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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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18.08.2019 - Ausgabe: 4/2019

Abenteuerlicher Spielspaß zwischen Ruinenmauern

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Kinder brauchen Raum zum Spielen, Orte, die ihre Fantasie in Gang bringen und an denen sie ihre motorischen und kognitiven Fähigkeiten trainieren können – eine Forderung, die nicht immer einfach umzusetzen ist, vor allem in Zeiten der Nachverdichtung im urbanen Raum. Dass für die Realisierung eines Spielplatzes nicht immer gleich eine der oft spärlich vorhandenen Grünflächen notwendig ist, beweist die Schweizer Großstadt Basel. Dort ließ man einer ca. 150 Jahre alten Ruine einen aufregenden Niederseilgarten erstellen. Hier wird unter Einhaltung aller sicherheitstechnischen Anforderungen der kindliche Reiz des Spielens in alten Gemäuern mit einem modernen, farbenfrohen Angebot an vielseitigen Kletter- und Balancierelementen kombiniert.

Bei der Ruine in der Hochstraße im Basler Stadtteil Gundeldingen handelt es sich um das ehemalige Verwaltungsgebäude eines Bauunternehmens. „Im Rahmen der Siedlungsentwicklung des ‚Gundeldinger-Quartiers' entstand das Gebäude zwischen 1860 und 1875“, ist von der Stadt Basel zu erfahren. Nach dem Umzug des Bauunternehmens an einen größeren Standort, wurde das Gelände in der Hochstraße zum Gemeindegut und zur Grünanlagenzone. Heute ist das Areal dicht besiedelt, die Ruine ist umgeben von Hochhäusern, Siedlungshäusern und Tram-Linien.

Bereits in den 1980er Jahren entstand der erste Abenteuer-Spielplatz in der Ruine in der Hochstraße, 2005 wurde dieser umgestaltet, nachdem die Kinder einer Basler Primarschule und eines Tagesheims nahe dem Areal ihre Ideen und Wünsche für eine Neugestaltung eingebracht hatten. Vor zwei Jahren beschloss man eine Neugestaltung durch den Spielgerätehersteller Ernst Maier Spielplatzgeräte GmbH. Wieder wurde die Idee eines Niederseilgartens umgesetzt und neu interpretiert. Dessen Elemente sind vor allem für Kinder ab fünf Jahren geeignet.

„Wir hatten einen hohen Anspruch an die Umsetzung der Sicherheitsnormen, wollten aber gleichzeitig maximalen Spielwert“, heißt es von Seiten der Stadt Basel. „Zudem benötigten wir ein hohes Maß an Flexibilität in der Gestaltung aufgrund bereits vorgegebener Parameter der Ruine und vorhandener Podeste.“ Vom Erstellen des Aufmaßes und der Planzeichnung bis hin zur Produktion und Montage der Elemente war man bei diesem Projekt mit besonders hohen Ansprüchen an Genauigkeit konfrontiert, da das Areal innerhalb der Ruinenmauern durchweg schiefwinklige Flächen aufwies.

Beim Spielgerätehersteller entstand zunächst eine Handskizze, in der man Balancier- und Kletterelemente in das von Mauern umgebene Areal einpasste und die bereits vorhandenen Podeste zu einem abwechslungsreichen Niederseilgarten verband. In der Handskizze ebenfalls bedacht sind die Graffitis an den Mauern der Ruine, auf deren Erhalt die Stadt Basel Wert legte. Durch die farbenfrohe Wandbemalung entstand die Farbgebung für die Metallstandpfosten des Niederseilgartens. „Inspiriert durch die Graffitis erhielten die schräg gestellten Standpfosten leuchtende Farbtöne“, so Roland Koenig, zuständiger Produktentwickler der Ernst Maier Spielplatzgeräte GmbH. Sie bilden von der Hochstraße aus gesehen einen passenden Kontrast zu den grauen Außenmauern und den schwarzen Schutzgittern der Ruine.

Seit der Realisierung des Niederseilgartens im Jahr 2017 erfreut sich der außergewöhnliche Spielplatz großer Beliebtheit bei Familien mit Kindern unterschiedlicher Altersgruppen. „Die Resonanz auf den Niederseilgarten ist sehr gut“, bestätigt auch die Stadt Basel. Zwischen den bereits vorhandenen Podesten und Plattformen sowie neu installierten 3-Eck-Podesten bilden viele verschiedene Überstiege Bewegungsherausforderungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. So wurden jüngere Kinder mit Balancierbalken und Steigstamm bedacht, wohingegen Überstiege wie Tellerbrücke, Manilataubrücke oder der Balancierüberstieg mit fünf Auftritten auf unterschiedlichen Höhen die motorischen Fähigkeiten älterer Kinder schulen sollen. Kletternetze runden das Bewegungsangebot im Ruineninneren ab.

Ein besonderes Highlight dürfte auch der Einstieg in die Ruine sein. Auf einer Seite des ehemaligen Verwaltungsgebäudes gelangt man über eine Rundbogenrampe auf einer Höhe von ca. 186 cm durch eine Türöffnung in das Ruineninnere. Eine Röhrenrutsche auf selber Höhe führt zudem wieder hinaus. Auf der anderen Seite des Gebäudes hingegen ist der Niederseilgarten eben zugänglich.

Das Schweizer Beispiel in der Basler Hochstraße zeigt, dass es nicht immer eine Grünfläche sein muss, um Kindern Raum zum Spielen zu schaffen. Mit Kreativität und Glauben an die Umsetzbarkeit lässt sich sogar eine Ruine – die sicherlich bereits ein beliebter Ort für Kinder zum Spielen war, als es noch nicht so viele Spielplätze gab – in einen modernen Spielplatz mit höchstem Sicherheitsanspruch und dennoch mit viel Raum für Fantasie, Abenteuer und Bewegung verwandeln.

 

Foto: Ernst Maier Spielplatzgeräte GmbH

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(Erster Beitrag erschienen in der Playground and Landscape Ausgabe 4 / 2019).