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Playground@Landscape

Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Unterschiedlichen Bedürfnissen von Bewegungsfreiheit und Sicherheit Rechnung tragen

Von Martina Schneider, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin ByAk, rockinger und schneider gbr landschaftsarchitektur.stadtplanung

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Der Bau des Niederbronner Platzes als Quartiersplatz in der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck ist Teil eines Gesamtkonzeptes zur baulichen Entwicklung der östlichen Innenstadt.

Mit dem Umzug des ansässigen Gymnasiums konnte die vorher als Pausenhof genutzte Fläche zur neuen Quartiersmitte umgestaltet werden. Im unmittelbaren Umfeld des Platzes liegen zwei Seniorenheime, auf dem östlich angrenzenden Grundstück ist eine neue Grundschule geplant. Der Platz soll sowohl für die bestehenden als auch für die neuen Einrichtungen als gemeinsame Mitte genutzt werden und gleichzeitig als neuer innerstädtischer Platz das Netz öffentlicher Räume in Fürstenfeldbruck ergänzen. Ein ehemaliges Schulgebäude, das am Rand des neuen Platzes steht, dient nach der Neugestaltung der Quartiersmitte als Mehrgenerationenhaus und als Sitz der Volkshochschule. In einem der Seniorenheime wurde im Rahmen der Planung eine städtische Kinderkrippe angesiedelt.

Der Niederbronner Platz wird als Platz für alle Generationen entwickelt und soll ein Ort zum Flanieren, Verweilen und zur Plattform für unterschiedlichste Aktivitäten werden. Ein wichtiges Ziel ist es, die ruhige Atmosphäre des Platzes zu erhalten. Die Fläche unter Bäumen wird daher von festen Nutzungen frei gehalten und bietet Raum für alltägliche Freizeitnutzungen. In der Ausformung wird auf wenige Materialien und ruhige Farben zurückgegriffen.

Als Attraktionspunkt und Ort des gemeinsamen Spiels wird für den Niederbronner Platz ein Wasserspiel entworfen. Es soll vor allem für Kinder zu einem Anziehungspunkt werden, aber auch Erwachsene werden angeregt sich am Spiel zu beteiligen. Die manuell betriebenen Pumpen können durch Ventile gesteuert werden und generieren so aus den zahlreichen Düsen und Wasserspeiern die verschiedensten Wasserereignisse. Das Wasser blubbert und spritzt, es bildet Fontänen oder einen spiralförmigen Sprühnebel, der aus drei Metern Höhe auf die Spielenden herabregnet. Durch die geschickte Stellung der Ventile und die Nutzung aller Pumpen kann durch die Zusammenarbeit aller Spielenden ein regelrechtes „Wasserspektakel“ entstehen. Das Wasser läuft über eine Skulptur aus Spritzbeton und kann in drei Wasserbecken auf verschiedenen Ebenen durch den Einsatz eigener Elemente (Steine oder Hölzer) sowie durch eingebaute Wehre aufgestaut werden. Die Anforderung an den Einzelnen zum kooperierenden Spiel regt auch Erwachsene an, sich aktiv zu beteiligen. Das Training durch die Benutzung der Pumpen erfolgt nebenbei, vor allem aber macht es Spaß.

Die Idee, dass sich auch Erwachsene gerne spielerisch betätigen, wird im Rahmen der Architektouren schnell bestätigt. Im Laufe eines ganzen Nachmittages kann man das Treiben am Wasserspiel beobachten: Eltern beteiligen sich am Spiel ihrer Kinder, Senioren wagen sich auf die Wiegepumpe oder trainieren ihre Muskelkraft an der Schwengelpumpe um die drei Meter hohe Fontäne auszulösen. Dass sich am Abend die Jugendlichen am Wasserspiel aufhalten und den Niederbronner Platz als neuen Treffpunkt in der Innenstadt nutzen, davon sind nicht alle Anwohner begeistert. Die Stadtverwaltung hält dennoch am Konzept als Quartiersplatz für alle Generationen fest. Einzig die Pumpen laufen nur bis in den frühen Abend, danach wird die Wasserzufuhr durch einen Zeitregler gestoppt.
Das Wasserspiel konnte nur durch die Kooperationsbereitschaft der beteiligten Firmen ermöglicht werden. Ein Bildhauer der Firma Sportstone fertigte die Skulptur aus Spritzbeton nach einem von uns entworfenen Tonmodell. Eingebaut wurde das Pumpen- und Düsensystem mit verstellbaren Ventilen, das der Spielgerätehersteller Richter erst kurze Zeit vorher auf den Markt gebracht hatte.

Ältere Menschen und spielerisches Treiben

Neben dem Wunsch, ältere Menschen am spielerischen Treiben auf dem Platz zu beteiligen, stellte sich das Architekturbüro rockinger und schneider gbr die Frage, wie es gelingen kann, dass sehr alte und mobil eingeschränkte Menschen wieder verstärkt am gemeinsamen Leben auf dem neuen Platz teil nehmen. Der Niederbronner Platz liegt in direkter Lage neben zwei Seniorenheimen.
Sehr alte Menschen nehmen vor allem durch Beobachten am öffentlichen Leben Teil. Als Anreiz der Platznutzung wurden die Bänke im Umfeld des Wasserspiels so angeordnet, dass man von ihnen die spielerischen Aktivitäten gut beobachten kann. Damit beim Beobachten der Aktivitäten trotzdem das erforderliche Gefühl an Sicherheit besteht, liegen sie so weit entfernt, dass der Beobachter nicht direkt am Geschehen beteiligt ist.

