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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Eine Spiellandschaft mit viel Tradition

Von Lea Mispelkamp (Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH)

Photo
© Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 GmbH - Stefan Büschken

Mit einer Fläche von rund 25 Hektar ist der Zechenpark eines der Geländeteile der Landesgartenschau 2020 und wird nach deren Ablauf als Grünanlage mit attraktiven Neubauwohnungen in eine dauerhafte Nutzung überführt. Die den Spielplatz umgebende Parkanlage erstreckt sich von der Friedrichstraße im Norden bis zur Kattenstraße im Süden. Östlich wird das Areal durch die Ringstraße, bzw. den Oberlauf der Großen Goorley begrenzt. Die Gestaltung der Spielgeräte und deren Anordnung auf den einzelnen Spielflächen orientieren sich an der Formsprache der entstandenen Parkanlage sowie an den formalen Strukturen der Bauwerke und Einrichtungen der ehemaligen Zeche. Klare Kanten, rechteckige Grundformen und geschlossene Räume – diese drei Attribute zeichnen die neu entstandene Spiellandschaft im südlichen Teil des Zechenparks aus.

Im Rahmen der Landesgartenschau Kamp-Lintfort 2020 ist im naturgeprägten Grünen Saum, dem östlichen Teil des Zechenparks, eine Spiellandschaft realisiert worden, die zum ausgelassenen Eintauchen in die vergangene Industriekultur einlädt. Auf insgesamt 2000 Quadratmeter Spielfläche werden verschiedenste Spielwerte, u.a. Rutschen, Kriechen, Balancieren oder Schaukeln, bedient.

Drei Spielfelder machen die Prozesskette des Bergbaus und die tägliche Arbeit der Bergmänner spielerisch erlebbar. Die verschiedenen Bereiche vertiefen die Erschließung, die Förderung und die Aufbereitung der Steinkohle. Die Leitfarbe Grün schlägt dabei eine gestalterische Brücke zwischen den auf dem Zechenareal befindlichen Gebäuden und der umgebenden Parklandschaft. Auch die Auswahl von Materialien wie Stahl und Verbundwerkstoffe unterstreicht den Bezug zu den industriegeprägten Bauwerken. Durch die Differenzierung der Spiellandschaft in drei Felder ist ein Spielplatz für alle Altersgruppen entstanden. Gleichzeitig liegen die Spielbereiche unmittelbar benachbart, sodass ein zusammenhängendes Spielerlebnis aller Nutzer möglich ist. Und dabei wurden nicht ausschließlich die unterschiedlichen Altersgruppen spielender Kinder berücksichtigt, vielmehr auch Nutzergruppen mit eingeschränkten Fähigkeiten. Durch die Planung des Zwei-Wegeprinzips und der Zugänglichkeit einiger der Spielstationen für Nutzer mit Bewegungseinschränkungen konnten auch inklusive Anforderungen in der Ausführung erfüllt werden.

 

