Pausenhöfe als Bewegungsräume – ein Plädoyer für eine intelligente Dreifachnutzung bei einer fortschreitenden Flächenkonkurrenz

Von Oliver Seeck, Studiendirektor am Städt. Apostelgymnasium Köln (Sportschule NRW)

Pausenhöfe als Bewegungsräume –  ein Plädoyer für eine intelligente Dreifachnutzung bei einer fortschreitenden Flächenkonkurrenz

Die Stadt Köln wird nach seriösen demographischen Prognosen in den nächsten 20 Jahren einen Bevölkerungszuwachs von ca. 200.000 Menschen erwarten, was einen Zuwachs von ungefähr 20% der jetzigen Gesamtbevölkerung bedeuten würde. Bedingt auch durch diesen Zusammenhang steht die Stadt vor der gigantischen Aufgabe, dass annähernd 40 neue Schulen gebaut werden müssen. Die schon jetzt existierende Flächenkonkurrenz wird dadurch auf einem endlichen Stadtgebiet neue Dimensionen erreichen.

Es gilt daher, dass für die Bereiche der Bewegung und des Sports nicht nur Partei ergriffen wird, sondern ebenso intelligente und effiziente Lösungen schon jetzt auf den Weg gebracht werden sollten. Jede Chance, die bei der heutigen Planung nicht genutzt wird, ist im Ergebnis ein Bewegungsraum zu wenig.

 

Trends und Entwicklungen

Unsere Sportvereine stehen untereinander nicht nur sportlich im Wettbewerb. Sie kämpfen auch um ihre knappen Hallen- und Platzzeiten. Darüber hinaus setzt sich gesamtgesellschaftlich der Trend der Individualisierung fort, der auch ganz allgemein der Bindung an Sportvereine entgegensteht. Menschen begegnen sich auf ganz vielfältige Art und Weise im und durch den Sport. Es sind auch hier Strategien gefragt, wie man Sporttreibende, die sich in bestimmten Bewegungsräumen treffen, für Sportvereine begeistert werden können und von ihnen in Vereinsstrukturen eingebunden werden können.

Auch der Schulsport ist immer stärkeren Herausforderungen ausgesetzt, die beispielsweise neben dem gesundheitlichen Aspekt (z.B. Zunahme Adipositas) ganz allgemein gegen den Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen ankämpfen muss. Die dadurch entstehenden Haltungsfehler mit ihren gesamtgesellschaftlichen verheerenden Auswirkungen können flächendeckend und nachhaltig nur durch einen guten Sportunterricht bekämpft werden. Es ist daher unstrittig, dass Haltungsschulungen, der Kraftsport und der damit verbundene funktionelle Muskelaufbau fest im Schulsport zu verankern ist, da er im Übrigen auch die Voraussetzung für jede weitere sportliche Disziplin ist. Hier werden die allgemeinen Grundlagen für ein positives Körperbewusstsein und das lebenslange Sporttreiben gelegt. Der Unterrichtsausfall im Fach Sport ist an sich schon skandalös und darf nicht auch noch durch fehlende oder mangelhaft ausgestattete Sportstätten forciert werden.

 

Ein magisches Konflikt-Dreieck?!  

Das Spannungsfeld zwischen vermeintlich konkurrierenden Interessen lässt sich mit den Bereichen Freizeit, Vereinssport und Schulsport erfassen, da es auf den ersten Blick durch die Konkurrenzsituation nicht möglich erscheint, dass alle drei gleichermaßen von einer Sportinfrastruktur profitieren.

Daher ist es eine Überlegung wert, dass dieses Spannungsfeld durch eine intelligente Lösung aufgebrochen wird. Ein gemeinsamer Bewegungsraum, der weitsichtig konzipiert wird, bietet dafür optimale Bedingungen. Während er vom Vor- bis zum frühen Nachmittag der Schule als Pausenhof und Betätigungsfeld im Sportunterricht zugeordnet wird, soll er anschließend den Freizeit- und Vereinssportlern zur Verfügung stehen. 

Neben dem Aspekt der nur einmal zur Verfügung stehenden Ressource Raum ist eine Investition, die über den ganzen Tag hinweg vom Sportunterricht, den Vereinen bis hin zu den Hobbysportlern eine sportliche Verwendung findet, unter dem Eindruck kommunaler Haushalte sicherlich eine effiziente und lohnende. Dieser Raum kann ganz nebenbei auch als sportlicher Kontakthof fungieren, der den Wechsel vom Freizeit- zum Vereinssportler möglichweise einfacher machen kann. Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten der ortsansässigen Vereine.

