Massgeschneiderte Spielwelten

Caroline Zollinger (Planungsbüro Wegmüller)

Massgeschneiderte Spielwelten

Das Schweizer Planungsbüro Wegmüller aus Klosters hat einen großen Erfahrungsschatz, was kreative Themenspielplätze angeht. Zu den favorisierten Materialien zählt Robinienholz, weil es sich besonders natürlich in die Umgebung einfügt. Landschaftsarchitekt Daniel Wegmüller und sein Team präsentieren exemplarisch drei Projekte und erzählen, wie diese entstanden sind und worauf es bei der Planung ankommt.

Es ist ein regnerischer Morgen. Auf einer weitläufigen Rasenfläche stehen unter Bäumen verstreut einige wenige Einzelspielgeräte wie Wippe und mehrere Schaukeln, die angesichts der großen Fläche fast ein wenig verloren wirken. Man sieht ihnen die Spuren intensiver Nutzung an und ahnt, dass sie seit vielen Jahren dastehen und schon so manches erlebt haben. Mit raschen Schritten geht Landschaftsarchitekt Daniel Wegmüller von Gerät zu Gerät, rüttelt hier und da an einem Holzbalken, begutachtet Schraubverbindungen und Seile, um schließlich seine Expertise abzugeben. Sein Fazit ist klar: Bis auf wenige Ausnahmen entsprechen die Spielstrukturen nicht mehr den geltenden Sicherheitsnormen und sollten möglichst bald weichen. Der bestehende Spielplatz ist Teil des beliebten Ausflugsziels „Vogelparadies Birka“, das im Besitz der liechtensteinischen Gemeinde Mauren ist. Auf dem Gelände steht ausserdem eine öffentlich zugängliche Volière, bewohnt von exotischen Vögeln von Kakadu bis Pfau. Die Betreiber und die Vertreter der Gemeinde sind sich nach einem ersten Gespräch mit dem Landschaftsarchitekten einig: Sie möchten den Spielplatz, der in die Jahre gekommen ist, komplett neu gestalten und damit eine zusätzliche Attraktion für das beliebte und im Sommer stark frequentierte Naherholungsgebiet schaffen. Als Zielgruppe werden Kinder bis zirka sieben Jahre definiert.

Knapp ein Jahr später - diesmal bei Sonnenschein - präsentiert sich den Besuchern ein komplett neuer Ort, der wie ausgewechselt scheint. Unter den Bäumen leuchtet eine langgezogene Spielstruktur aus Robinienholz in allen Regenbogenfarben. Sie lädt die Kinder ein zum Balancieren, Klettern, Hangeln und gemeinsamen Entdecken. Zuoberst auf den farbig bemalten Robinienholzstämmen thronen bunte Papageien. Die Landschaftsarchitekten haben das Thema der benachbarten exotischen Vogelwelt in den Spielgeräten abgebildet und gemeinsam mit der Firma Spielart aus Laucha einen «Papageien-Wald» sowie einen „Fasanen-Steig“ als Herzstück der Anlage entwickelt. „Mit den exotischen Vögeln als Aufhänger wollen wir für die Kinder ein Spielerlebnis schaffen, das eng mit dem Ort verknüpft ist“, erklärt Daniel Wegmüller. Seit vielen Jahren plant der Landschaftsarchitekt mit Büro in Klosters gemeinsam mit seinem Team abwechslungsreiche Spielwelten. Wenn immer es sich anbietet, sind sie einem speziellen Thema gewidmet.

 

Spielend von Kontinent zu Kontinent

So auch bei einem seiner neusten Spielplätze auf dem Areal des Hotel Intercontinental in Davos, mitten in den Schweizer Alpen. Das Hotel liegt etwas außerhalb des Dorfes in der Nähe des Davosersees und ist umgeben von dichtem Tannenwald. Auch hier fiel die Wahl auf eine Ausführung mit Spielgeräten in Robinienholz. Gerade an einem Standort mitten in der Landschaft sei das naturbelassene Holz besonders passend, so Wegmüller. Ebenso lobt er es als sehr robust und dauerhaft. „Wir gehen bei sachgemäßer Wartung und regelmäßigem Unterhalt von mindestens 20 Jahren Lebensdauer aus“, so der Landschaftsarchitekt. „Unsere ältesten Anlagen aus Robinienholz sind bereits über 25 Jahre in Betrieb und immer noch ohne Einschränkungen nutzbar“.

