Sparen am Spielplatz?

Ein Zitat von Nelson Mandela besagt: „Wie human eine Gesellschaft ist, das zeigt sich an ihrem Umgang mit Kindern und Alten." Playground@Landscape hörte sich in den Kommunen um.

Sparen am Spielplatz?

Harald Martenstein, Kolumnist des Berliner „Tagespiegels“, nennt die Hauptstadt aufgrund der schlechten Lage der Infrastruktur das „Mogadischu Europas“, einen „failing state“, Allein die Rückkehr der Alliierten könne noch helfen. Oder Blauhelme. Sind alle Kommunen klamm?

Die positiven Ergebnisse der aktuellen Steuerschätzung zeigen, dass die Wirtschaft sich gut entwickelt. „Trotz der prognostizierten Steuermehreinahmen bleibt die Lage der Kommunen aber angespannt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Gerd Landsberg, in Berlin. „Der wirtschaftliche Aufschwung bringt nicht die dringend notwendige Entlastung auf der Ausgabenseite“, stellte Landsberg fest. Der Präsident des Deutschen Städtetages, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, sagte: „Die Ergebnisse von Steuerschätzungen, die den Kommunen höhere Einnahmen vorhersagen, nehmen wir gerne entgegen. Gerade nach der Finanz- und Wirtschaftskrise sind das gute Nachrichten. Vor allem zeigt sich, wie schnell sich die Gewerbesteuer erholt, die einige schon totgesagt hatten. Bei aller Freude über den Aufschwung besteht für Euphorie aber kein Anlass. Dafür geht es zahlreichen Städten nach wie vor viel zu schlecht. Die Kassenkredite, die Deutschlands Kommunen aufnehmen müssen, um ihre laufenden Ausgaben bestreiten zu können, sind inzwischen auf über 40 Milliarden Euro geklettert. 2004 war dieser Betrag noch halb so groß.“

„Wenn die Städte sparen sollen, müssen sie auch den Spielraum erhalten. Doch das deutsche System ist extrem durchdekliniert und steckt die Städte in ein enges Korsett”, so Stadtökonom Martin Junkernheinrich von der TU Kaiserslautern.

Durch die Medien gingen Nachrichten, dass Kommunen bei Kinderspielplätzen den Rotstift zum Sparen ansetzen. Städtische Spielplätze werden geschlossen, um Kosten für deren Instandhaltung einzusparen. Oder sogar, um als Bauland verkauft zu werden. Beispiele waren jüngst Zahlen aus Warendorf und Gütersloh. In den beiden Städten werden zusammen 40 Kinderspielplätze aufgegeben. Aber nicht jede Stadt streicht gleich Spielplätze zusammen. „In Soest ist nichts dergleichen geplant“, versichert Pressesprecher Klaus Peter Knäpper. Und das, obwohl Pflege und Sanierung das Stadtsäckel jährlich mit 375 000 Euro belasten. Auch in Lüdenscheid gibt es trotz angespannter Haushaltslage keine Pläne, auf Kinderspielplätze zu verzichten. Und es geht auch anders: „Offenbach investiert in Spielplätze“. Veröffentlicht: 17.5.2011 von der Stadt Offenbach.

„Fränkische Feldstudie“

Letzte Hoffnung Rednitzhembach? Die Gemeinde in der Nähe von Nürnberg hat 7.000 Einwohner. Bürgermeister Jürgen Spahl: „Unser Haushalt ist ausgeglichen.“
Solche positiven Meldungen liest man in weniger großen Lettern. Denn meistens sind es nur die schlechten Nachrichten, die den großen Aufmacher bringen.
„Fürth setzt Rotstift bei Spielplätzen an“ (Nürnberger Nachrichten, 5.3.2011). „Fünf Spielplätze in Fürth werden stillgelegt“ (www.nordbayern.de, 4.4.2011): „Sparen steht aber nach den Worten von Oberbürgermeister Thomas Jung gar nicht im Vordergrund. Vielmehr wolle man sich auf Projekte konzentrieren, die auch angenommen werden.“ Und gerade die Stadt Fürth hat in ein Computersystem zur systematischen Katalogisierung der Spielplätze investiert, und in Sachen Spielplatzsicherheit jeden Spielplatz der Stadt erfasst. Kommunal vorbildlich!
Susanne Kramer von der Stadt Fürth: „Im Jahr 2011 wird im Stadtgebiet Fürth ein neuer Spielplatz in einem neuen Wohngebiet angelegt. In Fürth geht der kommunale Trend dahin, mit Eigenleistungen der Verbände des Stadtjugendrings und einer Investitionssumme von rund 100 000 Euro erstmals einen generationenübergreifenden Spielplatz im Stadtgebiet zu errichten. Ansonsten sind wir als Verwaltung bereit, Kleinstspielflächen, die unattraktiv sind und nachweislich nicht mehr genutzt werden, zu Gunsten der Entwicklung größerer, schönerer Spielplätze aufzulassen. Dabei wollen wir die dadurch gewonnenen Flächen nicht als Bauland veräußern, sondern entweder der Natur zurückgeben oder beispielsweise Kindertagesstätten zur weiteren Nutzung überlassen.“

