Spiel und Begegnung im Bregenzerwälder Krumbach

DI Maria Anna Schneider-Moosbrugger / Landschaftsarchitektur und Raumplanung

Spiel und Begegnung im Bregenzerwälder Krumbach

Nach rund 15 Jahren war der zentrale Spielplatz in der Bregenzerwälder Gemeinde Krumbach in die Jahre gekommen. Als Starterprojekt und zeitgleich mit der Erstellung des Spiel- und Freiraumkonzepts wurde er im Herbst 2017 neu gestaltet. Dabei konnte das bestehende Spielangebot für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche vielfältig erweitert werden. Die Spiel- und Bewegungsangebote am neuen Spielplatz begeistern seitdem nicht nur die Bevölkerung von Krumbach. Schaukeln, springen, klettern, balancieren, rutschen, matschen, chillen und viel Platz zum Laufen, an diesem Spielplatz trifft sich Jung und Alt: eine Vorarlberger Kleingemeinde mit unverwechselbarer Spiel- und Freiraumqualität

Die Gemeinde Krumbach liegt im Vorderbregenzerwald auf rund 730 m Seehöhe. Mit nur 1050 Einwohnern wollen Investitionen in Infrastruktur und Lebensqualität gut überlegt sein. Über eine Distanz von 25 km, soweit beispielweise nach Bregenz am Bodensee, tragen regionale Infrastruktureinrichtungen mit zur Versorgung bei. Für Kinder und Familien ist die Nahversorgung mit Spielerlebnisqualitäten jedoch unverzichtbar. Krumbach verfügt über spannende informelle Spielorte im Wald, an Bächen und in Mooren. Zu den landschaftlichen Besonderheiten des Orts gehört das kleinräumige Moormosaik. Über das Projekt Moore Krumbach unterstützt Krumbach mit seinen Moorführern und den Moorwirten seit über zehn Jahren einen bewussten und genussvollen Umgang mit der Moorlandschaft. Gasthäuser sind übrigens traditionelles Kulturgut in Krumbach, hier wird nicht nur gegessen und getrunken sondern auch verhandelt, diskutiert und organisiert. Im Hinblick auf seine Begegnungsqualität bleibt der zentrale Spielplatz im Dorf jedoch unübertroffen. Seit seiner Erstellung vor rund 15 Jahren hat die Standortgemeinde deutlich an Profil zugelegt. Die Gestaltung des Dorfkerns trägt die Handschrift der bekannten, aus der Region stammenden Architekten Hermann Kaufmann und Bernardo Bader.

 

