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08.08.2013 - Ausgabe: 4/2013

Auf dem Weg zu einer Stadt des langen und guten Lebens

Von Marita Gerwin (Dipl.Sozialpädagogin) und Martin Polenz (Dipl. Geograph)

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Arnsberg befindet sich mitten im Prozess hin zu einer Stadt des langen Lebens. Bis zum Jahr 2030 wird der Anteil der über 65-Jährigen Bürgerinnen und Bürger um 23 Prozent zunehmen. Die Zahl der über 80-Jahrigen wird von derzeit 4.100 auf 5.800 im Jahr 2030 ansteigen. Die sich ändernde Altersstruktur verändert die Anforderungen an die lokale Infrastruktur. In gewisser Weise lässt sich sagen, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung aus der Stadt „herauswächst“, bestehende Institutionen und Angebote nicht mehr nutzt oder nutzen kann, und dafür neue Erwartungen entwickelt.

Städte und Gemeinden stehen vor der Herausforderung, diesen Veränderungen gerecht zu werden. Die Stadt Arnsberg hat in den vergangenen Jahren viel unternommen, um sich zu einer Stadt des langen und guten Lebens zu entwickeln.

Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger

Einen Meilenstein in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Alternde Gesellschaft“ stellte die Befragung von insgesamt 28.000 Bürgerinnen und Bürgern über 50 Jahren aus dem Jahre 1995 dar. Die zentrale Frage „Wie möchte ich leben, wenn ich älter bin?“ führte das komplexe Thema „Demographischer Wandel“ auf die persönliche Lebenswelt zurück. Im Zuge der Befragung entwickelte sich eine lebhafte öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die bis heute andauert. In ihr wurde ein Konzept erarbeitet, das die Schaffung guter lokaler Rahmenbedingungen für eine alternde Gesellschaft zum Ziel hatte. In der derzeitigen Fassung trägt es den Titel „Mehr Lebensqualität im Alter – Zukunft Alter in Arnsberg gestalten“.

Anpassung von Altersbildern

Was bedeutet es, wenn wir älter werden? Was zeichnet Alter und Hochaltrigkeit aus? Bevor wir alternsgerechte lokale Angebote und Strukturen schaffen, müssen wir unsere Altersbilder reflektieren. Dabei geht es vor allem darum, der Vielfalt des Alters gerecht zu werden. So vielfältig und individuell die Biografien der Älteren sind, so vielfältig und individuell fallen ihre Interessen, Bedürfnisse und Potenziale im Alter aus. Daher benötigen wir eine große Bandbreite von Angeboten vor Ort, die dieser Vielfalt gerecht wird.

Aufbau von neuen Strukturen

Die alternde Gesellschaft braucht angepasste Strukturen – auch in der Verwaltung. In Arnsberg wurde im Jahr 2000 die „Zukunftsagentur“ geschaffen, die für die strategische Gestaltung des demographischen Wandels verantwortlich ist. Hier arbeiten Fachleute für die infrastrukturellen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Stadt zusammen. So sind die organisatorischen Rahmenbedingungen gegeben, um die Prozesse der Schrumpfung und Alterung interdisziplinär zu begleiten und zu gestalten. Um das bürgerschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters zu fördern und zu unterstützen, wurde die „Engagementförderung Arnsberg“ in kommunaler Trägerschaft gegründet. Sie bietet Engagierten Räume, Qualifikation, fachlichen Input, verlässliche Rahmenbedingungen und professionelle Begleitung an.

Die Fachstelle Zukunft Alter

Ihr Aufgabenbereich unterteilt sich in folgende Handlungsfelder:

- Unterstützung des aktiven Alters
Der überwiegende Teil der älteren Arnsbergerinnen und Arnsberger lebt selbständig. Die Lebensphase, die sich dem Berufsleben anschließt, umfasst viele Jahre. Sie in ihren Möglichkeiten zu unterstützen und ihre Potenziale zu erschließen ist Aufgabe der Verwaltung. Ihre Handlungsfelder:
o Ermöglichung des lebensbegleitenden Lernens
o Ermöglichung von bürgerschaftlichem Engagement im Alter
o Förderung des Alterns bei guter Gesundheit
o Förderung hochwertiger Sozial- und Gesundheitsleistungen
Die Anzahl von älteren Menschen in Arnsberg, die Unterstützung benötigen, wird deutlich zunehmen. Gleichzeitig zeichnet sich schon jetzt ein Mangel an Unterstützern ab (professionell Tätige ebenso wie bürgerschaftlich Engagierte). Unterstützung von Pflegebedürftigen wird unter anderem von staatlichen Stellen, gemeinnützigen Organisationen, gewerblichen Einrichtungen und bürgerschaftlich engagierten Privatpersonen und Gruppen organisiert und geleistet. Arnsberg setzt sich dafür ein, die verschiedenen Akteure in Pflege und Betreuung zu vernetzen, Angebote zu kombinieren und die Verfügbarkeit von Hilfen zu verbessern. Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung bürgerschaftlich engagierter Helfer.