In Erlangen sind die Spielplätze ebenfalls ein Thema. „Sparen zu Lasten der kinderfreundlichen Stadt“ (www.nordbayern.de, 3.12.2010). „Geld sparen und damit das Angebot verbessern“ (www.nordbayern.de, 26.11.2010): „Der Vorschlag, der nun dem Erlanger Stadtrat präsentiert wurde, ist gewagt: Die Anzahl der Spielplätze zu verringern und insgesamt die Flächen der Freizeitanlagen für Kinder zu reduzieren. Das haben die Berater von Rödl & Partner vorgeschlagen. Rödl & Partner verspricht sich davon einiges. Einmal die geforderten Einsparungen, wenn die Idee umgesetzt wird. Für 2013 sind das 324.000 Euro, in den Jahren danach knapp eine Million Euro. Und zum anderen eine höhere Qualität im Spielflächenangebot, etwa durch besondere „Leuchtturm-Spielflächen“.“

„Rödl & Partner ist in umfassender Weise für Städte und Kommunen im Bereich der Haushaltskonsolidierung tätig. Dabei werden in umfangreichen Gutachten Vorschläge erarbeitet, die dann aber vom Auftraggeber geprüft und umgesetzt werden. Inwiefern Kinderspielplätze bei Städten als „Einsparungspotential“ gelten, kann daher nur die jeweilige Kommune oder ev. auch die Verbände der Kommunen beantworten. Mit Rücksicht auf die Auftraggeber kann Rödl & Partner selbst dazu leider nicht Stellung nehmen.“ So Matthias Struwe, Eye Communications, Pressekontakt Rödl & Partner GbR.

Im Jugendhilfeausschuss der Stadt Erlangen gab es denn ein vehementes Nein zur Anregung des Beratungsunternehmens, über ein Drittel der 111 Spielplätze und Freizeitsportanlagen der Stadt stillzulegen und stattdessen wenige „Leuchtturm-flächen“ mit Kiosken und WC’s aufzurüsten. „Kinderspielplätze sind der wichtigste Faktor, die eine kinderfreundliche Stadt ausmachen. Hier steht Erlangen bundesweit an der Spitze“, sagte Jugendhilfeplaner Stefan Käs und brachte damit die Diskussion auf den Punkt. Wolle man Erlangen für Familien attraktiv erhalten, dürfe man daran nicht sparen.

Für größere Spielplätze waren bei einer Online-Umfrage bei nordbayern.de 67 Prozent der Teilnehmer. 16 Prozent waren der Meinung, dass kleine, gut ausgestattete Spielplätze auch in Ordnung sind. 17 Prozent sahen keinen Anlass, etwas zu verändern. Fazit: Die Mehrheit der Teilnehmer wünscht sich mehr Spielplätze, größer und kindgerecht.

