Bolzplätze und Kleinspielfelder – Spaß beim Sport „um die Ecke“

Bolzplätze und Kleinspielfelder – Spaß beim Sport „um die Ecke“

Hier werden Legenden geboren. Jeder kennt die kleinen häufig komplett eingezäunten Sportplätze, die zumeist mitten in Wohnsiedlungen gebaut wurden und auf engstem Raum das Fußball- und Basketballspiel ermöglichen. Ob „Bolzplatz“ oder „Affenkäfig“ – Generationen von Hobbykickern haben hier in ihrer Kindheit viel Zeit verbracht. Im vergangenen Jahr wurde die „Bolzplatzkultur“ sogar vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Denn auf den Anlagen, die schon seit den 1920er Jahren errichtet wurden und vor allem in den 1960er und 1970er Jahren entstanden, passiert noch viel mehr als nur sportliche Betätigung. Laut den Initiatoren der Anerkennung als Kulturerbe, dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, sind die Bolzplätze ein „prägender Sozialisationsraum“, für „Kreativität, spontane Selbstorganisation, Toleranz und Durchsetzungsvermögen in wechselseitige Beziehung“. Für Kinder und Jugendliche sei der Bolzplatz daher eine „Lebensschule.“ Gerade im Ruhrgebiet waren und sind Bolzplätze prägend für viele Kinder und Jugendliche, vor allem in den Arbeitersiedlungen.

Der kürzlich erfahrene Ruhm lenkt nun doch ein wenig mehr die Aufmerksamkeit auf die „Bolzer“. Denn trotz der „Auszeichnung“ zeigen sich viele Bolzplätze so gar nicht im frischen Glanz. Ganz im Gegenteil – viele Anlagen sind mehr als nur in die Jahre gekommen, der Bodenbelag – oft ein Kunststoffboden, gerne aber auch mal Tenne oder Beton – ist deutlich abgespielt und Tore oder Basketballkörbe sind auch beschädigt. Obwohl Bolzplätze immer noch gut frequentiert werden, gibt es doch einige Probleme mit der Instandhaltung. Vor allem Vandalismus ist hier ein großes Problem. Das Graffiti an der Betonwand stört das sportliche Treiben zwar noch nicht, aber zerschnittene Zäune, zertretene Torpfosten und Löcher im Bodenbelag mindern den Spielspaß doch deutlich. Deswegen sind viele Anlagen leider nicht mehr so vorzeigbar, vielleicht hilft die neue Aufmerksamkeit da ein wenig ab, aber Bolzplätze sind schwierig zu planen und zu unterhalten und das liegt nicht nur am Vandalismus.

Zunächst sind auch die Ansprüche an solche Anlagen gestiegen. Schon seit rund 15 Jahre kommen Mini- oder Kleinspielfelder mehr und mehr in Mode. Hier gibt es keinen Käfig aus Metall mehr mit vielleicht einer kleinen Betonmauer drum, sondern ein zumeist komplett mit Banden umgebenes Spielfeld. Und beim Belag gibt es auch immer seltener Kunststoffböden, sondern Kunstrasen. Vom Spielgefühl  im Fußball und auch der Optik ist das natürlich eine deutliche Aufwertung – allerdings in der Anschaffung und Unterhaltung deutlich teurer. Zudem wird damit aus vielen alten Bolzplätzen ein reiner Fußballplatz, was gerade die Multifunktionalität stark einschränkt. Als der DFB vor rund 10 Jahren über 1000 Minispielfelder sponsorte, wurde den jungen Hobbykickern ein neuer Standard geboten, an den man sich gerne gewöhnt. Mittlerweile gibt es sogar überdachte Anlagen, die selbst bei Regenwetter Spielspaß garantieren. Der Entwicklungsfortschritt ist schon weit, da ist die Finanzierung in Bau und Unterhalt vielerorts allerdings nicht mitgekommen.

