Wasserspielplatz an der Ohrn in Öhringen

Roland Steinbach und Pascale Boé (Landschaftsarchitekten)

Wasserspielplatz an der Ohrn in Öhringen

Unabhängig von dem Zuschlag für die Landesgartenschau 2016, hat sich die Stadt Öhringen in Baden-Württemberg seit vielen Jahren Gedanken zur Aufwertung der innerstädtischen Freiflächen und Parkanlagen gemacht.

Die Große Kreisstadt Öhringen hat ca. 24.000 Einwohner und wächst seit Jahren kontinuierlich.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Verwaltung, dem Bauhofleiter, dem Landschaftsarchitekturbüro Steinbach und wechselnden Fachberatern hat hierzu ein mit dem Gemeinderat abgestimmtes Konzept erarbeitet, das eine Vielzahl von Vorschlägen beinhaltet hat. Im Vorfeld der Planungen haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe bei mehreren Exkursionen andere Projekte in Süddeutschland gesichtet und Anregungen geholt. Dieses Konzept zu den Frei- und Parkflächen wurde später auch Teil der Bewerbung für die Landesgartenschau 2016.

Eine Maßnahme aus diesem Konzept war die Wiederherstellung des ehemaligen Ohrnverlaufs entlang der historischen Stadtmauer. Kurz vor der Wiedereinmündung des Wasserlaufs in die Ohrn wurde ein Wasserspielplatz integriert. Der ehemalige Ohrnverlauf wurde in den 1950er Jahren verfüllt, in seinem Bachbett wurde der städtische Hauptkanal verlegt.

Mit den Planungen für den Wasserlauf und dem integrierten Wasserspielplatz wurde 2008 begonnen. Die Umsetzung erfolgte in den Jahren 2009 und 2010.

Die Baukosten für die gesamte Maßnahme lagen bei ca. 490.000 Euro, davon wurden ca. 120.000 Euro im Wasserspielplatz verbaut.

Der Bachverlauf mit seinen herausfordernden topographischen Situationen ist auf einer Länge von ca. 480 Meter neu gestaltet worden. Gespeist wird der Bachlauf mit Wasser aus der Ohrn, dass mittels einer Pumpe auf das ca. 4 Meter höhere Niveau gebracht wird. Hierzu wurde ein Wasserentnahmeschacht in die Böschung der Ohrn gebaut, der möglichst wenig sichtbar sein sollte.

Die Maßnahme lag im Sanierungsgebiet, sodass Städtebaufördermittel bei der Finanzierung verwendet werden konnten.

Der Wasserspielplatz an der Ohrn vor der Stadtmauer der historischen Altstadt von Öhringen war einer der Höhepunkte der Maßnahme. Nach dem Wasserspielplatz mündet der Bachlauf, über Steinkaskaden aus Muschelkalk verlaufend, wieder in die Ohrn.

Im Bereich des Wasserspielplatzes wurde ein Beachvolleyballfeld angelegt, runde Granitfindlinge werden als Sitz- und Tischelemente in der Sandfläche genutzt. Die ganze Situation wird in der Bevölkerung mittlerweile auch als „Stadtstrand“ bezeichnet.

Eingebaut wurden Spielgeräte der Firma Richter. Das große Gerät, die „Wasserbaustelle“, hat eine integrierte Handpumpe und wird mit Trinkwasser gespeist. Der Wasserlauf führt durch den Spielplatz und teilt sich dort auf. Als Elemente zur Steuerung des Wassers wurden zwei Ziehwehre eingebaut, ein Staukeil, eine archimedische Schraube und eine Wasserklappe.

Zusätzlich wurde eine Schwengelpumpe aus dem Bestand des Bauhofs verwendet.

Am Fuße der archimedischen Schraube wurde der Bachlauf vertieft, das Wasser kann mit der Schraube auf einen Hügel aus Pflaster gefördert werden und verläuft von dort in mehreren Rinnen in die angrenzende Sandfläche. Unter der Sandfläche wurde eine Drainschicht aus Schotter und Drainagerohren eingebaut.

Der durchführende Garten- und Landschaftsbaubetrieb gestaltete die Pflasterflächen mit viel Liebe zum Detail, so dass eine kleine Landschaft aus gemischtem Pflaster und ungewöhnlichen Steinen entstand. Immer wieder kann man Tierformen erkennen, wenn die Phantasie es zulässt, wie eine Schildkröte zum Beispiel. Versteinerte Hölzer wurden ebenso mit eingebaut.

