Neubau des Schulhofes zum neuen Klassengebäude

Katharina Marie Erzepky (Munder und ErzepkLandschaftsarchitekten bdla)

Neubau des Schulhofes zum neuen Klassengebäude

Die Ausgangslage bestand darin, dass die heutige Grundschule als Volksschule für die damaligen Ahrensburger Siedlungserweiterungen ‚Reesenbüttel‘ und ‚Daheim‘ geplant und 1936 mit einem Hauptgebäude und einer kleinen Turnhalle fertig gestellt und eingeweiht wurde. Dem ursprünglichen Altbau wurden 1957 und 1966 zwei Klassentrakte als Anbauten hinzugefügt, 1972 die Großturnhalle. Zur Schule gehört heute auch ein großzügiger Sportplatz mit einer Kunststoffbahn.

Der Baumbestand stammt aus der damaligen Gründung, ist aber zum Teil erheblich älter. So sind die beiden Stieleichen an der Straße links und rechts der Mensa beeindruckende Prachtexemplare mit ca. 30 Meter Höhe und einer ausladenden und vollständigen Krone. Eine bessere Adressbildung können sich Gärtner nicht vorstellen.

 

Neubau Klassengebäude

Schmiegt sich das Klassengebäude der ersten Erweiterung von 1976 an die nordwestlichen Grundstücksgrenzen, bezieht sich der Neubau von 2016 orthogonal auf das Hauptgebäude. Er ist zweigeschossig und auf moderne Unterrichtspraxis ausgerichtet. In seiner Hülle nimmt er das Thema des roten Klinkers auf, so dass alle Gebäude - Hauptgebäude, Mensa und Neubau - darüber unter einer Überschrift gestaltet sind.

 

Schüleranzahl

Es sind ungefähr 400 SchülerInnen, die die Schule besuchen. Viele kommen selbständig mit dem Fahrrad oder zu Fuß aus den umgebenden Bereichen. Die automobile Abholdichte ist so hoch, dass die Seitenstreifen der Schimmelmannstraße bei Schulschluss stark überbelegt sind.

 

Funktionale Anforderungen

Zur modernen Unterrichtspraxis gehört ein moderner Freiraum. An der Grundschule Am Reesenbüttel werden Pausen nicht als lästige Unterbrechung des Lernens begriffen, sondern als willkommene Ergänzung. Dass Luft und Licht, Träumen und Bewegung, zur Integration von Stoff und Lehrplan gehören, ist ein Thema der hiesigen Schulleitung. Es galt also, Spielzusammenhänge für alle Bewegungsarten und Gruppen und Grüppchen zu bilden

Gleichberechtigt an der Seite von Spiel und Spaß stehen die Themen der Infrastruktur: Pausenaufsicht, sicherer Zugang zu Gebäuden und für Unterhaltungsarbeiten, Ver- und Entsorgung, Abstellflächen, Regenwassermanagement.

Zusätzlich achtet die Stadt als Bauherrin bei allen ihren Bauvorhaben verstärkt darauf, den Untergrund ihrer Liegenschaften aufzuräumen: ältere, überbaute Oberflächen abzubauen oder auch den Leitungsbestand aus den 1930er Jahren zu untersuchen und wo nötig zu ersetzen.

Als örtliche Besonderheit sollte der feuchte Keller des Hauptgebäudes wieder in einen nutzbaren Raum verwandelt werden.

Diese beiden Bereiche erforderten inhaltliche Expertise, so dass ein Ingenieurbüro für den Grund- und Leitungsbau gesucht und im Hamburger Büro FiedlerBeckIngenieure gefunden wurde.

Die Koordination aller inhaltlichen Themen in Planung und Bauen liegt bei den Landschaftsarchitekten.

 

Beteiligung

Die SchülerInnen zu beteiligen ist Munder und Erzepky Landschaftsarchitekten eine Herzensangelegenheit. Dabei zielen die Landschaftsarchitekten auf die Vorstellungs- und Sprachwelt der Kinder und schöpfen selbst aus eigenen und familiären Erfahrungen. In den Jahren von 2014 bis 2018 hat das Landschaftsarchitekturbüro viele Schulen umgestaltet und die Beteiligung mit sehr unterschiedlichen Methoden durchgeführt. Im Kern hat sich die gemeinsame Vorbereitung mit Leitung und –LehrerInnen sehr bewährt. Vor allem an einer Grundschule (und im Kindergarten) ist die Unterstützung durch die Klassen- oder Gruppenleitung als wichtige Beziehungsperson hilfreich und zielführend.

So wird die Schulhofgestaltung als Klassenprojekt eine verbindende Arbeit für die Schulklasse. Einfache Lagepläne und ein Bilderbaukasten werden den Klassen zur Verfügung gestellt. Dieses wird zweistufig vorbereitet: für die Klassen der Jahrgangstufen 1 und 2 sowie 3 und 4.