- Förderung der Solidarität und Zusammenarbeit zwischen den Generationen
In einer alternden Gesellschaft wird auch die Frage nach den Beziehungen zwischen den Generationen neu verhandelt. Die Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen stellt eine wichtige Voraussetzung für Verständnis und Respekt dar. Die Stadt Arnsberg fördert die Möglichkeiten zur Begegnung und zum Dialog zwischen den Generationen. In Arnsberg öffnen sich stationäre und ambulante Senioreneinrichtungen, Altenheime, Tagespflegeeinrichtungen, um Kinder und Jugendliche in den Alltag zu integrieren.

Schwerpunktthema Demenz

Mit dem fortschreitenden demographischen Wandel nimmt die Zahl der demenz¬kranken Menschen zu. Immer mehr Familien, Nachbarschaften und Freundes¬kreise erfahren dies und sind davon betroffen. Gemeinsam ein besseres Leben mit Demenz zu ermöglichen, bedeutet vor Ort aktiv zu werden. Die örtlichen Unterstützungspotenziale nachzufragen, zu entwickeln und zu vernetzen, ist eine kommunale Aufgabe. Diese Aufgabe kann der Zentralstaat nicht leisten, das können nur Kommunen leisten. Und sie müssen es leisten, weil es um ihre Bürgerinnen und Bürger geht! In Arnsberg geschieht dies auf der Grundlage und unter Einbeziehung der lokalen Netzwerke und Strukturen. Durch das von der Robert Bosch Stiftung geförderte Modellprojekt „Arnsberger Lern-Werkstadt Demenz“ haben wir gelernt:

– Das Thema „Demenz“ kann schnell und erfolgreich enttabuisiert werden. Die Folge: mehr Wissen, mehr Prävention, bessere Unterstützung durch Familie, sowie mehr und bessere Unterstützung der Betroffenen und ihrer Familien durch engagierte Bürger und Profis. Voraussetzung: Die Stadt muss Verant¬wortung übernehmen – von allein geht es nicht.
– Ein besseres Leben mit Demenz ist möglich, wenn wir familiäre Begleitung, pro-fessionelle Unterstützung und bürgerschaftliches Engagement eng und individuell miteinander verknüpfen. Voraussetzung: Offenheit füreinander, frühzeitige Infor¬mation und Beratung, Qualifikation und lokale Netzwerke. Die Stadt initiiert, ver¬netzt und unterstützt.
– Von besonderer Bedeutung ist eine frühzeitige Beratung, die nicht defizitorientiert arbeitet, sondern die individuellen Potenziale der Betroffenen und ihrer Familien in den Blick nimmt und die die Unterstützung von Profis und freiwilligem Engage¬ment passgenau koppelt und vermittelt. Individuelle, flexible und vielfältige Unter¬stützungsmöglichkeiten entstehen, die wir vorher noch gar nicht gekannt haben.
– Die neue Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihrer Familien macht die Stadt sozial produktiver und lebendiger. Sie verbindet über das Thema „Demenz“ Generationen miteinander und schafft sozialen Zusammenhalt.

Die hier umrissenen Maßnahmen zeigen die Vielfalt der Aufgaben, die auf Städte und Gemeinden des langen Lebens zukommen. In Arnsberg haben wir uns gemeinsam mit lokalen Akteuren auf den Weg gemacht, um den Prozess gemeinsam zu gestalten.

http://www.arnsberg.de/stadtentwicklung/infos/Artikel_HJVogel.php

http://www.arnsberg.de/zukunft-alter/index.php

http://www.arnsberg.de/stadtentwicklung/infos/index.php

http://www.projekt-demenz-arnsberg.de/

http://www.arnsberg.de/projekt-demenz/index.php


Fotos : Katja Burgermeister, Susanne Kern, Ted Jones,

 

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(Erster Beitrag erschienen in der Playground and Landscape Ausgabe 4 / 2019).