Spiel- und Freiraumkonzept als rechtsverbindlicher Rahmen

Mit dem Gesetz über öffentliche Kinderspielplätze und naturnahe Freiräume, kurz Spielraumgesetz, gelang dem Land Vorarlberg 2009 ein bemerkenswerter Schritt in Richtung lebenswerte Entwicklung von Raum und Gesellschaft. Zehn Jahre später, im März 2019 wurde das Gesetz in einer aktualisierten Fassung als Landesrecht im westlichsten Bundesland Österreichs fortgeschrieben. Der Aktualisierung vorangegangen war eine externe Evaluierung durch die KAIROS Wirkungsforschung und Entwicklung gGmbH. Ziel des Gesetzes ist es nach wie vor, zu einer offenen, kinderfreundlichen Gesellschaft beizutragen. Maßnahmen im Sinne des Gesetzes sollen es Kinder verstärkt ermöglichen, über das Spielen im Freien ihre körperlichen, geistigen und sozialen Fähigkeiten zu erproben und zu entwickeln. Darüber hinaus soll bei der Umsetzung von Spiel- und Freiräumen Bedacht darauf genommen werden, dass die Begegnung von Kindern und Erwachsenen gefördert wird. So werden im Zuge der Konzepterstellung idealerweise alle Altersgruppen in der Bevölkerung berücksichtigt, generationenübergreifende Begegnung wird bereits bei der Konzepterstellung initiiert. Das Spielraumkonzept einer Gemeinde hat auf konzeptioneller Ebene grundsätzliche Aussagen über die erforderlichen Spielplätze und dazu insbesondere über Lage, Ausmaß, Zielgruppe, Ausstattung und allfällige Themenschwerpunkte zu erhalten. Auch die erforderlichen Freiräume sind betreffend Lage, Ausmaß und Verwendung sowohl textlich als auch planlich abzubilden. Allgemein hält das Landesrecht in Vorarlberg fest, dass die Gemeinden für die Errichtung und Erhaltung von öffentlich zugänglichen Kinderspielplätzen zu sorgen haben. Zudem hat die Gemeinde für öffentlich zugängliche Freiräume, insbesondere Grünflächen zu sorgen, die von Kindern zum Spielen genutzt werden können. Kindgerechte Lebensräume sind derart gestaltet und organisiert, dass sich die kindliche Kreativität und Bewegungslust entfalten kann. Kinderspielplätze und Freiräume, die dem Spielraumgesetz entsprechen, werden seitens des Landes bei Einhaltung der Qualitätskriterien großzügig gefördert. So sollen Kinder und Jugendliche vermehrt den erforderlichen Raum für das Spiel und die Aktivitäten im Freien vorfinden. Förderungsfähige Spielräume gemäß der Förderrichtlinie zum vorliegenden Landesgesetz sind Spielplätze, Naturspielräume, Jugendparks sowie Spiel- und Aktionsnischen im Sinne von kleinräumigen und ortsbezogenen Installationen, Bauausführungen oder Landschaftsgestaltungen, die den öffentlichen Raum vor allem für Kinder und Jugendliche aufwerten. Qualitätskriterien beziehen sich insbesondere auf eine naturnahe Gestaltung des Geländes, den Spielwert von Geräten und die Sicherheit. Qualitätskriterien für Spielplätze, Naturspielräume und Jugendparks sind die Erreichbarkeit und Einbettung in die Umgebung, die räumliche Lesbarkeit bzw. Orientierung, die Alltagstauglichkeit mit Nutzungsmöglichkeiten zu allen Tages- und Jahreszeiten, eine naturnahe Gestaltung, die Berücksichtigung nutzungsoffener Freiflächen, anregungsreiche Spielangebote mit hohem Spielwert für Kleinkinder, Kinder bis 14 Jahre und ggf. auch Jugendliche; Naherholung und generationenübergreifende Begegnung, Sauberkeit, Wirtschaftlichkeit und generell

identifikationsfördernde Maßnahmen im Zuge der Umsetzung. Grundsätzlich sind Neuerrichtungen, Änderungen und Instandsetzungen gleichermaßen förderungswürdig, vorausgesetzt die Maßnahmen sind im Spiel- und Freiraumkonzept der Kommune explizit angeführt und beschrieben. Nach Aufnahme der ersten Fassung des Spielraumgesetzes in das Landesrecht 2009, konnte beobachtet werden, dass Kleingemeinden einer Konzepterstellung erst einmal zögerlich gegenüberstanden. Mitunter gab der Wunsch zur Neuanlage oder Neuauflage den Anstoß zur Erstellung dieser raumplanungsfachlichen Grundlage. Beobachtet werden kann, dass sowohl in Kleingemeinden als auch in größeren Kommunen die Entwicklung der spiel- und freiräumlichen Qualitäten zur Standortattraktivität beispielsweise für qualifizierte Arbeitskräfte in der Region beitragen. Auch Gäste bzw. der Tourismus profitieren von spiel- und freiräumlichen Qualitäten. Sie tragen zur Sozialisation der Gäste und zu einem bereichernden Austausch zwischen der ortsansässigen Bevölkerung und den Gästen bei. Lebensraumqualität gemeinsam mit einem guten Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen macht sich speziell für ländliche Gemeinden dahingehend bezahlt, dass Zuzug generiert und folglich Infrastruktur und Nahversorgung leichter erhalten und entwickelt werden kann.