Weitere Statements kommunaler Entscheider aus Franken

Dietmar Radde, Stadt Erlangen:
„Schwerpunkte bei der Sanierung älterer Spielflächen in Erlangen werden auf die landschaftsgärtnerische Gestaltung, die damit verbundene Aufenthaltsqualität, hochwertige, langlebige Spielgeräte und die wirtschaftliche Pflegbarkeit der Anlagen gelegt. Zusätzlich entstehen auch in den nächsten Jahren neue Spielflächen, da Erlangen weiter Neubaugebiete ausweist und viele junge Familien sich in Erlangen ansiedeln. Größere Neugestaltungen oder Neubaumaßnahmen werden bis auf Ausnahmen mit Bürgerbeteiligung umgesetzt.
Die Gestaltung und die Ausstattung der Spielflächen werden für jedes Projekt mit Bürgerbeteiligung gesondert entwickelt. Trends sind dabei kaum auszumachen. Verstärkt gewünscht werden in den letzten Jahren Trampoline. Futuristische Anlagen und Designs finden keinen Anklang.
Themenspielplätze spielen kaum eine Rolle, da sich selten Themen wirklich anbieten und aus Kostengründen auch nicht befördert werden.
Die Diskussion über die Schaffung von Fitness-Parcours oder Generationenspielplätzen befindet sich noch im Anfangsstadium, wird aber Thema der nächsten Jahre.
Der Rückbau von Spielplätzen ist in Erlangen kein Thema. So ist Anfang 2011 vom Stadtrat der Vorschlag eines externen Gutachters, mittels des Rückbaus von Spielplätzen Kosten bei Personal und Aufwand im Unterhalt einzusparen, abgelehnt worden. Beschlossen wurde aber das bestehende Spielflächenkonzept zu überarbeiten. (ohne Einsparvorgaben, aber mit Wirtschaftlichkeitsbetrachtung)
Da in die Diskussion des neuen Spielflächenkonzept auch die Bürgerschaft sowie Verbände und Initiativen vor allem auch der Kinder- und Jugendarbeit eingebunden werden und Erlangen weiterhin auch ein "junge" Stadt bleiben wird, ist mit dem Rückbau von Spielflächen im größeren Stil auch in den kommenden Jahren nicht zu rechnen.“

Rudolf Zeevaert, Stadt Nürnberg:
„Die aktuellen Nürnberger Spielplatzplanungen sind oft sehr individuell auf die jeweilige Situation bezogen. Ob das ein Themenspielplatz rund ums Mammut ist (eine Assoziation mit dem Namen der früher dort ansässigen Maschinenfabrik), ob vorhandene Geländeformen als Spielfunktionen genutzt und diese mit speziell für diese Situation entwickelten Spielgeräten geschickt ergänzt werden oder künstlerisch gestaltete Spielangebote mit hohem Spielwert entstehen, zählt nur einen Teil der kreativen Trends in Nürnberg auf. Für all diese Planungen sind aber immer Kinder und Jugendliche die Ideengeber, die intensiv Einfluss auf die Gestaltung IHRES Spielplatzes nehmen, denn schließlich sollen sie ja mit den Angeboten Spaß haben und sich wohlfühlen. So haben z.B. Jugendliche ihren eigenen einzigartigen Unterstand mit zusammen einem erfahrenen Landschaftsarchitekten entwickelt, den sie im Herbst selbst mitgestalten dürfen.
In Nürnberg sind wir froh, dass wir noch von der Hysterie verschont blieben, den Rotstift bei Spielplätzen anzusetzen. (Nicht immer der Wahrheit entsprechende) Zeitungsmeldungen aus dem benachbarten Fürth und anderswo könnten ansteckend wirken, wonach Spielplätze aus ökonomischen Gründen aufgelöst werden sollen. Wenn wir den Wert unserer Kinder nur nach ökonomischen Maßstäben beurteilen, ist das nicht nur unsozial, sondern läuft auch einer gesunden Weiterentwicklung unserer Gesellschaft zuwider. Ein Zitat von Nelson Mandela trifft das genau: „Wie human eine Gesellschaft ist, das zeigt sich an ihrem Umgang mit Kindern und Alten." Tun wir also etwas für eine humane Gesellschaft! In Nürnberg wird gerade mit Planung eines weiteren Bewegungsparks für alle Generationen begonnen.“

Ralf Klein, Stadt Zirndorf:
„In den vergangenen drei Jahren wurde in Zirndorf viel in attraktive Freizeitangebote investiert. So komplettierten wir mit Highlights wie Innenstadtspielgeräten, Generationen übergreifendem Fitnessparcours, künstlerisch gestaltetem Spielplatz, einer 1,5 Hektar großen Spielanlage inklusive Kunstrasenbolzplatz und Nordic Walking-Strecken die Fülle hochwertiger Spielpunkte.
Den zukünftigen Trend im Spielplatzbereich sehe ich im Aktivspiel, hier werden auch weiterhin Seilspielgeräte von Bedeutung sein. Der Bedarf an Generationen übergreifenden Anlagen wird sich fortsetzen, unsere Erfahrungen mit solchen Spielpunkten sind sehr positiv.
Unser Budget erlaubt die jährliche Generalüberholung eines Spielplatzes sowie
Spielgeräteersatz im Gesamtbestand. Die Politik Zirndorfs, Prioritäten in Kinderfreundlichkeit und Tourismusattraktivität zu setzen, lässt aus meiner Sicht mittelfristig keine Kürzungen bei den Spielplätzen erwarten. Für 2011 ist eine Dirt-Bike-Bahn angedacht. Dabei werden zur Akzeptanzverbesserung und als Vandalismus-Schutz die künftigen Nutzer planerisch eingebunden.
Als große finanzielle Herausforderung der Kommune sehe ich die notwendige Schaffung von Krippenplätzen. Auf unsere Fachabteilung kommen damit Einrichtung und Wartung entsprechender Spielplätze zu.
Der Abbau eines bestehenden Spielplatzes ist nur dann vertretbar, wenn ein ungenutzter, weil unattraktiver durch einen Neubau in unmittelbarer Nähe ersetzt wird. Kostenbedingter Auflass oder zur Baulandgewinnung wäre kurzsichtig, denn Neubesiedlung schafft neuen, sowohl Flächen- als auch Investitionsbedarf!
Strukturdaten Zirndorf: 25.800Einwohner , 40 Öffentliche Spiel-, Bolzplätze, 18 Spielplätze an Schulen, Kindergärten.“