Arbeit unter Tage

Der südlichste Bereich der Spiellandschaft ist besonderes für die ganz kleinen Besucher geeignet. In einem eigens entworfenen Kriech- und Krabbelschacht mit einer maximalen Höhe von 0,94 Metern können Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren erfahren, wie Bergleute durch enge Schächte in für den Steinkohleabbau günstige Gebiete vorgedrungen sind. Die tragenden Pfosten des Tunnels sind mittels Querpfosten horizontal verbunden. Diese Bauweise erinnert abstrakt an die Linienführung der Bergbaustollen. Die gewünschten Spielerlebnisse sind das Krabbeln und Kriechen. Besonders spannend sind die innen befindlichen Netzstrukturen, die es zu überwinden gilt. Durch regelmäßige Öffnungen an den Tunnelwänden gelangt ausreichend Licht hinein und die Interaktion mit außen bleibt gewahrt. Eine Federwippe ist einer Schacht-Lore nachempfunden. Durch Wippen und Wackeln werden Geschicklichkeiten im Einzel- oder Gruppenspiel ausprobiert. Auch eine Abraumhalde fehlt nicht. Anstelle aufgeschütteten Grubengesteins laden hier Seile und horizontal aufgehängte Matten zum Wippen und Chillen ein. Eine Sandspielfabrik ermöglicht den Kindern, mittels Schütteimern Sand ganz im Sinne des Kohlentransportes über ein Band zu transportieren. Buddeln, Graben, Schichten – der Spielphantasie der Kinder sind keine Grenzen gesetzt. Durch eine im Boden geschaffene Terrassierung ist es auch Rollstuhlfahrern möglich, bis an das Spielgerät zu gelangen und so am aktiven Spiel teilzunehmen. Ganz im Sinne des losen Schüttgutes Kohle und Abraum wurde Sand als Fallschutzmaterial des gesamten Bodens in diesem südlichen Spielfeld ausgewählt. Sind geeignete Gebiete zum Kohleabbau entdeckt worden, kann auf Spielfeld 2 mit dem Transport des Materials innerhalb der Schächte begonnen und Abraum abgeführt werden. Die Steinkohle wird zu Tage befördert.

 

Förderung der Steinkohle

Das langestreckte Areal des mittleren Spielfeldes ermöglicht es Kindern aller Altersgruppen, auf der Zeche Friedrich Heinrich zu arbeiten. Der rund 300 Quadratmeter große Bereich wurde in Anlehnung an die auf dem Zechengelände befindlichen Gebäude gestaltet. Der fugenlose Fallschutzbelag aus Gummifasergranulat ist dabei farblich auf die Leitfarbe Grün abgestimmt. Die gestalterische Einbettung eines querenden Weges in den Boden integriert sich optimal in die Wegeführung außerhalb des Spielfeldes. 

Ein Seilparcours mit unterschiedlichen Aktivierungsetappen verbindet Spielwerte wie Balancieren, Klettern, Geschicklichkeit, Hangeln und das Über-Brücken-gehen. Die horizontale Anordnung der Netze erinnert dabei bewusst an die Waschkauen im Bergbau. In diesen Umkleideräumen für Bergleute wurden die eigenen Habseligkeiten der Bergleute während der Schicht an einem vertikal hängenden Seil verwahrt. Dabei besteht das Gerüst des Parcours größtenteils aus einem Rahmen aus feuerverzinkten, pulverbeschichteten Stahlpfosten und kunststoffummantelten, verzinkten Stahldrahtseilen. Die auch an der Stelle verwendeten Querpfosten zur Rahmenbildung orientieren sich an den Stempeln der Stollen im Bergbau.


Besonderes Highlight der Spiellandschaft sind die ca. 5,50 Meter hohe Klettertürme. Diese sind den auf dem Zechenpark befindlichen Fördertürmen (Schacht 1 und 2) gestalterisch nachempfunden und beinhalten ein Klettergerüst sowie ein Rutschenelement. Die Gestaltung der roten Seitenflächen des Turms mit Lochfräsungen spendet dem Objekt eine Transparenz und schafft innen Licht, sodass Angsträume vermieden werden. Gleichzeitig ist der Wiedererkennungswert zum sichtbaren Original unverkennbar. Diese optischen Qualitäten wurden bereits vor Eröffnung des Geländes mehrfach erkannt und laden bei passendem Blickwinkel zum Zechenturm zu tollen Fotomotiven ein. Der grüne Förderturm wurde in der Spielfläche abstrakt dem anderen Zechenturm zur Seite gestellt. Beide sind durch eine Kriechröhre miteinander verbunden. Die Spielmöglichkeiten innerhalb der Türme sind sehr vielfältig und laden zu Abenteuern und Rollenspielen ein. Edelstahlstäbe als Absturzsicherung bieten Sicherheit und freie Sicht zugleich. Eine große geschlossene Edelstahlrutsche lädt zu Geschwindigkeitserfahrungen ein.