Als Randnotiz ist an dieser Stelle zu berichten, dass Bemühungen um mehr Lebensqualität für Kinder im westlichsten Bundesland Österreichs aktuell noch stärker an Bedeutung gewinnen. Das Land Vorarlberg hat im Frühjahr 2019 einen Prozess zur Entwicklung der „Marke Vorarlberg“ gestartet. Ein Projektteam aus allen Regionen des Landes und Gesellschaftsbereichen hat dazu wichtige inhaltliche Vorbereitungen geleistet. Als Ergebnis liegt die gemeinsame und offizielle Positionierung für die kommenden Jahre nun vor. Vorarlberg soll bis zum Jahr 2035 der chancenreichste Lebensraum für Kinder sein. Konkrete Maßnahmen und Entwicklungen zur Erreichung dieses hehren Zieles bleiben noch abzuwarten, die Ziele im Spielraumgesetz sowie in der betreffenden Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen tragen jedenfalls dazu bei.

 

Erfolgsfaktor Beteiligung

Zur Erarbeitung des Spiel- und Freiraumkonzepts für die Gemeinde Krumbach wurde eigens eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Dieses Gremium tagte von März 2017 bis zur Konzeptfinalisierung im November 2017 regelmäßig. Neben dem Bürgermeister und dem Vizebürgermeister, einer Gemeindevertreterin, zwei Mitarbeitern des Gemeindebauhofes sowie einer Mitarbeiterin der Gemeinde waren drei Pädagoginnen bzw. Betreuerinnen der Spielgruppe und des Kindergartens, die Leiterin der Volksschule sowie drei Jugendliche in diesem Arbeitsgremium vertreten. Eine vergleichbare Zusammenstellung der Projektgruppe hat sich bei anderen Kommunen bewährt, ein breiter Zugang zum Thema ist damit sichergestellt. Neben der Grundlagenarbeit in der Arbeitsgruppe wurden die Eltern der Spielgruppen- und Kindergartenkinder in Form von Befragungen zum Spielangebot im Freien, zum Frei- bzw. Spielzeitverhalten der Kinder, zu den Merkmalen idealer Spiel- und Freiräume sowie zu konkreten Umsetzungsideen beteiligt. Die Kinder der ersten bis vierten Klassen der Volksschule wurden zu ihren Spielorten im Sommer und Winter, ihren Schul- und Alltagswegen sowie den gefährlichen Orten befragt. Wahrnehmungsspaziergänge zur fachplanerischen Aufnahme von Lieblingsorten und gefährlichen Stellen wurden ebenfalls durchgeführt. Die Beteiligung von zwei Jugendlichen in der Arbeitsgruppe war ein echter Gewinn. Der Einsatz

der Jugendlichen basierte auf einem bereits im Juni 2016 in Krumbach durchgeführten Jugendbeteiligungstag. Der für seine umsichtige Dorfentwicklung weithin bekannte Bürgermeister Arnold Hirschbühl fungierte in der Arbeitsgruppe übrigens auch als Sprachrohr für die älteren Mitbürger. Er bereitete zu dem Zeitpunkt nämlich seine Nachfolge bzw. die Übergabe des Amts in jüngere Hände vor. Speziell die Neugestaltung des Dorfspielplatzes war ihm ein wichtiges Anliegen, er konnte hierzu sein Wissen rund um den ersten Bau des Spielplatzes vor rund 15 Jahren einbringen. Eine Beteiligung von Mitarbeitern des Gemeindebauhofes hatte sich bereits in anderen Gemeinden als überaus hilfreich herausgestellt. Das zuständige Personal identifiziert sich stärker mit der Umsetzung und später der Instandhaltung von Spiel- und Freiräumen. Für eine Miteinbeziehung der Vertreterinnen der Spielgruppe, des Kindergartens sowie der Volksschule sprach u.a. die Tatsache, dass der Dorfspielplatz von diesen Einrichtungen im Rahmen der Betreuung bzw. des Unterrichts genutzt wird.