Herbert Fuchs, Stadt Forchheim:
„Die Stadt Forchheim unterhält zur Zeit 73 Spieleinrichtungen und Bolzplätze. Gemessen an der Einwohnerzahl von 30.000 Einwohnern befindet sich die Stadt Forchheim weit über dem Durchschnitt an Spieleinrichtungen anderer Städte. Kommunen haben schon auch die Aufgabe auf eine Nutzung zu achten, denn es macht ja keinen Sinn Spielplätze zu unterhalten, die keine Nutzung (dadurch hohe Unterhaltskosten) erfahren.
Es wurde z.B. im letzten Jahr ein Schulhof mit Spielgeräten bestückt, der jetzt dem ganzen Wohnviertel zur Verfügung steht, dafür ist ein anderer Spielplatz, der schlecht frequentiert war gewichen. Der Stadtrat und auch die Bürger haben für solche Maßnahmen Verständnis.
Im Jahre 2010 wurde viel investiert- deshalb wurde für das Jahr 2011 der Etat nicht mehr ganz so üppig ausgestattet. Der Investitionsplan berücksichtigt im Jahr 2012 wieder mehr Geld für Spielplätze in unserer schönen Stadt.
Wir versuchen beim Neubau auch gleich den Unterhalt zu berücksichtigen. Ein Vorteil, wenn Neubau und Unterhalt in einem Amt untergebracht sind. Beim Unterhalt und der Sicherheit auf den Spielplätzen wird aber nicht gespart. Eine eigene Spielplatztruppe mit geschultem Personal sorgt für die Sicherheit auf unseren Spielplätzen. So können sich unsere Bürger sicher fühlen.
In unserem Stadtpark mit historischer Maueranlage befinden sich mehrere Outdoor-Fitnessgeräte, die regen Anspruch finden. Eine gute Investition für alle Altersklassen. Die Stadt Forchheim ist im Bereich Spielplätze gut für die Zukunft gerüstet.“

Christiane Zinoni-Peschel, Stadt Coburg:
„Wir haben 2010 den ersten "Spielhof" in einer Grundschule in der Innenstadt geplant und gebaut; er wird von der Schule und als öffentlicher Spielplatz genutzt und ist sehr gut angenommen. Weiterhin gibt es zahlreiche Spielpunkte in der Innenstadt, die durch den Arbeitskreis Kinderfreundliche Innenstadt angeregt wurden. Dazu gehören ein begehbares Kaleidoskop, ein Rollstuhl- Karussell, Sinnesspielgeräte
und andere.
2009 haben wir unseren ersten "Generationenspielplatz" im Hofgarten eröffnet. Beteiligt war das AWO-Mehrgenerationenhaus der Stadt Coburg und die Kindergärten, die an das Hofgartengelände anliegen. Es gibt einen Bewegungsparcours, der mit Medizinern speziell für ältere Menschen und Kinder entwickelt wurde und Sinnesspiel, wie einen Fußfühlpfad. Vor allem die kleinen Kinder nutzen das Gerät; die älteren Menschen gehen mit Betreuung aus ihren Einrichtungen dort hin.
Ein neuer Fitness-Parcours wurde von uns an einem schön gelegenen Spielplatz im Ortsteil Scheuerfeld angelegt. Bezüglich Werbung für diesen Spielplatz arbeiten wir mit dem Sportamt zusammen. Zudem gibt es einen Trimm-Dich-Pfad im Wald, der bekannt und gut angenommen ist.
Ab 2011 hat sich die Haushaltslage der Stadt Coburg stark verschlechtert, und aus diesem Grund werden dieses Jahr weniger Spielplätze saniert als geplant. Bei insgesamt 41 Spielplätzen und 25 Bolzplätzen werden pro Jahr vier Spielplätze im Durchschnitt saniert, dieses Jahr werden es nur zwei sein.“