Die SchülerInnen haben ihre Wünsche auf diese Art formuliert, gezeichnet und geklebt – und anschließend bewertet.

Ein gemeinsamer Workshop brachte dann das Forum für die Veröffentlichung der priorisierten Klassenvorstellungen vor der versammelten Schüler- und Lehrerschaft.

Ziel dieser Veranstaltung war, die Spielgeräte und die gewünschten Spielräume im Hof zu verorten und ein Motto für die gewünschte Spielelandschaft zu finden.

Fazit: Es hat große Freude gemacht, die komplexe Wunschlandschaft der Schule in kleinen Beteiligungsschritten mit der großen Gruppe zu erarbeiten. Dabei hat sich die wiederholt vorgenommene Auswahl in den verschiedenen Ebenen (einzelne Klasse, Schul-Forum) sehr bewährt. 

 

Neugestaltung / Entwurf

Die Analyse des Raumes zeigt, dass das neue zweigeschossige Klassengebäude durch Grundfläche und Geschossigkeit mehr Raum einnimmt als sein pavillonartiger Vorgänger, der zudem durch seine Lage dem östlich liegenden kleinen Schulhof kaum Platz ließ. Durch die rechtwinklige Lage des Neubaus teilen sich die Höfe in zwei Freiräume gut nutzbarer Größe.

Außerdem entsteht auf Höhe des Altbaueingangs eine Raumschwelle, die sich der Altbau mit Mensa und Neubau teilt.

Ihre Lage ist sehr reizvoll, da sie einen wahrnehmbaren eigenen Raum einnimmt, von dem aus sowohl Straße als auch Hofseite erlebt werden können.

Der anschließende große Hof liegt in der Sonne und ist durch die ebenerdigen Türen schnell aus den Klassenräumen des Neubaus zu betreten - oder in diesen Klassenstufen eher zu erstürmen. Auch der kleinere Hof ist besonnt, überall verteilt unter den Bäumen gibt es auch schattige Bereiche für die Tage, an denen selbst in Norddeutschland die Hitze groß wird.

Im Norden schließt der Hof mit einer Platanenreihe zum Sportplatz hin ab. Der südlich gelegene Eingangsbereich wird von den beiden großen Stieleichen derart dominiert, dass die funktionalen Anteile, wie schier endlose Reihen aus  Fahrradständern sowie Einhausungen für Mülltonnen oder Pflegegeräte, seltsam unauffällig wirken.

Die beiden Eichen (und auch der Baumplatz nördlich des Altbaus) tun dem Freiraum der Schule merklich gut, sie balancieren den Neubau so aus, dass die gesamte Anlage wirkt wie immer schon da gewesen. 

 

Wünsche der Schüler- und LehrerInnen

Die Auswertung der Klassenbefragung ergab, dass sich alle Schüler Hüpfpilze, Rutschen, Reckstangen und Klettergerüste wünschen.

Weiterhin haben die Schülerinnen aller Klassen sich sehr klar für Rutsch- und Kletterkombinationen entschieden: zum Beispiel ein großes Holzschiff, eine Seilbahn, Reckstangen, sowie einen Fußballplatz. In den Klassen 3 und 4 kamen lediglich Klettersteine, Sitzmöglichkeiten und ein Barfußpfad dazu.

Zudem wurden von den Schüler/Innen weitere Spielgeräte gewünscht, die nicht auf den Plakaten abgebildet waren. Dazu gehören eine Tunnelrutsche, Hüpfpilze, Möglichkeiten zum Hangeln, Holzpferde und eine Sandkiste.

Die Lehrerschaft hatte im jetzigen Hof sehr gute Erfahrungen mit Holzhackschnitzel gemacht und wünschte sich dieses anstatt von Sand als Fallschutz unter den Geräten.

 

Grundsätze für die Schulhofgestaltung

Die Raumfolgen und Spielangebote sollen Aufenthalt und Spielen in verschiedenen Varianten abbilden. Dieses orientieren sich an den Gegensätze von an-Geräten-spielen / freies Spiel, Kompetitiv / gemeinsam spielen und für-sich-sein oder inmitten einer Gruppe.

Darin lässt sich auch das durchaus verschiedene Verhalten von Mädchen und Jungen unterbringen.

Das Wichtigste ist der Raum zum Toben - je nach Größe der Spielflächen ist es sinnvoll Pflanzflächen sehr reduziert einzusetzen - ihr Schutz gegen das Gebraucht-werden ist je nach Nutzungsdruck manchmal derart unförmig, dass er stärker in Erscheinung tritt als Bewegung und Spiel.

