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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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20.04.2020 - Ausgabe: 2/2020

Eine Skatepark nahe den Wellen der Ostsee

Von Ralf Maier, Maier Landschaftsarchitektur/ Betonlandschaften

Photo
© maier Landschaftsarchitektur

Der Ort Scharbeutz liegt an der Ostsee zwischen dem Timmendorfer Strand und der Insel Fehmarn. Er liegt in einer besonderen Landschaft. Das Meer schmiegt sich ans Land und der Wind spielt durchs Dünengras. Form und Farben der Wellenanlagen der Ostsee wurden in der Gestaltung der Uferpromenade in Scharbeutz mitaufgenommen.

Auf Grund der nicht mehr gegebenen Verkehrssicherheit wurde eine bestehe Skateanlage aus Holz und Stahlrampen abgebaut. Die Skateanlage am Sailingpoint wurde dann komplett neugeplant und im Sommer/ Herbst 2019 umgebaut.

Durch seine unmittelbare Lage in den Dünen am Strand wurde der Skatepark als abstraktes Schiff konzipiert, das zwischen den Dünen gestrandet ist, designt. Die Gestaltung des neuen Skateparks fügt sich auch nahtlos in die bestehende Freiraumsituation der Strandpromenade, sowie an die vorhandenen unterschiedlichen Freizeitangeboten ein.

Der Skatepark wurde aus Ortbeton vor Ort gebaut. Die Betonoberfläche wird nach dem Aufbringen mehrfach von Hand geglättet. Durch diese Bauweise sind individuelle Formen und Elemente möglich. Diese Bauweise hat vor allem bei harten Plastikrollen, wie sie beim Skateboarden üblich sind, ideale Rolleigenschaften und sorgt für eine besonders lange Nutzungsdauer bei wartungsarmer Instandhaltung. Gleichzeitig wird gegenüber Holzrampen die Geräuschentwicklung deutlich reduziert.

In diesem Skatepark wurde zusätzlich farbiger Beton verwendet. Der Ockerfarbton orientiert sich am Sand der umgebenden Dünen. Durch die Ausbildung der Transition, Banks und Rampenauffahrten in diesem Farbbeton, wird der Eindruck von Wellenbewegungen suggeriert. Die verschiedenen Ebenen des Skateparks werden von den Dünen eingefasst und bilden einen sanften Übergang in die bestehende Topographie.

Vom höher gelegenen Promenadenweg ist die Anlage für die vorbeigehenden Passanten bestens einsehbar und eine Sitztribüne lädt zum Verweilen ein, um das Geschehen zu beobachten. So ist auch hier ein Unikat mit überregionaler Bedeutung entstanden. Skateparks sind für alle da! Das ist der Leitsatz von uns Landschaftsarchitekten bei Maier Landschaftsarchitektur/ Betonlandschaften. Als öffentliche Bewegungsräume und Sportanlagen sollen Skateparks vielen Nutzergruppen zugänglich sein. Sie sollen für Skater*innen, BMXer*innen, Scooter*Innen, Inlineskater*innen, MTBer*innen und viele weitere Actionsportler*innen sowie Jugendliche und Erwachsene mit unterschiedlichen Fähigkeiten gleichermaßen attraktiv sein. Dies zu erreichen, ist Ziel unserer Planungen und wurde auch in Scharbeutz erfolgreich angewendet.

Inklusion ist ein vielbeachteter und vieldiskutierter Grundsatz unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Wir leisten damit einen Beitrag dazu, um Grenzen zwischen den Nutzer*innen aufbrechen, indem wir jede Anlage so gestalten, dass sie multifunktional nutzbar ist. Jede Sportart wird etwas anders ausgeführt und hat dementsprechend andere Ansprüche an einen Skatepark. Das grundsätzliche Selbstverständnis der unterschiedlichen Disziplinen ist aber sehr ähnlich. Denn individuelle Bewegung und kreative Aneignung des vorhandenen Raumes bilden die Basis dieser Sportarten.

Die Neuplanung wurde in mehreren Workshops und Beteiligungsterminen zusammen mit den Jugendlichen, Sportler*innen der unterschiedlichsten Sportarten, aus der Umgebung entwickelt und festgelegt. So werden die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer erfüllt und auch die persönliche Identifizierung der Nutzer*innen mit dem Skatepark wird gesteigert.

So können auf einfache Weise die Wahrnehmung der Kommunen positiv beeinflusst und auch Vandalismus bekämpft werden. Die Skateanlage weist drei unterschiedliche Fahrbereiche auf, dies sind Jumpline, Skatepool und Skateplaza. Durch diese Einteilung werden Konflikte der unterschiedlichen Nutzergruppen vermieden.


Jumpline:

Im nördlichen Bereich befindet sich eine Jumpline die hauptsächlich von Bikern, Scootern und Inlineskatern benutzt wird. Die Anfahrtsrampe/ Element ist einem Schiffheck nachempfunden.

 

Skatepool:

Der Skatepool trennt den Plazabereich von der Jumpline: Durch die organische Form des Kidneybowls (ein Element, welches auf Grund seiner bohnenartigen Form diesen Namen trägt) fügt sich dieser in die Topographie des Strandes ein. Durch die Dimensionierung seiner Tiefe von 140 bis 180 cm ist er ideal für alle Sportarten geeignet.

 

Skateplaza:

Im Südlichen Bereich befindet sich der sogenannte „Plaza“. Dieser Anlagentyp bezeichnet die Bereiche, die einem öffentlichen Platz nachempfunden sind. Dieser Bereich ist für Skater, Bikern, Scootern und Inlineskatern gleichermaßen nutzbar. Dadurch das der Zugang über die Sitzmauer erfolgt wird der Charakter eines Stadtplatzes noch unterstrichen.

 

Bausumme: ca. 360.000 Euro

Bauzeit: Juli 2019- Ende September 2019 (11 Wochen)

Flächengröße: Betonoberflächen ca. 950 m²

Grünflächen: ca. 650 m²

Auftraggeber:

Gemeinde Scharbeutz

Tourismus-Service

Am Bürgerhaus 2

23683 Scharbeutz

 

Planung:

Maier Landschaftsarchitektur/ Betonlandschaften

Rösratherstraße 769

51107 Köln

Tel.: 0221/1395905

Internets: www.maierlandschaftsarchitektur.de und www.betonlandschaften.de

 

Ausführende Fachfirma:

Maximilian Häring Skateparkbau

Nusselstraße 37

81245 München

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