Stuttgart: Spielplatz Lauchäcker, „In den Gärten“

von Wolfgang Ziegler, Landeshauptstadt Stuttgart, Garten-, Friedhofs- und Forstamt

Stuttgart: Spielplatz Lauchäcker, „In den Gärten“

Als Ergebnis eines städtebaulichen Wettbewerbes ist zwischen dem bestehenden Baugebiet Lauchhau aus den 60er Jahren (ca. 1 000 Bewohner) und dem Neubaugebiet Lauchäcker (ca. 2 000 Bewohner) am südlichen Rand von Stuttgart eine aus verwilderten, privaten Grünflächen bestehende Grünfläche erhalten worden. Dieses Gelände verbindet heute die beiden unterschiedlichen Wohngebiete, ist ein Treff für Bewohner beider Gebiete, deren Kinder können dort gemeinsam spielen. Der aus dem städtebaulichen Wettbewerbsentwurf „Grüne Stadt“ entwickelte Bebauungsplan weist als Ausgleich des Flächenverlustes für die Bebauung im Planungsgebiet Flächen „zum Schutz von Natur und Landschaft“ aus. Das früher vorhandene, naturnahe, extensive Bearbeitungsgelände bestand aus ehemaligen, aufgelassenen Gärten, Gütle und Streuobstwiesen. Benachbart zu den Spielflächen grenzen autofreie Wege, der sich fortsetzende Grünzug sowie die Gartenflächen und Freiflächen der benachbarten Wohnbebauung an. Das Spielen auf dem Spielplatz und auch die Erreichbarkeit des Geländes erfolgt daher auf gefahrlose Weise. Ein wassergebundener Weg im Grünzug entlang dem Entwässerungsgraben mit wegebegleitenden Bänken stellt die Verbindungen zum alten Wohngebiet Lauchhau bzw. den nördlichen Teilen des Neubaugebietes her. Drei Kindertagesstätten und ein Kindergarten nutzen die Flächen zusätzlich zu den Außenanlagen ihrer eigenen Einrichtung.

Spielplatzgestaltung

Für die Gestaltung des etwa 5 100 m² großen Geländes in einem ca. zwei Hektar großen Grünzug wurden im Jahr 2005/2006 von der Stadt Stuttgart etwa 300.000 € investiert. Der Charakter der ehemaligen Obstwiesenlandschaft wurde zur Grundlage für die Gestaltung des Spielbereiches, der in naturhafter Art geplant worden ist. Dies entspricht ebenfalls den oben beschriebenen Anforderungen des Bebauungsplanes. Der extensive Charakter als typische Streuobstwiesenfläche wurde beibehalten bzw. wieder hergestellt. Zur Erschließung des zuvor teilweise unzugänglichen Geländes ist ein landschaftlich mit wassergebundener Decke ausgebauter Weg gebaut worden. Streuobstwiesenfremde, durchgewachsene Sämlingsbäume, abgehende, verkehrsunsichere Bäume, durch Gartennutzungen gepflanzte, fremde Gehölze und Sträucher der beginnenden Verbuschung des Geländes wurden gerodet, erhaltenswerte Obstbäume verjüngt. Obstbaumpflanzungen in freien Lücken und Wiesenansaaten auf kahlen, gerodeten Flächen waren Teil der vorgesehenen Maßnahmen. Im Grünzug und den Spielflächen wird außerdem ablaufendes Dachwasser der dachbegrünten Gebäude oberflächlich in einem naturnah gestalteten Graben abgeführt. Die platzbedürftigeren Spielbereiche sind an den baumfreien Standorten der Baumwiesenflächen eingefügt worden.
Kinder und Jugendliche sollen mit natürlichen Materialien und Grundelementen kreativ umgehen und spielen können: Sand, lose geschüttete Flächen mit rundem Kies, ergänzt mit gerundeten Findlingen, lose geschütteter, gebrochener Schotter und kantige Bruchsteine, runde Holzstämme und rechteckige Balken, Holzklötze und fein gehäckselte Holzschnitzel bilden ein Spielangebot ohne fest vorgegebene Spielfunktionen, wie dies bei Geräten der Fall ist. Zusätzlich wurden beim Bau der Geräte nicht verbaute Holzteile oder beim Wegebau nicht verbaute Steine vor Ort belassen, um ungeplantes, kreatives Spielen zu fördern. Dieser Spielbereich ist um ein Spielhaus angeordnet, das eine Assoziation an die Vergangenheit des Ortes, an die ehemaligen Gartenhäuser weckt. Um das Spielhaus herum wurden Wegebeläge aus gebrauchten, verschiedenartigen Materialien (Ziegel, Natursteinplatten und -pflaster in unterschiedlichen Gesteinsarten und Formaten verwendet, die eine bunte, phantasievolle Wegeoberfläche, passend zum Ort des Spielens bildet.