Da das Sitzen auf Bänken für ältere Menschen einen zentralen Aspekt des Aufenthalts im öffentlichen Raum ausmacht, wurde besonderes Augenmerk auf die Ausgestaltung der Bänke gelegt. Für das Projekt wurden in Zusammenarbeit mit der Firma Michow neue Bänke mit einer erhöhten Sitzfläche und Armlehnen entworfen. Die steilen Rückenlehnen geben vor allem für den unteren Rücken einen guten Halt. Sie sind so hoch, dass man den gesamten Rücken bis in den Kopfbereich anlehnen kann. Sind Bänken auf Betonelemente montiert, erleichtert die runde Ausformung der Vorderkanten das Aufstehen, da der Sitzende die Füße unter die Sitzfläche stellen kann. Einige der Bänke sind auf Federn montiert und ermöglichen leichte schwingende Bewegungen. Eine Bank ist mit Pedalen ausgestattet und lädt zum Beintraining ein.

Ein Teil der Gesamtanlage ist ein Bewegungsgarten, der hauptsächlich für Senioren angelegt wurde. Über Stufen und eine mit Rindenmulch belegte Rampe können motorisch eingeschränkte Menschen in kleinem Rahmen ihre Mobilität trainieren. Ergänzend dazu bieten ein Balancebalken und zwei Pendelbretter der Firma Michow die Möglichkeit das Gleichgewicht zu schulen. Der Bewegungsgarten ist als blühende Oase, mit Hochbeeten und Duftpflanzen gestaltet und wurde bewusst in Sichtweite zum benachbarten Garten der Kinderkrippe angelegt. so kann der Besucher des Gartens den Kleinen beim Spielen zuschauen.

Im Rahmen der Platzgestaltung wurde ein Beleuchtungskonzept für das gesamte Quartier erarbeitet. Dabei wurde besonders auf Merkmale des Auges und die veränderten Sehfähigkeiten von älteren Menschen geachtet. Bei der Auswahl der Leuchte sind Blendfreiheit und die gleichmäßigen Ausleuchtung des Platzes wesentliche Kriterien. Daneben werden besondere Elemente auf dem Platz angestrahlt, um so die Wiedererkennung von Bekanntem bei Nacht und damit eine bessere Orientierung im Dunkeln zu ermöglichen. Bei der Auswahl der Watttagen wird die Leuchte im Zusammenspiel mit der Umgebung betrachtet. Bei der Verwendung von hellen Bodenbelägen kann die Leuchtstärke durch die gute Reflektion des Lichts vergleichbar gering sein. Warme Lichtfarben tragen zu mehr Behaglichkeit und damit zu einer angenehmeren Atmosphäre bei.
Im Rahmen einer Bemusterung werden verschiedene Mastleuchten auf die Belange das Platzes getestet. Wir wählen eine Mastleuchte von Shreder, die durch die gezielte Lichtführung unseren Ansprüchen am besten Stand hält. Es ist geplant, bei der weiteren Ausgestaltung der Wege im Quartier eine einheitliche Beleuchtung zu erreichen, um so eine sichere Wegeführung vom Quartier bis zur Hauptstraße zu ermöglichen.

Fazit

Die Gestaltung von öffentlichen Räumen für sehr alte und mobil eingeschränkte Menschen bedarf neben der genauen Planung der Details vor allem einer guten Abfolge von Räumen. Soll ein Miteinander der verschiedenen Generationen ermöglicht werden, so ist den unterschiedlichen Bedürfnissen von Bewegungsfreiheit und Sicherheit Rechnung zu tragen. Es müssen Übergänge und Zonierungen gefunden werden, die ein konfliktfreies Miteinander möglich machen.

Neben all den Anfordernissen und Notwendigkeiten sollten die gemeinsam genutzten Räume jedoch vor allem eines leisten: sie sollten denen, die sie nutzen Spaß machen.


Auftraggeber
Große Kreisstadt Fürstenfeldbruck

Projektleitung von Seiten der Großen Kreisstadt Fürstenfeldbruck:
Martin Kornacher, Stadtbaurat
Markus Reize, Abteilungsleitung Stadtplanung

Städtebauliche Quartiersentwicklung, Projektmanagement und Beteiligungsverfahren:
Manuela Skorka, Architektin und Stadtplanerin, Neuried
Martina Schneider, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, München

Realisierungsplanung:
Martina Schneider, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, München
Bauüberwachung mit: Anna Gabriele Werner, München

Lichtplanung: Prof. Wambsganß, FH Rosenheim, Martin Klingler, Moosbach, Österreich

Hochbauplanung Sanierung Knabenschule: Büro Stollenwerk, Fürstenfeldbruck

Förderungen und Auszeichnungen
Modellhaftes Projekt der Obersten Baubehörde zur Erarbeitung von
Methoden der Zusammenarbeit von öffentlichen und privaten Akteuren,
„lebenfindetinnenstadt“, 2006-2007

Forschungsprojekt des Bundesamts für Bau-, Stadt- und Raumforschung
im Rahmen des Forschungsvorhabens ExWoSt (Experimenteller Wohnungs- und
Städtebau) Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte
Stadtquartiere“, 2007-2009

Förderung der Baumaßnahme durch die Regierung von Oberbayern im
Rahmen von „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“

Auszeichnung Best Practice 2010, Projektbeispiel „Öffentlicher Raum“
im Vorhaben Nauen und Demographischer Wandel in Bayern, Oberste
Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern
 

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