Dieter Müller, Stadt Würzburg:
„Die Stadt Würzburg mit derzeit 133.000 Einwohnern hat einen Bestand an
öffentlichen Grünanlagen mit 530 ha. Dazu kommen noch 1000 ha Stadtwald. Der
Spielflächenanteil an der Gesamtfläche beträgt 27 ha und umfasst eine Anzahl von
168 Spielanlagen incl. Spielpunkte – Tendenz steigend.
Bereits im Jahr 1991 wurde in Würzburg nach dem in Kraft treten des neuen Kinder- und Jugendhilferechts eine Familienfreundlichkeitsprüfung etabliert. Familienfreundlichkeit als Ziel aller Bemühungen, den Standortfaktor einer Kommune
zu optimieren, um ein ganzheitliches generationsübergreifendes Miteinander zu
ermöglichen. Familien sollen sich in der Stadt wohlfühlen und in ihren Interessen und
Belangen ernst genommen werden.
Als Ansprechpartner für Planer und kommunaler Entscheidungsträger ist hier die
Arbeitsgemeinschaft Familien in der Stadt.
In einem Spielepunkteplan für die Innenstadt hat das Gartenamt auf den urbanen
Achsen insgesamt 18 Spielpunkte aufgezeigt. Über ein Budget unter Beteiligung von
Sponsoring wird das Projekt realisiert. Inzwischen sind vier Spielpunkte umgesetzt.
Projekt Soziale Stadt: In den Stadtteilen Heuchelhof und Zellerau konnten durch das Bund- / Länderprogramm Soziale Stadt größere Projekte verwirklicht werden.
Zellerau: Spieleband in den Mainwiesen 105.000 € (2010)
Heuchelhof: Bewegungsfeld 830.000 € (2010/2011)
Kunststofffläche mit 1500 m² und möglichen Fallhöhen bis 3,00 Meter in einer bewegten Kunststofflandschaft. Hier auch Slack-Line-Vorrichtung.
Nach Bebauungsplan verankerte Spielanlagen wurden 2010/2011 Spielanlagen als
Themenspielplätze realisiert (Die Schlange: Herstellkosten 110.000 €. Pfahldorf in einer Retentionsfläche Herstellkosten 120.000 €).
Pro Jahr werden unter dem Thema Beteiligungsprojekte städt. Spielanlagen
umgebaut, die gleichzeitig als Lehrlingsbaustelle der Auszubildenden im Garten- und
Landschaftsbau ausgelegt ist.
Um noch spezifischer auf den demographischen Wandel einzugehen, wird die Stadt
Würzburg ab 2011 einen Bedarfsplan für Freianlagen/Spielen entwickeln.
Aufgrund der fest verankerten Familienverträglichkeitsprüfung in Würzburg sind
Rückbauten und „Verkäufe“ derzeit überhaupt kein Thema. Die bevorstehende
Analyse von Freiflächen mit Spielanlagen wird Aufschluss geben über den künftigen
Bedarf und Inhalte der verschiedenen Interessengruppen. Das Thema
Mehrgenerationsplätze wird jeweils fallbezogen und dem Wohnumfeld entsprechend
in Kooperation mit den verschiedenen Organisationen und Verbänden erreicht.
„Fitness-Studios“ im Freien wird es in der Form nicht geben.“

