Dresden: Waldspielplatz Kleinzschachwitz

von Detlef Thiel, Amtsleiter Landeshauptstadt Dresden, Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft

Dresden: Waldspielplatz Kleinzschachwitz

Im Ortsteil Kleinzschachwitz gab es bis zu dem Zeitpunkt keinen öffentlichen Spielplatz, obwohl dringender Bedarf bestand. Neben einem sehr engagierten Ortsamt ist hier der Verein „Im Osten was Neues“ und der Förderverein „Putjatinhaus“ aktiv. In Zusammenarbeit mit dem Ortsamt Leuben, den beiden Vereinen und dem damaligen Grünflächenamt entstanden die ersten Ideen für einen Abenteuerspielplatz. Im Haushalt der Landeshauptstadt Dresden standen hierfür jedoch keine Mittel zur Verfügung. Federführend organisierte der Verein „Im Osten was Neues“ eine großangelegte Spendenaktion mit dem Ziel, im Gebiet einen öffentlichen Spielplatz zu errichten. Als Standort wurde eine Fläche im Waldpark vorgeschlagen, an einer Wegekreuzung gelegen, auf der nur wenige Bäume standen. Der Standort wurde vom Grünflächenamt befürwortet und fachliche Unterstützung zugesagt. Auch die Untere Wasserbehörde stimmte der Errichtung eines Spielplatzes zu, da der Waldpark im Retentionsbereich liegt und grundsätzlich nicht abflussbehindernd wirkt. Das Grünflächenamt übernahm die wenigen, aber notwendigen Fäll- und Rodungsarbeiten. Die Beräumung von Wildaufwuchs in den geplanten Flächen konnte von ABM- Kräften des Ortsamtes ausgeführt werden.
Der Entwurf wurde vom Architekturbüro Köckeritz als erste eingehende Spende erarbeitet. Viele weitere Bürger und Vereine engagierten sich bei dem Vorhaben, zum Beispiel die Stiftung Jugend und Sport der Sparkasse Dresden, die Johanniter Unfallhilfe Sachsen und viele Gewerbetreibende aus Kleinzschachwitz. Die Spendenhöhe betrug insgesamt 45.000 Euro.

Im Mai 2003 konnte der Waldspielplatz fertiggestellt werden, auf dem auch behindertengerechte Spielgeräte integriert wurden. Baumhaus, Kletter-Lauf-Netz, Balanciertau, Schaukel, Hangelanlage, Wipp-Vogelnest und Hängematte erfreuen die Kinder aller Altersgruppen. Die Beliebtheit des Spielplatzes ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass er in eine grüne Waldoase eingebettet ist, wo man sich verstecken oder selbst eine Hütte aus Ästen, Zweigen und Laubwerk bauen kann. Die Geräte des Spielplatzes wurden aus Robinienholz gefertigt, wodurch eine Langlebigkeit gewährleistet ist. Mit ihren Höhenebenen und Verzahnungen untereinander stellen sie eine echte Herausforderung an Geschicklichkeit und Mut dar, so dass man neben Kindern aller Altersklassen auch immer wieder Erwachsene klettern sehen kann. Der Fallschutz besteht aus einer 50 cm dicken Rindenschicht. Form, Funktion und Standort der Geräte wurde so gewählt, dass eine harmonische Verbindung mit der Umgebung entstanden ist. Der Spielplatz wurde zu einem beliebten Treffpunkt, dessen damalige Kapazität dem Andrang kaum gewachsen war.

Zweiter Bauabschnitt Kletterwald 2007 – 2010

Die Freude war nur von kurzer Dauer. Im Januar 2007 verursachte der Orkan „Kyrill“ Schäden im gesamten Waldpark, so auch am Spielplatz. Vorgeschädigt durch das Hochwasser 2002 fielen nun unzählige Bäume dem Sturm zum Opfer. Der Sturm schlug eine 40 Meter breite Schneise durch den Park. Es erfolgte eine detaillierte Bestandserfassung der Schäden im Auftrag des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Schnelles Handeln war erforderlich, um vor allem den Bestand des Spielplatzes zu gewährleisten. Die Landschaftsarchitektin Friederike Wagner erhielt den Auftrag, den gesamten Waldpark zu analysieren und ein Entwicklungskonzept zu erarbeiten, um zügig eine geordnete Schadensbeseitigung vornehmen zu können und um mit wenig verfügbaren Mitteln die wichtigsten Maßnahmen durchzuführen. Dabei sollten alle Nutzerinteressen berücksichtigt werden.
Alle Betroffenen mussten zügig und unbürokratisch zusammenwirken: das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft, die Untere Naturschutzbehörde, die Untere Forstbehörde, das Ortsamt, Vereine, die Schule, die sich neben dem Waldpark befindet.

