Über grünen Oasen und private Paradiese

Interview des Fachmagazin Playground@Landscape mit dem BGL-Präsidenten August Forster über das Erfolgspotential „Grün“.

Über grünen Oasen und private Paradiese

Wie wichtig dies ist, zeigt unsere Image- und PR-Kampagne für die Zielgruppe der Privatkunden. Vor zehn Jahren – vor dem Start unserer Kampagne – wurden in diesem Marktsegment weniger als zwei Milliarden Euro umgesetzt. Inzwischen sind es rund drei Milliarden Euro. Manches Industrieunternehmen sehnt sich nach solchen Steigerungsraten. Wir sind stolz, dass wir damals die richtigen Entscheidungen vorbereitet und getroffen haben.

Auf diesem Erfolg wollen wir uns allerdings nicht ausruhen. Im Rahmen unserer Zukunftswerkstatt haben wir weitere Aufgaben für den BGL definiert und konkretisiert, die jetzt verstärkt bearbeitet werden. Vor diesem Hintergrund möchte ich vor allem auf das urbane Grün der öffentlichen Auftraggeber und der Gewerbebetriebe hinweisen.

Wir wollen das Bewusstsein für die vielfältigen positiven Wirkungen von Grün fördern. Es gilt, Überzeugungen zu schaffen – und dabei unterstützen uns auch andere: Zum Beispiel haben Arbeitsforscher ihre Idee der Work-Life-Integration präsentiert. Sie gehen davon aus, dass Beruf und Privatleben zunehmend ineinander greifen: Kurze Wege zum Büro, gute Nahversorgung, gastronomische Angebote und nicht zuletzt Grünflächen zur Erholung werden nachgefragt.

Die Mischung von Wohnen, Arbeit und Freizeit ist nach Meinung von Stadtplanern und Quartiersentwicklern nachhaltig attraktiv für Nutzer und Investoren. Dies wollen auch wir Landschaftsgärtner unterstützen und in unserem neuen BGL-Ausschuss Stadtentwicklung entsprechende Impulse entwickeln und in die Öffentlichkeit geben.


P@L: Grün kann zwar vor dem Hintergrund der Klimaveränderung und des demografischen Wandels nicht die universale Wunderformel für eine erfolgreiche, zukünftige Stadtentwicklung sein. Dennoch wird dem urbanen Grün mit Blick auf die nachhaltige Stadtentwicklung eine hohe Bedeutung beigemessen. In welcher Hinsicht?
August Forster: Auf Grund ihrer hohen Bevölkerungsdichte und der Ballung technischer Infrastrukturen sind Städte anfälliger gegenüber den Folgen des Klimawandels. Daher müssen frühzeitig Anpassungsstrategien entwickelt werden. Besonders werden Städte in Zukunft durch Hitze, Trockenheit oder Starkregen-Ereignisse bedroht; Städte, die am Meer oder an Flüssen liegen, müssen mit Hochwasser und Sturmfluten rechnen.

Die häufigeren und intensiveren Hitzeperioden werden vor allem städtische Ballungsgebiete betreffen. Um die Wärmebelastung der Stadtbevölkerung zu reduzieren, sind nicht nur Änderungen in der Bauweise einzelner Gebäude erforderlich. Die Stadtplanung muss sich umstellen und die Auswirkungen bei entsprechenden Freiflächenplanungen vorausschauend berücksichtigen. Parks und Grünflächen einer Stadt speichern erheblich weniger Wärme als Beton und Asphalt. Gleiches gilt auch für begrünte Dächer. Dieser Effekt begünstigt vor allem die unmittelbare Umgebung, weshalb eine vorausschauende Stadtplanung viele Grünflächen in der Größenordnung von mindestens einem Hektar gleichmäßig im Häusermeer verteilt.

Neben gebäudebezogenen Ansätzen bei den Fördermaßnahmen des Bundes sollten auch siedlungs- beziehungsweise quartiersbezogene Ansätze in den Blickpunkt rücken. Die Vorschriften zur städtebaulichen Sanierung – und hieran anknüpfend die Städtebauförderung – sind im Hinblick auf Steuerungseffekte für den klimagerechten Stadtumbau zu überprüfen. Dabei gilt es auch die Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt umzusetzen und insbesondere die darin enthaltenen Forderungen nach einer integrierten Stadtentwicklungspolitik, einer höheren Energieeffizienz im Gebäudebereich und Infrastruktur, einer nachhaltigen Nutzung von Ressourcen und einer kompakten Siedlungsstruktur einzubeziehen.

