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19.12.2014 - Ausgabe: 6/2014

Bewegungsfreundliche Schulhöfe – ein Markenzeichen für den Kreis Groß Gerau

Von Claudia Gust (SIK-Holz)

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Den Schulhof kennen die Älteren mitunter noch als einen Ort mit Bäumen, Sträuchern, Trampelpfaden zu versteckten Plätzen, einem angrenzenden Schulgarten und einem Sportplatz. Dies mag in den 1960er Jahren noch der Fall gewesen sein.

In den 1970er Jahren begann man zum Zwecke einer umfassenden Kontrolle des Pausengeschehens und der Sauberkeit im Schulgebäude, die Schulhöfe zu betonieren. Schließlich ist Natur schmutzig. So wurden Schulhöfe zu überschaubaren Kasernenhöfen. Herumrennen oder Herumstehen waren und sind an vielen Schulen die einzig möglichen Pausenaktivitäten. Asphalt- oder Pflasterböden bieten keinen speziellen Bewegungsanreiz und führen zu Rangeleien. Stress und Aggressivität nehmen zu. Es hat sich gezeigt, dass auf solchen Schulhöfen mehr Unfälle passieren. Um Unfälle zu vermeiden, wird die Aufsicht in den Pausen verstärkt, was wiederum eine bessere Übersichtlichkeit der Fläche erfordert.
Ein Teufelskreis!

Was ist zu tun? Der Teufelskreis, sprich die saubere, ordentliche, mitunter in hoher Qualität gepflasterte Fläche, muss buchstäblich aufgebrochen und für Schüler sowie Lehrer gleichermaßen attraktiv gestaltet werden. Dazu gehören vor allem Naturbereiche, sowie Bereiche für Bewegung, Kommunikation und Kreativität.
Das Wissen um diese Wechselwirkung zwischen der Gestaltung eines Schulhofes, dem Verhalten der Schüler bis hin zum Lernerfolg ist hinlänglich bekannt. Erfolgreiche Umgestaltungen zeigen sich immer dort, wo Politik, Verwaltung und privates Engagement zusammenarbeiten.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Kreis Groß-Gerau in Hessen. Die Umwandlung von monotonen Pausenhöfen in bewegungsfreundliche Schulhöfe ist hier seit dem Jahr 2009 zu einem Markenzeichen geworden. Zu den 4 Schulen, welche 2014 umgestaltet wurden, gehören die Pestalozzischule Büttelborn und die Grundschule in Dornheim. Zwei Schulen, die mit unterschiedlichen Konzepten ihren Schulhof teilweise oder komplett umgestaltet haben.

Die Schule in Dornheim ist eine kleine Grundschule mit 125 Schülern. Über einen Förderverein wurden 22 000 € gesammelt. Der Förderverein hatte selbst Sponsorengelder eingeworben, viele Sponsorenläufe, Kuchenbasare und ähnliches veranstaltet. Mit dem Geld wurde eine Bewegungslandschaft von SIK-Holz® für den Schulhof angeschafft. Die Kombination bietet viele verschiedene Balancier- und Klettermöglichkeiten, aber auch Podeste zum Ausruhen, Treffen und Beobachten. Die Auswahl der Geräte und die Projektkoordination übernahm der Förderverein, insbesondere die Vorsitzende, Frau Polensky, in Abstimmung mit SIK-Holz® Fachberaterinnen Nadine Menne und Ulrike Gebauer. Der Aufbau der Kombination ging mit dem regulären Schulbetrieb einher. So wurden die Pausen auch gleich zu einem anschaulichen Unterricht, indem die Monteure der Firma SIK-Holz® gern die vielen Fragen der Schüler beantworteten. „Die Spielgerätekombination passt perfekt zu unserem Schwerpunkt „Bewegte Schule – Schule in Bewegung“, so Schuldirektorin Kirsten Buss bei der Eröffnung.