Vom Wasserspielplatz aus verläuft der Bachlauf durch ein großes Rohr unter dem Gehweg hindurch, bevor es in die Ohrn mündet. Ein Gitter hindert die Kinder daran das Rohr zu durchqueren. Auch hier ließ man den Handwerkern Freiheiten und erhielt nicht nur ein Standardgitter, sondern eines in Form eines Spinnennetzes mit Spinne. Dieses musste nach Beschädigung in der Zwischenzeit leider entfernt werden.

Die Schwengelpumpen mussten nach Vorgabe des Gesundheitsamtes an die Trinkwasserleitung angeschlossen werden, da durch den höheren Wasseraustritt die Kinder die Möglichkeit nutzen könnten, das Wasser zu trinken. Für die Trinkwasserzufuhr wurde am Rande des Wasserspielplatzes, leicht zugänglich für die Unterhaltungs-Fachkräfte, ein Schacht gebaut, in dem die Technik untergebracht ist. Die Wasserqualität der Ohrn und somit des Bachlaufs ist ausreichend gut, an heißen Sommertagen stiehlt der Bachlauf selbst mit dem Wasserspielplatz als Badeattraktion in der Stadt die Show.

In dem Wasserlauf selbst wurde nach der Auskofferung eine Ausgleichsschicht aus Sand auf den Baugrund aufgebracht. Darüber wurde eine Geotextilschicht, im Anschluss eine Teichbaufolie mit 2 Millimetern Dicke eingebaut. Über die Teichbaufolie wurde Lehm als weitere Abdichtungsschicht in einer Höhe von 20 cm im verdichteten Zustand eingebaut. Den Abschluss des Aufbaus bildet ein Sohlsubstrat, das teilweise bei Maßnahmen des Hochwasserschutzes aus der Ohrn entnommen wurde. Dabei handelt es sich um Muschelkalkgestein.

Der Wasserspielplatz ist im Bereich des bestehenden Parks an der Stadtmauer gebaut worden. Der vorhandene Baumbestand aus Kastanien und anderen Gehölzen beschattet einen großen Teil der Fläche, zu jeder Tageszeit sind Sonnenflächen und Schattenbereiche vorhanden und die Bereiche können der Witterung angepasst genutzt werden.

 

Fazit

Die Maßnahme wurde im Vorfeld durchaus kritisch gesehen, handelt es sich doch bei solchen Angeboten an die Bevölkerung um weiche Standortfaktoren und keine zwingenden Notwendigkeiten. In einer Zeit, in der die Steuereinnahmen nicht so hoch waren wie heute, sondern es in der Weltwirtschaft zu großen Problemen kam, war es umso mutiger, diesen Wasserlauf und auch den Spielplatz zu realisieren. Im Nachhinein hat es sich bezahlt gemacht. Schon nach der Einweihung kamen Schulklassen, Kindergartengruppen und Familien aus der weiteren Region mit der Stadtbahn oder auch mit dem Auto nach Öhringen auf diesen Spielplatz. Dabei wird auch die angrenzende Gastronomie genutzt, deren Biergarten/ Außenbereich im Zuge der Baumaßnahmen ebenfalls umgestaltet wurde. Dort sorgt heute ein Baumdach aus Platanen für Schatten, eine räumliche Abgrenzung zum Spielplatz erfolgt durch Gräserpflanzungen. Diese Umgestaltung wurde durch den städtischen Bauhof umgesetzt, der auch sonst immer wieder unterstützend dabei war, wenn es um Leitungsverlegungen und andere städtische Belange ging.

Auch der Einzelhandel in der angrenzenden Innenstadt hat durch die Besucher profitiert.

Der Wasserspielplatz liegt auf dem stark frequentierten Fußweg vom großen zentralen Parkplatz bei der Veranstaltungshalle Kultura in die Innenstadt. Außerdem liegt er am innerstädtischen Abschnitt des Ohrntalradweges.

Der Wasserspielplatz konnte auch während dem Bau und der Durchführung der Landesgartenschau 2016 als „Ersatzspielplatz“ über die Jahre 2013 bis 2017 genutzt werden , da er außerhalb des Durchführungsbereichs der Landesgartenschau lag.

 

Foto: Roland Steinbach | Landschaftsarchitekt

Weitere Informationen: www.steinbach-la.de

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