Klimaschutz ist auch bei der Aufstellung von Bauleitplänen verstärkt zu berücksichtigen. Die möglichen Maßnahmen reichen vom Ausbau von Frischluftschneisen über mehr Grün- und Wasserflächen bis zu einer aufgelockerten Bauweise. Im vorhandenen Baubestand können Fassadenbegrünungen, die Anpflanzung von Bäumen oder eine Entsiegelung von Straßen und Plätzen zu einer Minderung des Temperaturanstiegs beitragen. Der in Zukunft noch wachsenden Bedeutung von Bäumen im urbanen Bereich steht aber auch ihre zunehmende Gefährdung durch Witterungsextreme und hier insbesondere sommerliche Hitze- und Dürreperioden gegenüber.


P@L: Der BGL gründete einen neuen Ausschuss Stadtentwicklung. Was wird dort diskutiert? Und was soll dort angestoßen werden?
August Forster: Stadtentwicklung beinhaltet die Steuerung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, kultureller und ökologischer Prozesse sowie die Entwicklung von Architektur und Infrastruktur einer Kommune oder einer Region mit verdichteter Bebauung. Dabei ist Stadtentwicklung heute zunehmend geprägt durch Forderungen nach stärkerer Nachhaltigkeit von Ballungsräumen, Städten und Gemeinden, also nach der „grünen Stadt“. Neben der Architektur und dem Städtebau nehmen daher die Landschaftsarchitektur und Umweltfragen zunehmend Schlüsselrollen ein.

Für den Garten- und Landschaftsbau entwickeln sich daraus interessante Aufgaben und wichtige Märkte. Der BGL-Ausschuss Stadtentwicklung entwickelt für diesen Bereich Know-how aus landschaftsgärtnerischer Sicht, stößt fachliche und öffentliche Diskussionen an und bringt darin den Sachverstand der Branche ein. Ziel ist es, unsere Städte grüner zu machen und die sich daraus ergebenden Chancen für die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaues zu nutzen.

Instrumente dieser Arbeit sind unter anderem die Stiftung „Die Grüne Stadt“, Kooperationen mit der Gartenamtsleiterkonferenz, dem zentralen Immobilien Ausschuss e. V., dem Bund deutscher Landschaftsarchitekten e. V., dem Bund deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V., der Wohnungswirtschaft und vielen anderen mehr. Es gilt aber auch durch Veröffentlichungen, Stellungnahmen, Vorträge, Symposien und ähnliches, Dritte von der Notwendigkeit nachhaltiger städtischer Bauweisen fachlich zu überzeugen.


P@L: Wie sieht nachhaltige Stadtentwicklung 2020 aus?
August Forster: Nachhaltige Stadtplanung versucht, sich ein Bild einer Stadt in zehn bis 15 Jahren vorzustellen und muss Stadtplaner, Grünplaner, Wirtschaftsplaner, Verkehrsplaner interdisziplinär zusammenführen. Die zukünftige Stadt steht angesichts der Megatrends des demografischen Wandels, des Klimawandels, der Globalisierung und des ökonomischen Strukturwandels vor großen Veränderungen. Dabei zeichnet sich die Entwicklung durch ein Nebeneinander und die Gleichzeitigkeit von Wachstums- und Schrumpfungsprozessen aus.

Die fortschreitende Urbanisierung, die mit hohem Ressourcenverbrauch verbunden ist, ist Teil des Problems und zugleich die Chance, in den Verdichtungsräumen nachhaltige Stadtentwicklung auch mit nachhaltiger Freiraumplanung zu verbinden. Einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Umweltbelastung in Städten leistet eine nachhaltige Siedlungsstruktur. Hohe Emissionen aus dem Verkehr vermeiden, Frischluftschneisen freihalten, die Bodenversiegelung reduzieren und Wasser- und Grünflächen erhalten beziehungsweise schaffen – das sind die hierfür nötigen planerischen Maßnahmen.