Kinder, Eltern, Pädagoginnen und Betreuerinnen gaben auch zahlreiche Hinweise zur Sicherheit und Raumqualität entlang der Schul-, Kindergarten- und Alltagswege. Verbesserungen entlang von Straßen und Wegen nahmen im Maßnahmenkatalog des Spiel- und Freiraumkonzeptes von Krumbach eine wichtige Rolle ein. Sowohl für den Ortskern als auch für die Siedlungsweiler beschreibt das Konzept Maßnahmen zur Entschleunigung des motorisierten Verkehrs, zur Sicherung von Bushaltestellen und zur Steigerung der Begegnungsqualität entlang von Straßen und Wegen. Die Neuauflage des Spielplatzes und im Zuge dessen eine Verbesserung des Angebots speziell für Kleinkinder und Jugendliche wurden als Maßnahmen mit zeitlicher Priorität festgeschrieben. Zur Entwicklung räumlicher Schwerpunkte für Naturerlebnis wurden Maßnahmen für Waldspiel am Waldhügel nahe dem Dorfkern, Wasserspiel am Wüstegraben im schattigen Tobel sowie Moorspiel mit Aussichtsplattform, Moorwanne, Moorbaustelle und Moorbänke am Rande des Naturschutzgebiets Roßbad entwickelt. Die breite Beteiligung zum Spiel- und Freiraumkonzept war für die Kleingemeinde insofern eine echte Leistung, als dass zeitgleich unter ebenso engagierter Beteiligung der Räumliche Entwicklungsplan als raumplanungsfachliche Grundlage für das gesamte Gemeindegebiet erarbeitet wurde. Im Zuge der Konzeptfinalisierung war es der Verfasserin wichtig, bereits die schrittweise Umsetzung der Maßnahmen vorzubereiten. Dazu wurden zu allen Maßnahmen Initiatoren sowie Umsetzungspartner benannt und weiter der Vizebürgermeister als Spiel- und Freiraumkoordinator bestellt. Zur Bearbeitung der Jugend-Agenden wurde ein Jugendbeirat fix installiert.

 

