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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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18.04.2017 - Ausgabe: 2/2017

Klettern wie im Pfälzer Wald

Von Elke Ukas (Elke Ukas Landschaftsarchitekten bdla, Karlsruhe)

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Das rheinland-pfälzische Deidesheim mit seinen 3500 Einwohnern war eine der Gewinnergemeinden, die 2015 eine der 18 „alla hopp!“ Bewegungs- und Begegnungsanlagen in der Rhein-Neckar-Metropolregion von der Dietmar Hopp Stiftung erhalten haben. Die Stiftung des SAP-Mitbegründers folgte mit dieser Schenkung ihrem Grundsatz: Beweglichkeit, Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung im Alltag für alle. Wir als planendes Büro freuten uns über diese Herausforderung.

Die sanften Hügel und Rebhänge der Pfälzer Weinlandschaft und die Sandsteinfelsen des Pfälzer Waldes waren die Leitmotive des Gesamtentwurfes. Als erste Stadt in Rheinland-Pfalz wurde Deidesheim 2009 zur „cittaslow“ erhoben. Deidesheim wirbt mit dem Slogan „eine der weltweiten Gemeinden und Städte zu sein, die versuchen, den Zeitgeist für sich zu interpretieren und gleichzeitig den individuellen Charakter in ihrer Gemeinde zu bewahren“.

Im Lichte der „Langsamkeit“, des Genusses und der Gesundheit entstand im Planungsprozess ein neuer Weinhang, der in Schneckenform und im Schneckentempo erkundet werden kann. Aber nicht nur im Laufen, sondern im Ausprobieren von 17 den Weg begleitenden Übungs- und Fitnessgeräten für „Jedermann“ führt er auf einen kleinen Aussichtspunkt mit Sandsteinquadern als Sitzplateau – Baumelbänke mit 90 cm Sitzhöhe nach dem Sport inbegriffen.

Die Anlage besteht aus drei Modulen, die Grundpfeiler jeder alla hopp! Modul 1 ist ein Bewegungsparcour für „Jedermann“, Modul 2 für Kleinkinder und Modul 3 für Schulkinder. Die Deidesheimer Bürger -  Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren - konnten in mehreren Workshops ihre Bedürfnisse, Ideen und Wünsche mit einbringen. Die Jugendlichen haben sich für ein zusätzliches Modul 4 zum Chillen, Treffen, Skaten und Rollern entschieden. So ist eine multifunktionale urbane Fläche südlich des neuen Jugendhauses neben den anderen naturnah gestalteten Bereichen entstanden. Der Neubau des Jugendhauses auf Kosten der Gemeinde ist ein weiterer Synergieeffekt auf der Anlage.

Alles in allem stehen für große und kleine Besucher heute auf einem ehemaligen Sportplatz rund 7500 m² für Begegnungen und Bewegungen zur Verfügung.

Eine große Felswand mit einer Länge von 45 Metern stützt den neuen nach Süden geneigten Weinhang. Dort im Bereich von Modul 3, im naturnahen Spiel- und Bewegungsraum für Schulkinder, auf der Nord- und Ostseite dieser Felswand klettern Kinder und Erwachsene auf bis zu vier Meter Höhe nach unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.

Im niederschwelligen Bereich ist der letzte Haltefußpunkt bei knapp unter 3.0 m Höhe gesetzt, um die Fallhöhen gemäß DIN/EN 1176 einzuhalten. In Teilabschnitten ist die Wand für geübtere Kletterer ohne formale Griffe gestaltet. Ein Betonkünstler formte mit Spritzpistole und Spritzbeton eine Stahlbetonunterkonstruktion anschließend so aus, als wäre es ein Kletterfelsen aus der Natur. Ein Spezialist für Kletteranlagen setzte die Klettergriffe in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Klein und Groß kann hier klettern wie in der freien Natur, also wie im nahen Pfälzer Wald mit seinen berühmten Kletterregionen.

Natürlich dürfen und können die ganz Kleinen (noch) nicht in die senkrechte Wand oder in den Kamin klettern. Die Gestaltung und Bearbeitung der Wand, die sich optisch als Sandsteinwand präsentiert, lässt das Klettern für sie aufgrund der Einstiegshöhen über 60 cm dort nicht zu. Den Einstieg und Aufstieg muss man sich zutrauen. Kinder sollen Grenzen erfahren und neu ausloten. Sie sollen sich der Herausforderung bewusst sein. Mit der Herausforderung entwickeln sie neue Fähigkeiten. Die Leiter und Mitarbeiter des Jugendhauses in Deidesheim - selbst ausgebildete Kletterer - können dort praktische Übungen mit Kindern und Jugendlichen veranstalten.

