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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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16.06.2020 - Ausgabe: 3/2020

Es muss nicht immer ein Stadion sein – kompakte Bewegungsmodule im öffentlichen Raum

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© playparc GmbH

Eine gute und ansprechende Infrastruktur für Sport und Bewegung sollte für alle Städte und Kommunen ein wichtiges Anliegen bei der Stadtplanung sein. Doch wie eine solche optimale Infrastruktur aussieht, dazu gibt es zahlreiche unterschiedliche Meinungen. In der heutigen Sportentwicklungsplanung wird in der Regel die gesamte Bevölkerung miteinbezogen. Also sowohl Vereins- und Leistungssportler als auch Breiten-, Hobby- oder informelle Sportler. Die vielen unterschiedlichen Interessensgruppen unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung. Vor allen Dingen, weil die Vielfalt an Sport- und Bewegungsarten mit der Zeit auch weiter zunimmt.

Ein klassischer, öffentlicher Sportplatz ist in vielen Augen immer noch ein Fußballplatz, womöglich noch mit einer Leichtathletikanlage darum verbunden. Hauptsächlich werden solche Anlagen von Vereinen und Schulen genutzt. Sollten sich bei der Platzbelegung zeitliche Lücken ergeben, dann werden diese gerne auch von Freizeitsportlern ausgeschöpft, solange die Anlagen öffentlich zugänglich sind. Sportstadien, wenn diese kommunal unterhalten werden, sind allerdings für Freizeitsportler meist nicht ohne weiteres zur eigenen Ertüchtigung betretbar.

Sport und Bewegung sind heute in unserer Gesellschaft unverzichtbare Elemente des Lebens. Nicht nur die Freude an körperlicher Aktivität, sondern auch gesundheitliche Vorteile und soziale Aspekte führen dazu, dass viele Menschen Sport im öffentlichen Raum betreiben möchten. Und zwar nicht zwingend im Verein, sondern auch individuell und möglichst jederzeit und spontan. Daher hat sich das Bild einer optimalen kommunalen Sportinfrastruktur in den vergangenen Jahren stark verändert. Neben den notwendigen Einrichtungen für Sportvereine und Schulen – also große Sportplätze, Stadien und auch Sporthallen – werden jetzt auch Sport- und Bewegungsareale für den durchschnittlichen Freizeitsportler immer wichtiger. Sportspezifische Räume, aber auch Anlagen, die jeder Einzelne nutzen kann. Für jedes Alter, jedes Geschlecht und natürlich auch inklusiv.

Die Bedeutung solcher Sport- und Bewegungsareale für die breite Bevölkerung steigt an und wird auch in der Stadtplanung immer essentieller. Große Multifunktionssportplätze und Sportparks sind sicher eine gute Lösung, aber leider nicht überall realisierbar. Oft reichen die finanziellen Mittel für solche kommunalen Großprojekte nicht aus, im Rahmen der Problematik rund um die innerstädtische Nachverdichtung ist aber auch oft der Platz das Problem. Um eine sportfreundliche und bewegungsaktivierende kommunale Infrastruktur zu errichten, können die Areale für Freizeitsportler nicht am Rande der Stadt liegen. Die Bürger wünschen sich wohnortsnahe Einrichtungen, die auch ältere oder nicht mobile Personen gut erreichen können. Optimalerweise in einem kleineren Park, neben einem öffentlichen Spielplatz oder entlang einer viel frequentierten Joggingstrecke. Eine kompakte Sport- und Bewegungsanlage, die trotzdem eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet und für alle Einwohner nutzbar ist.

Natürlich wird man nicht mit einem kleinen Sport- und Bewegungsareal alle Sportler ansprechen können, daher sollte bei der Planung auf eine Vielfalt verschiedener Anlagen und auf Generationengerechtigkeit geachtet werden. Kompakte Bewegungsmodule im öffentlichen Raum können ganz unterschiedlich aussehen und es gibt viele Optionen, um der Breite der Freizeitsportlern möglichst gerecht zu werden. Einige Beispiele:

 

Outdoor Fitnessparcours – Bewegungsparcours

Öffentliche Fitness- und Bewegungsanlagen gehören seit einigen Jahren zu wichtigen Einrichtungen in einer kommunalen Sportinfrastruktur. Als Nachfolger der altgedienten „Trimm-Dich“-Pfade bieten sie vielfältige Trainingsmöglichkeiten. Es gibt eine große Auswahl an Trainingsgeräten für ganz unterschiedliche Ansprüche. „Generationengerechte Anlagen“ – gerne auch von manchen Leuten spöttisch als „Senioren-Spielplatz“ bezeichnet – bieten auch einfache aber effektive Bewegungsmöglichkeiten, die eher ältere oder eingeschränkte Personen ansprechen. Hier werden gerade die Menschen, die bisher keine große Affinität zu Sport und Bewegung haben, angesprochen. Um auch sie miteinzubeziehen, ist es wichtig, dass es solche Anlagen mit leicht erlernbaren Übungen gibt. Auf der anderen Seite sollten aber auch erfahrenere Sportler angesprochen werden und einzelne Fitnessgeräte nach Möglichkeit höhere Schwierigkeitsgrade ermöglichen. Ein optimaler Fitnessparcours spricht eine möglichst große Zahl an Freizeitsportler an und bietet eine Vielzahl unterschiedlicher Trainingsgeräte und -arten.  Bei der Planung kann ein Bewegungsparcours meist sehr gut auch auf kompakteren Flächen errichtet oder auf verschiedene Stationen verteilt werden,.