Kleinkinder, Kinder und junge Jugendliche in die Mitte

Nach Abschluss der Befragung von Eltern, Kindern und Jugendlichen und zeitgleich zur Ausarbeitung des Spiel- und Freiraumkonzepts wurde mit der Neuplanung des zentralen Spielplatzes begonnen. Zielvorgabe war die Entwicklung eines attraktiven, vielseitig nutzbaren Spiel- und Freiraumes für alle Altersgruppen. Insbesondere Kleinkinder und junge Jugendliche sollten stärker als zuvor berücksichtigt werden. Dabei sollten weiterhin freie Rasenflächen für Bewegungsspiele zur Verfügung stehen. Mit seiner zentralen Lage birgt der Standort des Spielplatzes ein großes Potential zur Entwicklung. Die Nachbarschaft zu Schule samt Pausenhof, Kindergarten, Spielgruppe, Gemeindeamt, Dorfladen, Gasthaus, Pfarrhaus und Pfarrkirche trägt maßgeblich zur Begegnungsqualität am Standort bei. Eine Bushaltestelle sowie zwei Parkplätze stellen die gute Erreichbarkeit des Spielplatzes sicher. Inzwischen besuchen sogar Schulklassen und Kindergruppe aus den Nachbargemeinden mit dem Bus den neu aufgelegten Spielplatz. Für Jugendliche ist der Standort auch aufgrund der Nachbarschaft zum Fußballplatz relevant. Und dank einer eiszeitlichen Moränenablagerung zeichnet ein bewegtes Gelände den Standort zusätzlich aus. Bei der Bestandsaufnahme auf dem alten Spielplatz zeigten sich nur mehr eine nachgerüstete Seilbahn, ein massiv ausgeführtes Holz-Spielhäuschen sowie zwei Federwippen als erhaltenswerte Spielelemente. Jedoch sollte das Gelände in der vorliegenden Ausgestaltung weitgehend unverändert bleiben, kleinere Nachmodellierungen nicht ausgeschlossen. Insgesamt liegen rund drei Höhenmeter zwischen Hoch- und Tiefpunkt des Platzes. Eine stattliche Esche mit einem Stammdurchmesser von rund 150 cm am Rande des Spielplatzes begründet eine unbeschreibliche Raumqualität. Zwei Lindenbäume, welche bereits beim Bau des ersten Spielplatzes gepflanzt wurden, tragen ebenfalls zum tollen Kleinklima mit Schatten und Kühlzonen bei. Tatsächlich bildeten letztlich eine detaillierte Aufnahme der Höhen sowie der Baumbestandsplan die wichtigsten Plangrundlagen für die Neugestaltung. Auf einer größeren ebenen Fläche wurde der Kletterschwerpunkt des Spielplatzes umgesetzt. Eine 4,5 Meter hohe und 8,0 Meter breite Seilpyramide mit zwei Horizontalnetzen sowie Seilen aus Herkulesseil bildet die Hauptattraktion dieser Zone. Die Seilpyramide fördert Motorik vor allem für Kinder und junge Jugendliche. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl dieses Spielgeräts war die Möglichkeit zur gleichzeitigen Bespielung durch mehrere Kinder und damit zum spielerischen Lernen von zwischenmenschlicher Interaktion. Weitere Spielelemente in der neuen Kletterzone sind ein Dreifachreck und der zwei Meter hohe Naturkletterfelsen aus einem Steinbruch der Region. Am höher gelegenen Plateau erschließt eine Holzplattform mit einem Durchmesser von 3 Meter eine steile Edelstahlrutsche. Das Robinien-Holzdeck wird inzwischen nicht nur von den rutschbegeisterten Kindern gestürmt, es hat sich zum beliebten Aussichts- und Kommunikationspunkt von Jung und Alt entwickelt. Zwischen den unterschiedlichen Spielplatzniveaus laden Stocktreppen und Kletterstämme Kleinkinder und Kinder zum motorischen Training ein. Selbstredend eine vorsichtige, teilweise sogar händische Ausführung, konnte noch im Schattenwurf der alten Esche eine Sand-Wasserspielzone speziell für Kleinkinder und Kinder realisiert werden. Eine zweite Holzplattform mit wieder einem Durchmesser von drei Metern, erschließt hier eine Wasserschwengelpumpe mit integrierter Ventilkombination. Von einem kleinen Vorratsbecken wird das Wasser über eine massive Wasserrinne auf einen runden Matschtisch geführt. Den gewaschenen Spielsand mit einer Einbauhöhe von 60 cm, lieben Kinder zum Bau phantasievoller Miniaturhügellandschaften. Die Einfassung der Sand-Wasserspielzone, sowie eine kleinräumig geländewirksame Abgrenzungen des Fallschutzbereichs an der Nestschaukel, wurden mit Kalksteinquadern aus der Region eingefasst. Die vorgeschriebenen Fallschutzzonen wurden durchgängig mit gewaschenem Rundkies in der Körnung 4/8 ausgeführt. Dieses Material überzeugt hygienisch, ist langlebig und gestalterisch ansprechend. An der Spielplatzböschung zum Pausenhof der gegenüberliegenden Volkschule hin, wurde ebenfalls mit Kalksteinquadern eine Sitzarena gestaltet. Sie erschließt den Zuschauern einen kleinen Rasen-Ballspielplatz zwischen Böschungsunterkante und befestigtem Pausenhof der Schule. Zwischen Sand-Wasserzone und Schaukelspiel führt ein Dorfweg durch den Spielplatz, ein weiterer Fußweg führt ausgehend vom Spielplatz zum nahen Fußballplatz der Gemeinde. Großen Anklang am Spielplatz finden seit der Eröffnung im Frühjahr 2018 die vielfältigen Sitzmöglichkeiten bzw. Chillangebote für Jung und Alt. Bank-Tischkombination aus Gebirgslärche, klassische Parkbänke, zwei Robinien-Spieldecks, eine Hängematte, Sitzstufen und Sitzsteinreihen aus Kalksteinquadern sowie eine kleine Spielhütte ermöglichen frei Platzwahl. Je nach Vorliebe, Alter, Witterung und Jahres- bzw. Tageszeit findet sich ein bester Platz. Die Neuanlage des Spielplatzes wurde kompakt auf die Monate August bis Oktober 2018 hin geplant. Federführend für die Realisierung verantwortlich zeichneten die beiden Bauhofmitarbeiter der Gemeinde. Ihnen gebührt besonders großer Respekt für die fachmännische und handwerklich versierte Umsetzung. Der Tiefbau wurde von einer regionalen Baufirma durchgeführt. Die Spielgerätemontage wurde vom liefernden Spielgerätehersteller, der Fa. Moser Holzspielgeräte im Salzburger Lungau, begleitet. Ein guter Service und eine überzeugende Gestaltqualität bei den angebotenen Spielgeräten waren für die Wahl entscheidend.