 

Nur Mut

Bei der Öffnung von Schulhöfen gibt es häufig den Vorbehalt, dass die Geräte dem zunehmenden Vandalismus ausgesetzt sind. Neben der Tatsache, dass dies für jedes Spielgerät auf den öffentlichen Spielplätzen, die in der Regel glücklicherweise nicht eingezäunt sind, gilt, müssen gerade die neu geschaffenen Bewegungsräume so geplant und angelegt werden, dass sie einer stärkeren sozialen Kontrolle unterliegen. Alle Erfahrungen zeigen, dass ein Raum, der stärker von Menschen frequentiert wird, auch dadurch schon automatisch stärker im Fokus steht. Er unterliegt einer sozialen Kontrolle und ist weniger für Beschädigungen anfällig. Die „Internationale Fachmesse für Freiraum, Sport- und Bäderanlagen“ (FSB), die Anfang November 2017 in Köln stattfand, zeigte eindrucksvoll, welche innovativen Sportgeräte für diese Zwecke bereits marktreif sind und zur Verfügung stehen.

 

Rahmenbedingungen

Bei der Auswahl muss die Stadt als Auftraggeber dieser Sportgeräte insbesondere darauf achten, dass die rechtlichen und sicherheitsrelevanten Standards (Versicherungsschutz, Aufsichtspflicht etc.) erfüllt sind. Auch hier dürfen als positive Beispiele gerne erneut die Spielplätze herangezogen werden, auf deren Geräte Bewegungen – oft in größeren Höhen – auch außerhalb von Schließzeiten schon immer möglich sind.

Bei jeder Konzeption eines neuen Bewegungsraums müssen unbedingt die ortsansässigen Vereine bei der Auswahl der Sportgeräte ein Mitspracherecht haben. Die Vorgaben der sog. Sicherheitsförderung im Schulsport des Landes Nordrhein-Westfalen[1] gewährleisten darüber hinaus den Einsatz im Sportunterricht.

Die Sportgeräte spielen im Sinne der Bewegungsfreudigen Schule[2] eine herausragende Rolle bei der Schulsportentwicklung und sollten unbedingt auch in den Pausen genutzt werden. Die Aufforderung zur Bewegung und die Unterstützung einer bewegten Schulkultur liegen dabei auf der Hand. Die o.g. Standards dienen im Übrigen auch dazu, die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen bei rechtlichen Fragen im Sinne der Aufsicht zu unterstützen.

Im Schulsport gibt es positive Entwicklungen, die dafür sorgen, dass moderne und zielgruppenrelevante Sportbereiche und Bewegungsfelder aufgenommen werden. Aber auch tradierte Sportbereiche wie beispielsweise das Geräteturnen haben ihre absolute Berechtigung. Im Alltag des Sportunterrichts stoßen die Kolleginnen und Kollegen allerdings dabei im wahrsten Sinne des Wortes auf Hindernisse. Die einwandfreie Funktionsfähigkeit der Geräte mit einem erhöhten Wartungsaufwand des Schulträgers und die Verfügbarkeit in allen Sporthallen führen nicht selten dazu, dass der Bereich des Sportunterrichts vernachlässigt werden muss. Hinzu kommt bei der nur begrenzten Bewegungszeit im Sportunterricht die pragmatische Abwägung, ob ein aufwändiger Aufbau überhaupt lohnend erscheint.

All diese Probleme gibt es bei einem fest installierten Gerätepark auf dem benachbarten Schulhof nicht und wird dazu führen, dass eine effektive Nutzung der wertvollen Bewegungszeit gewährleistet werden kann.

 

 

 

Oliver Seeck, Köln:

Studiendirektor am Städt. Apostelgymnasium (Sportschule NRW)

Fachleiter Sport am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Köln (Gymnasium und Gesamtschule)

Sachkundiger Einwohner im Sportausschuss der Stadt Köln

Vorstandsmitglied Sportstadt Köln e.V.

 

Foto: Play-Parc Allwetter- Freizeitanlagenbau GmbH

 

[1] https://www.schulsport-nrw.de/sicherheits-und-gesundheitsfoerderung/erlass-sicherheitsfoerderung-im-schulsport.html (Zugriff 12.12.2017)

 

[2]  https://www.schulsport-nrw.de/schulsportentwicklung/bewegungsfreudige-schule.html (Zugriff 12.12.2017)

<< zurück