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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Mit der Rakete bis zur Milchstraße: „Ferne Galaxien“ im Berliner Wedding

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„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung fünf Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ Mit diesen spannenden Worten begann jede Folge einer der legendärsten Fernsehserien aller Zeiten. Nicht minder spannend aber ist es, wenn die Reise zu fernen Galaxien das Motto einer Spielplatzumgestaltung wird, mitten im Berliner Wedding in einer Baulücke.

Trotz aller wachsenden Begehrlichkeiten nach städtischem Bauland ist nicht jede Baulücke gleich automatisch für eine Bebauung oder Nachverdichtung geeignet. Vielmehr geht es auch darum, städtebauliche Qualitäten zu bewahren und zu fördern. Während auf der einen Seite der Erhalt von Flächen mit besonderen Freiraumfunktionen wie Parks und Grünflächen gewährleistet wird, kann auf der anderen Seite die bauliche Nutzung zur Stärkung der vorhandenen Strukturen sowie zur Qualität des Stadt- bzw. Ortsbildes beitragen. Im vorliegenden Fall jedenfalls ging es darum, einem alten und deshalb schlecht genutzten Spielplatz neues Leben einzuhauchen.

Spielplätze sind ja eigentlich Nebenprodukte der industrialisierten Stadt des 20. Jahrhunderts, auf dem Land oder Dorf brauchte man sie nicht wirklich. Gerade im Berliner Wedding, einem traditionellen Arbeiterviertel, waren die Wohn- und Lebensverhältnisse seit je her etwas beengter. Erst die Enge der Wohnverhältnisse und die Tatsache, dass viele Arbeiterkinder tagsüber unbeaufsichtigt waren, machte Rückzugsräume notwendig.

Dass man nun Spielplätze baute, zeigt, dass den Kindern ihre eigentlichen Spielräume zunehmend abhandengekommen sind, denn Kinder besitzen doch die Gabe, sich jede Umgebung für das Spiel anzueignen.

Die Planerinnen vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro Dagmar Gast haben ihr Konzept  mit dem Gestaltungsthema „Ferne Galaxien“ verknüpft. Benachbarte Kitas wurden in die Planungen mit einbezogen. Danach sollte das Herzstück des neuen Spielplatzes eine Rakete sein, mit der kleine Astronauten zu Entdeckungstouren starten können. Die vorhandene Flächenaufteilung, wie die befestigten Flächen und der Sandspielbereich, mussten erhalten bleiben. Damit war die räumliche Einteilung festgelegt und Grundlage der Aufwertung.

Von der Ausstattung des abgängigen Bestandsspielplatz sollte nicht mehr übrigbleiben als die Anbaurutsche der ehemaligen Kletterkombination. Weiterhin waren eine thematisch passende Bank-Tisch-Kombination (in Gestalt einer Raumkapsel) sowie eine „Milchstraße“, welche als Holzsteg alles miteinander verbindet, gewünscht. Aber ebenso wie bei der echten Milchstraße sollte dieser Steg nicht bloß eine ebene Fläche sein. Die Krümmung des Raumes wurde schließlich berücksichtigt in Gestalt leichter Schrägen und Wellen.

Die Spielplatzgestalter und -erbauer von merry go round haben das Konzept aufgenommen und schließlich fantasievoll wie detailreich interpretiert und umgesetzt mitsamt der Rakete, aber auch Meteoriten, einem kleinen Ufo und sogar einem außerirdischen Mitspieler. Diese einzigartige Inszenierung sendet positive Signale aus, fordert auf und stiftet Identität mit dem Wohnumfeld. Das Kinderspiel erhält über die liebevolle Darstellung der Spielinhalte eine augenfällige Bedeutung im Stadtbild.

Früher hätte man solche Plätze einfach mit Rutsche, Schaukel und andern Spielmöbeln ausgestattet, das war eben im wahrsten Sinne des Wortes Standard. Mit dem Auftauchen des „krummen Holzes“ wurden anfangs belächelt, dann aber immer mehr zunehmend die Voraussetzungen dafür geschaffen, individuell, kreativ und, wo immer sinnvoll, auch thematisch zu arbeiten.

Ein thematisches Konzept kann der rote Faden bzw. die Leitidee sein, sollte aber zugleich offen bleiben für die eigene Fantasie der Benutzer und Betrachter. Eine vorgefertigte Spielschablone für „nur das eine Thema“ würde dagegen schnell langweilig.

Der Galaxienspielplatz fügt sich jedoch in keine Schablone. Selbst in der Enge des Raumes ist an diesem kleinen Spielort eine gewisse Weite entstanden, man kann sich an diesem Ort sogar verirren, obwohl man sich ständig selbst über den Weg läuft. Es ist ein Ort, der einen treibt und zieht und zum Perspektivwechsel bewegt, schon der kurvenreichen und geschwungenen Pfade wegen. Nichts scheint hier fest gefügt, alles drängt zur Veränderung und zur Bewegung.

Foto: merry go round oHG

 

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