Auch Sportvereine investieren immer häufiger in Kleinspielfelder aus Kunstrasen. Meist wird, soweit Platz vorhanden, bei einer Kunstraseninstallation auf dem Hauptspielfeld nebenan auch ein Kleinspielfeld gebaut. Dies ist allerdings primär kein Angebot für Hobbykicker, sondern eine zusätzliche Trainingsfläche, die sich vor allem im Kinderbereich lohnt. Je nach Größe können sogar Jugendspiele in den unteren Altersklassen dort ausgeführt werden.

Bei multifunktionalen Anlagen kommt aber oft ein moderner Sportboden für den Außenbereich zum Einsatz. Basket- oder in vielen Fällen besser gesagt Streetball, ist sicher nach Fußball der am häufigsten betriebene Sport auf den „Bolzern“. Da Kunstrasen hier ungeeignet ist, ist ein Kunststoffboden ein Muss.  In den USA sind solche öffentlichen Basketballplätze weit populärer als hierzulande. Die Parallelen zu den deutschen Bolzplätzen sind deutlich vorhanden. Während hierzulande viele heutigen Fußballstars über die Bolzplätze zum Fußball kamen, so sind viele NBA-Stars auf öffentlichen Basketballplätzen groß geworden. Bekannte Plätze sind vor allem die als „The Cage“ bezeichneten Anlagen im New Yorker Stadtteil Greenwich Village.

Das Anwohner-Problem

In Deutschland gibt es aber beim Unterhalt und auch bei der Planung eine Problematik, die alle anderen weit überragt: Die Anwohner. Da Bolzplatze und Minispielfelder oft in dicht besiedelten Gebieten liegen, sind Konflikte mit den Nachbarn natürlich vorprogrammiert. Neubauten sind das schwierigste Thema und scheitern auch häufig an Anwohnerprotesten. Und eine Lärmschutzwand um einen kleinen Bolzplatz wäre auch in vielen Fällen äußerst unverhältnismäßig.

Grundsätzlich gelten Bolzplätze allerdings als Spielplätze und somit müssen die Anwohner den Lärm der spielenden Kinder ertragen. Wenn es denn Kinder sind. Häufig nutzen auch Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit zum Fußballspiel auf den Anlagen. Das macht die Sache juristisch durchaus problematisch. Bei öffentlichen Anlagen muss die zuständige Kommune sicherstellen, dass dort auch nur Kinder drauf spielen und da reicht nicht nur ein Hinweisschild neben der Anlage. Diese „Überwachung“ ist natürlich nur schwer umsetzbar, aber wenn Anwohner nachweisen können, dass dieses Gebot nicht eingehalten wird, kann das die Schließung des Bolzplatzes bedeuten. Gleiches gilt auch bei regelmäßiger Nutzung außerhalb der öffentlichen Nutzungszeiten. Gerade wenn Jugendliche den Platz auch nachts frequentieren, muss dies von der Kommune unterbunden werden, sonst droht ebenfalls das Ende der Anlage.

In Zeiten innerstädtischer Nachverdichtung ist das Verhältnis Anwohner – Sportanlage sehr angespannt. Während Vereine noch selbst mit den Nachbarn kommunizieren und somit das Verhältnis häufig entspannen können, sind die Nutzer öffentlicher Spielfelder und Bolzer meist hilflos. Selbst, wenn man sich selbst an die Regeln hält, können andere Nutzer durch ihr Fehlverhalten den eigenen Sportspaß für immer verderben. Eine klare Gesetzeslage mit zukunftsweisender Ausrichtung wäre wünschenswert.

Ob nun klassischer Bolzplatz oder modernes Kleinspielfeld – eines ist auf jeden Fall sicher: in der Stadt der Zukunft werden Sportmöglichkeiten für Jung und Alt in unmittelbarer Nachbarschaft an Bedeutung gewinnen. Von daher ist es wichtig vorhandene Anlagen jetzt schon zu schützen und Neubauprojekte durch bestmögliche Planung zu realisieren. Und das nicht nur um das Kulturgut zu schützen und neue Bundesligastars hervorzubringen – der Spaß am Sport für jedermann sollte im Vordergrund stehen.

TT

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