 

Spielelemente mit solider Gestaltqualität

Spielerlebnis ist nicht zwingend an das Vorhandensein von Spielgeräten gebunden. Strukturreiche Kulturlandschaften und vielfältige Naturräume sind als informelle Spielorte unübertroffen, im direkten Wohnumfeld jedoch zunehmend Mangelware. Allerdings ist speziell in urbanen Räumen eine Tendenz zur Schaffung von Sekundärbiotopen mit Lebensraumqualität für Menschen und Mitwelt zu beobachten. Spielplätze im klassischen Sinn werden jedoch immer einen unverzichtbaren Beitrag zur spiel- und freiräumlichen Versorgung leisten. In Städten bis hin zu Kleingemeinden fördern sie die Sozialisation nicht nur der Kinder. Auch Eltern profitieren von der Möglichkeit zum Zusammenkommen und zum Austausch mit Menschen in vergleichbarer Lebensphase. Erwartungen und Ansprüche an Spielplätze sind allerdings höchst variabel. So ist es für Planer/innen auch unabdingbar, im Zuge des Entwurfsprozesses die zu erwartende Zielgruppe kennen zu lernen und möglichst genau zu studieren. Angenommen es liegt kein Spiel- und Freiraumkonzept als raumplanungsfachliche Grundlage vor, so empfiehlt es sich in jedem Fall, über den Tellerrand der Wohnanlage, des Quartiers- oder des Stadtteils zu blicken. Stärken, Defizite und überhaupt Schwerpunkte im Einzugsgebiet des Spielplatzes wollen berücksichtigt werden. Wesentlicher Entwurfsmoment bei der Planung ist schließlich die Auswahl an Spielgeräten. Auch die Auftraggeber wollen kompetent über die Spielmöglichkeiten an den einzelnen Geräten informiert werden. Grundsätzlich sind Spielelemente zu bevorzugen, welche von vielen Kindern gleichzeitig bespielt werden können. Neben Sensorik und Motorik fördern sie speziell auch die soziale und emotionale Entwicklung von Kindern. Als Landschaftsarchitektin und mit hohem Anspruch an die Gestaltqualität von Spielgeräten ist man stets auf der Suche nach besonderen Elementen abseits des Mainstream. Der Markt an Spielgeräten ist groß, um nicht zu sagen unüberschaubar. Allerdings sind viele der angebotenen Elemente ähnlich bunt und inszeniert gestaltet. Im Zusammenhang mit qualitätsvoller Architektur wächst der Anspruch an die Gestaltqualität von Spielgeräten. Idealerweise nehmen Spielgeräte die Formen- und Materialsprache am Ort auf und werden Teil des Gesamtkonzepts, Hochbau und Spielobjekte werden zum Ensemble. Auch Ort- oder Landschaftsbild gewinnen mit dem Einsatz von Spielgeräte mit hoher Gestaltqualität. In der Praxis nimmt jedoch bereits die Suche nach einem einfachen Rahmenständer für eine Nestschaukel erheblich Zeit in Anspruch. Stereotype Spielgeräte schöpfen weder die Möglichkeiten der Gestaltqualität aus noch tragen sie dem enormen Kreativitätspotential von Kleinkindern, Kindern und jungen Jugendlichen Rechnung. Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Spielgeräte auf eine klischeehafte Form und leuchtende Farben reduziert werden. In der qualitätsvollen Planung von Spielplätzen interessieren jedoch zunehmend Konzepte, die mehr durch Materialität anstatt Farbigkeit überzeugen. Spielfunktionen sollten stets neu ausformuliert werden.

