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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Parkouranlagen – attraktive Areale für Traceure

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© areporter/shutterstock.com

Obwohl schon vor über 30 Jahren entwickelt, hat sich der Parkour-„Sport“ erst in den letzten Jahren zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung mit großer Fangemeinde entwickelt. Die Fortbewegungsart, bei welcher die Akteure versuchen, möglichst effizient einen Raum zu durchqueren, ist nicht zuletzt dank der sozialen Medien zu großer Popularität gekommen. Denn die akrobatischen Leistungen, zu denen die Traceure (Bezeichnung der Parkour-Sportler) in der Lage sind, bieten gute Unterhaltung vor allem auf Fotos oder Videos im Netz.

Der Grundgedanke des Parkour zielt eigentlich auf eine Fortbewegung ohne Hilfsmittel im Raum ab. Auf freiem Feld, aber besonders in der Stadt. Stadtmobiliar und Gebäude sind dabei keine Hindernisse sondern Herausforderungen. Den Laternenmast nutzt man als Unterstützung um das Gebäude zu erklimmen, von dort springt man dann auf eine Mauer, dann aufs nächste Gebäude usw. Dabei gilt es zum einen möglichst sauber und auch sicher voranzukommen und zum anderen dabei auch stilvoll und akrobatisch vorzugehen. Saltos und Flickflacks sind nur ein Teil der Bewegungselemente, es gibt eine ganze Reihe von Techniken und man ist nicht nur Sportler sondern auch kreativer Künstler. Wer erfahrene Traceure bei ihrer Tätigkeit beobachtet, kann gleichzeitig Wagemut und Ästhetik verbunden mit einer völlig anderen Dimension der Raumnutzung erleben.

Bei der bisherigen Beschreibung von Parkour kommt schnell die Frage auf, wozu man da eigentlich spezielle Anlagen braucht. Die Traceure sehen die Herausforderung im Umgang mit den Gegebenheiten, d.h. sie nutzen den Raum wie er ist – ein Raum speziell für sie hergerichtet würde sämtlichen Anreiz von vorneherein beschränken. Das ist sicherlich nicht falsch, aber natürlich muss man bedenken, dass die meisten Menschen keine geborenen Traceure sind und viele akrobatische Techniken wohl nie oder nur in Ansätzen beherrschen werden. Die Bewegungsform Parkour besteht halt nicht nur aus künstlerisch anspruchsvollen Darbietungen, sondern zu allererst aus Selbstüberwindung und Risikoeinschätzung. Und wenn man es mal wagen möchte von einer Mauer zur nächsten zu springen, dann kann das im gewöhnlichen Stadtraum schnell zu Unfällen und Verletzungen führen. Und gerade Kinder und Jugendliche probieren gerne mal aus, was in Internetvideos so spielend einfach aussieht, und tun ihrer Gesundheit damit keinen Gefallen.

Aller Anfang ist schwer und Übung macht den Meister. Diese scheinbar abgedroschenen Floskeln haben allerdings meist Gültigkeit. Jeder Traceur hat mal klein angefangen. Und jeder Traceur muss an seiner Technik stets feilen und trainieren. Hier kommen nun die Parkouranlagen ins Spiel. Sie bieten die Möglichkeit einmal selbst die Grundtechniken des Parkour zu üben und die eigenen Fähigkeiten sowie das Risiko einzuschätzen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Ansätze und Philosophien in der Gestaltung und Planung. Optimalerweise sollte eine Anlage verschiedene Schwierigkeitsstufen haben und sowohl absoluten Neulingen als auch geübteren Sportlern eine Herausforderung und Anreize bieten.

Die größte Zielgruppe für Parkouranlagen sind sicherlich Jugendliche und junge Erwachsene. Gerade bei Jugendlichen ist es immer schwierig, für sie geeignete öffentliche Räume zu kreieren. An Kinderspielplätzen haben sie kein Interesse und wenn doch, sind es Zweckentfremdungen, die meist zu Problemen führen. Und man kann auch nicht an jeder Ecke einen Skatepark errichten. Durch neue Bewegungsformen wie Calisthenics und Parkour gibt es jetzt auch Anlagen, die für diese Zielgruppe interessant sind. Allerdings sollte eine Parkouranlage nicht einfach Hals über Kopf irgendwo errichtet werden. Es ist kein Spielplatz mit Schaukel und Rutsche, wo die Nutzung jedem Außenstehenden direkt klar ist. Daher macht es in der Planung immer Sinn, vorher Kontakt zu einer örtlichen Community aufzunehmen oder interessierte Sportvereine und pädagogische Einrichtungen mit ins Boot zu holen. Denn auch wenn eine Parkouranlage i.d.R. wesentlich mehr Sicherheit bietet als das Üben im beliebigen öffentlichen Raum, so ist fachkundige und begleitende Anleitung doch ein wichtiger Faktor. Zumindest Hinweistafeln sollten die Regeln zur Nutzung und zur Gefahrenvermeidung darlegen. Mancherorts kommen Streetworker zum Einsatz oder Vereine bieten ein Bewegungsangebot vor Ort an. Dies belebt die Anlage nicht nur, sondern viele Ungeübte finden auch besseren Zugang zum Parkour und die Verletzungsgefahr kann minimiert werden.

Auch im Schulunterricht wird Parkour immer beliebter, denn gerade Selbstüberwindung und Risikoeinschätzung sind sonst schwer zu vermitteln. Viele Lehrkräfte nutzen zwar noch eher die klassischen Sportgeräte und Sportmatten, um in der Turnhalle entsprechende Anlagen provisorisch zu errichten, aber eine schulnahe Parkouraußenanlage wäre sicherlich auch für den Unterricht nutzbar. So könnten grundlegende Techniken vermittelt werden und die interessierten Schüler könnten ihre Fähigkeiten in der eigenen Freizeit erweitern.

Lange Zeit wurde Parkour nur als „Trend“ belächelt, wenige Kommunen hatten den Mut Anlagen zu errichten, da sie befürchteten, dass diese bald verwaist seien, wenn der Trend in eine andere Richtung geht. Mittlerweile gibt es doch einige gelungene Umsetzungen und die Aufnahme in den Schulunterricht fördert den Zuspruch weiter. Von daher ist Parkour auf gutem Weg den Ruf als „Trendsportart“ abzulegen, auch wenn dieser steinig ist. Schließlich kämpft das Skaten schon seit 40 Jahren dagegen.

Parkouranlagen bieten aber dem ungeübten Traceur die Möglichkeit seine Fähigkeiten zu testen und Techniken zu erlernen, erfahrenere Traceure können hier trainieren und neues einstudieren. Aber die echten Herausforderungen werden stets für sie außerhalb normierter Areale liegen, das liegt im Geiste dieser Bewegungsform.

TT

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