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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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16.04.2012 - Ausgabe: 2/2012

Die vorläufige DIN SPEC Norm für Kunstrasen: DIN SPEC (Vornorm) 18035-7

Kommentar zu DIN SPEC (Vornorm) 18035-7 „Kunststoffrasenflächen“
(Hans-Jörg Kolitzus, öffentl. Bestellter und vereidigter Sachverständiger f. Sportböden a.D.)

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Dies ist de facto eine Irreführung der Öffentlichkeit, weil der unbefangene Benutzer dieses Dokuments glauben gemacht wird, es handele sich um eine gültige Norm. Dazu trägt u.a. die Namensgebung des Dokuments bei. In Wirklichkeit ist die DIN SPEC ein Dokument, das nicht Bestandteil des Deutschen Normenwerks ist. Die gültige deutsche Norm für Kunststoffrasenflächen ist dagegen: DIN EN 15330-1:2007 „Kunststoffrasenflächen – Aussenbereich“.
DIN Spezifikationen wurden vor einigen Jahren eingeführt, um Dokumente als Vorbereitung für ordentliche Normen unkomplizierter und schneller erstellen zu können. Um dies zu erreichen, gelten für diese Beratungen sehr lockere Regeln bezüglich der Zusammensetzung des Arbeitsausschusses und des Verhandlungsmodus‘: nicht mehr alle Verkehrskreise müssen in angemessener Weise vertreten sein; für die Arbeit gilt nicht mehr das Konsensprinzip (d.h. Minderheiten können durch Mehrheit per Kampfabstimmung ausgeschaltet werden). Sehr wichtig ist vor allem, dass DIN Spezifikationen (DIN SPECS) nicht zunächst als Entwurf veröffentlicht werden müssen. Dann würde nämlich deutlich, dass es sich bei der DIN SPEC nicht um eine Norm sondern nur um ein Diskussionspapier handelt, zu dem noch die Stellungnahmen/Einsprachen der Öffentlichkeit erwartet werden, die zu berücksichtigen sind.
Das DIN bzw. der NA Bau hat bei der Erstellung von DIN-Dokumenten nur organisatorische und formale Funktionen. Es überlässt die inhaltliche Gestaltung von Arbeitsausschüssen (Zusammensetzung der Arbeitsausschüsse unterliegt dem Co-optations-Verfahren, also der Entscheidung der bisherigen Mitglieder)und kontrolliert bei den Arbeitsergebnissen i.w. lediglich die Form der Druckfassung. Nicht alle Dokumente, deren Namen das DIN-Zeichen enthalten, sind Normen. Trotz dieser funktionellen Einschränkung erwartet aber die Öffentlichkeit vom DIN kompetente, verlässliche und neutrale Informationen. Im vorliegenden Fall wird diese Erwartung nicht erfüllt.
So ist ein Dokument entstanden, das zahlreiche fachlich zweifelhafte bzw. falsche Festlegungen enthält, eine Monopolisierung der Prüftätigkeit bewirkt (nur noch Prüflabor Imat-uve, ein bisher völlig unerfahrenes Labor, das speziell für die DIN SPEC von einem Marktteilnehmer aufgebaut wurde. In der Zwischenzeit wurde herausgefunden, dass es spezialisierte Labors gibt, die diese Bestrahlung als Service anbieten. Insofern wurde – entgegen den Erwartungen der Promoter der DIN SPEC – das Prüfungsmonopol gebrochen).
Er verstört erheblich, dass wirksame Kontrollprüfungen praktisch unmöglich gemacht werden. Die immer wieder kritische Festigkeit von elastischen Schichten soll gemäß DIN SPEC mit einem neuartigen Prüfgerät (170kg) so ermittelt werden, dass erst nach 14-tägiger Aushärtung des Bindemittels geprüft werden darf – dann ist der Kunststoffrasen längst verlegt. Ganz abgesehen davon, dass der Parameter „Torsionsfestigkeit“ eine fachliche Obskurität darstellt. Durch das sehr schwere, komplizierte und teure Prüfgeräte wird wirksam verhindert, dass es eingesetzt wird. Wenn dann dennoch einmal eine Kontrollprüfung dieser Art durchgeführt wird, braucht die elastische Schicht lediglich 60% des Anforderungswertes zu erfüllen. Das haben ehemalige Vertreter der Öffentlichen Hand einfach geschehen lassen! Das bisherige Verfahren der Bestimmung der Zugfestigkeit kommt in der DIN SPEC gar nicht mehr vor. Für den fertigen Kunststoffrasenbelag sind –man höre und staune- gar keine Kontrollprüfungen mehr vorgesehen!