Beim Hotel Intercontinental, das Gäste aus aller Welt beherbergt, war es der Bauherrschaft besonders wichtig, mit dem Spielangebot einen neuen „touristischen Anker“ zu setzen, um die Kundenbindung zu festigen. Mit dem neuen Spielplatz erhofft man sich, vermehrt Familien anzusprechen und auch in der Nebensaison Besucher anzulocken. Etwas Einzigartiges, Unverwechselbares war gewünscht. Beim Brainstorming im Team der Landschaftsarchitekten entstand die Idee, in Anlehnung an den Namen des Hotels das Thema „Interkontinentalität“ spielerisch umzusetzen. Der Begriff „interkontinental“ heißt gemäß Duden so viel wie „zwischen den Erdteilen, mehrere Kontinente einschliessend, sie verbindend“. Dies wurde mit verschiedenen, eigens für den Ort entwickelten Spielstrukturen umgesetzt. So können die Kinder eine spielerische Weltreise von den Bergen Europas hin zu den Savannen Afrikas bis in die Steppen Ozeaniens unternehmen und treffen dabei auf ortstypische Tiere wie Murmeltier, Giraffe oder Känguru in Holz. Die Spiellandschaft ist so ausgelegt, dass sie ganzjährig nutzbar ist. Auf den Hauptwegen und den Zugangsverbindungen zu den Spielgeräten wird der anfallende Schnee soweit möglich regelmäßig geräumt. Die spielenden Kinder kreieren immer neue Trampelpfade und können den Schnee als dynamisches Element hautnah erleben und in ihre Aktivitäten miteinbeziehen.

 

Gemeinsam zu neuen Ideen

Die Ideenfindung für einen Spielplatz ist ein kreativer und lebendiger Prozess, bei dem je nach Projektumfeld und Ausgangslage auch immer wieder die Partizipation von Kindern und Quartierbewohnern eine wichtige Rolle spielt. Gemeinsam werden Ideen gesammelt und daraus Konzepte so erarbeitet, welche die Wünsche der Beteiligten wo immer möglich einfliessen lassen. „Es macht grossen Spass, die Kinder in die Planung miteinzubeziehen“, findet Landschaftsarchitektin Britta Mall, die seit sechs Jahren beim Planungsbüro Wegmüller arbeitet. „Sie geben immer ein sehr ehrliches Feedback und eröffnen uns oftmals neue Sichtweisen. Zu sehen, wie sie sich den fertigen Spielplatz aneignen, ist immer eine große Freude für uns“. Als größte Herausforderung bei der Spielplatzplanung und Umsetzung nennt sie das Abstimmen und Gewichten der nicht selten diametralen Ansprüche von Nutzern, Betreibern und Auftraggebern. „Auch das Schaffen von genügend großen Zeitfenstern, damit sich frisch geschaffene Grünflächen optimal entwickeln können („Grow-In“), ist nicht immer einfach“, erzählt die Landschaftsarchitektin. Der Projektablauf von der ersten Anfrage bis zum fertigen Spielplatz verlaufe immer nach ähnlichem Muster. Bei einem ersten Gespräch vor Ort nehme man die Wünsche und Vorstellungen auf und kläre bei bestehenden Anlagen ab, ob einzelne Spielgeräte oder Bereiche ins neue Konzept integriert werden könnten. Es folgt ein Honorarangebot, und nach der Auftragserteilung geht es daran, Bestandes- sowie Geländeaufnahmen zu erstellen, einen Ideenentwurf und später ein Vorprojekt mit Kostenschätzung zu erarbeiten. Nach der Projektbereinigung folgt die Ausschreibung an die Garten- und Landschaftsbauunternehmen und anschließend die Realisierungsphase. Es ist dem Planungsteam um Daniel Wegmüller wichtig, das jeweilige Thema für den Spielplatz in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Kunden zu entwickeln und dabei immer die örtlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. So entstand beispielsweise in der Schweizer Berggemeinde Disentis das „Goldgräbercamp Fontanivas“, das die Goldgewinnung aus dem nahen Rhein thematisiert.

