Gespräch mit Spielplatzpatinnen in Köln

Gespräch mit Spielplatzpatinnen in Köln

Interessant auch die Variante der Patenschaft des Kinderladens Papperlapapp, der dem Spielplatz Rosengarten an der Eifelstraße gegenüber liegt. Seitens der Mitarbeiterinnen des von einer Elterninitiative getragenen Kinderladens wird der Spielplatz gewissermaßen als Teil der Einrichtung verstanden; gleichzeitig handelt es sich bei dem Platz natürlich um eine öffentliche Spielfläche. Organisiert werden die Patenprojekte in Köln vom Amt für Kinderinteressen. Die Zusammenarbeit wird von allen Paten als „unkompliziert“ und „gut“ charakterisiert. Es sei nichts zu bemängeln. Geschätzt werden auch die regelmäßigen, viermal jährlich stattfindenden Treffen der Spielplatzpaten auf städtischer Ebene. Der hier ermöglichte Austausch wird als bereichernd empfunden.

Die Übernahme einer Patenschaft in Köln gestalte sich positiv und einfach. Seitens des Kinderladens wird zusätzlich betont, dass die Beteiligung auch der Kinder an der Gestaltung des Spielplatzes gut „ankomme“. Des Weiteren war zu
hören, dass ebenso andere Schwerpunkte das Ehrenamt durchaus ergänzten. So war eine Patin zuvor als Vorsitzende des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub, Kreisverband Köln) sowie als Tagesmutter tätig. Die verschiedenen Erfahrungen (1) könne man gewinnbringend in das Ehrenamt einbringen, etwa hinsichtlich des Aspekts der Verkehrssicherheit. Man könne sich daran beteiligen, die Kinder hin und wieder bei Spielplatzaktionen diesbezüglich zu sensibilisieren. Außerdem könnten diese spielend Fahrradfahren lernen.

Was die Kommune wohl dazu bewogen habe, sich hinsichtlich der Organisation der Spielplatzpatenarbeit zu engagieren, war ebenfalls Inhalt des Gesprächs. Die Stadt könne nicht alles selbst erledigen, war zu erfahren; von daher sei die ehrenamtliche Übernahme von Aufgaben nicht nur gewünscht, sondern durchaus auch eine fruchtbare Ergänzung des bürgerlichen Miteinanders, die insgesamt im Gemeinwesen „Früchte trage“. Da das Amt für Kinderinteressen sich bezüglich öffentlicher Spielplätze sehr engagiere, sei auch ein steigender Bedarf an Paten zu konstatieren. Bürgerengagement stehe einer Kommune immer recht gut „zu Gesicht“. Außerdem könne die Übernahme einer Patenschaft durchaus auch als demokratische Teilhabe betrachtet werden. Letztgenannter Aspekt biete auch immer wieder die Gelegenheit, sich mehr oder weniger „subversiv“ ins Gemeinwesen einzumischen. (2) Selbstverständlich profitiere man auch persönlich durch ein Patenamt. Darüber waren sich alle am Gespräch Beteiligten einig. Man könne Informationen miteinander austauschen, werde auf diese Weise immer wieder durch andere bereichert, profitiere von deren Wissen (und umgekehrt). Über die engen Kontakte, das Organisieren im Stadtviertel rückten die Vereine und Gruppierungen stärker zusammen („Hand in Hand“), man schaffe auf diese Weise quasi einen „kleinen Dienstweg“. Außerdem würden ihre Aktivitäten auf diese Weise besser bekannt, was man unbedingt als eine Art Öffentlichkeitsarbeit betrachten könne.
Außerdem sei ein Spielplatz auch immer ein interessanter Treffpunkt für alle möglichen Leute. In diesem „Klüngel“ würden auch die Kinder „verbandelt“. Für die Kinderladenkinder aus dem „Papperlapapp“ ist der Spielplatz geradezu ein „erweitertes Zuhause“. Sie lernen, sich außerhalb von Gebäuden besser zu orientieren und werden sicherer hinsichtlich ihrer (grob)motorischen Kompetenzen. In diesem Zusammenhang kommt für die Erzieherinnen noch die willkommene Gelegenheit hinzu, die Entwicklungsprozesse von Kindern angemessen beobachten zu können, zumal diese tagtäglich den Spielplatz aufsuchen.
Für diejenigen, die zusätzlich zu ihrem pädagogischen Beruf noch eine ehrenamtliche Tätigkeit als Spielplatzpatin übernähmen, könne durchaus auch ein beruflicher Nutzen konstatiert werden, vom Eingebundensein in den als hilfreich empfundenen „Südstadtklüngel“ ganz zu schweigen. Ebenfalls als förderlich werden die Spielplatzfeste erlebt. Diese seien nicht nur ein Vergnügen, sondern hülfen auch dabei, in der Öffentlichkeit und „bei der Stadt“ bekannt zu werden.

Was passieren müsste, dass man aufhöre, sich weiter zu engagieren, war ebenfalls Inhalt des Gesprächs. Vorstellbar ist hier, dies könne geschehen, wenn man das Gefühl bekäme, nicht ernst genommen zu werden oder wenn mehrfach vorgetragene Anliegen mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt würden („wenn’s nix bringen, nix passieren würde ...“). Das könnte beispielsweise sein, wenn man auf
angemahnten Reparaturbedarf keine Reaktion erführe.

Beteiligt an dem Gespräch waren u.a. die Patinnen Beate Popig (Spielplatz Rathenauplatz in der Kölner Neustadt), Silke Laws (Mitarbeiterin im Kinderladen Papperlapapp und Spielplatzpatin für den Spielplatz Rosengarten, Eifelstraße/Volksgarten), Johanna Frühhaber (Mutter eines Kindes im Kinderladen Papperlapapp), Ralph Kruppa (Spielplatzpate und Redakteur des Internet-Nachrichtenmagazins für Köln, Köln Nachrichten) (4) und Rainer Deimel (ABA Fachverband). Des Weiteren wurden noch Eindrücke anderer Paten aufgenommen, die sich zum Teil auch kritisch mit den Patenschaften befassten.

Fußnote
(1) Quasi außerhalb des Gesprächs gab es allerdings auch durchaus kritische Töne in Richtung Grünflächenamt. Dort fühle man sich bisweilen wenig ernst genommen, von Zusammenarbeit könne man oft nicht sprechen. Es scheine kein gemeinsames Ziel zu geben. Vielmehr habe man nicht selten das Gefühl, man sei „nervig“. Am Rande des Gesprächs wurde geäußert, „offen und ehrlich“ könne man dort nicht reden. Man habe vielmehr das Gefühl, einige Mitarbeiter (Stichwort „Bulldoggen“) glaubten, es ginge nicht um öffentliches Geld, sondern vielmehr vermittelten sie, es komme aus „ihren eigenen Taschen“. Solche Probleme erlebe man mit dem Amt für Kinderinteressen überhaupt nicht. Verständlicherweise baten die kritischen Gesprächspartner, nicht namentlich erwähnt zu werden.
(Interview und Zusammenfassung: Rainer Deimel – 6. November 2009 / i-Punkt 9-10/2010 – Seite 12)
 

Bild: suschaa / photocase.com

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