Kunststoffrasen –der Allwetterbelag für Training und Punktspiele

Technik und Kosten

Kunststoffrasen –der Allwetterbelag für Training und Punktspiele

Der Allwetterbelag nach Stand der Technik ist ein Kunststoffrasen: der ist auch bei Regen und anhaltender Feuchtigkeit bespiel- und belastbar. Bei den meisten Fußballvereinen stellt sich nicht die Frage nach dem Bedarf an einem Kunststoffrasenbelag, sondern vielmehr die leidige Frage nach den Kosten und nach der Finanzierung dieses Allwetterbelags. Mit welchen Kosten ist also zu rechnen und in welchem Umfang kann ein Verein die Kosten durch Eigenleistungen reduzieren?
Nun, die Frage nach den Kosten ist schnell gestellt, aber nicht ganz so schnell zu beantworten –vergleichbar der Frage: „Was kostet eigentlich ein blaues Auto?“
Bei einem Kunststoffrasenbelag handelt es sich nicht um einen speziellen Teppich, sondern vielmehr um ein System aus mehreren Schichten mit speziellen Anforderungen und Eigenschaften.
Dabei kann der Unterbau nach Kriterien des klassischen Tiefbaus bewertet werden -allerdings mit erhöhten Anforderungen an die Ebenflächigkeit und an die dauerhafte Wasserdurchlässigkeit.
Als „Bindeglied“ zwischen der tragenden Unterkonstruktion und dem eigentlichen Belag aus Kunststoffrasen ist die Elastikschicht zu werten. Diese Schicht aus Gummigranulat und Bindemittel muss über einen möglichst langen Zeitraum einen hohen Kraftabbau zur Schonung von Gelenken und Bändern sowie zur Reduzierung von Verletzungen garantieren.
Darüber liegt nun der „grüne Teppich“ aus Kunststofffasern –also der eigentliche Spielbelag. Die Fasern dieses Teppichs bestimmen ganz entscheidend die fußballtechnischen Eigenschaften (Ballrollverhalten, Ballreflexion etc) des Sportbelags. Auch bei intensiver täglicher Nutzung sollen sich die Fasern –vergleichbar den Halmen beim Naturrasen- anforderungsgerecht wieder aufstellen. Das erfordert eine Stützung der Fasern durch deren Grundkonstruktion (Querschnittsform und Materialstärke), die Dichte und Anordnung der Fasern und durch ein Auffüllen der Hohlräume zwischen den einzelnen Fasern/Faserbüscheln.

Grundsätzlich werden unverfüllte und verfüllte Systeme unterschieden. Die Stützung der Fasern beim unverfüllten System erfolgt über eine enge Anordnung unterschiedlich langer Fasern, so dass ein dicht gewebter, flauschiger „Teppich“ entsteht. Bei den verfüllten Systemen kommen eine untere Schicht aus Quarzsand und darüber eine Verfüllung aus Gummigranulat zur Anwendung.
Unverfüllte Kunststoffrasen kommen vor allem in der Schweiz seit einigen Jahren verstärkt zum Einsatz, haben sich bei uns allerdings bislang wegen höherer Investitionskosten noch nicht etabliert. Beim Vergleich der beiden Systeme verfüllt/unverfüllt sollten allerdings nicht ausschließlich die Investitionskosten, sondern bereits im Vorfeld auch die späteren Kosten für Pflege und Unterhaltung mit einbezogen werden –vorausgesetzt es wird das wirtschaftlichste und nicht das aktuell „billigste“ System gesucht.
Nun, bis hierhin ist vielleicht schon deutlich geworden: Kunststoffrasen, das ist ein differenziert zu betrachtendes System aus mehreren Kosten beeinflussenden Faktoren. Daher macht es Sinn, bei der Wahl eines Kunststoffrasens zunächst folgende Fragen zu klären: Wer nutzt den Kunststoffrasen? Nutzungsdauer pro Woche? Art der Nutzung? Wie sind Lage und Umgebung beschaffen? Wie sollen die Randbereiche des Spielfeldes befestigt sein? Welche Spielfeldabmessungen sind erforderlich?

Die Klärung der vorbenannten Parameter kann ohne großen Aufwand durch den Verein/die Kommune erfolgen. Zur Klärung und Festlegung der wesentlichen technischen Parameter sollten DIN 18035-7 und DIN EN 15330 herangezogen werden, um vergleichbare Parameter für ein Vergabeverfahren formulieren zu können. Aber auch dann verbleiben noch einige offene Fragen zum „Teppich“, denn sowohl die Fasern, als auch das Verfüllmaterial werden von den Herstellern in einem breiten Spektrum offeriert. Hier sind zu unterscheiden: Teppichrücken (Trägermaterial („Teppichrücken“) und die Latexqualität zum verkleben der Fasern mit dem Rücken). Fasern (Typ, Grundmaterial, Stärke, Querschnittsform / Anzahl der Stiche / wie viele Fasern pro Stich / Länge der Fasern / Länge der Faser über der Verfüllung / Flächengewicht (kg/m²)). Einstreugranulate (Neuware oder Rezyklate / Kautschukprodukte (Gummi –SBR, EPDM, TPE, TPU …) / Organische Produkte / Korngröße und Kornform / Schüttdichte / Verfüllhöhe).