Motorikpark

Ein Motorikpark ist einem Fitnessparcours ähnlich und teilweise gibt es auch übereinstimmende Übungen. Allerdings liegt hier der Fokus nicht nur auf körperlicher Aktivität sondern auch auf dem Training der eigenen Sinne. Hier geht es neben Bewegung um Balance, Koordination, Rhythmus und Sensomotorik. Die Gestaltung eines Motorikparks ist meist etwas spielerischer und es werden auch Kinder angesprochen, für die die meisten Fitnessparcours nicht unbedingt gedacht sind. Eine Kombination aus Bewegungsparcours und Motorikpark ist ebenfalls sehr gut möglich und erweitert die Bandbreite an Nutzern nochmal deutlich.


Calisthenics

Seit einigen Jahren sind Calisthenicsanlagen vielfrequentierte Sportmodule im öffentlichen Raum. Sie lassen sich meist auch auf sehr kleinen Flächen realisieren und sind im Unterhalt nicht allzu aufwendig. Die Nutzergruppe ist zwar meist auf Jugendliche und junge Erwachsene beschränkt, aber gerade für diese Zielgruppe sind Einrichtungen im öffentlichen Raum grundsätzlich selten und noch seltener sind welche, die auch tatsächlich von ihnen genutzt werden. Calisthenicsanlagen werden in der Regel hingegen sehr gut akzeptiert und es soll auch Leute geben, die den Sportlern bei ihren meist sehr ästhetischen Übungen einfach nur sehr gerne zusehen.


Minispielfeld

Auch, wenn es für Sportvereine sicherlich fast überall spezielle Fußballplätze oder Sporthallen gibt, so gibt es aber auch viele Freizeitsportler, die nur ab und an gerne mal etwas kicken oder ein paar Körbe werfen möchten. Doch genau das ist oft nicht so einfach. Die Fußballplätze und Sporthallen sind meist von Schulen und Vereinen stark frequentiert und eine spontane Nutzung ist nur selten möglich, wenn man die Anlagen überhaupt ohne weiteres betreten darf. Es gibt zwar schon seit vielen Jahren Bolzplätze, wo häufig auch Basketballkörbe hängen, doch aufgrund der Lärmschutzverordnung sind diese meist nur für Kinder unter 14 Jahren gedacht. Ältere Personen gehen da oft leer aus. Seit einiger Zeit gibt es aber zunehmend Minispielfelder für Fußball, Basketball oder auch Volleyball, die für jedermann gedacht sind. Gerne mit modernem Kunstrasen ausgestattet oder auch überdacht. In manchen Kommunen verfügen solche Anlagen sogar über ein elektronisches Zugangssystem, wo Nutzergruppen sich anmelden und das Spielfeld dann eine bestimmte Zeit exklusiv nutzen können.


Parkouranlage

Die Sportart Parkour erlebt seit einigen Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit. Obwohl eine „Parkouranlage“ eigentlich dem ursprünglichen Gedanken des Sportes widerspricht, nimmt die Anzahl entsprechender Areale in den Städten und Kommunen zu. Parkouranlagen sind nicht nur für erfahrende Traceure vorgesehen, sondern bieten meist allen Nutzern die Option sich dort zu betätigen. Jeder kann dort Eigenschaften wie Selbsteinschätzung, Selbstüberwindung oder Koordination trainieren oder sich einmal ausprobieren. Areale für Parkoursport können sehr unterschiedlich aussehen, viele Lösungen sind aber auch auf kleinem Raum umsetzbar und lassen sich gut in die Stadtgestaltung einbinden.

 

Kompakte Bewegungsmodule im öffentlichen Raum können viele Gesichter haben. Es gibt sicher noch viele weitere Umsetzungen als die genannten Beispiele und eine große Bandbreite ist sicher überall wünschenswert. Wichtig ist aber vor allem, dass Räume für Sport und Bewegung überall vorhanden und für alle Sportler nutzbar sind. In unseren enger werdenden Städten ist es sinnvoll, neben großen, multifunktionalen Anlagen auch viele kompakte Module zu errichten, um eine Vielfalt zu gewährleisten und möglichst viele Menschen anzusprechen. Denn der Trend zu mehr Sport und Bewegung im öffentlichen Raum wird auch in Zukunft sicher weiter zunehmen.

TT

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