Kontrast zu den starren geometrischen Baukörpern der umgebenden Wohnblöcke fiel die Wahl auf langlebige Spielgeräte aus Robinienholz. Bereits zuvor vorhandene Spielfunktionen, wie Klettern und Rutschen, auch Möglichkeiten zum Versteck- und Rollenspiel sowie das Spielen im Sand, sollten auch auf dem neu gestalteten Spielplatz wieder zur Verfügung stehen. Idee war es, diese durch eine Vielzahl an individuell nutzbaren Spielangeboten sowie spannenden Verstecken, verwinkelten Hütten und erschwerten, abenteuerlichen Aufstiegen im unüberschaubaren Gelände zu ergänzen. Das Thema Miniaturlandschaft mit Flusslauf, Berg und Tal war aufgrund der vorgefundenen Geländesituation schnell gefunden.

Geplant war, den Zielgruppen der Kleinkinder von 0-6 Jahren genauso wie 6-12 jährigen Kindern aus dem Wohngebiet unterschiedlichste Spielgelegenheiten und Herausforderungen anzubieten. Weitere Wünsche waren ein kleiner Aufenthaltsbereich für Eltern und Anwohner sowie die Möglichkeit zum Fußballspiel für die Kleinsten.

 

Idee

Der Spielplatzentwurf sah eine Miniaturlandschaft mit Bergen und Bachtal sowie einem See vor, in der die erwünschten Spielgeräte geschickt auf kleinstem Raum angeordnet und miteinander verbunden sowie durch weitere den Themen zugeordnete Spielobjekte und vielseitig nutzbare Spielsituationen ergänzt werden konnten. Mit Hilfe des individuell gestaltbaren Robinienholzes als Baumaterial konnte eine Vielzahl verschiedener Spiel- und Aufenthaltsangebote mit Möglichkeiten zum Spielen, Klettern, Balancieren, Bewegen, sich selbst Erproben und Verweilen für alle Altersgruppen bereit gestellt werden. 

Dabei wurde den 6-12 jährigen Kindern der Themenspielbereich „Gebirgsbach“ und „Wald“ mit einem hohen Kletterturm, Bogenbrücke, Waldhaus mit Rutsche und Schwemmholz zugeordnet, den Kleinkindern der Spielbereich „See“ mit Spielsand, Bootshaus, Steg, Ruderboot, Fischernetz und Schilfgürtel.

 

Umsetzung

Die Umsetzung erfolgte im Sommer 2016 durch die Garten- und Landschaftsbaufirma KreativGrün. Die Herstellung und Gestaltung der Holzspielgeräte übernahm dabei die Oberlausitzer Firma Holzdesign A. Fromme. Die Spielanlagen wurden auf dem Firmengelände vorgebaut und bereits dort auf die Sicherheitsanforderungen geprüft. Dabei sind sehr schöne und individuelle Spielobjekte entstanden. Nach der Anlieferung wurden diese auf dem Spielplatz aufgestellt und zusammengefügt. Dabei waren immer wieder vorsichtige Anpassungen der Entwurfsidee an die Standortbedingungen erforderlich, um den Wurzelbereich der Bäume zu schonen sowie alle erforderlichen Sicherheitsvorgaben für Spielgeräte und Abstandsflächen zu erfüllen. Zahlreiche Mäuerchen wurden neu gesetzt, Sand- und Fallschutzkiesflächen angelegt sowie unzählige Findlinge, Steine und Hölzer neu angeordnet und verbaut. Der vorhandene Bewuchs wurde durch Pflanzen ergänzt, welche die unterschiedlichen Charaktere der Landschaftsbilder verstärken. So wurden einige kleinwüchsige Weiden und Kiefern sowie Gräser und weitere Blühsträucher gepflanzt.

 

Beschreibung

Das „Gebirge mit Bachlauf, Berg und Wald“ ist als Spielbereich den 6-12 jährigen Kinder zugeordnet. Auf einem kleinen Erdhügel zwischen Bäumen steht der geschlossene „Hohe Kletterturm“. Er ist schon von weitem zwischen den Bäumen sichtbar. Der Turm besitzt einen innen liegenden Kletteraufstieg und bietet Ausblicke in die Weite der Wohnhöfe und Raum für Versteck- und Rollenspiele. Aus dem Holzturm führt eine schmale und seitlich geschlossene Bogenbrücke mutige Kinder über den trockenen „Gebirgsbach“ mit Sandsteinmauern und Kiesbettfüllung hinüber in das „Waldhaus“. Dieses ist auch direkt über einen schmalen Balkenaufstieg oder über eine unter der Hütte liegende Geheimöffnung erreichbar. Versteckt hinter dem dichten Weidenbewuchs begrüßt eine geschnitzte Eule am „Waldhaus“. Über die Rutsche geht es direkt in den Kies des „Gebirgsbachs“. Vor der Mündung des „Gebirgsbachs“ hat sich ein „Schwemmholzhaufen“ angestaut. Er wirkt wie dahin geworfen und kann zum Klettern, Balancieren, sich Erproben und Verweilen genutzt werden. Der aus dem „Gebirge“ kommende „Bachlauf“ mündet hier in einem kleinen „See“. Dieser Mündungsbereich bildet zugleich den Übergangsbereich von Fallschutzkies zu Spielsand und ist mit verschiedenen Findlingen und Steinblöcken sowie Holzstämmen gestaltet.