Bei der Umgestaltung des Schulhofes in Büttelborn wurde etwas mehr Geld in die Hand genommen. Für die Grundschule mit 220 Kindern wurde hier eine Summe von 270 000 € auf dem Schulhof verbaut. Den eigentlichen Bauarbeiten war eine umfangreiche Planungsphase mit allen Beteiligten voraus gegangen. Durch die notwendige Überbauung einer Straße sowie von Parkplätzen zwischen Schule und Sporthalle war auch eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde notwendig. Die Sporthalle ist jetzt auf direktem Weg erreichbar. Der Schulhof ist öffentlich zugänglich und somit auch außerhalb der Unterrichtszeiten für die Gemeinde nutzbar. Ebenso wird er von dem angrenzenden Kindergarten mitbenutzt.

Das multifunktional nutzbare Gelände, das zwischen Schule, Kindergarten und Sporthalle anstelle der früheren Parkplätze entstanden ist, wurde von der Herren Cox und Reff vom Büro HKK Landschaftsarchitektur GmbH, Frankfurt/Main geplant. Es bietet viele Möglichkeiten zur Bewegung und Kommunikation. Büsche, Pflanzen und der vorhandene Baumbestand schaffen ein gutes Raumklima. Ein großes steinernes Atrium dient zum Sitzen in den Pausen und kann auch als „grünes Klassenzimmer“ genutzt werden. Zwei knallbunte Container dienen der Aufbewahrung von Spielen und transportablen Spielgeräten sowie Fahrrädern für das Fahrradtraining.

Größter Anziehungspunkt ist jedoch die von der Firma SIK-Holz® auf einer Fläche von ca. 35 x 15 m geplante und gebaute Bewegungslandschaft. In enger Zusammenarbeit mit dem Büro HKK Landschaftsarchitektur GmbH entwickelte SIK-Holz® Fachberaterin Ulrike Gebauer hier einen sehr abwechslungsreichen Balancier- und Kletterparcours, der etwa 50 – 70 Kindern Platz bietet. Immer wieder können die Kinder die Richtung auf diesem Parcours ändern und neue Spielkreisläufe bilden. Dabei wechseln sie ständig zwischen festen und beweglichen Elementen, was die Aufmerksamkeit und die Geschicklichkeit schult. Der Parcours steigt von 0 auf ca. 2,5 m an. Die einzelnen Stationen zu erreichen, erfordert Mut und Kraft, besonders wenn man sich hangelnd zwischen ihnen bewegen muss. Dazwischen laden Podeste und große Netze zum Chillen ein. Gestalterisch setzt sich der Parcours auch an den Zugängen zum Spielplatz, bzw. am Fahrradweg, fort. Hier wurden hohe, weithin sichtbare Robinienpfosten eingesetzt, die zur Temporeduzierung dienen und gleichzeitig auch eine Signalwirkung haben.

„Unsere Schulhöfe sollen die Kinder dazu ermuntern, sich in den Pausen zu bewegen und dabei spielerisch ihre motorischen Fähigkeiten zu entwickeln", betonte der Landrat Thomas Will vor Ort. Damit folge man einer Handlungsempfehlung des aktuellen Sportentwicklungsplans, die nach flächendeckenden Schulbausanierungen die Notwendigkeit einer Neugestaltung von extrem in Mitleidenschaft gezogener Schulhöfe aufgreift. Deshalb gestalte der Kreis Groß-Gerau nach und nach alle Schulhöfe nach diesem Prinzip der "Bewegungsfreundlichkeit" um. In Büttelborn sei nun bereits das 14. Projekt dieser Art umgesetzt worden – "und was hier entstanden ist, erfüllt die Anforderungen an einen bewegungsfreundlichen Schulhof in ganz besonderer Weise." (Quelle: Sport Info 80/2014)
Eine komplette Umgestaltung des Schulhofes wie in Büttelborn ist eher die Ausnahme. Die meisten Schulen müssen den Weg der kleinen Schritte gehen, wie die Schule in Dornheim. Entscheidend ist in jedem Fall, dass man ein Konzept für die Umgestaltung des Schulhofes hat, das die eingangs genannten Bereiche Natur, Bewegung, Kommunikation und Kreativität berücksichtigt.

Fotos: SIK Holz
 

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