Die geplante, reduzierte Flächeninanspruchnahme kann nur durch eine konsequente Innenentwicklungsstrategie erreicht werden. Diese steht für Vermeidung einer weiteren Zersiedelung, für Flächenrecycling und Nachverdichtung. Eine kompakte Stadtstruktur mit kurzen Wegen und Funktionsmischung ist eine wichtige Voraussetzung – auch für die Bewältigung des Klimawandels. Wohnortnahes Grün, das man in wenigen Minuten zu Fuß erreichen kann, wird ein wichtiger Baustein zukünftiger Stadtplanung sein. Der Nachhaltigkeitsgrundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ gilt gleichermaßen für wachsende wie schrumpfende Regionen und darf sich nicht nur auf Hoch- und Tiefbau, sondern auch auf die grüne Stadtentwicklung beziehen. Städte sind traditionell Orte der kulturellen Vielfalt, der daraus entstehenden Kreativität und damit auch Orte der Toleranz. Eine nachhaltige Stadtplanung muss dies auch in der Freiraumplanung berücksichtigen.

Eine nachhaltige, Ressourcen schonende Stadtentwicklung muss sich an der Leipzig Charta der europäischen Bauminister orientieren und zielt auf Energieeffizienz, Klimaschutz, Freianlagen und Flächeneffizienz gleichermaßen. Nachhaltige Stadtentwicklung zeigt sich im Zusammenwirken sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer sowie kultureller und institutioneller Aspekte. Sie zielt auf Lebensqualität und Attraktivität als Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung der Städte. Leitprinzipien sind ökonomische Stabilität und Entwicklung, ökologische Verantwortung und Effizienz und soziale Stabilität und Verantwortung.

Integrierte Stadtentwicklungs- und Handlungskonzepte und kooperative Verfahren sind ein wesentlicher Schlüssel für eine nachhaltige Stadtentwicklung, suchen sie doch Synergien aus stadtplanerischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Anforderungen zu generieren. Die Belastbarkeit des heutigen städtischen Raumes bezieht sich auf die Fähigkeit der Stadt, auf die Umweltveränderungen zu reagieren: Knappheit natürlicher Ressourcen, Anpassung an Klimaveränderungen und Minderung der Auswirkungen sowie noch nie zuvor dagewesenen städtisches Wachstum.

Das Ziel besteht darin, positive Übergangsstrategien und Szenarien zu entwickeln, durch die die Städte in die Lage versetzt werden, diesen kombinierten großen Herausforderungen dadurch entgegentreten zu können, dass sie den ökologischen Fußabdruck der Städte über eine innovative Entwicklung der folgenden Punkte verringern: öffentliche und private grüne Infrastruktur und grüne Räume, städtische Biodiversität, verbesserte klimaneutrale Infrastruktur und Erforschung neuartiger Methoden, um den Übergang zur nachhaltigen und belastbaren Stadt von morgen zu unterstützen.


P@L: Für den Bundesverband BSFH ist das Thema „Generationsübergreifendes Spiel“ ein wichtiges Thema. Das generationsübergreifende Spiel im Grünen, im Park ein Zukunftsthema. Wie müssen sich Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaues auf Seniorenwünsche einstellen?
August Forster: Einige Beispiele von generationsübergreifenden Spielplätzen, aber auch von so genannten „Seniorenspielplätzen“ wie sie aus Berlin und Nürnberg bekannt sind, werden dann überzeugen und hoffentlich auch Schule machen, wenn sich durch deren Realisierung ein Mehrfachnutzen, einschließlich ökonomischer Vorteile ergibt. Dabei ist festzustellen, dass besonders generationsübergreifende Bewegungsangebote, die sowohl Eltern und Großeltern als auch den Kindern Möglichkeiten bieten, sehr interessant sind, denn hier findet ein Miteinander zwischen den Generationen statt.

Die Betriebe des Garten- und Landschaftsbaues arbeiten engagiert daran mit, generationsübergreifende und altersgerechte Freiräume zu gestalten. Durch frühes Mitwirken können die Experten für Garten und Landschaft wichtige Hinweise zum Bau sowie zur Wartung und Pflege der Anlagen und Geräte geben.

Auch die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. (FLL) befasst sich seit einiger Zeit mit generationsübergreifenden Landschaftsplanungen und Bauangelegenheiten. Konkrete Anregungen dazu gibt der Branche auch die 20. Internationale Fachmesse „Urbanes Grün und Freiräume – Planen – Bauen – Pflegen“ („GaLaBau“) in Nürnberg mit ihren innovativen Gestaltungsideen für Spiel- und Freizeitanlagen aller Art. Insgesamt ist die Entwicklung aus Sicht des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) sehr zu begrüßen. Gute Beispiele sollten weitere Verbreitung finden.


