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Internationales Fachmagazin für Spiel-, Sport- und Freizeitanlagen

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Ein Sportring zum Bewegen und Durchatmen für Heilbronn

Von Laura Vahl, Lavaland GmbH

Photo
© Lavaland GmbH

Als Teilprojekt der BUGA 2019 in Heilbronn wurde das Büro Lavaland mit der Gestaltung und Planung eines Sport- und Aufenthaltsortes im historischen Campuspark beauftragt. 

Während der Laufzeit der BUGA dient der Sportring als Schaugarten, nach der BUGA wird er als öffentlicher Trainingsort für die Studierenden des benachbarten Universitätscampus und der Öffentlichkeit dienen. In den Sportpunkt wurde eine Gradierwerkanlage integriert, welche nach der Bundesgartenschau ebenfalls als öffentlicher Ort zur Verfügung stehen wird.

Der Entwurfsidee zum Sportring lag ein Zitat von Rainer Maria Rilke (1899) zugrunde: „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.“ 

In den historischen Campuspark mit beeindruckendem Baumbestand fügt sich ein grafisch gestalteter Ring aus EPDM ein, dessen dynamische und eigenständige Form durch einen Gradienten von schwarzem zu weißem Belag betont wird. Im Spannungsfeld zwischen Universitätscampus, Sportort und Gradierwerkanlage ist die Ausgestaltung des Rings konzeptionell geknüpft an die verbindenden Assoziationen „Gradieren – Graduieren – Gradient“. Der Ring sollte zwar eigenständig wirken, jedoch gleichzeitig auch leicht und zurückhaltend genug, um den Charakter der historischen Parkanlage noch zu betonen. 

Gestalterisch ist der Ring die Basis für die Anordnung verschiedener räumlicher „Volumen“, die jeweils unterschiedliche Nutzungsangebote enthalten. Das vielfältige Sportangebot zur Förderung der Aktivität wird räumlich durch drei Gradierwerke ergänzt, die in Kombination mit individuell gestalteten Sitzmöbeln einen Ort zum Durchatmen und Verweilen schaffen. Es entsteht ein Ort, an dem sich alle gleichwertig sportlich betätigen und unmittelbar auch Ruhephasen wahrnehmen können.

Alle räumlichen Volumen, sowohl die Sportelemente als auch die Gradierwerke wurden formal in die Radien des Rings eingefügt. In der Planung galt es, die Konstruktion der Sportgeräte so zu detaillieren, dass alle Details den Schwüngen des Rings folgen. Durch das Nachverfolgen der Radien sind alle Elemente individuell entworfen worden. Auch die Gestaltungslinien des neu gestalteten Mobiliars folgen den geschwungenen Linien des Gradierrings. So fügen sich alle Elemente zu einem zusammenhängenden Ganzen.

Der Sportbereich dient als Angebot für alle Altersgruppen und ist komplett barrierefrei gestaltet. Es galt die Sportangebote so zu koordinieren, dass sowohl der leichte Zugang für Anfänger als auch die Nutzung durch fortgeschrittene Sportler möglich sind. Unter Beteiligung von professionellen Sportlern wurden unter anderem verschiedene Barren, Stangen und Hangelstrecken vorgesehen, die das Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht möglich machen. Auch freie Bereiche sind vorgehalten worden, um eigenständige Übungen ohne Geräte zu ermöglichen. Alle Übungen werden an den Geräten durch Infotafeln erklärt. 

Das Gradierwerk ist in drei Volumen aufgeteilt, um größtmögliche räumliche Wirkung zu erreichen. Trotz der vergleichsweisen kleinen Ausmaße des Gradierwerks wird so eine effektive Nutzbarkeit für die Besucher erreicht. Die Schichtung des Schwarzdorns in den Volumen des Gradierwerks lässt die Luft zwischen dem Reisig zirkulieren und fördert die Verdunstung und Zerstäubung der Sole, die stetig vom Dach des Gradierwerks durch die Zweige tröpfelt. Durch diesen Prozess lösen sich kleinste Bestandteile aus der Sole, die das Aerosol mit seinen mineralischen Wirkstoffen bilden. Durch die Verdunstung des Wassers erhöht sich der Konzentrationsgehalt des Salzes (Gradierprozess). Das Gradierwerk kommt mit wenigen Materialien aus. Der Hauptbestandteil der Konstruktion besteht aus Schwarzdorn, Prunus spinosa. Durch seine schwarze Rinde und die lagenweise Bündelung in einer Holzkonstruktion aus Lärche und Eiche ist das Gradierwerk schon aus der Ferne erkennbar. Mit vermehrter Kristallisation des Salzes verwandelt sich das Erscheinungsbild zu Weiß. Der Sportring wird durch eine leichte, neu gestaltete topografische Modellierungen in den historischen Landschaftspark eingebettet. Diese werden unterstützt durch Gräser- und Staudenpflanzungen, die den Sportring fassen. Hierbei galt es eine Auswahl von robusten Pflanzen auszuwählen, die dem Standort im schattigen Bestandspark gerecht werden. 

Die Rezeption der in Betrieb genommenen Anlage ist positiv. Verschiedene öffentliche Sportkurse im Sportring wurden in das Programm der BUGA aufgenommen und sind regelmäßig gut besucht. 

Durch die individuelle Gestaltung der Anlage ist es gelungen, die zwei sehr unterschiedlichen Anforderungen von Calisthenicsanlage und Gradierwerk zu kombinieren. Hierdurch entstand ein harmonischer Ort, der sich in den Kontext ruhig, aber eigenständig einbettet.

 

Informationen:

Größe: 600 m²

Planung: Lavaland GmbH, Laura Vahl, Berlin

Örtliche Bauaufsicht: Steinbach Landschaftsarchitekten, Öhringen

Ausführung Sportpunkt: Fichter, Garten- und Landschaftsbau GmbH, Magdala

Ausführung Gradierwerk: Weise und Partner, Gestaltung für Spa und Wellness, Bad Berka

Auftraggeber: BUGA Heilbronn 2019 GmbH

Projektstand: fertiggestellt

Baufertigstellung: April 2019

 

Mehr Informationen:

Lavaland GmbH

Kottbusser Damm 74

10967 Berlin 

Tel.: + 49 (0) 30 62901220

Web: www.lavaland.de

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