 

Drei Bodentrampoline und ein Bodenkarussell runden das Spielerlebnis im mittleren Bereich ab. Gleichzeitig wurde in der Planung auf diesem Spielfeld dem Inklusionsgedanken besonders Rechnung getragen. Der zuvor erwähnte fugenlose Bodenbelag ermöglicht Kindern und begleitenden Aufsichtspersonen barrierefreien Zugang zum Spielfeld und allen Spielstationen. Für Kinder mit Einschränkungen wird generell Teilhabe am Spielgeschehen realisiert, gleichzeitig auch autonomes Spielen ermöglicht. Das bodentiefe Karussell ermöglicht speziell Rollstuhlfahrern direkten Zugang zum Spielgerät. Auch die Bodentrampoline bieten Kindern mit Einschränkungen eine Bandbreite von Möglichkeiten, am Spielgeschehen teilzunehmen. Teils dann mit Unterstützung der begleitenden Personen.

 

Aufbereitung des Rohstoffs 

Nachdem in Spielfeld 2 besonders das körperlich anstrengende Arbeiten und die Förderung der Steinkohle mithilfe des Förderturms im Vordergrund steht, widmet sich Spielfeld 3 der Aufbereitung des gewonnenen Rohstoffes. Besonders horizontal gerichtete Bewegungen prägen das Spielen auf dem ebenfalls 300 Quadratmeter großen Areal, welches für ältere Kinder geeignet ist. Eine große Kombinationsspielanlage wurde ähnlich wie die Zechtürme auf Spielfeld 2 individuell nach Planvorgaben gestaltet. Die Kinder erleben in dieser Anlage Aussichtsbereiche, Plattformen, Klettermöglichkeiten und unterschiedliche Rutschhöhen. In den Außenelementen wechseln sich vertikale Edelstabelemente und Flächenstrukturen ab. Dabei wurden innerhalb der Leitfarbe Grün unterschiedliche Farbtöne gestaltet. Der angrenzende Stangenwald ist als zusammenhängender Baukörper ausgeführt, der durch die Stollenanmutung durch Verwendung der Rahmen-Pfosten der Formsprache der benachbarten Spielgeräte folgt. In einem lang gestreckten Spielparcours wird das Förderband spielerisch balancierend nachempfunden. Ferner sind Schaukelplateaus und Chillmatten integriert, Hängesitze, Balancierbalken und Kletterringe vervollständigen die horizontal ausgerichteten Bewegungserlebnisse. Eine Tampenschaukel mit deren Gruppenspielfunktionen nach dem Prinzip einer Schiffschaukel komplettiert das Spielfeld.

 

Robust, beständig und umweltfreundlich

In der gesamten Spiellandschaft werden ausgewählte Materialien für die Spielgeräte verwendet. Rutschen und Gestänge bestehen aus Edelstahl, der unempfindlich und recyclingfähig ist. Zusätzlich liefert der Edelstahl positive optische Akzente im Design. Außerdem wurden wartungsarme und zugleich wetterbeständige Kompaktplatten (Harzkompositplatten) verwendet. Dazu sind diese umweltfreundlich, da 85 Prozent der verwendeten Rohmaterialien aus schnell nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Auch verwendete Kunststoffteile, mit Stahllitzen durchwirkte Seile und Edelstahlschrauben zeichnen sich durch eine robuste Verarbeitung aus.

Dank dieser einzigartig gestalteten Spiellandschaft auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Friedrich Heinrich (zuletzt: Bergwerk West) ist es gelungen, ein Stück Bergbaugeschichte spielerisch erlebbar zu machen. Glück auf!

 

 

Weitere Informationen:

Planung: bbzl böhm benfer zahiri – Landschaftsarchitekten, Berlin

Umsetzung: Proludic GmbH, Gingen an der Fils

 

 

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