P@L: Welche Bedeutung haben öffentliche, grüne Freiräume für eine älter werdende Gesellschaft?
August Forster: Der demographische Wandel mit einer steigenden Zahl der über 65-Jährigen und einem besonderen Wachstum der Anzahl der über 80-Jährigen ist zunehmend auch in der Auftragsstruktur des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaues ablesbar. In diesem Zusammenhang ist jedoch auffallend, dass in der Fachöffentlichkeit die Folgen des demographischen Wandels speziell für die Freiraum- beziehungsweise Landschaftsplanung kaum thematisiert werden. Zwar wird immer wieder die Notwendigkeit bestätigt, öffentliche Parkanlagen und Grünanlagen den altersspezifischen Anforderungen anpassen zu müssen, die Umsetzung der Konzepte scheitert jedoch oft an den erforderlichen Mitteln oder am politischen Willen der Mehrheitsfraktion im Stadtrat.

Ein attraktives Wohnumfeld mit besonderen Freiraumqualitäten sowie die Verfügbarkeit altersgerecht gestalteter Freiräume, beeinflussen entscheidend den Wert angrenzender Immobilien. Nachgewiesener Maßen wirken sich besonders Freizeitangebote rund um Gesundheit, Fitness, Wellness und Sport wertsteigernd auf die Baugrundstücke aus und tragen in erheblichem Maße zur Zufriedenheit der Eigentümer und Mieter bei.

Darüber hinaus liegen dem BGL Erfahrungen vor, dass besondere Attraktivität geschaffen wird, wenn sich Orte der Ruhe, des Erlebens und der Begegnung mit Räumen für das Trainieren der körperlichen Leistungsfähigkeiten abwechseln. Wege mit unterschiedlich steilen und flachen Abschnitten unterstützen die körperliche Fitness.

Für die Neuschaffung von seniorengerechten Anlagen bedarf es einer ganzheitlichen Planung mit Beteiligung von Betroffenen und Bewohnern und deren spezieller Wunsch-Abfrage.


P@L: Wie sieht der öffentliche Park der Zukunft aus?
August Forster: Die Antwort zu dieser Frage ergibt sich aus der Summe der Antworten zu den Fragen 2, 5, 8 und 11. Der Park der Zukunft wird geplant und gebaut, um dem Klimawandel entgegenzutreten und ihn wo immer möglich zu mindern. Der Park der Zukunft ist nachhaltig geplant, die Lebenszykluskosten sind bekannt und es existiert ein Parkpflegewerk, er ist frei von Barrieren und dem demographischen Wandel angepasst, ist Ort für interkulturelle Kommunikation und bietet Angebote für eine sportliche Betätigung. Letztlich greift er auch Moden und Trends auf und wird so gerne von den Bürgern aufgesucht.


P@L: Aus Stadt Landschaft zu machen, heißt Neuland zu betreten und die Landschaft als lebensnotwendigen Bestandteil von Stadt einzubringen. Von grüner Stadtentwicklung bis zu Chelsea-Gärten. Wohin geht der grüne Trend?
August Forster: Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau ist für die Zukunft gut gerüstet. Die Strukturdaten der Branche belegen einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Sowohl die Anzahl der Betriebe als auch die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen Jahren ständig weiter gewachsen.

Es ist aber auch davon auszugehen, dass die Anforderungen an die Betriebe und deren Mitarbeiter weiter steigen werden. Die im BGL organisierten Fachbetriebe stellen sich diesen Herausforderungen, denn gut ausgebildete und verantwortungsbewusste Unternehmer und begeisterte Mitarbeiter sind die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft. Zukunft heißt aber auch, bereit zu sein, in eine gute Ausbildung zu investieren und darüber hinaus lebenslang Neues zu erlernen und sich weiterzubilden. Dies wollen wir, davon bin ich überzeugt.

Aufgrund eines guten Netzwerkes einschließlich guter politischer Kontakte werden die Interessen der Landschaftsgärtner wirksam auf Bundesebene und in Europa vertreten. Aufgabe jedes einzelnen Garten- und Landschaftsbau-Unternehmers ist es, die Chancen des Wandels zu nutzen.


Das Interview führte Thomas R. Müller (Fachmagazin Playground@Landscape)

 

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