Weitere Statements kommunaler Entscheider
Renate Kraft, Stadt Wien:
„Ich sehe in Wien derzeit keinen Trend in Bezug auf Abbau von Spielplätzen. Ganz im Gegenteil. Es werden diese immer hochwertiger und nach verschiedenen Gesichtspunkten wie Gendergerechtigkeit, Barrierefreiheit, Generationengerechtigkeit etc. geplant und gebaut bzw. umgebaut. Auch die freizeitpädagogischen Angebote, wie die Wiener Parkbetreuung, werden weiter umgesetzt und trotz Budgetknappheit sogar ausgebaut.
Die Stadt hat ein zusätzliches Projekt für Kommunikation und Vermittlung (Fair-Play-Team) eingerichtet, das die faire Nutzung des öffentlichen Raumes unterstützen soll.
Weiterhin gibt es in Wien derzeit mehrere Ressort- und abteilungsübergreifende Arbeitsgruppen, die sich von verschiedenen Seiten her mit dem öffentlichen Raum, dessen Gestaltung und Nutzung bzw. der sozialen Arbeit in diesem auseinandersetzen (Spielen in der Stadt / Kinder, gemma raus / SeniorInnen, physische und soziale Verunsicherungsphänomene und wie können in der Stadt Planende reagieren, soziale Arbeit im öffentlichen Raum). Letztere Arbeitsgruppe hat ein Glossar zur Klärung zentraler Begriffe der sozialen Arbeit im (teil)öffentlichen Raum Wiens in Auftrag gegeben, um die Zusammenarbeit aller zu erleichtern.
"Freiraum für alle" ist die gerade aktuell laufende Ausstellung in der Wiener planungswerkstatt!
Ich freue mich besonders, dass der bereits seit langem eingeschlagene Weg, der Kombination zwischen guter, hochwertiger Infrastruktur und sozialen Angeboten im öffentlichen Raum in Wien weiter beschritten wird. Und auch der Trend, die Bevölkerung bei der Planung zu beteiligen, fortgesetzt wird.“

Hubert Schulze Althoff, Stadt Warendorf:
„Weniger kann auch mehr sein! Die Stadt Warendorf im Herzen des Münsterlandes, mit rd. 38.800 Einwohnern in sechs Ortsteilen und einer Gesamtfläche von 176 qkm unterhielt bislang insgesamt 86 Spielplätze (Stand: 31.12.2010). Im Rahmen der Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen 2010 hat der Rat der Stadt Warendorf Ende 2010 beschlossen, 21 Spielplätze zu schließen. Vor der Entscheidungsfindung war seitens der Verwaltung die Nutzung des jeweiligen Spielplatzes, die Ausstattung des Spielplatzes, die Entfernung zum nächstgelegenen Spielplatz, die Erreichbarkeit (u. a. für Unterhaltungsarbeiten) und das Einzugsgebiet festgestellt und bewertet worden.. Bei der Festlegung der zu schließenden Spielplätze spielte die spätere Nutzung des Grundstücks noch keine Rolle. Aufgrund der zahlreichen Interessenten wird derzeit aber geprüft, ob die brachliegenden Grundstücke als Bauland veräußert werden können. Vorrangiges Ziel bleibt, den hohen Personaleinsatz des Baubetriebshofes resultierend aus Unterhaltungs- und Kontrollarbeiten zu reduzieren.
Während der öffentlichen Beratungen in den politischen Gremien erfolgte eine stetige Berichterstattung in den örtlichen Medien; größere Proteste aus dem Kreis der Anlieger blieben aus. Im Gegenzug zur Schließung von Spielplätzen sicherte die Stadt mit Unterstützung der Politik eine Erhöhung des Budgets für neue Spielgeräte zu. Bislang wurden 14 Spielplätze abgebaut. Im Gegenzug wurde damit begonnen, andere Spielplätze mit neuen Geräten zu bestücken. Bereits Mitte 2010 konnte der zentral gelegene Spielplatz im Naherholungsgebiet „Emsseepark“ für rd. 100.000 € als Piraten-Spielplatz neu gestaltet werden.“

Hilke Bergerstock, Stadt Hannover:
„In der Landeshauptstadt Hannover gibt es eine Vielzahl von Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten, sowohl für Kinder und Jugendliche, als auch für Erwachsene und ältere Menschen. Es gibt in Hannover weit über 400 öffentliche Spiel- und Bolzplätze (s. www.hannover.de, Stichwort Spielen, oder www.hannover-gis.de ). Der erste öffentliche Spielplatz, der Wald-Kinder-Tummelplatz (WAKITU) wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts in der Eilenriede angelegt. Seit dieser Zeit wurde das Angebot kontinuierlich ausgebaut und erweitert.
Bei den öffentlichen Spielplätzen unterscheiden wir zwischen Spielparks (besonders groß und mit Gebäude und pädagogischer Betreuung), Stadtteilspielplätzen (auch etwas größer mit besonderer Ausstattung für unterschiedliche Altersgruppen), Quartiersspielplätzen (mittlere Größe im Wohngebiet) und Naturspielplätzen (Spielplatz ohne "Geräte", aber mit Ausstattung aus natürlichen Materialien). Zusätzlich gibt es viele Bolzplätze, an einigen Standorten Skaterrampen, in den Spielparks oft auch separate Bauspielplätze, in denen die Kinder unter Anleitung selbst werkeln können.