Der „See“ ist eine großzügige Sandspielfläche für Kleinkinder. Verschiedene, eingestreut wirkende, thematische Spielobjekte laden auch hier zum Entdecken und Benutzen ein. Inmitten des „Sees“ begrüßt die Kinder ein grüner Frosch. Ein „Ruderboot“ treibt verlassen in der Nähe des „Bootsteges“ und bietet den Kleinsten einen versteckten Kriechtunnel, Klettermöglichkeiten und zahlreiche Spieldetails. Das „Seeufer“ ist abwechslungsreich mit Findlingen, Steinblöcken, Holzpalisaden und Rundhölzern eingefasst und lädt zum Sitzen, Bespielen und Balancieren ein. Ein kleines „Fischernetz“ kann beklettert oder auch nur zum Ausruhen genutzt werden. Das windschiefe „Bootshaus“ mit kleinen Fensteröffnungen, Veranda und vorgelagertem Steg fungiert gleichzeitig als Spielhaus, Versteck, Sitzdeck und Matschtisch. Für die Eltern bzw. Aufsichtspersonen stehen verschiedenste Sitzgelegenheiten unmittelbar im Sandspielbereich oder auch außerhalb zur Verfügung. Ein befestigter Weg mit Bänken führt Besucher bis zum Sandspielbereich am „See“. Ein großzügiger „Schilfgürtel“ mit Gräserpflanzung umschließt schützend den „See“. Versteckt zwischen den Gräsern gibt es einen Balancierparcours zu entdecken.

Zusätzlich zum Spielplatzbereich wird auf einer nahen Rasenfläche ein kleiner Bereich für die ersten fußballerischen Versuche der Kleinsten angeboten. Für die Jugendlichen steht bereits in der Nähe ein Bolzplatz mit Fußballtoren und Ballfangzäunen zur Verfügung. Da die Jüngsten auf dem großen Bolzplatz unter gingen, wurde vermehrt von Mietern der Wunsch geäußerten, zusätzlich einen kleinen Ballspielbereich für die Jüngsten zu schaffen. Um hier nicht die großen Kinder in Scharen anzulocken, entschieden wir uns nicht für Fußballtore mit klassischen Netzen, sondern markierten die Torbereiche nur mittels einzelner gestalteter Pfosten. Eine kleine „Spielerbank“ sollte als Ruhe- und Zuschauerpunkt dienen.

 

Farbkonzept

Die vorherrschenden Farben auf dem neuen Spielplatz sollten dezent und natürlich wirken, um den Naturcharakter zu unterstreichen sowie gleichzeitig wartungsarm sein. In einiger Zeit erhalten die unbehandelten Robinienhölzer ihre charakteristische silbergraue Erscheinung. Hinzu kommt die Kombination mit abgestimmten Farblasuraufträgen in kleinen Teilabschnitten der Holzsichtflächen.  Dabei wurde der Bereich „Gebirge und Wald“ für die 6-12 jährigen Kinder in den Farbtönen Grün, Dunkelgrün und Beige gestaltet. Im Bereich des „Sees“ als Spielort für die Kleinkinder wurden zusätzliche Lasuraufträge in Grün, Blau und Türkis gewählt.

Der etwas abseits gelegene „Ballspielbereich für die Kleinkinder“ erhielt zusätzlich zum immer wieder kehrenden Grün zwei Mannschaftsfarben. Somit entstanden Tormarkierungen für Team Rot und Team Blau, sowie eine Spielerbank in Mannschaftsfarben und zusätzlich schwarzen Markierungen für den Schiedsrichter.

Verschiedene geschnitzte und farbig angelegte Figuren und Pfostenköpfe, wie beispielsweise die Eule am Waldspielhaus, der Frosch am See sowie Pfostenköpfe in Gras- und Rohrkolbengestalt verstärken den Naturcharakter und unterstreichen die Themenspielbereiche.

 

Fazit

Bereits während der Bauphase gab es zahlreiche aufmerksame kleine Beobachter, welche ihren Spielplatz nach der Neueröffnung schnell in Nutzung genommen haben. Mittlerweile ist der Spielplatz spielerisch angenommen. Oft sieht man auch „Größere“, welche die versteckten Ecken und Aufstiege testen. Inmitten von Grün und Vogelgezwitscher und versunken in intensives Spiel sowie bei der Erprobung der eigenen Geschicklichkeit lässt sich die unmittelbare Nähe der umliegenden Wohnbebauung fast vergessen.

 

Foto: Landschaftsarchitektur Dipl.-Ing. Magret Scheerer

 

Weitere Informationen:

Landschaftsarchitektur

Dipl.-Ing. Magret Scheerer

Krietzschwitz Nr. 2

01796 Pirna

Tel.:  03501 – 792 9606

www.landschaftsarchitektur-scheerer.de

 

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