Um die Sicherheit des Spielplatzes wieder herzustellen, erfolgten zunächst die Reparaturarbeiten an den Spielgeräten bzw. deren Abbau. Diese Arbeiten sowie die Rodung und Beseitigung der umgestürzten Bäume wurden aus dem Haushalt der Landeshauptstadt finanziert und im Sommer 2008 durchgeführt. Nach den Aufräumungs- und Bergungsarbeiten war eine etwa 4.000 m² freie Fläche entstanden. Kleinzschachwitz liegt auf einer Sandinsel zwischen Elbe und Altelbarm. Typisch ist der Kiefernbestand im gesamten Gebiet. Deshalb wurde die Gemeine Kiefer als Hauptbaumart bei der Wiederaufforstung gewählt. Die Aufforstung erfolgte im September 2008. Die Untere Forstbehörde stellte die Kiefernpflanzen zur Verfügung und der Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste der Stadt Dresden übernahm die Pflanzarbeiten unter fachlicher Anleitung und errichtete einen Wildschutzzaun. Der gesamte nordöstliche Bereich wurde aus Artenschutzgründen in seinem Zustand belassen, dort erfolgten keine Gestaltungsmaßnahmen. Im Rahmen der Aufforstung wurden Flächen für die Spielplatzerweiterung „Kletterwald“ offen gelassen. Das historische Wegenetz wurde erhalten.

Bei der Planung der Spielplatzerweiterung wurden vom Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft und dem Verein „Im Osten was Neues“ die Kinder aus den benachbarten Schulen und aus dem Stadtteil mit Hilfe der projektschmiede gGmbH und deren Projekt „Siedler“ einbezogen. Am 20. Juni 2008 war Auftaktveranstaltung. Die Schüler und Schülerinnen der 65. Grundschule stellten das Projekt „Augenblicke im Wald“ vor.
Verursacht durch die Naturkatastrophe konnte den Kindern, als unmittelbare Nachbarn der Waldfläche, die Abfolge der Aufforstung nahe gebracht werden und sie verfolgten und beobachteten die Arbeiten mit großem Interesse.
Noch während der Aufräumarbeiten im Waldpark gab es dann die eigentliche öffentliche Werkstattwoche unter Leitung der projektschmiede gGmbH und deren Projekt „Siedler“. Die Kinder planten und gestalteten ihren Spielplatz selbst. Sie fertigten zuerst einen auf die „zu besiedelnde Fläche“ zugeschnittenen Plan. Anschließend bauten Sie Modelle nach ihren Ideen und Wünschen: Irrgarten, Kletterwand, Reckstangen, Achterbahn, Seilbahn, Rutsche, Trampolin, Halfpipe, Fußballfeld. Im Rahmen eines Schulfestes wurden die Ergebnisse präsentiert. Das Modell wurde dem Ortsamt übergeben. Bei der Ausführungsplanung wurde geprüft, welche Vorstellungen der Kinder umsetzbar und für den Wald verträglich sind. Für einige Wünsche, z.B. das Fußballfeld war die Erweiterungsfläche natürlich zu klein. 2010 konnte das notwendige Geld durch die Stadt bereitgestellt werden. Bereits vor der Ausschreibung wurde die Planung durch einen Gutachter für Spielplatzsicherheit geprüft. Im Frühjahr 2010 wurde die Maßnahme realisiert. Die weitere Spielgerätekombination berücksichtigt die Wünsche der Kinder nach Klettern, Hangeln, Rutschen. Ein Stufenreck und eine Nestschaukel wurden separat aufgestellt. Für die kleineren Kinder stehen eine Holzeisenbahn, zwei Federwipptiere und ein Periskop zum Spielen bereit. Das Periskop ermöglicht einen Blick in die Baumkronen, den die Kinder sonst nicht haben. Der vorhandene Sandkasten erhielt neuen Sand.
Einzelbäume, die vom Sturm verschont blieben, wurden in den Spielbereich integriert. Auf allen drei Spielbereichen kamen unter Einhaltung der Sicherheitsabstände zu den Geräten je zwei Solitärbäume hinzu, so dass es künftig eine noch unmittelbarere Verschmelzung zwischen Spielen und Natur geben wird.

Die riesige Resonanz und Nutzung spricht für die Qualität des Spielplatzes mit seiner idealen Lage inmitten der Natur.

 

Kosten
Planungskosten: Landschaftsarchitektin Friederike Wagner und Gutachter, 12.000 EUR
Baukosten: SIK Holz (2003 und 2010), Garten- und Landschaftsbau Hansel (2010)
Spielbereich 2003: ca. 45.000 EUR - ausschließlich Spenden und ehrenamtliche Arbeit (keine Mittel aus Flutschadensbeseitigung)
Aufforstung 2008: ca. 10.000 EUR - Stadthaushalt für Pflanzen und Zaun, anteilig aus dem Verkauf des geschlagenen Holzes plus Eigenleistung der Stadt (Regiebetrieb Zentrale Technische Dienste)
Spielbereiche und Wegesanierung 2010: 88.400 EUR - Stadthaushalt
Unterhaltungskosten: Pflege, Wartung, Kleinreparaturen, Sicherheitskontrollen
pro Jahr: ca. 6.900 EUR

 

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