Bei allen Neuanlagen und größeren Erneuerungen werden die Kinder und Jugendlichen mit ihren Eltern an der Planung beteiligt und können sich auch bei der Umsetzung mit betätigen, z.B. bei der Gestaltung einzelner Austattungselemente mit Mosaikarbeiten oder der Bearbeitung von Holz und Sandstein.
Die Auswahl der Spielgeräte erfolgt nach den Kriterien Umweltfreundlichkeit, Langlebigkeit, Reparierbarkeit und natürlich den Kinderwünschen. Außerordentlich beliebt sind Seilbahnen, Schaukeln, Karrussels sowie Kombi-Spielgeräte mit verschiedenen Kletter- und Rutschmöglichkeiten. Allein in den letzten zehn Jahren wurden in Hannover über 150 Spielplätze ganz oder teilweise erneuert und etliche neu angelegt.

Natürlich sind die kommunalen Finanzen auch in Hannover alles andere als gut, und es mussten auch bei uns ein paar Spielplätze stillgelegt werden. Bei der Auswahl haben wir diejenigen ausgesucht, die langfristig das geringste Entwicklungspotential hatten (z.B. kleine Baulücken) und nur dann, wenn ein größerer und besser ausgestatteter Platz in der Nähe war. Insgesamt wird darauf geachtet, dass in einem 300-Meter-Radius von der Wohnung aus ein Spielplatz fußläufig gut erreicht werden kann. Zusätzlich gibt es inzwischen an mehreren Orten im Stadtgebiet Fitnessangebote für alle Altersgruppen oder speziell Senioren (z.B. die Fitnesswiese in der Eilenriede oder der Generationenspielplatz am Freizeitheim Ricklingen), einen Hochseilklettergarten im WAKITU, Laufstrecken, Rad- und Reitwege und wahrscheinlich ab Herbst 2011 die erste Discgolfanlage in Hannover in einem größeren Grünzug. Darüber hinaus gibt es etliche außerschulische Lernorte, bei denen Kinder, Jugendliche und andere Interessierte spielend und lernend die Angebote nutzen können, z.B. www.waldstation-eilenriede.de, www.kinderwald.de, www.schulbiologiezentrum-hannover.de.
Zurzeit arbeiten wir außerdem gemeinsam mit dem Fachbereich Sport- und Eventmanagement an einem Sportentwicklungsplan, in dem nicht nur die Vereins- und Bezirkssportanlagen betrachtet werden, sondern auch informelle Sportangebote in öffentlichen Anlagen weiter ausgearbeitet werden sollen.
Hannover hat das Ziel, eine familienfreundliche Stadt zu sein und auf diesem Weg mit unterschiedlichen Programmen insgesamt schon eine Menge erreicht.“

Dr. Cornelia Poenicke, Stadt Magdeburg:
„Wie bereits in den vergangenen Jahren hält die Landeshauptstadt Magdeburg ihre Investitionen im Bereich der öffentlichen Spiel- und Freizeitflächen auf einem konstant hohen Niveau. Auf der Grundlage der vom Stadtrat beschlossenen Spielflächenkonzeption stehen jährlich 490.000 Euro für Sanierungen und Neuanlagen von Kinderspielplätzen im Stadtgebiet bereit. Politik und Verwaltung haben die zunehmende Bedeutung der Familienfreundlichkeit als Standortfaktor für die Stadt erkannt und können so gleichzeitig sehr flexibel auf die Folgen des demografischen Wandels reagieren.
Bei der Gestaltung der Flächen und Auswahl der Spielgeräte werden natürlich die Vorstellungen der kleinen und großen Magdeburger berücksichtigt. Innerhalb von Beteiligungsprojekten haben alle die Möglichkeit, ihre Ideen und Wünsche einzubringen. Themenbezogene Projekte, unter Berücksichtigung der Belange aller Altersgruppen, stehen dabei im Mittelpunkt der Planungen. Mit der Realisierung eines zweiten sogenannten „Mehrgenerationenspielplatz“ im Magdeburger Stadtpark Rotehorn, bei der auch der integrative Gedanke Berücksichtigung findet, wurde im April 2011 begonnen.
Wir denken mit dieser Vorgehensweise besonders jungen Familien weitere Anreize zu geben, in der Stadt zu bleiben.“

