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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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18.08.2010 - Ausgabe: 4/2010

Spielplatz mitten im Wald: Schaukel und Wippe waren gestern

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Auf einer Fläche von 3.214 Quadratmetern entstand auf dem Gelände der Waldspielplatz „Zwergengold“. Wippe und Schaukel waren gestern, für die LGS in Hemer wurden sagenhafte Spielgeräte der besonderen Art kreiert. Entwickelt wurde das „Zwergengold“-Konzept von dem Planungsbüro Geskes und Hack aus Berlin, Partner ist der Holzgestalter Jürgen Bergmann.
Die Landesgartenschau Hemer 2010 sprach mit den Landschaftsarchitekten Kristina Hack und Christof Geskes über den einmaligen Spielplatz mitten im Wald oberhalb der Skateanlage.

Warum trägt der Waldspielplatz den Namen „Zwergengold“?
Christof Geskes: Wir haben damit die alte Hemeraner Sage „Zwergengold“ aufgegriffen, die sich um die Anfänge der Eisenerzgewinnung im Felsenmeer rankt. In dem Geotop hat die erste Verhüttung von Eisenerz ihre Wiege – das ist ein wichtiges Kapitel für Hemer. Uns war es bei der Planung der Landesgartenschau Hemer wichtig, regionale Bezüge aufzunehmen.
Kristina Hack: Entsprechend ist der Spielplatz mit außergewöhnlichen Spielangeboten ausgestattet, die auf die Geschichte des Felsenmeeres Bezug nehmen. Das weit verzweigte Höhlensystem und die bizarren Felsformationen regen die Fantasie an und lassen Groß und Klein nach dem entschwundenen Zwergenvolk der Vorzeit hinter Felsvorsprüngen und alten Bäumen auf die Suche gehen.

Welche Art von Spielgeräten erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Kristina Hack: Das Zwergenvolk hat auf der Waldlichtung am Fuße des Jübergs eine richtiggehende Handwerkersiedlung zurückgelassen, wo Bergwerksbahn, Schmiede, Zwergenschule und Baumhaus darauf warten, von den kleinen Leuten wieder mit Leben erfüllt zu werden. Im Zentrum des Spielbereichs steht ein sieben Meter hoher Förderturm. Um in das Bergwerk zu gelangen, müssen die Kinder den Eingang durch den Riesensack finden, den bekletterbaren Drachenkopf überwinden und die gewundenen Tunnel hinter sich lassen. Zipfelmützendächer, Schaukelnester, Kletterpfade und Baumbrücken geben viele Anreize zur Bewegung in der Natur.
Christof Geskes: Das Zwergengold ist keine herkömmliche Spielfläche, die Kinder aus der Schule oder dem Kindergarten kennen. Wir hatten den Anspruch, dass auf der Landesgartenschau in Hemer ein Spielplatz entsteht, der in seiner Gestaltung in der Region einmalig ist.

Für welche Altersgruppe wurde dieses Konzept entwickelt – können sich auch Erwachsene hier austoben?
Kristina Hack: Zweijährige tapsen über den Waldboden, Fünfjährige erklimmen den Förderturm, Jugendliche haben Spaß auf der Urwald-Schaukel. Schwerpunktmäßig haben wir das Zwergengold für vier bis 13-Jährige entwickelt, aber der Waldspielplatz ist auch für jüngere und ältere Menschen geeignet.
Christof Geskes: Und ganz sicher haben auch Erwachsene ihren Spaß auf dem Waldspielplatz! Das haben auch die Erfahrungen im Freizeitpark Kulturinsel Einsiedel in der Nähe von Görlitz (Sachsen) gezeigt. Dort hat der künstlerische Holzgestalter Jürgen Bergmann einen einzigartigen Freizeitpark mit fantastischen Spielgeräten samt Baumhaus-Hotel aufgebaut. Ich war selbst schon mehrfach dort und kann bestätigen: Auch Erwachsene fühlen sich wahnsinnig wohl. Das wird im Zwergengold auch so sein. Eltern können das Zwergengold gemeinsam mit ihren Kindern entdecken, können an der Riesenthrontafel Platz nehmen – und fühlen sich an den überdimensionalen Tischen und Bänken wie Zwerge.

An welchen Spielgeräten hätten Sie früher großen Spaß gehabt?
Kristina Hack: Meine schönsten Kindheitserinnerungen sind nicht so sehr mit Spielplätzen verbunden. Schaukel, Wippe und Klettergerüst – das war das wenig reizvolle Standardprogramm der 70er Jahre. Ich habe am liebsten draußen gespielt, Staudämme und Hütten gebaut, Hölzer gesammelt. Spielen in der Natur – das können Kinder auch im Zwergengold. Ich denke, am meisten Spaß hätte ich auf dem Baumwipfelweg, der in vier Metern Höhe zwischen Bäumen und Stämmen angelegt wird.
Christof Geskes: Mein Favorit ist die Weltenschaukel. Sie sieht aus wie ein überdimensionaler Bienenkorb, in dem die ganze Familie Platz findet – eine tolle Schaukelerfahrung!

Stichwort Barrierefreiheit: Können auch Kinder mit individuellen Beeinträchtigungen hier spielen, und können Papa und Mama in Rollstühlen ihre Kinder zu den Spielgeräten begleiten?
Kristina Hack: Ja. Die Spielgeräte selbst sind zwar nicht speziell für Menschen mit Behinderungen konzipiert, aber sie sind alle mit dem Rollstuhl zu erreichen. Die Objekte sind über Rindenmulchwege verbunden und es gibt keine Stufen, Treppen oder andere Hindernisse, die überwunden werden müssen.

Gibt es Sitzgelegenheiten, Gastronomie und Sanitäranlagen in unmittelbarer Nähe des Spielplatzes?
Kristina Hack: Die klassische Parkbank gibt es nicht, das passt nicht zu einem Waldspielplatz. Ausruhen können sich Kinder und Erwachsene mitten im Geschehen: auf den Spielgeräten. Man kann auf Fässern und Kisten sitzen, es sich auf dem Thron bequem machen oder sich in der Zwergenschule ausruhen. Der nächste Gastronomie-Stützpunkt ist das Café Kaja am Sportplatz, wo sich auch Toiletten befinden. Ebenso wie vom Skate-Park ist das Café Kaja schnell zu Fuß zu erreichen.

 

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