Als fachliche Manipulation ist zu bezeichnen, dass Elastomergranulate, die als Infill benutzt werden, eine Festigkeit aufweisen müssen, die nur EPDM-Granulate besitzen können. Die geforderte Festigkeit ist so hoch, dass sie nichts mehr mit der Funktion des Granulats zu tun hat und auch sonst kein Qualitätsmerkmal ist. Auf diese Weise hat man eine ganze Granulatgruppe, die TPEs, ausgeschaltet.
Dass Kunststoffbeläge mit Metall-Halegonid-Strahlern gealtert werden sollen, ist ebenfalls eine völlige Neuheit in der Kunststoff-Prüftechnik. Das Gerät kostet etwa 80000 Euro bei einer Lieferzeit von mindestens sechs Monaten. Ausser der neuartigen Bestrahlungsart weicht auch die Durchführung der Prüfung vollständig vom international üblichen Verfahren ab. Mit dem Verfahren kann weder die Kompatibilität der Rasenpolschicht mit dem Infill erkannt werden (sog. Kontakt-Diffusions Empfindlichkeit), noch ist ein Vergleich mit internationalen Untersuchungsergebnissen möglich.
Speziell dieser Punkt hat internationalen Protest hervorgerufen, weil damit die europäischen Regeln für die Beseitigung von Handelshemmnissen massiv verletzt werden (Siehe ESTO Protest). Dies wird zur Folge haben, dass die Europäische Kommission, die für die Verfolgung solcher Verstöße zuständig ist, das DIN zwingen wird, die DIN SPEC zurückzuziehen oder kurzfristig entsprechend zu ändern, um den Vorschriften der EU zu genügen. Und das alles zum Vorteil einer einzelnen Firma/Firmengruppe.
Es wird vom DIN nicht bestritten, dass die DIN SPEC keine gültige deutsche Norm ist. Das Dokument ist lediglich ein Vorschlag. Jeder kann es anwenden, eine Verpflichtung gibt es nicht. Es stellt erst recht nicht den Stand der Technik dar – schon weil es zahlreiche Prüfungen und Bestimmungen enthält, die völlig neu und noch gar nicht erprobt sind. Aufgrund der einseitigen Zusammensetzung des Arbeitsausschusses und seiner Arbeitsweise konnte nur ein fragwürdiges Arbeitsergebnis resultieren.
Jeder Bauherr oder Planer, der die DIN SPEC zur Grundlage der Ausschreibung macht, muss mit VOB Beschwerden rechnen, weil Anbieter ungerechtfertigt vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Vielmehr müssen sich die Planer selbstständig über die technisch richtige Konstruktion der Kunststoffrasenflächen Gedanken machen und können diese Aufgabe bzw. Verantwortung nicht einfach mit einem Verweis auf ein DIN-Dokument erledigen.
Da die DIN EN 15330-1 nicht alle Aspekte der alten DIN V 18035-7:2002 abgedeckt, hat der ISSS Deutschland die ISSS Spezifikation Kunststoffrasenflächen erarbeitet, die praktisch die Gesichtspunkte der EN-15330-1 und der bisherigen DIN-Norm zusammenführt. Dabei wurde das Dokument auch technisch aktualisiert. Es wurde mit Herstellern und Planern abgestimmt, so dass es auch eine gute und sichere Arbeitsgrundlage darstellt bis zum Erscheinen eines akzeptablen DIN-Dokuments.
 

Fotos: fotolia.com, Fotograf: VDR

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