Alle vorbenannten Parameter haben einen direkten Einfluss auf die Qualität, die Langlebigkeit und letztlich auf die Kosten. Ein intensiver Vergleich und eine anforderungsgerechte Abwägung sind hier zwingend erforderlich.
Zurück zur Ausgangsfrage: Was kostet denn nun ein Kunststoffrasen? Die Beantwortung erfolgt anhand eines Praxisbeispiels.
Umbau eines Tenneplatze zu einem Kunststoffrasenbelag mit folgenden Randbedingungen:
• Hartplatz mit Tennebelag nach DIN 18035-5
• der Tennenbelag wird abgetragen -die darunter befindliche Tragschicht ist noch funktionstüchtig
• Erneuerung der Drainage und Anschluss an die vorh. Entwässerung
• profilieren der Spielfeldfläche (Dachprofil ca. 0,8 %)
• Herstellen einer Randeinfassung (Muldenstein) als umlaufende Begrenzung für den Kunststoffrasen
• Elastikschicht d = 25 mm
• Kunststoffrasen Belagstyp B nach DIN 18035-7
- teilverfüllt (Gummi/Sand)
- Monofilament, gerade Faser
- Granulat = TPE (kein SBR)
• eine Trainingsbeleuchtung ist vorhanden –kein Handlungsbedarf
• Spielfeldgröße 105 x 68 m = 7.140 m² + Sicherheitsbereich = 7.630 m²

Bei den in der Tabelle angegebenen Kosten handelt es sich um Mittelpreise aus Vergabeverfahren im Jahr 2010. Bei den Baukosten zeigt sich der hohe Stellenwert der Elastikschicht und dem eigentlichen Deckbelag. In Summe entfallen auf diese beiden Funktionselemente ca. 84 % der gesamten Baukosten. Es macht also Sinn, sich gerade mit diesen beiden Elementen intensiv auseinander zu setzten und unterschiedliche Alternativen und Varianten zu betrachten –schließlich soll der neue Kunststoffrasen nicht nur die vom Nutzer formulierten Anforderungen erfüllen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sollten auch eingehalten werden.
Und schon stellt sich eine weitere Frage: können die erprobten Helfer des Vereins nicht mit vereinten Kräften einen Teil der Arbeiten selbst ausführen und auf diesem Wege die Baukosten reduzieren? Grundsätzlich sollte hier niemand in seinem Tatendrang gebremst werden, solange eine deutliche Abgrenzung zwischen den Arbeiten der beauftragten Baufirma und denen der ehrenamtlichen Helfern benannt wird. Die Arbeiten der Baufirma erfolgen auf Grundlage eines Bauvertrages, dieser beinhaltet eine zeitlich begrenzte Mängelhaftung. Daher ist es wichtig, vereinsseitig keine der im Bauvertrag vereinbarten Leistungen auszuführen –Arbeiten am eigentlichen Spielfeld sind damit tabu! Außerhalb der Kunststoffrasenfläche bietet sich die Möglichkeit, Wege zu pflastern, Barrieren zu verankern oder die sonstigen Randbereiche zu befestigen und zu gestalten. Unter Berücksichtigung der erforderlichen Materialien lassen sich durch Eigenleistungen sicherlich einige Tausend Euro sparen –mehr als etwa 10.000 € Einsparpotential scheinen jedoch unrealistisch.
Resumé

Ein Kunststoffrasen bietet für das Training und für den Spielbetrieb eines Fußballvereins sehr große Vorteile. Doch bevor der neue Allwetterbelag eingeweiht werden kann, müssen eine Vielzahl von Faktoren und Randbedingungen diskutiert, verglichen und festgelegt werden. So lassen sich Kosten reduzieren und trotz allem verbesserte Trainings- und Wettkampfbedingungen schaffen.
Die Kosten für einen Kunststoffrasen sind denen eines hochwertigen Teppichbelags für ein Wohnzimmer vergleichbar. Bei einer Spielfeldgröße von fast 8.000 m² ergeben sich jedoch sehr hohe Investitionskosten, die durch Eigenleistungen nur in sehr geringem Maße gemindert werden können.


 

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