 

Sicherheit geht vor

Bei der Planung von Spielanlagen ist es für die Landschaftsarchitekten zentral, die europäische Sicherheitsnorm für Spielplätze und Spielgeräte (EN 1176/1177) einzuhalten und in Absprache mit Bauherrschaft und Betreibern schon im Vorfeld den Unterhalt mit regelmässigen Kontrollgängen gemäss EN 1176 sicherzustellen. Je nach Fallhöhe der ausgewählten Spielgeräte müssen entsprechende Schutzbeläge eingebaut werden.

Der „Waldspielplatz Dux“ im liechtensteinischen Schaan: der Name „Dux“ ist der Name eines beliebten Naherholungsgebietes am Dorfrand. Er führte zum Wortspiel „Fuchs von Dux“ und somit zum Fuchs als eine der Leitfiguren des neuen Spielplatzes. In einer Lichtung im Wald gelegen, hat der Ort einen ganz speziellen Charakter. Die Anlage liegt auf verschiedenen terrassenartigen Ebenen. Dem Spielplatz angegliedert sind bestehende Grillstellen mit Holzhütten, eine Kneippanlage sowie ein Waldlernpfad. Die Landschaftsarchitekten hatten die Aufgabe, den bestehenden Spielplatz, der in die Jahre gekommen war, mit neuen Geräten auszustatten, ausgelegt für Kinder von 3-12 Jahren. Wie oftmals bei größeren Spielplatzprojekten sollte die etappenweise Umsetzung möglich sein.

Den neuen Mittelpunkt des Spielplatzes bildet eine bunte Mehrfachschaukel, die nahezu 17 Meter lang ist und mit den verschiedensten Schaukelelementen für alle Altersklassen etwas bietet. In der zweiten Etappe kam die langgezogene Kletterstruktur in Robinienholz mit Fuchsbau und Röhrenrutsche hinzu. Die integrierten Figuren wie Eichhörnchen, Fuchs und Eule stehen für das Thema Wald und sorgen bei den Kindern für einen hohen Wiedererkennungswert. Hinzu kommt ein abenteuerlicher Spielbach mit Wasserspirale und verschiedenen Staumöglichkeiten. Mit seiner Lage in einer Waldlichtung ist der Spielplatz Dux prädestiniert für den Einsatz von Holz als Hauptmaterial, da es der Natürlichkeit des Orts am besten entspricht. Die Montage der Spielgeräte ist gemäß den Landschaftsarchitekten für die Garten- und Landschaftsbauer aufgrund der im Werk vorgefertigten Elementteile sehr einfach und mit der mitgelieferten Aufbauanleitung gut nachvollziehbar. Bei größeren, besonders komplexen Anlagen ist für den Aufbau jeweils zusätzlich ein Montageleiter des Herstellers vor Ort.

 

Fazit

Die vorgestellten Projekte machen eines deutlich: Sie mögen zwar alle aus demselben Holz „geschnitzt“ sein, und doch gleicht keines dem anderen. Jedes ist ein Unikat, bei dessen Entwicklung stets die späteren Nutzergruppen im Fokus standen. Je nach spezifischen Vorgaben und der jeweiligen Umgebung sind maßgeschneiderte Spielwelten entstanden, die einen wichtigen Beitrag zur Bewegungsförderung leisten. Im Zeitalter der Digitalisierung ist es von unschätzbarem Wert, den Kindern eine kreative Grundlage für Spaß und aktives Spiel an der frischen Luft zu bieten. Nicht nur motorische, sondern auch soziale Kompetenzen werden dabei geschult und entwickelt.

Foto: Planungsbüro Wegmüller

Infobox

Spielfreude gestalten

Geplant hat die beschriebenen Projekte in der Schweiz und Liechtenstein das Planungsbüro Wegmüller aus Klosters (Schweiz).

Die abgebildeten Spielstrukturen in Robinienholz stammen von Spielart GmbH in Laucha.

Weitere Informationen: www.d-wegmueller.ch und www.spielart-laucha.de

 

 

<< zurück