 

Spiel- und Freiräume in der Raumplanung

In der Planungspraxis ist in den vergangenen 10 Jahren zu beobachten, dass die Anforderungen an eine qualitätsvolle Gestaltung von Spiel- und Freiräumen ständig wachsen. Standen zuvor noch Hochbauten und Straßen im Mittelpunkt des kommunalen Interesses, tragen Verdichtungstendenzen, Klimaerwärmung und soziale Isolation zu immer stärkerer Orientierung in Richtung Freiräume, Grünräume, Parks, Spielplätze und Begegnungszonen bei. Früher einfach der räumliche Rest, bestimmt das Dazwischen zunehmend die Lebens- und Lebensraumqualität menschlicher Siedlungen. Architekten und Stadtplaner agieren auf Augenhöhe mit Landschaftsarchitekten. Auch steigt die Bereitschaft zur Bereitstellung der finanziellen Ressourcen zur Entwicklung von Spiel- und Freiraumqualität. Spiel- und Freiraumplanung beginnt nicht mehr erst auf Ebene der Objektplanung sondern bereits im Rahmen der strategischen Planung. Im Zuge der Novellierung des Raumplanungsgesetztes in Vorarlberg per 1. März 2019 ziehen Spiel- und Freikonzepte in der Planungshierarchie beispielsweise gleich bedeutsam mit Verkehrskonzepten. In Quartiersentwicklungskonzepte jedenfalls fließen Spiel- und Freiraumkonzepte als raumplanungsfachliche Grundlage auf kommunaler Ebene verbindlich mit ein. In Folge der Gesetzesnovellierung ist es fortan auch möglich Spiel- und Freiraumkonzepte als integrativen Teil eines Räumlichen Entwicklungsplanes zu erarbeiten. Die Gemeinde Krumbach formulierte bei der Erstellung ihres Spiel- und Freiraumkonzepts bereits den Anspruch, den betreffenden Zielplan als eigenen Themenlayer im Räumlichen Entwicklungsplan abzubilden. Neben der Berücksichtigung von Spiel- und Freiräumen gewinnen in den raumplanungsfachlichen Grundlagen auch zunehmend die Fuß- und Radwege an Bedeutung. Vernetzungsstrukturen und Raumqualität zwischen den Grünflächen, Parks und Plätzen eines Dorfes, eines Quartiers oder eines Stadtteils schaffen Freiräume im übertragenden Sinn. Begegnung und in der Folge Nachbarschaft kann dadurch generiert werden. Schließlich sind es Begegnungen mit Menschen, kleinen und großen, jungen und alten, die das Leben respektive den Raum lebenswert machen.

Foto: DI Maria Anna Schneider-Moosbrugger / Landschaftsarchitektur und Raumplanung

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