Oft wird mit viel Enthusiasmus für die Einrichtung eines Schulgartens geworben. Die Lehrerschaft der Grundschule 'Am Reesenbüttel' hat ihre Einsatzmöglichkeiten sehr realistisch eingeschätzt und beschränkt sich im ersten Anlauf auf das 8 m² große Beet am Haupteingang, auf dem sie Kräuter für die Mensa mit ihren SchülerInnen ziehen werden. Sollte sich das Thema 'Garten' etablieren lassen, ist geplant mit Flächen östlich des Neubaus zu expandieren.

Aspekte der Sicherheit für die Kinder und der Pflegetauglichkeit von Einrichtungen und Materialien sind immer wieder zu überprüfen.

 

Arbeiten mit Bestand und Einschränkungen

Eine weitere spannende Frage vor dem Einsatz der frei flottierenden Kreativität für Spiel und Spaß ist 'was haben wir denn da?' Welcher Vegetationsbestand ist vorhanden und zu integrieren, welches Erbe haben frühere Zeiten im Boden hinterlassen (Leitungen, Asphalt, Fundamente), was vor dem Hintergrund der meist fehlenden Pläne aus Planung manches Mal eine Lotterie für Bauablauf und Baukosten macht. 

Diesen Part hatte die Auftraggeberin gründlich vorbereitet und es standen ausreichend Informationen zur Verfügung.

Die funktionalen Anforderungen konnten aufgrund der Gebäudeanordnung in Nebenflächen untergebracht werden. Die langen Reihen der Abstellbügel für die kleinen Räder sind sehr beeindruckend, aber nicht die Hauptsache.

 

Thema finden: Abenteuer Schulhof

Das ist einmal ein Thema! Die SchülerInnen blieben bei diesem Thema hartnäckig. Als Landschaftsarchitekten mussten sich Munder und Erzepky dem Thema in der Begleitung der Planung stellen. Die Beurteilungen waren streng - aber auch das Lob war groß, für die Bereitschaft, die Grenzen der Sicherheitsbestimmungen auszutesten.

Der Grundgedanke ist leicht zu erkennen: ein Pflasterband schlängelt sich einmal um Neubau und Mensa herum - der 'rote Faden' ist hier gelb. Konkret ist es als Straße für die Fahrgeräte der 'Aktiven Pause' nutzbar. Deshalb gibt es auch flache Pflasterhügel in manchen Stellen, wo bliebe sonst das Abenteuer?

 

Spielzusammenhänge und Geräte

Die drei Spielbereiche nehmen fast alle Spieleinrichtungen aus dem Wunsch-Katalog der Beteiligung auf. Die Fallschutzbereiche haben wir ohne Stolperkante tiefer als das Pflaster angelegt.

Im großen Hof sind zwei große Spielbereiche entstanden. Im südlichen Bereich entwickelt sich eine große Spielgerätekombination aus dem Platanenhain in die Sonne - alles schlängelt und windet sich in mehreren Stockwerken: ob Rutsche, Stahlstangen, Holzgewirre, Netze - Spielen in 3D!

Die Spielpodeste unter den Platanenkronen liegen auf verschiedenen Höhen von Sitzhöhe bis ca. 1,80 Meter. Und sind alle fünfeckig ausgeführt und gehören so zum Spielbereich, wohingegen die erste Reihe Platanen Sitzbänke auf die Füße gesetzt bekommen hat und einen eigenen Ort bildet.

Nach Norden löst sich der Spielverbund in einzelne Geräte auf, die Ankerplätze für Gruppen sein können und von zwei neuen Pflanzenflächen räumlich gehalten werden.

Auf der freien Fläche zum Sportplatz wird unter Berücksichtigung der Feuerwehrzufahrt der kleine Fußballplatz in Sand wiederhergestellt, den es vorher an anderer Stelle gab.

Entlang der nördlichen Giebelseite wickelt sich der gelbe Faden in den östlichen, kleineren Hof. Hier gibt es neben dem Spielbereich mit Geräten auch eine Boulderwand und einen Sitzkreis. Hier gibt es genug Ruhe für die Konzentration auf das Klettern und Abgeschiedenheit für Lernen im Freiraum.

Anders als auf ersten Entwürfen haben Munder und Erzepky Landschaftsarchitekten darauf verzichtet, das gelbe Pflasterband auf der Rückseite des Neubaus auszubauen - die Lehrerschaft führte nachvollziehbare Schwierigkeiten bei der Pausenaufsicht an. So teilt die grüne Zone Fahrradabstellflächen vom Spielhof und wartet auf ihre Nutzung als Schulgarten

 

Pflanzung - Konzept und Besonderheiten

Die große Eiche erhält ein buntes Staudenband um die notwendige Rasenfläche auf ihren Füßen. Geplant ist das Thema Rot-Orange-Gelb in robusten Blütenstauden in Splittmulchung auszuführen. Mit der Schule und dem Bauhof der Stadt ist die Pflege in den ersten Jahren besprochen.

Foto: Munder und Erzepky Landschaftsarchitekten

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