Das Bürgerforum, eine Initiative im Wohngebiet, hat sich beim Bau von einem Baumhaus beteiligt. Teilweise wird anfallendes Regenwasser von Dächern der angrenzenden Bebauung über ein im Grünzug oberflächig verlaufendes Grabensystem abgeführt. Dieses Grabensystem ist zu einer Wasser-Matsch-Mulde erweitert und bietet eine zusätzliche, kreativspielerische Erfahrung der Elemente. Der Graben selbst hat unterschiedliche Böschungsneigungen und kann auch zum Versteckspiel oder zum „Stromern“ im Gelände genutzt werden.

Benachbart zu diesem erfahrbaren Elementspielbereich sind in den Streuobstbestand einige, eher unauffällige Spielgeräte integriert, die den Grundbedürfnissen der Kinder nach Bewegung entsprechen, gleichzeitig aber auch die Baumwiesenflächen gemäß der Textfestsetzung des Bebauungsplans als „Ausgleichsfläche für Natur- und Landschaft“ respektieren. In den Lücken der Baumreihen ist eine Kletter- und Erfahrungslandschaft mit dem Thema „Natur“ entstanden: Ein Adlerhorst, ein Kletterwald, ein Spinnennetz und ein Biberbau stellen thematisch den Naturbezug her. Zwischen den Bäumen kann geschaukelt werden.
Das Motiv ehemaliger Gartenhäuser ist in Form zweier Spielhäuser aufgegriffen. Dem Charakter des Ortes entsprechend und als Referenz an seine Geschichte werden die Spielräume durch lineare, gütlestypische Pflanzstrukturen mit Himbeer- und Brombeerreihen und geschnittene Hecken räumlich untergliedert.
Längs des Erschließungsweges sind einzelne Sitzmöglichkeiten vorgesehen. An den
Zugängen zum Wohngebiet bzw. vom Feldweg bilden bekletter- und besitzbare Holzskulpturen in Form von Äpfeln oder Birnen einen charakteristischen, dem Ort angepassten Auftakt der Spielflächen und des sich fortsetzenden Grünzugs.
Ein Baumlehrpfad im angrenzenden Grünzug mit Informationen und Texten speziell
für Kinder und Jugendliche erläutern das Thema Bäume, Natur und Streuobstwiese.
Im Zuge der Unterhaltung wird der vom TÜV abgenommene Spielplatz laufend entsprechend den gesetzlichen Vorschriften auf seine Sicherheit hin überprüft, kontrolliert und das Ergebnis protokolliert.

Fazit

Wolfgang Ziegler, Garten-, Friedhofs- und Forstamt in Stuttgart, zur Lage der Spielplätze im Allgemeinen in Stuttgart:
„Selbstverständlich müssen wir, was uns als Schwaben aber keine unüberwindbaren Mühen bereitet, auch sparen. Durch Bestandsanalysen, öffentlich gemachte Spielplatzbewertungen, durch die Priorisierung der nötigen Sanierungen und durch die Darstellung geplanter Maßnahmen entsteht aber sowohl in den politischen Gremien wie auch bei den Bürgern Verständnis, dass nicht alles zeitnah und kurzfristig, aber dennoch mit vertretbarem, zeitlichem Abstand ersetzt, überplant und saniert werden kann. Ein Abbau von einzelnen Spielgeräten muss aus Sicherheitsgründen natürlich erfolgen und es gibt im Stadtgebiet auch einige grundsätzlich zu überarbeitende Plätze. Vor allem im letzten Jahr konnte die Situation jedoch deutlich verbessert werden, was sich auch dieses Jahr 2011 fortsetzen wird. Die in Neubaugebieten entsprechend den Bebauungsplänen vorgesehenen Neuanlagen von Spielplätzen bereiten in der Regel keine Finanzierungsschwierigkeiten, da die kinderfreundliche Stadt ein Ziel der Landeshauptstadt Stuttgart ist, an diesem Ziel gemessen wird und dementsprechend dafür auch Geld ausgibt und ausgeben kann.“


Daten und Angaben:
Baubeginn: Oktober 2005
Bauende: Juni 2006
Einweihung 24.06.2006
Investitionskosten: 300.000,00 €
Spielplatzgröße: ca. 5.100 m²
Ausführende Firma Landschaftsbau: Stier GmbH, Stuttgart
Ausführende Firma Spielgeräte: KuKuK GmbH, Stuttgart
 

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