Die Kletterwand ist aber auch Mittel zum Zweck, um eine Stein- Holz- und Seillandschaft mit ihr zu verbinden. Über Hinkelsteine und Holzstege, über eine Wendeltreppe in der Felswand und über seitliche Zugänge wird der neue Pfälzer Felsen auf allen Ebenen bespielt und beklettert. Durch den Felsen zurück wird gerutscht, wer möchte kann sich auf der Aussichtsplattform im Herbst mit Weintrauben versorgen. Der Weinhang wird von weinkundigen Bürgern der Gemeinde mit Sachverstand gepflegt.

Der „Bewegungsparcours für Jedermann“ als Modul 1 verschmilzt dort oben mit der Bewegungslandschaft auf und um den Felsen des Moduls 3.

Dieser Parcours für alle Generationen enthält ausgewählte Geräte zur Erhaltung und zur Stärkung der Beweglichkeit, der Koordination, der Ausdauer und Kraft. Die 17 Sport- und Bewegungsgeräte wurden in der Auswahl und Abfolge nach sportwissenschaftlichen Gesichtspunkten zusammengestellt. Die Elemente reihen sich entlang der Spazier- und Übungsstrecke im Schneckengang zum Aussichtshügel. Hügel und Pflanzungen aus Weinreben, Gräsern und Großsträuchern bieten zugleich etwas Sichtschutz für die Fitnessbegeisterten.

Auf Schildern werden die Übungen und Bewegungsabläufe an den Geräten beschrieben. Wirbelsäule, Arme, Beine, Schultern, Rumpf oder Becken können trainiert werden, um den gesamten Bewegungsapparat fit und beweglich zu halten. Der Belag unter den Geräten besteht aus einer wassergebundenen Decke, in Teilbereiche aus Fallschutzkies.

An die zentrale Liege- und Spielwiese mit 6.0 m hohen Mikado-Kletterstäben und großkronigen Laubäumen und wenigen Kiefern grenzt auch der Kleinkinderbereich.

Modul 2, „Kinderspielplatz für die Jüngsten – bei jedem Wetter“. Er soll vor allem der Sinneswahrnehmung für Kinder bis zum Alter von knapp sechs Jahren dienen. Eine kleine modellierte Landschaft mit Sandflächen, Wasserspiel, Kletterhölzern, Kunststoffbelägen, und Baumstämmen regt die Kleinen zum kreativen Spielen, Bewegen und Entdecken an. Ein dies alles verbindender Kunststoffbelag (EPDM) wird zum hügeligen Parcour zum Laufen und für kleine Spielfahrzeuge.

Ein dreiseitig offener Pavillon mit Sitzgelegenheiten bietet Spielmöglichkeiten bei jedem Wetter. Die unterschiedlichen Spielelemente und Beläge ziehen sich durch den Pavillon hindurch. Der Matschbereich mit Wasserpumpe ist dort im Sommer der größte Anziehungspunkt für die Kleinen. Die Deidesheimer Kindertagesstätten waren in den Planungsprozess mit eingebunden. Die gegenüberliegende Kindertagesstätte genießt nun im Besonderen diesen zusätzlichen Außenraum.

Die sogenannte „Urbane Landschaft“ ist ein zusätzlich gewünschter Platz von und für die Jugendlichen auf einer Fläche von ca. 400 m². Betonelemente dienen gleichsam dem Sitzen wie dem Skaten, Biken und Rollern. Die Anforderungen sind auch für die kleinsten Mobilen unter den Kids geeignet, da es unterschiedliche Schwierigkeiten gibt. Der Treffpunkt vor dem Jugendhaus hat einen geglätteten Betonbelag, der zwischen allen Senken und Höhen durchgehend erstellt ist.

Daneben wird unter einem neuen Platanendach auf dem kleinen Auftaktplatz im Norden Boule gespielt. Ein Familienkarussell mit barrierefreiem Einstieg, Sitzbänke und ein gelber Sonnenschirm markieren den Zugang zur Anlage.

Aufgrund zweier angrenzender Ortsstraßen und einem angrenzenden Naturschutzgebiet im Süden ist die Anlage an zwei Seiten eingezäunt. Sie ist unentgeltlich und für jedermann jederzeit frei nutzbar. Wenn dann noch das Jugendhaus im Sommer eröffnet und die Schüler eines Tages ihr eigenes Café betreiben können, hat die Gemeinde Deidesheim ein wahres sportliches Highlight bekommen - die Begegnung für alle mit viel Freude an der Bewegung eingeschlossen.

 

Foto: copyright Büro Elke Ukas

 

Weitere Informationen:

Bauherr: Dietmar Hopp Stiftung
Alla hopp! Anlage:
Elke Ukas Landschaftsarchitekten bdla

Planungs- und Bauzeit August 2014 bis Oktober 2015

Kosten 2,1 Mio € brutto

Pavillons: Vorfelder Architekten- und

 

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