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Aus alt mach neu!

Wie einer alten Dampflokomotive das Leben gerettet wurde

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„Schnaufi“, so heißt die über 100 Jahre alte Dampflokomotive, die seit 1971 auf dem Engelsberger Hof in Solingen steht und schon vielen Kindern mehrerer Generationen als Spielgerät diente. Ob beim Lokführerspielen im Innenraum oder beim Erklimmen des Schornsteins – nie über all die Jahre kam es zu ernsthaften Verletzungen. Trotzdem wuchs mit zunehmendem Sicherheitsbewusstsein das Bedenken seitens der Behörden, so dass 2004 die ersten Baumaßnahmen zur Vermeidung von Unfällen vorgenommen wurden. Durch das Anbringen eines Gitters wurde das Unterklettern unmöglich und das Erklimmen der Lok deutlich erschwert. Ende 2012 schien es dann ganz vorbei zu sein mit „Schnaufi“: Die Reklamationen des TÜV Rheinland waren so erheblich, dass die Bezirksvertretung ohne Gegenstimme beschloss, die Kletter-Lokomotive zu demontieren.

Die Reaktion innerhalb der Bevölkerung ließ nicht lange auf sich warten und es entstand in kürzester Zeit eine Welle der Empörung. Die Bürgerinitiative „Rettet Schnaufi“ formierte sich im Internet zu einer Facebook-Gruppe, die schnell mehr als 1000 Mitglieder zu verzeichnen hatte. Von nun an galt es in enger Kooperation mit der Stadt Solingen doch noch eine Lösung zu finden, um Schnaufi „am Leben zu halten“.

Eine entscheidende Weiche auf dem Weg zur Rettung der Lokomotive wurde schließlich durch die Kontaktaufnahme zur Berliner Seilfabrik gestellt. Paul Hollmann von der Tapper & Hollmann GmbH war sich sicher: „Wenn einer helfen kann Schnaufi zu retten, dann die Berliner!“, die in der Branche dafür bekannt sind, individuelle und kreative Spielgeräte-Lösungen zu präsentieren.

Die Techniker der Berliner Seilfabrik begannen „zu sprudeln, um Möglichkeiten zu finden, die Einhaltung der Vorgaben nach Spielgeräte-Norm DIN EN 1176 sicherzustellen“, berichtet Klaus Muth, technischer Leiter der Berliner. „Die besondere Herausforderung bestand darin, die Fallhöhe um und auf der Lok zu minimieren, jedoch gleichzeitig die Attraktivität der Lok als Kletter-Spielgerät zu erhalten“, fasst Michael Ernst, Leiter der Fertigungsvorbereitung die Sachlage zusammen. Da es sich bei einer Lokomotive nicht in erster Linie um ein Spielgerät handelt, kam erschwerend hinzu, dass keinerlei technische Zeichnungen vorlagen. In mehreren Durchgängen musste also Aufmaß genommen werden, um am Ende ein detailliertes Bild der Lok zu erhalten.

Die Lösung lag schließlich in einer Netzlandschaft aus diversen Netzen in horizontaler, vertikaler und schräger Ausrichtung mit unterschiedlichen Maschenweiten. Um die Netze an der Lok befestigen zu können, wurden die dafür notwendigen Schraublaschen in den Abständen der jeweiligen Maschenweite auf einen Stahlstreifen geschweißt, der wiederum an der Außenseite der Lok befestigt wurde. Das Aufspannen der Netze erfolgte durch die Verankerung von 12 Stahlpfosten im Boden um die Lokomotive herum. An diesen wurden die Ecken der Netzaußenseiten mit Hilfe von höhen- und lageverstellbaren Aluminiumschellen befestigt, so dass das Nachspannen der Netze jederzeit möglich ist.

Der Umstand, dass solch eine Spezialanfertigung mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist, hielt die Solinger nicht davon ab, Schnaufi zu retten. Während die Hälfte der Kosten durch die Stadt übernommen wurde, schaffte es die Initiative „Rettet Schnaufi“ durch Spendenaufrufe und mehrere Soli-Veranstaltungen auf dem Engelsberger Hof den anderen Teil der Summe aufzubringen.   

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Nachdem der TÜV Rheinland sein OK gegeben hatte war klar: Aus der über hundert Jahre alten Lokomotive Schnaufi war ein Spielgerät entstanden, das modernsten Sicherheitsanforderungen entspricht. Auch der Auftraggeber war zufrieden: "Was mir gut gefällt, sind vor allem zwei Sachen", sagt Artur Pach von der Stadt: "Erstens, dass die Lokomotive als Alleinstellungsmerkmal des Engelsberger Hofs erhalten werden konnte und zweitens dass nun neue Spielfunktionen hinzugekommen sind, während die Lok in ihrer Form bestehen geblieben ist".

Durch eine höchst individuelle Maßanfertigung der Berliner Seilfabrik konnte der Lokomotive „Schnaufi“ das Leben gerettet werden.

 

Foto: Berliner Seilfabrik

 

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