Stephan Heldmann, Stadt Frankfurt:
„In Frankfurt werden Spielplätze für Kinder, Sportangebote für Jugendliche (Skaterparcours, Ballspiele), Fitnessparcours für sportlich Ambitionierte zwischen 20 und 50 Jahren und Seniorenfitnessanlagen für die Altersgruppe 50+ realisiert.
Alle genannten Formen sind in der Stadtpolitik konsensfähig und anerkannt für das soziale Miteinander und das Streben nach Gesundheit in freier Natur.
In seltenen Fällen werden Spielplätze auch in Frankfurt abgebaut, dies geschieht aber aus funktionalen und nicht aus finanziellen Gründen. Dort wo sich zum Beispiel die Nutzerstrukturen geändert oder Platz- oder Geräteangebote sich nicht bewährt haben, werden Spielgeräte zusammengefasst oder verlagert.“

Volker Schirner, Stadt Stuttgart:
„"Zukunft Kinder" Ein Arbeitsprogramm des Oberbürgermeisters sorgt für die Spielraumkultur in der Landeshauptstadt Stuttgart (LHS). "In Stuttgart soll es für unsere Kinder und Jugendlichen Platz zum Wohnen und Freiräume zum Spielen im Freien geben", "In Stuttgart soll ein Generationenvertrag vor Ort das aktive Miteinander von Jung und Alt verbindlich fördern". Diese Aussagen kann man in der Fortschreibung des Programms für ein Kinderfreundliches Stuttgart (Herausgeber die LHS, Januar 2009, S. 3) nachlesen. Für das Garten-, Friedhofs- und Forstamt (GFF) der LHS bedeutet das eine intensive Konzentration auf die Bereitstellung von altersgerechten Spielräumen. Im Doppelhaushalt werden deshalb ca. 6 Millionen Euro für die ca. 500 bestehenden Spielplätze und die Neuanlage von Spielräumen durch den Gemeinderat zur Verfügung gestellt. Dabei hat oberste Priorität mit den Anwohnern und Nutzern gemeinsam eine angemessene Lösung für ihr Wohnumfeld zu finden. In den letzten Jahren wurde zunehmend der Schwerpunkt auf ein generationenübergreifendes Angebot gelegt, so dass entsprechende Plätze in Stuttgart bereits zu finden sind. Im vergangenen Jahr wurde der Spielplatz "In den Gärten" unter der Schirmherrschaft der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner durch die Stiftung "Die Grüne Stadt" beim Wettbewerb "Grüne StädteSpielplätze" ausgezeichnet. Der Spielplatz ist richtungweisend für die Vision, in der Großstadt Stuttgart möglichst naturnahe Spielräume anzubieten. Besonders hervorzuheben ist auch die derzeitige Erarbeitung von so genannten Naturerfahrungsräumen gemeinsam mit Professor Konrad Reidl, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen.“

Hans-Peter Barz, Stadt Heilbronn:
„Das Grünflächenamt der Stadt Heilbronn propagiert neue Wege in der Gestaltung von Kinderspielplätzen sowie naturnahe Spielraumgestaltung. Wir fördern eine „kreative Unordnung“, städtische Räume zum Entdecken, zum Verändern, Kommunikationsräume für Spiel und Sport, Bewegungsräume mit Animationscharakter, offene, nicht genormte Sportplätze für Alle. Schwerpunkt unserer Arbeit im Jahr 2011 wird die Innenstadt sein. Seit drei Jahren gibt es das Projekt „Bespielbare Innenstadt“. Hier werden nach und nach geeignete Orte in der Innenstadt, insbesondere in den Fußgängerzonen, mit originellen Spielangeboten, die thematisch jeweils einen Bezug zum Ort aufweisen, ausgestattet. Wir begreifen dieses Projekt auch als einen Beitrag zum Stadtmarketing, denn Familien mit Kindern stellen ein bedeutendes Marktsegment im innerstädtischen Einzelhandel dar. Wir möchten durch eine familien- und kinderfreundliche Freiraumpolitik eine bessere „Kundenbindung“ schaffen und damit zur „Marke“ unter den Einkaufszielen bei Familien werden. Zufriedene Kinder bedeutet, dass auch die Eltern zufrieden sind. Erholung und Spaß für die ganze Familie hinterlässt einen positiven Erinnerungseffekt und motiviert zum erneuten Besuch der Stadt. Von 12 möglichen Standorten sind mittlerweile fünf realisiert, die sehr starken Zuspruch gefunden haben. Im Haushaltsjahr 2011 steht uns für weitere Maßnahmen ein Budget in Höhe von 50.000,- Euro zur Verfügung.“
 

photo: vortritt / photocase.com

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